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Tech-Review.de

  • Dienstag, 29. September 2020
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Xigmatek Aegir

Xigmatek Aegir: Kleiner Riese

Einleitung

Welche Namen fallen zum Stichwort "leistungsstarker CPU-Kühler"? Thermalright, Noctua - Urgesteine der Branche - , Scythe, vielleicht auch Prolimatech. Xigmatek rechnet man gemeinhin trotz einiger vielversprechender Produkte wie den "Thors Hammer" nicht dazu. Kein Grund, aufzugeben: Mit dem Aegir soll wieder ein Modell der gehobenen Leistungsklasse angeboten werden und das trotz eines moderaten Preises.

Xigmatek baut laut eigener Aussage nur "beeindruckende" Produkte, die sich auf das "wesentliche" konzentrieren. Zumindest der Name verspricht viel: Aegir nimmt, wie die meisten Produktbezeichnungen des Herstellers, Bezug auf die nordische Mythologie: Es handelt sich um den Riesen der Meere und des Bieres. Ob das nun gute, kühle Leistung verspricht oder nur betrunken erträglich ist, haben wir auf den folgenden Seiten dargelegt.

Technische Daten und Lieferumfang

Das Modell SD128264 wird in einer grauen Packung geliefert, die dank eines Sichtfensters einen Blick auf den Inhalt gewährt. Ein Muskelprotz mit blinkendem Dreizack dient der wenig subtilen Untermalung der Produktbezeichnung. Was eine im Manga-Stil gemalte Figur aber mit nordischer Mythologie zu tun hat, bleibt Xigmatek uns schuldig. Nach dem Öffnen der Packung kommen eine Garantiekarte, eine Einbauanleitung und das Montagezubehör zum Vorschein. Neben einer universellen Backplate liegt Material für alle aktuellen Intel- und AMD-Sockel bei, dazu gibt's eine kleine Tube Wärmeleitpaste. Leider sind alle Teile exakt abgezählt, was gerade bei den nötigen Unterlegscheiben ärgerlich ist. Derart kleine Teile gehen gerne verloren, wenn man nicht höllisch aufpasst. Lediglich bei den Gummientkopplern für den Lüfter gibt sich Xigmatek großzügig - hier liegen gleich zwei Sätze für ein optionales, zweites Exemplar bei.

Der Kühler selbst beeindruckt zunächst durch seine kompakten Abmaße. Verdammt klein, der Riese! Selbst mit Lüfter wird bei unserem X58-Mainboard nicht ein einziger RAM-Slot überbaut. Nur in der Höhe beleibt man bei bewährten 160 Millimetern. Optisch gibt sich der Nordmann konservativ: Keine Schnörkel, keine Wunder versprechenden Designelemente, zumindest an den Finnen. Die sind immerhin durch Haken miteinander verbunden und so gegen ungewolltes Verbiegen gesichert. Optische Goodies sucht man jedoch vergebens: Weder sind die Lamellen auf Hochglanz poliert wie etwa bei Prolimatech, noch die Enden der Heatpipes nachbearbeitet - sie präsentieren sich, wie Gott sie schuf, rau wie die See.

Der Kühlerboden erweist sich da als wesentlich interessanter. Zum einen aufgrund der "HDT", d.h. Heatpipe-Direct-Touch-Technolgie, bei der besagte Wärmeröhren direkt auf der CPU aufliegen und nicht in Metall eingelassen sind. Das soll durch direkte Wärmeabgabe die Leistung ordentlich verbessern. Praktisch besticht das Verfahren eher durch niedrigere Herstellungs- und Materialkosten. Um weitere Leistung zu gewinnen, sind die Heatpipes in zwei Lagen angeordnet. Die untere besteht aus je zwei Exemplaren mit acht bzw. sechs Millimeter Durchmesser, die obere fügt zwei weitere mit ebenfalls sechs Millimeter Durchmesser hinzu. Damit soll trotz gleichbleibender Auflagefläche natürlich die Leistung steigen, vorrangig bei Prozessoren mit hohem Energiebedarf. Bei sparsamen Modellen dürfte die Abwärme der CPU nicht ausreichen, um die obere Lagen ebenfalls zu erwärmen.

