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Tech-Review.de

  • Mittwoch, 28. Oktober 2020
Antec H2O 920

Antec H2O 920: Wasser marsch!

Einleitung

Wasserkühlungen im Rechner gelten in der Regel als ultimative Kühllösung, aber ebenso als Sache für Profis: Ein- und Aufbau sind kompliziert und das Befüllen des Systems ist ebenso nicht risikofrei - Flüssigkeit neigt zum Verursachen von Kurzschlüssen. Um die Spannung aus der Sache zu nehmen, aber gleichzeitig eine hohe Kühlleistung bereitzustellen, haben sich in letzter Zeit Kompaktlösungen am Markt etabliert, die allgemein als "Hydrokühlung" bezeichnet werden. Bereits die Namensgebung deutet an, dass es sich nicht um vollwertige Wasserkühlungen handelt. Denn im Gegensatz zu ihren großen Geschwistern kommen sie bereits einbaufertig, sind wartungsfrei und deutlich kompakter.

Ein solches Modell hat Antec für knapp 80€ mit der H2O 920 im Programm. Als Zielgruppe visiert man dabei High-Performance-Junkies an. Zwei 120 mm Lüfter mit maximal 2400 Umdrehungen pro Minute schaufeln Luft durch einen mit 49 mm ungewöhnlich dicken Radiator und blasen wortwörtlich zum Angriff auf High-End Luftkühler. Als Schmankerl verfügt das Monstergerät zudem über eine Lüftersteuerung, die per USB-Anschluss manuell konfiguriert werden kann - schließlich wirbt man trotz der immensen Lüfterdrehzahlen mit "quiet computing". Ob Antecs neuester Streich nicht doch vom Winde verweht ist, haben wir aus erster Hand erfahren können.

Technische Daten und Lieferumfang

Die H2O 920 schickt Antec im schwarz-gelben Karton auf Reisen. Wie immer nennt der Hersteller die wichtigsten Produktfeatures in Schrift und Bild. Hier sind es eine schnelle Installation, die Wartungsfreiheit und die PWM-Lüftersteuerung samt dem Slogan "quiet computing" sowie die Leistung: Im Vergleich mit dem Stock-Kühler eines Intel 980X-Sixcore-Prozessors, einem nicht unbedingt schlechten Towerkühler, soll die Hydrokühlung von Antec die Temperaturen bei Volllast um 23 Grad reduzieren können.

Im Lieferumfang der Hydrokühlung befinden sich zwei verschiedene Backplates für AMD und Intel-Sockel, zwei beidseitig selbstklebende Gummistreifen für deren Befestigung beim Einbau, passenden Halterungen für den Kühler, dafür benötigte Plastikclips, Schrauben sowie Unterlegscheiben für die Lüftermontage. Wärmeleitpaste befindet sich "pre-applied" am Kühler, womit leider nur eine einzige Montage möglich ist - gleiches gilt allerdings auch für die Abstandshalter aus Gummi, die sich ebenfalls nicht wieder verwenden lassen. Zusätzlich liefert Antec eine Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen Bildern und in mehreren Sprachen samt einer Treiber-CD. Obendrauf gewährt der Hersteller drei Jahre Garantie.

Die Basiseinheit der H2O 920 besteht aus dem erstaunlich kompakten und vor allem flachen Kühlblock für die CPU, in den gleichzeitig die Pumpe, die die Flüssigkeit im System zirkulieren lässt. Gleichzeitig befindet sich darin die Steuerungseinheit samt in Wunschfarbe beleuchtetem Antec-Logo. Lediglich der Radiator geht extra. Entsprechend enthält das Pumpenmodul neben den beiden Schläuchen zur Flüssigkeitszirkulation auch jede Menge Kabel. Auf die Wahl zwischen rotem und blauem muss man aber verzichten: Passend zum Rest der Hydrokühlung wurden schwarze Adern bei den Lüfterleitungen und eine Gummiummantelung beim USB-Kabel verwendet. Letztere reicht leider nicht ganz bis zum Stecker, sodass hier farbige Einzeladern sichtbar bleiben - unschön für ein auf sein Äußeres bedachtes Produkt, zumal zum Kühler hin die letzten Kabelreste elegant mit Schrumpfschlauch abgedeckt wurden. Mit Strom versorgt wird die Hydrokühlung per 3-Pin Stecker direkt über das Mainboard. Nicht benötigte Stromleiter, z.B. beim Verwenden einer externen Lüftersteuerung, können aber nicht demontiert werden, womit der Kabelwulst erhalten bleibt.

