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Tech-Review.de

  • Sonntag, 29. November 2020
Lian Li PC-V600F

Lian Li PC-V600F: im Test

Einleitung

Der taiwanesische Hersteller Lian Li, bekannt durch edle Computer-Gehäuse auf sehr hohem Niveau, erweitert sein Portfolio durch den PC-V600F um ein zusätzliches Gehäuse mit dem Potential ein Kassenschlager der Oberklasse zu werden.

Das neue Case soll in der Lage sein, die älteren und dennoch sehr beliebten Luxus-Serien (PC-V1000, V1010, V2000) der Marke durch zeitgemäßere Innovationen wie den auswechselbaren Hot-Swap-Modulen, dem cleveren Kühlkonzept samt dessen Entkopplung in der Beliebtheit abzulösen. Bereits in der Vergangenheit gab es Gehäuse von Lian Li bei denen eine Lochrasterfront und stylische Rundungen angeboten wurden. Hier nagte jedoch der Zahn der Zeit, sodass sich im Puncto Features und neuen Ideen einiges verändert hat. Vieles wurde optimiert und auf aktuellen Stand der Technik gebracht. Der Hersteller versucht nun auch weiterhin seinen sehr hohen Standard zu halten was Qualität, Verarbeitung und Funktionsumfang anbelangt - aber natürlich was sich zugleich auch im Portemonnaie widerspiegelt, denn die Preise sind weiterhin im oberen Segment zu finden.

Wir sind neugierig, was die Konstrukteure aus Fernost mit dem Hang zur Perfektion alles in dieses kleines Case gepackt haben, welche Konzepte funktionsfähig integriert werden konnten und schauen uns den Austauschschüler während seines Besuches im TRV-Testlabor nun einmal etwas genauer an.

Verpackung und Lieferumfang

Geliefert wird das neue Case in einem stylischen Karton, auf dem nicht nur diverse Bilder, sondern darüber hinaus auch noch eine Vielzahl an Informationen zum Gehäuse aufgedruckt sind. So kann der User bereits hier sämtliche technische Details erfahren, oder sich die bebilderte Auflistung der enthaltenen Features anschauen. Auch die verschiedenen Farbmodelle samt Typennummer sind auf der Verpackung zu finden. Zunächst unterscheiden sich die ersten drei Modelle durch ihre Farben, denn hier gibt es Silber, Schwarz und Rot. Durch das letzte Modell kommt dann auch noch eine Variante, ebenfalls in Schwarz, jedoch mit Sichtfenster auf den Markt.

Die Verpackung

Im Bereich der technischen Innovationen halten sich viele Hersteller auf einem gleichen Niveau, nur die Art und Weise der Ausstattungsmerkmale, dessen Verarbeitung und Anzahl variiert je nach Preisklasse. Bei Lian Li wird bereits seit Jahrzehnten Qualität sehr hochgehalten, was sich zwangsläufig auch im Preis widerspiegelt. Auf Dinge wie weder sinn- noch nutzlos sind wurde daher auch im Lieferumfang verzichtet. Es sind neben den obligatorischen Schrauben-Sets für die Laufwerke und dem Mainboard auch noch zwei Kabelbinder für die Kabelverlegung, ein Lautsprecher für die Mainboard-Piepstöne sowie Antivibrationsfilter in Form von Einschubleisten und Gummipuffer für die Festplatten dabei. Darüber hinaus erhält der Anwender ein lobenswertes Konverter-Kabel, um die USB 3.0-Ports des Frontpanels direkt mit den Anschlüssen auf der Hauptplatine auch bei älterem Standard nutzbar zu machen. Damit entfällt die bisherige Praxis, den neuen Port über ein normales USB-Kabel umständlich an die Rückseite des Gehäuses zu führen und dort beim I/O-Shield einzustecken.

Des Weiteren ist eine mehrsprachige, bebilderte Montageanleitung enthalten, die alle wichtigen Punkte des Einbaus der Komponenten detailliert beschreibt. Zur Eigenwerbung packt Lian Li dann auch noch eine PC-Zubehörliste dazu, auf der jede Menge Accessoires, passend zum Case, zu finden sind und auch darüber hinaus. Hierzu gehören diverse Laufwerksblenden, weitere HDD-Käfige oder auch komplette Festplattengehäuse als externen USB- oder eSATA-Medium. Gerade die Produktvielfalt lässt keine Wünsche zur individuellen Gestaltung des eigenen Cases offen.

Der Lieferumfang im Detail:

  • Gehäuse PC-V600 in der Version A (Silber)
  • USB-Konverter
  • Kabelbinder
  • Montagematerial
  • Mainboard-Lautsprecher (Beeper)
  • Vibrationsfilter
  • Installations-Guide
  • Liste über optionales Zubehör

Technische Daten

Das PC-V600F ist technisch gesehen auf aktuellem Stand und bietet neben aktueller Schnittstellen weitere sehr praktische und interessante Features an. Lian Li setzt neben der Fertigung aus Voll-Aluminium auf technische Detail wie leicht arretierbare Festplatten, einfacher Wechsel der Komponenten und eine möglichst großzügige Kompatibilitätsliste zu aktuellen Grafikkarten und Netzteilen bei dessen Ausmaßen. Das Mainboardtray bietet reichlich Platz für den Einbau von Mini- oder Micro-ATX Mainboards. Der obere Laufwerksschacht lässt sich für die Montage von Grafikkarten mit einer maximalen Länge von 37 cm komplett demontieren. Zur Eliminierung von störenden Vibrationsgeräuschen sind Festplattenlaufwerke und Netzteil vom Gehäuse entkoppelt. Ob dies klappt, testen wir im Praxisteil dieses Reviews.