Die praktische Lüfterentkopplung wird einfach an den Seiten des Kühlers eingehakt und der Lüfter anschließend daran aufgehängt - funktioniert ganz klassisch und schluckt die durch den Lüfter erzeugten Vibrationen recht ordentlich.

Kompatible Sockel (Stand August 2020):

  • Intel Sockel: 775, 1150, 1151, 1155, 1156, 1200, 1366
  • AMD Sockel: AM2, AM2+, AM3, AM3+, FM1, FM2, FM2+

Der Lüfter selbst ist im Prinzip ein Modell aus der eigenen "Blackline"-Serie mit weißen LEDs. Die beigefügte Variante dreht allerdings mit maximal 2200 rpm deutlich schneller als ihre Retail-Geschwister. Dank des PWM-Anschlusses lässt sich die Geschwindigkeit einfach über das Mainboard regeln, minimal gibt Xigmatek 1000 rpm an. Auf Sleeve muss man wiederum verzichten, der Aegir ist rau und schnörkellos - wie der namensgebende Riese. Das Lager des Ventilators ist nicht ganz perfekt und neigt ein wenig zum klackern. Sauberer Lauf geht anders. Das kommt zum Glück nur bei hohen Drehzahlen zum Tragen, die man aus anderen Gründen ohnehin nicht wählen möchte. Da es den Lüfter nicht einzeln zu kaufen gibt, muss man beim Dual-Fan Betrieb ein ähnliches Modell nutzen - Xigmatek bietet ein eine Variante mit 1500 rpm und 3-Pin Anschluss an, den "XLF-F1254" - oder gleich zwei andere Exemplare kaufen. Der "XLF-F1254" wird übrigens wie das beim Aegir verwendete, augenscheinlich identische Modell mit 20 dB(A) Lautstärke angegeben. Zauberei!

Das Testsystem

Unser Testsystem nimmt in einem Lian-Li PC60FN Gehäuse Platz. Gegenüber einem offenen Testaufbau erhalten wir so praxisnahe Ergebnisse, auch wenn durch die Vielfalt an Komponenten und Konfigurationen keine zu 100% übertragbaren Werte generiert werden können.

Das Testsystem (mit montiertem Thermalright HR-02)

Zur Geräuschreduktion haben wir sämtliche Gehäuselüfter ersetzt und an einer Scythe Kaze Master Lüftersteuerung angeschlossen. Im Heck schaufelt nun ein Noiseblocker Multiframe MF-12 S2 Luft (650 rpm), ebenso wie auf dem CPU-Kühler, einem Thermalright HR-02. Dieser ist für einen Intel Core i7 920 im C0 Stepping zuständig. Ein echter Hitzkopf mit 130 Watt TDP, der wie geschaffen für unseren Kühlertest ist. In die Front setzten wir einen Noctua NF-P14 FLX, der mit nur 450 rpm rotiert. Da die meisten Nutzer Krach nicht mehr mit Leistung gleichsetzten, orientieren wir uns hier an den momentanen geräuschtechnischen Anforderungen. Die Festplatte hingegen muss sich in ein Scythe Quiet Drive zwängen und wird mittels eines einfachen Baumarktschwammes auf dem Gehäuseboden entkoppelt. Als Testkarte nutzen wir eine AMD HD3870 im Referenzdesign, die von einem Xigmatek Bifrost gekühlt wird. Weil die originalen Lüfter schleifen und klackern, mussten sie Noctua NF-B9 mit 92mm Durchmesser weichen, die während der Benchmarks mit 5V gedrosselt laufen. Außerdem wich der Lüfter einem Multiframe - 650 Umdrehungen müssen auch hier genügen.