Ebenso ins Bild gelangen am Basismodul die Haltenasen zur Fixierung des Kühlers mittels des Montageringes sowie das Asetek-Logo, das unauffällig die Lizenzfertigung verrät. Beim Hersteller firmiert das System allerdings in leicht abgewandelter Form als Modell 570LC. Die Bodenplatte der H2O 920 besteht komplett aus Kupfer, welches bei unserem Testmuster allerdings leichte Kratzer aufwies. In dieser Preisklasse kein schöner Zug! Da destilliertes Wasser mit Zusätzen gegen Korrosion und Bakterien zum Abtransport der Wärme verwendet wird, sind deshalb logischerweise keine Heatpipes zu sehen. Das Funktionsprinzip einer Hydro- bzw. Flüssigkeitskühlung basiert allgemein auf dem schnellen Abtransport von Wärme zu Orten, an denen sie besser abgegeben werden kann. Praktisch wird sie also an Plätze befördert, an denen genug Oberfläche zur Abgabe der ungewünschten Energie z.B. in Form von Lamellen bereitgestellt werden kann - was um den CPU-Sockel herum nur begrenzt möglich ist.

Beim Aluminiumradiator setzt Antec mit einem knapp fünf Zentimeter tiefen Exemplar mit engmaschigem Lamellenabstand auf eine leistungsorientierte Lösung, die gleichzeitig relativ wenig Raum einnimmt. Die feinen Abstände in Verbindung mit der recht großen Tiefe sind daher für den Betrieb mit zwei Lüftern im push-pull-Betrieb verantwortlich: Im Tandem kann auch bei geringeren Drehzahlen noch Luft zwischen kleine Ritzen gepresst werden. Die Verarbeitung des mattschwarzen Klotzes gibt wenig Anlass zur Kritik. Ein paar einzelne Lamellen sind verbogen, was angesichts des dünnen Materials auch bei echten Wasserkühlungen keine Seltenheit darstellt. Da beidseitig Lüfter kritische Blicke blocken, bleibt dies ein Schönheitsfehler für Perfektionisten, zumal die Leistung dadurch kaum beeinträchtigt wird. Die verbauten, 35 cm langen Schläuche erinnern olfaktorisch im ersten Moment an einen Fahrradladen und sind weich genug, um einfach verlegt zu werden.

Die beiliegenden Lüfter

Die beiden mitgelieferten Lüfter sind eindeutig OEM-Exemplare und hinterlassen keine Hinweise auf ihre Herkunft - schwarz und geheimnisvoll. Mit neun Lüfterblättern erinnern sie allerdings grob an die SlipStream-Serie von Scythe. Optisch zur Kühlung passend sind die lediglich 15 cm kurzen Kabel mit 4-Pin PWM-Steckern und schwarzen, gedrillten Adern bestückt. Längere Leitungen sind dank der integrierten Lüftersteuerung nicht notwendig. Mit 700 bis 2400 U/Min verfügen beide Exemplare zudem über ein extrem breites Drehzahlband - für Silentfans bleibt die Minimaldrehzahl aber dennoch zu hoch.

