Willkommen

Passwort vergessen? Noch kein Mitglied? Jetzt registrieren

Tech-Review.de

  • Dienstag, 13. April 2021
Roccat Alumic

Roccat Alumic: Doppelseitiges Mauspad im Test

Einleitung

Gerne würden wir unseren Lesern ein wunderschönes Zitat bezüglich Zwiespalt, Partnerschaft, Geschwister oder Dualität als Leseeinstieg bieten – oder den Namen des getesteten Produktes in einer schönen Einleitung aufgreifen. Doch Roccat, bekannt für Gaming-Zubehör aus deutschen Landen, macht es uns mit dem Alumic nicht besonders leicht.

Das Mauspad hat zwei Seiten, die über jeweils andere Gleit- und Spieleigenschaften verfügen. Ein Witz über A- und B-Seiten? In Zeiten, in denen jüngere Mitbürger schon mit Begriffen wie Compact Cassette, C64, Saber Rider, Anstand, Grammatik oder eben auch nur Langspielplatten nichts mehr anfangen können, sparen wir uns lieber die Mühe und stellen in der Einleitung das Produkt kurz vor (und freuen uns diebisch über einen weiteren geschriebenen Absatz).

Roccat Alumic – das ist nach Sota, Sense und Taito das nächste Mauspad der Hamburger. Grundsätzlich unterscheidet man zwei Spielertypen: Auf der einen Seite stehen die High-Senser (zu Neudeutsch „Hochfühler“), die ihre Maus am liebsten gerade einmal einen knappen Mikrometer bewegen um den Cursor von einem Eck des 30 Zoll Monitors ans andere Ende zu bewegen. Auf der anderen Seite tummeln sich die Zocker, deren Armmuskulatur zumindest noch rudimentär vorhanden ist. Sie schieben ihren Nager mit langen Gleitwegen meterweit über das Pad und freuen sich über jeden zurückgelegten Zentimeter auf dem Bildschirm. Diese Exemplare der Zockergemeinde zählen sich zu den Low-Sensern (Schwäbisch: „Niedersinnige“).

Während viele Mauspads eher das eine oder das andere Lager bedienen, wagt Roccat mit dem Alumic den Spagat und bietet einfach beiden Seiten etwas – mit zwei Seiten. Was kompliziert klingt, ist recht einfach darzustellen: Eine Seite für High-Senser, die andere Seite für Low-Senser. Die Auswahl der richtigen Seite erfolgt, ganz analog, per Muskelkraft. Auf den folgenden Seiten wollen wir alle Seiten des Alumic beleuchten (…alle Seiten… Mensch, war der gut!) und Stärken sowie Schwächen aufzeigen. Wir wünschen daher viel Spaß beim Lesen des Berichtes auf den nächsten Seiten.

Die Features, Verarbeitung und Optik

Einen ersten Eindruck über das Alumic und seinen Lieferumfang vermittelt unser kurzes Unboxing-Video:

Video abspielenRoccat Alumic Unboxing

Ein Highlight des Alumic Pads ist der namensgebende Aluminiumkern. Richtig gelesen: Aluminium… in einem Mauspad! Sinn und Zweck des Materials ist einerseits die hohe Widerstandsfähigkeit und Formstabilität. Und in der Tat: Sollte man daheim oder auf einer LAN Party von einem Bären, oder noch schlimmer von Fatal1ty, angegriffen werden, hat man mit dem Alumic stets eine wurf- und schlagbereite Waffe bei der Hand. Andererseits erhöht sich durch das gewählte Material natürlich auch das Gewicht, was ein leichtes Verrutschen erschweren soll.

Auffallend ist ebenfalls das unterschiedliche Design der beiden Seiten. Während die Vorderseite, laut Verpackung für Geschwindigkeit optimiert, in mattem Dunkelgrau-bis-fast-schwarz und einem hellgrauen Roccat-Logo daherkommt, bietet die für mehr Kontrolle ausgelegte Rückseite ein farbenfrohes Spiel in mehreren Varianten von Schwarz und Blau.