Testsystem:

  • Intel Core i7 920 (3,4 GHz)
  • Asus P6TD Deluxe
  • 6 GB DDR3 1333
  • Western Digital Black 640 GB
  • Antec TruePower New 550 W
  • AMD HD3870 (Xigmatek Bifrost mit 92mm Noctua NF-B9)

Zur Leistungsmessung belassen wir den Rechner nach dem Einschalten zunächst 15 Minuten im Leerlauf. Anschließend belasten wir ihn eine weitere Viertelstunde mit Core2MaxPerf in der Version 1.7. Hierbei werden alle acht logischen Kerne der CPU belastet. Temperatur und Takt werden dabei mit RealTemp 3.60 beobachtet, nach Ablauf der Zeit ein Mittelwert aus den Ergebnissen der einzelnen Kerne gebildet. Aufgrund der mit zunehmender Differenz zum Notabschaltpunkt ungenauer werdenden Temperatursensoren verzichten wir auf Messungen im Idle-Betrieb. Reicht der Kühler unter Last aus, tut er das ohne erst recht. Dank eines Raumthermometers können wir Delta-T (k) Werte ermitteln. Um gleiche Voraussetzungen für alle Kühler zu schaffen, kommt für die Tests ausschließlich MX-4 Wärmeleitpaste von Arctic Cooling an CPU und Kühler. Sämtliche Runs werden zweimal ausgeführt: Sowohl mit dem Normaltakt des Prozessors (2,67 GHz) als auch in moderat übertaktetem Zustand (3,4 GHz ohne Spannungserhöhung). Die Geschwindigkeitsstufen mit 12, 7 und 5 Volt Spannung werden per Adapter eingestellt, die Drehzahlmessungen zwischen 500 und 1200 rpm mit der Scyhte Kazer Master Lüftersteuerung.

Die Lautstärkemessungen erfolgen mithilfe eines Voltcraft SL-100 Schallpegelmessgerätes. Dieses wird aus 15 cm Entfernung zum offenen Gehäuse auf Höhe des CPU-Kühlers mittels eines Statives fixiert und aus einem Abstand von einem guten Meter abgelesen. Um Nebengeräusche zu minimieren, erfolgten die Messungen in einer ruhigen Wohnsiedlung („Dorf“) vormittags und in der Nacht. Zudem wurden die Lüfter im Testsystem deaktiviert, wodurch lediglich die Festplatte und das Netzteil für Nebengeräusche sorgten.

Die Montage

Der Einbau weicht etwas von den Methoden preislich vergleichbarer Kühler ab - im Guten wie im Schlechten. Positiv ist, dass der Kühler nicht durch die Backplate direkt verschraubt wird, wie etwa bei Scythe. Grundsätzlich orientiert man sich am Modell Prolimatech, inklusive der Haltenasen der eigentlichen Kühlerhalterung. Leider ist das System deutlich fummeliger, vor allem beim Einbau des Kühlers direkt im Gehäuse.

Auch Xigmatek sieht den User gerne die Schrauben von Hinten ins Loch stecken - Sie werden zwar fixiert, bevor die eigentliche Halterung darauf platziert wird, aber deren Befestigung ist ein Graus. Achtkant-Muttern, deren Verwendung zwangsläufig einen Schraubenschlüssel, nicht -dreher, voraussetzt sind einfach nicht komfortabel. Außerdem fehlt ein Anschlag - auch die ansonsten gut bebilderte und anschauliche Anleitung schweigt sich über diesen Punkt aus. "Fest anziehen" ist eindeutig ein dehnbarer Begriff. Immerhin ist das System insgesamt etwas einfacher und praktischer als die direkte Verschraubung.

Temperaturen mit Standardtakt & Passiv

Kann sich der Aegir mit 12V Spannung und 2200 rpm noch gut behaupten, fällt er mit 7V und 5V ans Ende des Testfeldes zurück. Die Unterschiede zwischen Spitze und Schlusslicht können aber kaum als gravierend bezeichnet werden. Mit 5V sackt das Xigmatek-Produkt unverhältnismäßig stark ab. Einerseits dreht der Lüfter unter 500 rpm - PWM-Lüfter haben teils eine seltsame Regelungscharakteristik -, andererseits ist er offensichtlich eher für hohe Drehzahlen ausgelegt.

Passiv gesellt sich der Aegir zum Ninja 3 von Scythe: Der Betrieb ist nicht möglich, die CPU drosselt sich um aufgrund der Temperaturen von über 100 Grad keinen Schaden zu nehmen.

Temperaturen mit Overclocking

Mit voller Drehzahl kann sich der Aegir gut behaupten und setzt sich mit röhrendem Rotor an die dritte Stelle des Testfeldes. Möglicherweise kann die erhöhte Abwärme nun besser die beiden höher gelagerten Heatpipes erreichen. Mit reduzierter Spannung fällt er wieder relativ stark ab, was auch an der nunmehr geringen Umdrehungszahl liegt.