In voller Rüstung verdoppelt sich das ohnehin schon breite Kühlmodul: Satte zehn Zentimeter wird das Monstrum tief, was im Prinzip im Rahmen normaler Towerkühler der High-End-Klasse liegt. Der Vorteil der Hydrokühlung besteht jedoch in der freien Anbringung des Radiators, zumindest im Bereich der Schlauchlänge. Leider hat Antec bei der H2O 920 auf sogenannte "Shrouds", die Raum zwischen Kühler und Radiator abdichten, verzichtet. Schade, da zwischen beiden Elementen ein Spalt bleibt und angesichts der eher großen Tiefe mehr Druck wünschenswert wird. Zur Montage vorgesehen ist der Wärmetauscher in ausblasender Position, d.h. an der "Hecklüfter-Position" im Gehäuse. Wer einblasend verbaut, gewinnt durch das Ausnutzen von frischer Luft noch einmal ein paar Grad. Wir testen die Hydrokühlung wie vom Hersteller vorgesehen, zumal herkömmliche Tower-Kühler keinen Kaltluft-Bonus nutzen können.

Modell Antec H²O 920
Preis ~78 €
Gesamtmaße (B x H x T)
119 x 149 x 102 mm (Radiator)
65 x 80 x 30 mm (Kühleinheit)
Besonderheiten LEDs im Schriftzug, Software-Lüftersteuerung
Gewicht mit Lüfter
1139 g
Verdeckte RAM-Slots
0
Lamellenabstand
1 - 1,5 mm
Schlauchlänge  330 mm - Ø 11 mm
Lüfter 2 x 120 mm Antec OEM
Anschluss
4-Pin
Geschwindigkeit
700 - 2400 U/Min
Förderleistung (Gesamt)

169  m³/h

B [A] - Hersteller
46
Kompatibilität (Stand September 2020) LGA 775, 1150, 1151, 1155, 1156, 1200, 1366, 2011, 2011-3, 2066
AM2, AM2+, AM3, AM3+, FM1, FM2, FM2+

Das Testsystem

Für unser Testsystem setzen wir auf ein Lian-Li PC60FN Gehäuse. Gegenüber einem offenen Testaufbau erhalten wir praxisnahe Ergebnisse, auch wenn durch die Vielfalt an Komponenten und Konfigurationen keine hundertprozentig übertragbaren Werte generiert werden können.

Allgemeiner Aufbau des Testsystems (hier mit Kühler Thermalright HR-02 abgebildet)

Zur Geräuschreduktion haben wir sämtliche Gehäuselüfter ersetzt und an einer Scythe Kaze Master Lüftersteuerung angeschlossen. Im Heck schaufelt nun ein Noiseblocker Multiframe M12 S2 Luft (650 U/Min), ebenso wie auf dem CPU-Kühler, einem Thermalright HR-02. Dieser zeichnet sich für den Intel Core i7 920 im C0-Stepping zuständig - ein echter Hitzkopf mit 130 Watt TDP, der wie geschaffen für unseren Kühlertest ist. In die Front setzen wir einen Noctua NF-P14 FLX, der mit nur 450 U/Min rotiert. Da die meisten Nutzer Krach nicht mehr mit Leistung gleichsetzen, orientieren wir uns hier an den momentanen geräuschtechnischen Anforderungen. Die Festplatte hingegen muss sich in ein Scythe Quiet Drive zwängen und wird mittels eines einfachen Baumarktschwammes auf dem Gehäuseboden entkoppelt. Als Testkarte nutzen wir eine AMD HD3870 im Referenzdesign, die von einem Scythe Musashi gekühlt wird, dessen Lüfter während der Benchmarks auf 5V gedrosselt laufen.

