Willkommen

Passwort vergessen? Noch kein Mitglied? Jetzt registrieren

Tech-Review.de

  • Montag, 27. September 2021
Rasurbo Real & Power 550W

Rasurbo Real & Power 550W: Preis-/Leistung in Modular

Einleitung

Rasurbo ist eine Eigenmarke des deutschen Distributors PNL-tec. Das Unternehmen möchte unter diesem Label Mittelklasse-Produkte aus den Bereichen Gehäuse, Kühlung und Stromversorgung zu besonders günstigen Preisen anbieten. Das Rasurbo Real&Power 350 Watt konnte bereits in unserem Roundup überzeugen und den Preis-/Leistungssieg einfahren. Heute werfen wir einen Blick auf das eine Nummer größere Modell mit 550 Watt und Kabelmanagement.

80Plus Standard, Kabelmanagement, 135 mm Lüfter, unauffälliges Äußeres - klingt nach solider Mittelklasse. Mit einem Preis von knapp unter 60 Euro zählt es aber eigentlich eher zur Budget-Klasse. Hält das Netzteil, was der Hersteller verspricht? Bekommt man bei Rasurbo Mittelklasse-Netzteile zum Budget-Preis? Wir belasten das Netzteil wie gewohnt mit unseren elektronischen Lasten der Firma Chroma und stellen für Sie fest, ob sich unter dem olivgrünen Tarnkleid ein weiteres Schnäppchen versteckt. Viel Spaß!

Spezifikationen und Features

Allgemeine Ausstattungsmerkmale:

  • 80Plus Standard Zertifikat
  • 135 mm Lüfter
  • teil-modulares Kabelmanagement
  • gesleevte Kabel
  • 160 mm Einbautiefe

Kabellänge und Kabelstränge:
Rasurbo stattet das RAPM mit teil-modularem Kabelmanagement aus. Der 20+4 Pin ATX-Anschluss sowie der 4+4 pin CPU-Strang sind fest mit dem Netzteilgehäuse verbunden. Die restlichen Kabel werden bei Bedarf angesteckt. Hauptstecker und CPU-Stromversorgung sind mit 53 bzw. 58 cm durchschnittlich lang und für die meisten Gehäuse ausreichend. Die beiden 6+2 Pol Grafikkartenanschlüsse könnten mit ca. 50 cm durchaus noch fünf bis 10 cm extra vertragen. Für die restlichen Komponenten stehen ein Strang mit zwei SATA-, ein Strang mit drei SATA- sowie ein Strang mit drei Molex- sowie einem Floppyanschluss zur Verfügung. Andere Netzteile bieten da mehr Anschlussmöglichkeiten. Zudem würden wir uns statt dem festen Floppy-Stecker einen Adapter wünschen.

Leistung
Das Real&Power 550 Watt liefert natürlich 550 Watt Dauerleistung. Bis zu 480 Watt, also gut 87 Prozent der Gesamtleistung, können auf den beiden 12-Volt-Schienen erbracht werden. Das Netzteil ist damit für die Leistungsanforderungen moderner Computer gerüstet.

Schutzschaltungen:
Der Hersteller stattet das Netzteil mit allen notwendigen Schutzschaltungen aus.

  • UVP
    (Unterspannungsschutz: Falls die Spannungen auf den einzelnen Leitungen unter einen gewissen Toleranzwert fallen, schaltet sich das Netzteil automatisch ab.)
  • OVP
    (Überspannungsschutz: Falls die Spannungen auf den einzelnen Leitungen über einen gewissen Toleranzwert steigen, schaltet sich das Netzteil automatisch ab.)
  • SCP
    (Kurzschlusssicherung: Im Falle eines Kurzschlusses verhindert diese Sicherung eine Beschädigung der Kernkomponenten des Netzteils und der einzelnen Systemkomponenten.)
  • OPP
    (Überlastschutz: Wenn das System “überdimensioniert“ ist, also mehr Leistung vom Netzteil beansprucht wird als es leisten kann, wird diese Sicherung ausgelöst.)
  • OCP
    (Überstromschutz: Sollte die Last auf den einzelnen Leitungen höher sein als angegeben, schaltet das Netzteil automatisch ab.)