Temperaturen mit festen Drehzahlen

Auch mit festen Drehzahlen zeigt sich wieder das nun bereits bekannte Bild. Je höher die Drehzahlen, desto besser steht der Aegir da. Mit 1200 rpm kann er sich immerhin knapp an die zweite Stelle des Testfeldes setzen. Der Prolimatech Genesis ist in diesem Fall nicht vertreten, da er mit den verwendeten Lüfter maximal 1000 rpm schnell drehen kann. Mit 1000 und 800 Umdrehungen fällt der Riese an die vorletzte Position zurück, kann sich aber vor dem Ninja 3 halten. Erst im letzten Testlauf sackt der Kühler knapp ans Ende des Testfeldes.

Die Lautstärke

Die Lauststärkemessungen nach Spannung zeigen nur bisher bekanntes. Maximale Geschwindigkeit sorgt für einen hohen Lärmpegel, der dank der Entkopplung zwar gut hörbar, aber zumindest kurzzeitig gut zu ertragen ist. Bei 7 und 5 Volt zeigt der Aegir dann gute Leistungen - natürlich der hier entsprechend sehr niedrigen Drehzahl in Verbindung geschuldet: Leise, aber auch langsam. So ist zumindest eines der Attribute "Lautstärke" und "Leistung" auf Kosten des jeweils anderen auf Spitzenniveau.

Bei festen Drehzahlen schlägt sich der nordische Wassermann schon besser. Er kann sich durchgehend im vorderen Teil des Testfeldes halten - erst oberhalb von 1000 Umdrehungen, spätestens oberhalb von 1200 wird der Aegir auch subjektiv deutlich lauter. Offenbar versagen am diesem Punkt die Gummihalterungen zumindest teilweise. Ab 800 rpm kann man die meisten Lüfter im System - erst recht mit geschlossenem Seitenteil - schon nicht mehr heraushören.

Max Doll meint …

Max Doll

Die Produktbezeichnung des Aegir erweist sich als ungewöhnlich zutreffend. Trotz der kompakten Abmaße hat der Kühler unheimliche Leistungsreserven bei hohen Drehzahlen. Das gibt ihm zugleich eine raue Charakteristik: 2200 rpm sind ohne Zauberei nicht leise. Zähmt man den Riesen, geht das auf Kosten seiner Kraft - fast wie in der Mythologie. Immerhin kann man mit diesem Exemplar einen individuellen Kompromiss finden.

Ausstattung und Verarbeitung sind ebenso rau. Xigmatek beschränkt sich in beiden Fällen auf das Nötigste, was zumindest im Falle des Lieferumfanges ein wenig ärgerlich bleibt. Eine zusätzliche Unterlegscheibe als Reserve hätte nicht weh getan. Der zweite Satz Montagematerial für einen weiteren Lüfter ist hingegen vorbildlich. Die äußere Erscheinung ist ebenso solide wie uncharismatisch. Optische Goodies sind absolute Fehlanzeige, dafür ist die Verarbeitung durch die miteinander verbundenen Lamellen unanfällig gegenüber Beschädigungen. Nur der Montagekomfort bleibt ein wenig auf der Strecke - in dieser Preisklasse kein unbekanntes Übel.

Für die momentan aufgerufenen 37,- € ist der Aegir ein faires Angebot. Er beschränkt sich schnörkellos auf das Wichtigste, ist zu allen Sockeln kompatibel und bietet entweder gute Leistung oder geringe Lautstärke und das bei überaus kompakten Abmaßen. Sofern man nicht Wert auf eine edle Optik legt, macht man für den geforderten Preis mit dem Aegir nichts falsch. Das belohnen wir mit unserem Preis-Leistungs-Award!

  • Positiv
  • Leistung bei mittleren / hohen Drehzahlen
  • Lüfter entkoppelt
  • Recht leise
  • Geringer Platzbedarf
  • Vorbereitung für zweiten Lüfter
  • Neutral
  • - / -
  • Negativ
  • Montage etwas fummelig
  • Identisches Lüfter nicht nachzukaufen
  • Eher schwach bei sehr geringen Drehzahlen

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