Testsystem:

  • Intel Core i7 920 (3,4 GHz)
  • Asus P6TD Deluxe
  • 6 GB DDR3 1333
  • Western Digital Black 640 GB
  • Antec TruePower New 550 W
  • AMD HD3870 (Scythe Musashi)

Zur Leistungsmessung belassen wir den Rechner nach dem Einschalten zunächst 15 Minuten im Leerlauf. Anschließend belasten wir ihn eine weitere Viertelstunde mit Core2MaxPerf in der Version 1.7. Hierbei werden alle acht logischen Kerne der CPU belastet. Temperatur und Takt werden dabei mit RealTemp 3.60 beobachtet. Nach Ablauf der Zeit wird ein Mittelwert aus den Ergebnissen der einzelnen Kerne gebildet. Aufgrund der mit zunehmender Differenz zum Notabschaltpunkt ungenauer werdenden Temperatursensoren verzichten wir auf Messungen im Idle-Betrieb. Reicht der Kühler unter Last aus, tut er das ohne erst recht. Dank eines Raumthermometers können wir Delta-T- Werte [K] ermitteln. Um gleiche Voraussetzungen für alle Kühler zu schaffen, kommt für die Tests ausschließlich MX-2-Wärmeleitpaste von Arctic an CPU und Kühler. Sämtliche Runs werden zweimal ausgeführt: Sowohl mit dem Normaltakt des Prozessors (2,67 GHz) als auch in moderat übertaktetem Zustand (3,4 GHz ohne Spannungserhöhung). Die Geschwindigkeitsstufen mit 100, 75 und 50 Prozent der Maximaldrehzahl werden ebenso wie die Drehzahlmessungen zwischen 500 und 1200 U/Min mit der Scythe Kaze Master Lüftersteuerung eingestellt.

Die Lautstärkemessungen erfolgen mithilfe eines Voltcraft SL-100 Schallpegelmessgerätes. Dieses wird aus 15 Zentimetern Entfernung zum offenen Gehäuse auf Höhe des CPU-Kühlers mittels eines Statives fixiert. Abgelesen wurde zur Minimierung von Interferenzen aus einer Entfernung von einem guten Meter zum SL-100. Um Nebengeräusche zu verhindern, erfolgten die Messungen in einer ruhigen Wohnsiedlung („Dorf“) vormittags und in der Nacht. Zudem wurden die Lüfter im Testsystem deaktiviert, wodurch lediglich die Festplatte und das Netzteil für Nebengeräusche sorgten.

Für die neuen Testkriterien ziehen wir Durchschnittswerte aus den Messergebnissen heran. Die reine Leistung wird aus dem Mittelwert der Overclocking-Tests mit 100, 75 und 50% Drehzahl gebildet. Das gleiche Verfahren wird bezüglich der Lautstärke angewendet. Wir sind uns natürlich darüber im Klaren, dass diese Kriterien spezielle Einsatzszenarien wie den Ultra-Silent-Betrieb mit wenig oder gar keiner Drehzahl nicht abdecken. Für solche Anwendungsprofile empfiehlt sich ein Blick sowohl in die Charts mit festen Drehzahlen als auch den Passivtest, um selbst einen Favoriten zu wählen. Unsere Rangliste richtet sich dementsprechend an die große Mehrheit der "Standarduser". Für extreme Anwendungsgebiete haben wir unsere Benchmarks zudem um einen weiteren Bereich ergänzt: Mit 3,8 GHz bei 1,36 Volt Spannung zeigen wir Weber, wie ein Grill heizen muss. Hier können (und sollen) sich High-End Kühler profilieren, während gleichzeitig Übertakter, die die Spannung bis an das Herstellerlimit setzen, Anhaltspunkte für eine Kaufentscheidung finden.

Die Montage

Wie in der Anleitung angegeben wird, sollte vor dem Einbau bzw. dem Einstecken des USB-Anschlusses der H2O 920 zunächst der Treiber installiert werden - ansonsten zickt das Bytemonster herum (siehe "Software"). Für die eigentliche Montage des Kühlsystems werden zunächst die "Spannungsclips", blau für Intel, grün für AMD, an der jeweiligen Halterung angebracht und die Schrauben eingedreht. Ihr Gewinde ist nicht durchgängig, aber etwas breiter als die bunten Plastikhalter, weshalb sie sicher fixiert werden - das hilft beim Einbau enorm. Anschließend wird die Backplate durch das Einstecken der rückwärtigen Gewinde sowie das Aufbringen der Abstandshalter vorbereitet und am Mainboard festgeklebt.