Der haptische Eindruck ist bemerkenswert. Das Mauspad hat ein ordentliches Gewicht und scheint tadellos verarbeitet zu sein. An den vier umgeformten Ecken befinden sich jeweils Gummierungen, die ein Verrutschen im Gefecht verhindern sollen. Durch die Materialstärke des Gummis wird das gesamte Pad allerdings etwas über die Tischplatte gehoben. Dank des Aluminiumkerns bleiben durchgewölbte Alumics jedoch mit Sicherheit die Ausnahme – es sei denn der Unglaubliche Hulk legt seine Pranken darauf und will, seinem seichten Gemüt entsprechend, seinen Skill in Counter Strike unter Beweis stellen. Alle nicht-mutierten Homo Sapiens (Sapiens) werden es wohl nicht schaffen Alumic aufgrund des Gewichts ihrer Hand zu verbiegen.

Wir setzen den Haptik-Ausflug fort und gleiten mit den Fingern über beide Mausflächen. Die schnelle Vorderseite besitzt eine sehr feine Körnung, die man eher sieht als dass man sie spüren könnte. Die Kontrolle versprechende Rückseite ist sogar von noch feinerer Struktur. Zu den Gleiteigenschaften mehr im Praxistest.

Im Lieferumfang befindet sich ein gut gepolstertes Gelkissen, das als Handballenauflage dienen soll. Das Kissen ist knapp zwei Zentimeter hoch und etwa 22,5 cm lang. Während die Länge eine vielseitige Aufstellung des Alumics erlaubt, also näher am Körper oder eben weiter weg, macht die Höhe des Kissens dem Anwender schnell einen Strich durch die Rechnung. Die Gelauflage ist schlichtweg zu hoch, um eine Maus bequem auf einer Fläche nutzen zu können. Daher entschieden wir uns schnell das Pad ohne Auflage zu verwenden. Zu unnatürlich und anstrengend ist sonst die abgesenkte, bzw. abgeknickte Haltung der Hand. Mit 331 x 272 mm ist das Mauspad für die meisten Anwender mehr als ausreichend dimensioniert.

Der Praxistest

Was wäre ein schickes Mauspad wert, wenn man es nicht zum Zocken verwenden würde? Natürlich viel, denn schon im Office- oder Surfbetrieb merkt man deutliche Unterschiede zwischen Mauspad und Mauspad. Jeder Gamer wird sofort beipflichten, dass ein Marken-Pad jeder Billigunterlage weit überlegen ist, selbst wenn der Einsatz sich aufs Surfen beschränkt. Das Alumic bietet gleich zwei hochwertige Oberflächen. Die Vorderseite soll High-Sense-Spielern das Leben erleichtern, während die etwas langsamere, dafür aber buntere, Rückseite mehr Kontrolle beim Bedienen des Nagers verspricht.

Und tatsächlich spürt man den Unterschied der beiden Seiten recht deutlich. Die schnelle Vorderseite verursacht kaum Reibung an den Gleitfüßen der Maus. Für den Test haben wir hauptsächlich zwei Gaming-Mäuse verwendet: Die Logitech G9 und die Roccat Kone [+]. Beide verfügen über hervorragende Gleiteigenschaften, was die schnelle Vorderseite der Alumic bestätigt. Sämtliche Bewegungen gehen leicht von der Hand, die Mäuse gleiten förmlich mit kaum hörbarem Reiben über die Oberfläche. Auch das aufgedruckte, bzw. -gelaserte Motiv stellt kein Hindernis dar.

Wählen wir eine niedrige Abtastrate, macht sich der Hauptunterschied zwischen beiden Seiten bemerkbar. Während feine Richtungsänderungen auf der schnellen Seite teilweise zu Sprüngen führen, punktet die langsame Seite mit Präzision. Gleiches gilt auch bei hohen Abtastraten, wobei dann der Effekt nicht ganz so stark auftritt. High-Sense-Scharfschützen werden auch mit der schnellen Seite noch genau zielen können. Die langsame Fläche punktet bei Präzisionsarbeit wie z.B. Bildbearbeitung. Hier spielt die Low-Sense-Fläche ihre Stärken aus. Zwar ist sie einen kleinen Tick lauter (aber immer noch sehr leise), da sie mehr Reibung verursacht. Allerdings ist präzises Arbeiten darauf eine wahre Freude.

Sicherlich erleichtern moderne Eingabegeräte das Arbeiten enorm. Allem voran sei hier die Möglichkeit der Veränderung der Abtastrate erwähnt. Doch mit der richtigen Unterlage trennt sich eben die Spreu vom Weizen. Bildbearbeitung bei kleinen Bewegungen mit niedriger Abtastung läuft mit der langsamen Fläche tatsächlich deutlich besser.