Ein Überhitzungsschutz (OTP) ist nicht integriert, aber in dieser Preisklasse nicht unbedingt nötig. Bis zu 480 Watt (96 Prozent der Gesamtleistung) können auf den beiden 12 Volt Leitungen erbracht werden. Rasurbo setzt auf ein Multi-Rail Layout. Durch die getrennte Absicherung der beiden Schienen können die Auslösewerte für den Überstromschutz niedriger gewählt werden. Dadurch ist die OCP-Schaltung wirksam. Leider dokumentiert Rasurbo nicht, welche Kabel zu welcher Schiene gehören. Weder Handbuch noch Website noch Kabelkodierung helfen, erst ein Blick auf die Rückseite der Platine verschafft uns Klarheit: Auf der zweiten Leitung liegen der Achtpin-CPU-Strang, ein 6+2 Pol Grafikkartenanschluss sowie ein SATA Strang. Die restlichen Anschlüsse belasten die erste Schiene. Die Aufteilung ist sinnvoll, sollte aber dringend dokumentiert werden, um ein Fehlauslösen des Überstromschutzes durch ungeschickte Verkabelung zu verhindern.

Garantie:
Rasurbo gibt auf das Netzteil nur zwei Jahre Garantie. Üblich sind drei bis fünf Jahre. Immerhin ist eine Abwicklung direkt über den Hersteller bei Bedarf möglich.

Verpackung und Lieferumfang

Rasurbo liefert das RAPM550 in einem 28 x 24 x 11 cm kleinen Karton aus. Auf der Vorderseite befindet sich eine Abbildung des Netzteils. Technische Details finden sich ebenso wie Steckerübersicht und Leistungsverteilung auf den Seitenflächen. Eine Angabe der Kabellängen fehlt. Beim Öffnen des Kartons zeigt sich, dass das Netzteil durch eine weitere Lage Karton und eine Stofftasche ganz ordentlich geschützt ist.

Nach dem Auspacken zeigt sich der Lieferumfang: Neben dem Netzteil und den Kabelsatz legt Rasurbo Kaltgerätekabel, vier Schrauben und fünf schwarze Kunststoffkabelbinder in den Karton. Der Lieferumfang fällt damit eher minimalistisch aus, in der Budgetklasse ist dies aber nicht unüblich.

Das Netzteil mit seinem Zubehör

Details und Verarbeitung

Äußeres
Rasurbo setzt beim RAPM auf Tarnung: Durch schwarze und olivgrüne Lackierung bleibt das Netzteil unauffällig. Mit 16 cm Einbautiefe ist das Netzteil auch bezüglich des Platzbedarfs durchschnittlich. Das Lüftergitter ist ebenfalls klassisch gestaltet und schwarz lackiert. Der Aufkleber mit dem Datenblatt befindet sich auf einer Seitenfläche. Auf der Rückseite befinden sich die Anschlüsse für das modulare Kabelmanagement.

Die Verarbeitung des Netzteils ist frei von Mängeln. Der Sleeve ist leider ziemlich dünn und nicht ansatzweise blickdicht. Qualitativ sind die Kabelummantelungen aber problemlos.

Technik
Nach dem Lösen der Schrauben und dem Öffnen des Netzteils fällt unser Blick auf die Elektronik. Wie immer gilt: Nicht nachmachen - Lebensgefahr!

Die Elektronik des Rasurbo RAPM wird von HEC gefertigt und basiert auf der Platine der Cougar CM-Modelle. Der 135-mm-Lüfter DFS132512H von Young Lin (max. 3,0 Watt Leistungsaufnahme bei 12 Volt) verwendet ein Gleitlager und ist per Zweipinstecker angeschlossen. Der Primärkondensator 330 Mikrofarad Elektrolytkondensator mit 400 Volt Spannungsfestigkeit und 85 Grad-Rating von CapXon - untere Mittelklasse, aber im Allgemeinen problemlos, da der Primärkondensator kaum belastet wird. Auf der Sekundärseite kommen 105-Grad-Elektrolytkondensatoren von Teapo und Nippon-Chemicon zum Einsatz. Ein einzelner Elko stammt von Su'scon. Die Bestückung ist damit insgesamt durchschnittlich. Als Sicherungschip wird der Weltrend WT7525 IC verwendet, der die versprochenen Schutzschaltungen auch zur Verfügung stellt.

Die Eingangsfilterung beginnt direkt an der Buchse mit einem X- und zwei Y-Kondensatoren. Nach einem Ferritkern folgen auf der Hauptplatine dann zwei X-Kondensatoren mit Spulen, zwei weitere Y-Kondensatoren und der MOV. Die Eingangsfilterung ist damit vollständig.

Die Lötqualität ist insgesamt ordentlich. Einige wenige Kabelenden sollten gründlicher gekürzt werden.