Das weitere Vorgehen ist ebenso wenig kompliziert wie die Vorbereitung, erfordert aber für einen reibungslosen Ablauf das strikte Vorgehen nach der gut bebilderten und übersichtlichen Anleitung. Der rückwärtige Lüfter wird zunächst durch die Gehäusewand mit dem Radiator verschraubt. Anschließend wird die Halterung für den CPU-Kühler selbst leicht mit der Backplate verbunden. So kann das Kühlmodul eingesetzt und unter die Haltenasen gedreht werden. Bis zum endgültigen Fixieren muss es per Hand in Position gehalten werden, da die Schläuche konstant Zug ausüben. Abschließend bleibt nur noch die Montage des zweiten Lüfters. Diese sollte zuletzt erfolgen, da sonst unter Umstände Teile der CPU überbaut werden, was das Erreichen der Schrauben für die Halterung unmöglich macht. Aufgrund der kompakten Pumpeneinheit lässt das Kühlsystem jede Menge Platz um den CPU-Sockel herum. So sind auch hohe Heatspreader auf den RAM's kein Problem - ein großer Vorteil der Hydrokühlungen.

Der montierte H2O 920 im Gehäuse

Kühlleistung: Standardtakt & Passiv

130 Watt TDP schrecken Antecs Hydrokühlung nicht: Bestwerte über alle drei Benchmarks - und zwar deutlich! Allerdings sind 50% Drehzahl immer noch 1200 U/Min, die Maximaldrehzahl manches Konkurrenten. Rein bezogen auf die Leistung wischt das Asetek-Lizenzprodukt mit der Konkurrenz also den Boden, stellt mit 2400 U/Min aber auch den bis dato schnellsten und lautesten Probanden.

Obwohl der Testkandidat bis 50% Drehzahl sauber, wenn auch ohne große Leistungssprünge skaliert, ist an einen Passivbetrieb nicht zu denken: Der Lamellenabstand ist zu eng, um ohne Luftfluss effektiv arbeiten zu können. Da die Pumpe trotzdem Geräusche verursacht, macht ein solcher Betriebsmodus aber ohnehin keinen Sinn. Denn deren Abschalten hat für die Hardware schlimmstenfalls tödliche Konsequenzen - ohne die Zirkulation der Kühlflüssigkeit wird keine Wärme mehr abtransportiert.

Kühlleistung: Overclocking

Auch mit erhöhtem Takt kann sich das Kühlmonster von Antec einen beachtlichen Vorsprung auf die Konkurrenz erarbeiten. 7-8 Grad Temperaturdifferenz sind zunächst eine Ansage. Bei halbierter Drehzahl fällt die Leistung nun aber ab, wodurch sich der Vorsprung auf die mit deutlich weniger Drehzahl angetretenen Konkurrenz jedoch nur auf 4 Grad Temperaturdifferenz halbiert. Da der Leistungssprung zwischen vollen 2400 und erträglicheren 1800 Umdrehungen bei 75% Drehzahl immer noch relativ gering ausfällt, hat Antec für absolute Spitzenwerte die Lüftergeschwindigkeit zu hoch gewählt.

Kühlleistung: Fixierte Drehzahlen

So beeindruckend die bisherigen Ergebnisse waren, so ernüchternd fällt der Vergleich bei festen Drehzahlen aus. Laufen alle Testteilnehmer mit identischen Umdrehungen, kann sich Antecs Luxuskühler nur bei 1200 U/Min knapp an die Spitze setzen. Mit weiter sinkender Lüftergeschwindigkeit wird das Produkt fix ans Ende des Testfeldes durchgereicht und ist mit 800 Rotationen schließlich sogar schlechter als der nur 22 € teure Freezer 13 Pro von Arctic. An einen Betrieb mit nochmals geringerer Drehzahl ist aus zweierlei Gründen nicht zu denken: Zum Einen ließen sich beide Lüfter nur bis 600 U/Min herabregeln, zum Anderen war bereits hier kein stabiler Betrieb der CPU mehr möglich, ohne die integrierte Schutzschaltung auszulösen. Grund für niedrige Drehzahlen gibt die H2O 920 also nicht - Antec hat eine Powerkühlung für Performanceuser gebaut, die Drehzahlen braucht wie manche Frauen Hiebe. Ups - das bleibt unter uns! Neben dem Leistungsabfall bleibt außerdem ein Lautstärkegewinn unter 1000 Umdrehungen aufgrund des Pumpengeräusches aus.