Ebenfalls erfreulich: Der Widerstand ist auf beiden Seiten in alle Bewegungsrichtungen gleich groß. Somit leiden das Spielgefühl und die Präzision nicht, wenn man zwischen Richtungen auf der x- und y-Achse hin und her wechselt. Auch die Anlauf- oder Haftreibung, die beim in-Gang-Setzen der Maus zu überwinden ist, ist angenehm niedrig. Obwohl die Rückseite langsamer ist und mehr Reibung erzeugt, fällt es erstaunlich leicht die Maus in Bewegung zu versetzen.

Wir haben nicht nur Bilder manipuliert, sondern auch das eine oder andere Spiel gespielt. So fiel es mit beiden Seiten der Alumic leicht sowohl schnelle Shooter als auch langsamere Strategietitel zu meistern. Beide Flächen eignen sich für alle Genres. Es bleibt dem Nutzer überlassen mit welcher Seite er glücklich wird.

Einziger Wermutstropfen sind die Gummifüße, die ein Verrutschen nicht verhindern können, wenn das Handgelenk gegen die untere Kante des Pads drückt. Je nach verwendeter Tischoberfläche kann es zu leichtem Wegrutschen kommen. Auf unserem lackierten Holztisch haben wir dieses kleine Problemchen gelöst, indem wir die Füße über die Tischkante ragen ließen. Die Gummiflächen fungieren so als Stoßpuffer. Das Pad sitzt dann so, streng genommen, etwas schief auf dem Tisch. Allerdings merkt man davon überhaupt nichts. Selbst wenn man aus der Not eine Tugend macht, wie in diesem Fall, spielt das Alumic Pad mit. Das ist mehr Zufall als Feature, aber dennoch erfreulich.

Tibor Bársony meint …

Tibor Bársony

Ein abschließendes Resümee zu ziehen, fällt im Falle des Roccat Alumic wahrlich nicht schwer. Roccat hat beim Design beinahe alles richtig gemacht. Die Verarbeitung ist tadellos: Hoher Materialwert, keine Klebereste an den Rändern, keine abfallenden Gummifüße, saubere Aufdrucke und ein beinahe unzerstörbares Kernmaterial. Der wahre Nerd hat mit dem Alumic ein Mauspad, das er mindestens zwei Generationen weiter vererben kann.

Auch die Eigenschaften sind hervorragend, denn Roccat bedruckt die Umverpackung nicht mit leerem Marketing-Versprechen, das sie nicht halten können. Die schnelle Seite ist wirklich schnell, die langsame hält das Versprechen von mehr Kontrolle über den Cursor. Das alleine wäre noch kein wirklicher Grund für Lob. Hier ist eher die Tatsache der Vielseitigkeit hervorzuheben. High-Senser werden mit der schnellen Fläche glücklich – auch bei feinen Bewegungen, Low-Sense-Spieler und Professionelle freuen sich über außerordentlich hohe Präzision auf der langsamen Lauffläche. Dabei weisen beide Seiten enorme Laufruhe und tolle Gleiteigenschaften auf, sodass für jede Vorliebe etwas dabei ist.

Einzig die gummierten Auflagen könnten bei arg rutschigen Tischflächen die Stimmung trüben. Doch für den Notfall eignen sich die unteren Füße, wie im Praxisteil erläutert, auch als ideale Stopper an der Tischkante.

Somit bleibt uns nicht viel mehr übrig als dem Roccat Alumic Pad unsere Empfehlung auszusprechen. Die Jungs und Mädels in Hamburg haben hier wahrlich ganze Arbeit geleistet und überzeugen mit einem vielseitigen, sehr gut verarbeiteten Produkt, das wohl jeden Zocker glücklich machen wird.

Stellt man den Preis von derzeit knapp 30 Euro den gebotenen Features und Eigenschaften gegenüber, stimmt sogar das Preis-/Leistungsverhältnis. Immerhin bekommt man für 30 Tacken gleich zwei überaus hochwertige Mauswiesen in einem. Daher hat sich das Roccat Alumic seine Awards redlich verdient.

  • Positiv
  • Tadellose, stabile Verarbeitung
  • Hervorragende Gleiteigenschaften
  • Leiser Betrieb
  • Zwei Mauspads in einem
  • Neutral
  • - / -
  • Negativ
  • Gummifüße können auf sehr glatten Flächen rutschen

Weiterführende Links

VG Wort
  • 0 Diskussionsbeiträge

  • Deine Meinung hinzufügen

  • Falsches oder unvollständiges Ergebnis

Cookies erleichtern uns die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr Infos