Das Testsystem

Ein guter Netzteiltest setzt eine gewisse Ausrüstung voraus. Da es mit handelsüblichen PCs nicht möglich ist, bestimmte Lasten für das Netzteil zu produzieren, verwenden wir daher professionelle elektronische Lasten der Firma Chroma. Die Chroma belastet das Netzteil mit den von uns gewählten Einstellungen. Dabei können auch sehr leistungsfähige Netzteile voll ausgelastet werden. PFC-faktor, Spannungen und Effizienz lassen sich daher präzise bestimmen. Damit können wir eine sehr hohe Vergleichbarkeit der Netzteile sicherstellen. Zur Messung der Restwelligkeit verwenden wir ein Vierkanal-Oszilloskop von Tektronix (Tektronix TDS 3014C, 100 MHz, 1,25 GS/s).

Die Chroma-Station

Die Chroma im Detail:

  • Chroma Digital Power Meter 66202
  • Chroma Measurement Test Fixture A662003
  • Chroma 6314A DC Electronic Load Mainframe mit 63102A und 63106 Lastmodul
  • 2x Chroma 6314 mit insgesamt acht 63103 Lastmodulen
  • Enermax-Anschlussplatine und Kondensatoren für normgerechte Messung
  • Kalibrierung am 26.10.2010, Rekalibrierung am 26.10.2011
  • Messung bei 230 Volt Eingangsspannung
Die Enermax-Anschlussplatine

Testablauf:

  • 40 Watt feste Last
  • 10% Last
  • 20% Last
  • 50% Last
  • 100% Last
  • Crossloadtest (wie 100% Last, aber minimale Belastung der 3,3 und 5 Volt Schienen)
  • wird vom Hersteller eine dauerhafte Überlastfähigkeit garantiert, wird diese zusätzlich geprüft

Wir möchten an dieser Stelle offen darauf hinweisen, dass wir als Gäste auf der Chroma der Firma Coolergiant Computers Handels GmbH in Hamburg testen. Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar, da eine solche Ausrüstung sehr teuer ist. Wir sind immer selbst vor Ort, bringen unsere Testmuster mit, führen unsere Messungen durch und lassen nicht "remote-testen". Zudem testen wir bei jedem Termin zahlreiche Netzteile - eine systematische Abweichung nach Oben oder Unten würde dann alle Netzteile betreffen. Sollten wir trotzdem auch nur den geringsten Zweifel an unserer Unabhängigkeit haben, werden wir auf weitere Tests an der Chroma verzichten.

Aufgrund der Lautstärke der elektronischen Lasten ist eine Lautstärkemessung an der Chroma wenig sinnvoll. Wir lasten die Netzteile daher auch mit gewöhnlichen Computern in festgelegten Szenarios aus. Damit können wir dann die Lüfterdrehzahl und die Lautstärke messen. Während der Lautstärkemessung mit unserem Voltcraft SL100 Schallpegelmessgerät werden natürlich die Lüfter des Testsystems kurz angehalten.

Testsystem 1:

  • Xilence Netzteiltester
  • DVD-Laufwerk
  • zur Simulation von sehr geringen Lasten (Lasttest 1) und zur Bestimmung der PG-Time

Testsystem 2:

  • verwendet für Lasttests zwei bis vier
  • AMD Phenom II X4 920
  • Scythe Mugen
  • 4 GB DDR2-1066 RAM
  • Asrock A770 Crossfire Mainboard
  • Sapphire AMD/ATI HD 4870 1024 MB Toxic
  • zwei Festplatten, zwei optische Laufwerke
  • zwei Sharkoon Silent Eagle 1000 LED Fan
  • Rebel 9 Economy
  • Windows-Energiesparmodus, OCCT CPU-Test, OCCT PSU-Test

Die Messwerte

PG-Time:
Mit einem Netzteiltester führen wir eine kurze Funktionsprüfung durch und bestimmen dabei die PG time. Das Power Good Signal muss gemäß der ATX-Norm nach mindestens 100 und maximal 500 ms kommen. Das Signal signalisiert dem Mainboard, dass das Netzteil bereit ist, alle Spannungen passen und der Computer gestartet werden kann. Kommt das Signal nicht innerhalb dieses Zeitraums, ist das Netzteil defekt und muss getauscht werden.

Unser RAPM550 meldet pünktlich seine Einsatzbereitschaft. Die weiteren Tests finden an der Chroma statt.

Effizienz:

Das Rasurbo RAPM550 ist offiziell nur 80Plus Standard zertifiziert. In unserem Chromatest erreicht das Netzteil fast 80Plus Bronze. Der Einbruch in unserem 10 Prozent Szenario ist durch die hohe Belastung der kleinen Schienen gut erklärbar. Der Wirkungsgrad liegt insgesamt etwas höher als erwartet.