Die Lautstärke

Was ist schlimmer als ein Lüfter mit 2400 U/Min? Richtig - zwei davon. Unser tiefster Dank geht daher für die durchdringende Penetration unserer Trommelfelle an Antec. Die Lautstärke der H2O 920 bei maximaler Drehzahl kann nur als indiskutabel bezeichnet werden und dringt mühelos selbst durch Kopfhörer z.B. beim Spielen oder Musikhören und übertönt teils sogar die davon ausgegebenen Geräusche. 64 db(A) sprechen eine deutliche Sprache. Egal bei welcher Drehzahl, Antecs Performancekühler stellt in jeder einzelnen Disziplin neue Bestmarken auf. Erst bei halbierten Umdrehungen wird der Testkandidat erträglich, bleibt aber hörbar. Der Übergang von hörbar zu störend beginnt bei etwa 1500 U/Min, wobei die Lüfter bei derartigen Geschwindigkeiten auch durch Motorgeräusche hervortreten. Wir finden: Der dafür Verantwortliche sollte mindestens mit Stockschlägen bestraft werden!

Auch bei festen Drehzahlen bleibt der Proband am Ende des Testfeldes festgenagelt, wenngleich man ihn bis 1000 U/Min als leise bezeichnen kann. Darunter macht sich bei unserem Testmuster statt der beiden Lüfter die Pumpe durch Klackern bemerkbar und verhindert so ein besseres Ergebnis. Diese Nebengeräusche treten interessanterweise bei unserem Sample nur bei einer, der vermutlich korrekten Montagerichtung der Pumpe wie im Punkt "Einbau" gezeigt, auf. Bei allen Anderen verbleibt nur ein leises Summen, das zwar auch nicht unhörbar, aber sehr leise bleibt und somit definitiv akzeptabel ist. Ein Grund für das Klacker-Orchester ließ sich im Testverlauf nicht ausmachen, Lufteinschlüsse im Fördergerät konnten nach intensivem Schütteln des Rechners ausgeschlossen werden.

Zum Ermitteln der theoretischen Minimallautstärke haben wir deshalb bei 500 U/Min die Lüfter, die sich ohnehin nur bis minimal 600 U/Min regeln ließen, am Radiator deaktiviert und beide Varianten aufgezeichnet. Laut Antec handelt es sich dabei um einen Produktfehler, der im Normalfall nicht auftreten darf. Sollten User von lauten Pumpengeräuschen betroffen sein, die nicht von Lufteinschlüssen stammen können sie sich an den Herstellersupport wenden. Die Geräusche, die im Normalfall auftreten, sind sehr leise und unauffällig, aber knapp aus dem geschlossenen Gehäuse zu hören. Davon bemerkt man allerdings ohnehin nichts, denn die Lüfter überdecken das Geräusch schon knapp oberhalb ihrer Minimaldrehzahl komplett. Für Fans lautloser Rechner ist die H2O 920 also trotzdem nichts.

Die Software

Die zur H2O 920 gehörige ChillControl Software bietet erweiterte Möglichkeiten zur Steuerung der Lüftergeschwindigkeit. Leider scheint das gute Stück nicht ganz ausgereift: Zunächst muss der Treiber zwingend installiert werden, bevor die Hydrokühlung per USB mit dem Rechner verbunden wird, ansonsten streikt die Software. Außerdem scheint es ratsam, zunächst die Version 1.0 von der beigelegten CD einzuspielen - die aktuellste Version 1.1 von der Antec-Homepage funktionierte nicht auf Anhieb. Allein die umständliche Installation ist im Plug 'n' Play-Zeitalter ein Unding. Wer unvorsichtigerweise erst die Datenverbindung herstellt und dann den Treiber installiert, kann wie wir erst einmal auf Fehlersuche gehen: Die Software zu deinstallieren und das Prozedere noch einmal in der richtigen Reihenfolge anleiern hilft keineswegs. Unser Lösungsweg beinhaltete nach dem Entfernen von ChillControl das Deaktivieren des "unbekannten Gerätes" im Windows-Gerätemanager bei verbundener Pumpe, das Aufspielen der Treiber sowie zum Abschluss die erneute Aktivierung der Hardware. Umständlich, ärgerlich, unzeitgemäß.

Trotz allen Ärgers ist die ChillControl-Software allerdings kein unverzichtbarer Bestandteil von Antecs Hydrokühlung. Denn sobald die Kühlung per USB mit dem Mainboard verbunden wird, aktiviert sie automatisch den Silent-Modus. Zur Ansteuerung der infernalischen Ventilatoren bietet die Software drei Profile: Ungeregelt im Performance-Modus, per Regelkurve im Silent- und nach Geschmack des Users im manuellen Modus. Silent bedeutet, dass eine Minimaldrehzahl von 600/700 U/Min mit einer Zieltemperatur von etwa 65 Grad der CPU kombiniert wird. Für die Regelung liegt aber nicht dessen, sondern vielmehr die Temperatur der Kühlflüssigkeit zugrunde. Je nach Abwärmelevel des verwendeten Prozessors fällt die Drehzahl aus: Unter Standardtakt erreichten die Lüfter zwischen 1100 und 1200 U/Min, mit 3400 MHz waren es schon störende 1500. Wer mag, kann allerdings selbst eine Regelkurve über die Angabe von Start- und Zieltemperatur erstellen.

Neben der Lüftersteuerung enthält die Software auch recht umfangreiche Monitoring-Optionen. Zusätzlich zur Drehzahl der Ventilatoren lässt sich auch die der Pumpe beobachten, welche allerdings nicht geregelt wird, sowie die Flüssigkeitstemperatur. Auf Wunsch werden diese Informationen auch in Graphen ausgegeben. Zusätzlich gibt es eine Alarmfunktionen, die bei Versagen von Lüftern Hardwareschäden verhindern soll. In die Kategorie nutzloses Gadget fällt die Angabe des "Sound Level" in db(A). Zunächst verfügt die H20 920 über keinerlei Möglichkeiten, den Lärmpegel zu messen - sämtliche ausgegebenen Werte werden anhand der Drehzahlen berechnet. Desweiteren funktionierte die Anzeige nicht immer und wenn, wurden lachhaft niedrige Werte ausgegeben. 1600 U/Min wurden, obwohl gut hörbar und wenig angenehm, als im grünen Bereich liegend bezeichnet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Die Beleuchtung der Kühleinheit im Betrieb

Zu guter Letzt bietet die ChillControl Software die Möglichkeit, das Antec-Logo in Wunschfarbe erleuchten zu lassen. Dazu steht der RGB-Farbraum frei inklusive einer Vorschau zur Verfügung. Das von uns gewünschte Rot wurde allerdings eher rosa. Wer mag, kann das Programm zudem mit dem Aqua-Skin verschönern - noch nie sah Windows 7 so sehr aus wie das 95er Modell.