Leistungsfaktor (PFC)
Ein PC-Netzteil verhält sich im Stromnetz anders als gewöhnliche (ohmsche) Lasten wie z.B. eine Glühlampe. Die nicht Sinus-förmige Stromaufnahme bedeutet, dass neben der Wirkleistung sog. Blindstrom entsteht. Dies führt zum einen zu einer höheren gemessenen Scheinleistung, zum anderen zu einer Belastung für das Stromnetz. Ein Messwert von "1" an dieser Stelle würde bedeuten, dass das Netzteil sich perfekt verhält und kein Blindstrom entsteht. In der Realität werden wir immer geringere Ergebnisse messen.

Die Leistungsfaktorkorrektur des Rasurbo-Netzteils funktioniert gut.

Spannungen:
12 Volt Leitung Nr. 1:

12 Volt Leitung Nr. 2:

5 Volt:

3,3 Volt:

Die Spannungsregulation des Probanden ist unterdurchschnittlich. Wie viele andere günstige Netzteile mit gruppen-reguliertem Schaltungsdesign hat das RAPM550 Probleme mit einseitigen Belastungen. Werden nur die 12 Volt Schienen belastet oder überwiegend die kleinen Leitungen gefordert, ist die Spannungsregulation verbesserungswürdig. Insgesamt sind die Spannungen aber akzeptabel.

Restwelligkeit:
Restwelligkeit bei 20%:

Restwelligkeit bei 50%:

Restwelligkeit bei 100%:

Restwelligkeit bei Crossload:

Übersicht:

Die Restwelligkeitswerte liegen durchwegs im guten Bereich.

Anhang: Lastkalkulation
Für die Messungen an der Chroma wurde folgende Lastkalkulation verwendet:

Hinweis: Dass in der Lasttabelle mehrere 12 Volt Schienen aufgeführt sind, bedeutet, dass mehrere 12 Volt Lastmodule der Chroma verwendet werden. Durch die Verwendung mehrerer Anschlüsse und Lastmodule lässt sich die Messgenauigkeit verbessern. Die Gesamtbelastung der 12 Volt Leitung ergibt sich durch Addieren der Einzelbelastungen.

Die Lautstärke

Lüfterdrehzahl:

Lautstärkemessung:

Subjektiver Eindruck:
Die Lautstärke des Netzteil liegt im Mittelfeld. Das Lagergeräusch des Lüfters - ein minimales Schleifen - ist im eingebauten Zustand nicht mehr wahrnehmbar. Bei geringer Last dreht der Lüfter angenehm langsam und bleibt damit leise. Mit zunehmender Last wird der Lüfter etwas schneller, die Lautstärke ist dann eher durchschnittlich.

Philip Pfab meint …

Philip Pfab

Rasurbo macht mit dem RAPM550 vieles richtig. Das Netzteil liefert problemlos auch dauerhaft die spezifizierte Leistung. Die Messwerte bleiben dabei durchwegs im erlaubten Bereich, auch wenn die Spannungsregulation bei asymmetrischen Belastungen (Crossloads) deutlich besser sein könnte. Andererseits ist es nicht verwunderlich, dass doppelt so teure Netzteile auch ihre Vorzüge haben. Die günstigen Netzteile der Konkurrenz sind bezüglich der Spannungsqualität in etwa auf dem selben Niveau.

An der Verarbeitung des Netzteils haben wir nichts auszusetzen. Äußerlich ist das Netzteil unauffällig, aber mängelfrei. Der Sleeve könnte dichter sein, das war's dann schon. Die Elektronik ist ebenfalls solide Durchschnittsware. Durchschnitt ist ehrlich gesagt eine der Eigenschaften, die wir dem Netzteil besonders oft zuordnen können. Auch die Lautstärke liegt im Mittelfeld. Je nach Last ist das Netzteil leise bis deutlich wahrnehmbar, aber nie störend laut. Wer keinen Silent-Computer plant, braucht sich um das Geräuschniveau des RAPM550 keine Gedanken zu machen.

Gar nicht Durchschnitt ist aber der Verkaufspreis. Mit knapp 60 Euro zählt das Netzteil zu den günstigen modularen 550 Watt Netzteilen am Markt. Kurz: Ein Durchschnittsnetzteil zum besonders günstigen Preis - Mission erfolgreich, Rasurbo! Uns stört eigentlich nur die kurze Garantiezeit von nur zwei Jahren.

  • Positiv
  • angenehme bis akzeptable Lautstärke
  • sehr preiswert
  • teil-modular
  • alle Messwerte im erlaubten Bereich
  • Neutral
  • - / -
  • Negativ
  • unterdurchschnittliche Spannungsregulation, Probleme mit Crossloads
  • nur zwei Jahre Garantie

Weiterführende Links

VG Wort
  • 0 Diskussionsbeiträge

  • Deine Meinung hinzufügen

  • Falsches oder unvollständiges Ergebnis

Cookies erleichtern uns die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Infos