Max Doll meint …

Max Doll

Mit der H2O 920 hat Antec einen kompromisslosen Performancekühler für leistungshungrige User kreiert. Die Hydrokühlung liefert durch die Bank weg neue Bestwerte, bricht bei Einzelbetrachtung aber unterhalb von 1200 U/Min, d.h. halbierter Drehzahl, rasch ein und liegt ab 800 U/Min nur noch auf dem Niveau von Kühlern im 20€-Segment. Silentfans haben daher selbst bei beengten Platzverhältnissen wie etwa in einem HTPC keinen Grund, zur 920 zu greifen. Dazu kommt, dass das angepriesene "quiet computing" auf einem rosa Pony durch das Traumland reitet: Erst bei halbierter Drehzahl, d.h. den angesprochenen 1200 U/Min, wird das Kühlsystem ruhig. Dabei macht sich die Pumpe quasi nicht bemerkbar, ihr leises Summen geht in der Gesamtcharakteristik des Kühlers völlig unter. Der leise Betrieb führt sich durch die quasi nicht mehr vorhandene Kühlleistung unter 800 Umdrehungen - zumindest mit den beigelegten Lüftern - aber selbst ad absurdum. Dafür steckt die Kühlung auch extreme Abwärmeszenarien ohne Leistungseinbrüche weg - 3,8 GHz bei 1,36 Volt sind sogar mit halbierter Drehzahl noch möglich. Ärgerlich auch, dass die Leistung zwischen 100 und 75% Drehzahl keine großen Sprünge mehr macht. Anstelle der letzten zwei Grad wären leisere Lüfter die deutlich bessere Wahl gewesen.

Zu den eindeutig positiven Seiten der H2O gehört die Montage. Sie ist zwar recht kleinteilig, durch die gute Anleitung aber simpel zu bewerkstelligen und komfortabel. Sowohl der Platz um den CPU-Sockel als auch die freie Anbringung des Radiators überzeugen zusammen mit den flexiblen Schläuchen. Einziges Ärgernis hier bleibt die Verwendung von Einmal-Material wie der bereits aufgetragenen Wärmeleitpaste und den Klebestreifen für die Backplate, zumal kein Ersatz beiliegt. Ein kurzzeitiges Ärgernis ist durch die unzeitgemäße Installationsabfolge die Software. Wenn die Bits und Bytes erst einmal rennen, lassen sich digital die Akustik-Schmerzen lindern. Dank der automatischen Regelung wird die Hydrokühlung zumindest im Idle leise. Unter Last regelt das gute Stück jedoch - je nach Verbrauch der CPU - schnell in den gut hörbaren Bereich und damit das optimale Leistungsfenster. Daran ändert auch das manuelle Lüfterprofil wenig, denn die H2O 920 braucht für ihre beeindruckende Leistung hohen Luftdurchsatz. Das beleuchtete Hersteller-Logo bleibt ein netter Gag für Modder - sinnvoller wäre die Option zur Demontage nicht benötigter Kabel gewesen.

Die H2O 920 richtet sich damit an Poweruser, denen die enorme Lautstärke egal ist. Wer dem Affen Zucker, d.h. Drehzahl, gibt, wird mit konkurrenzloser Leistung auch bei sehr hohen Abwärmeleveln belohnt und das selbst bei beengten räumlichen Verhältnissen - sofern ein 120 mm Lüfter ins Gehäuse passt. Allen anderen bläst Antecs Monsterkühlung die Farbe aus dem Gesicht. Normalanwender oder Silentfans greifen daher besser zu High-End Luftkühlern, die für weniger Geld eine deutlich geringere Lautstärke und im mittleren sowie niedrigen Drehzahlbereich eine erheblich bessere Leistung erbringen.

  • Positiv
  • Neue Referenzleistung
  • Exzellente Leistung ab 1200 U/Min.
  • Enorme Reserve auch bei Overclocking
  • Großes Regelspektrum der Lüfter
  • Lüfterprofil manuell konfigurierbar
  • Praktische Lüftersteuerung
  • Einfache Montage
  • Schläuche flexibel und lang
  • Platz um CPU-Sockel
  • Neutral
  • - / -
  • Negativ
  • Einbruch bei niedrigen und mittleren Drehzahlen
  • Extrem laut
  • Pumpe nicht regelbar
  • Software- Installation

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