Für den leichteren Zugang zu den Anschlüssen - manche sagen auch: "Zur Unterstützung der Bequemlichkeit des Nutzers!" - wurde im Deckel ein leicht erreichbares Anschluss-Panel mit allen notwendigen Schnittstellen angebracht. Das ist sehr praktisch, da gerade die kleineren Tower zumeist ihren Stellplatz direkt auf dem Tisch finden.

Modellnummer PC-V600F
Gehäusetyp Mini Tower
Maße (HxBxT) 390 x 191 x 470 mm
Material Voll-Aluminum
Farbvarianten Schwarz / Silber / Rot / Schwarz (Innenraum ebenfalls)
Laufwerke ODD ext. 2
HDD int. 5 (Sata hot swap)
SSD int. 2
Erweiterungs-Slots 4
M/B Mini-ATX / Micro- ATX
I/O 2x USB 3.0, 1x eSATA, je 1x Mikrofon & Headset (HD Audio)
Lüfter Front 120 mm LED
Oben 120 mm
Max. GraKa-Länge 370 mm
Max. Netzteil-Länge 270 mm
Max. CPU-Kühler-Höhe 150 mm
Netto-Leergewicht

5 Kg

Preis: ~ 175 €
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Außencheck

Schaut man sich das neue Case nun an, fällt direkt das dezente Design samt seiner klaren Linien-Struktur auf. Lian li-typisch wird das Gehäuse sehr edel, ist in seiner Gestaltung aber in keinem Bereich aufdringlich oder verspielt, sondern wirkt seriös und professionell. Keine abstrakten Aufbauten aus Kunststoff, keine sinnlosen optischen Gimmicks. Lediglich die blau leuchtenden Frontlüfter und die Meshbereiche fügen dem sonst doch eher vorherrschend schlichten Design ein gewisses Maß an futuristischen Style-Elementen hinzu. Blickt man darunter, so schimmern dort die beiden blauleuchtenden 12 mm - Lüfter durch das Gitter. Finalisiert wird das optische Bild durch ein chromfarbendes Lian Li-Emblem. Bei der Materialdicke macht der Hersteller keine Abstriche, alles wirkt sehr robust.

Die Frontseite bietet neben der kompletten Gestaltung in Mesh-Gitter Platz für zwei 5,25" Laufwerke. Lian Li spendiert hier ab Werk eine gleichfarbige Slotblende, hinter dessen sich das eigene Laufwerk verstecken ließe. Für den zweiten Laufwerks-Schacht ist eine Blanko-Blende vormontiert.

Die vorderen Laufwerkblenden

Auch im Deckel ist einiges zu sehen, denn schon alleine der abgerundete Übergang der Front, ebenfalls mit Mesh-Gitter, ist design-technisch wunderbar gelöst und durchbricht damit die sonst häufig anzutreffende, kantige Bauart vieler anderer Modelle. Zudem sind die Rundungen bereits ein klassisches Merkmal bei der V-Serie, V1000, V1010, V1020, gewesen und kamen beim Anwender sehr gut an. Schlicht aber mit Stil ist hier ein klar erkennbares Kredo der Entwickler.

Der Deckel beherbergt im vorderen Bereich das Multi-Panel mit Anschlussmöglichkeiten für USB-Geräte, von externen Festplatten über eSata und natürlich wird auch die Verwendung eines Headsets angeboten. Power- und Status-LED sind mit dem Resetbutton vereint, dieser Button leuchtet entweder permanent oder ist beim Zugriff auf die Datenlaufwerke am blinken. Die Augen zum Heck gerichtet ist erneut ein Mesh-Bereich zu finden, unter dessen Oberfläche ein 120mm-Luftschaufler, geschützt durch einen Staubfilter, seine Arbeit verrichtet.

Bei der Rückseite des Gehäuses wird der Stil des klaren "Unterstatements" in Form von dezenter Ausstattung weitergeführt. Das Netzteil bekommt einen Platz im kühlen Keller des Hausen und kann mit als auch ohne der zusätzlichen Arretierungsschiene montiert werden. Darüber haben wir dann vier Slots für Steckkarten. Auf eine Einbaumöglichkeit eines Hecklüfters wurde hier komplett verzichtet. Ob sich das nicht später bei den Temperaturmessungen rächt, wird sich zeigen.

Damit das Netzteil sein Innenleben nicht mit Staub zuschüttet, ist an der Unterseite des Gehäuses ein Staubfilter angebracht. Dieser Netzfilter kann mit leichter Gewalt aus seiner Halterung gezogen und abgewaschen werden. Weitergeblickt sind die 4 gummierten und mit einem chromfarbenden Ring bestückten Gehäusefüße zu finden, welche dem gesamten Aufbau hochwertiger erscheinen lassen. Mit der Gummischicht sollen zudem Vibrationen nicht an den Untergrund weitergegeben und damit gefiltert werden.

Innencheck

So dezent sich Lian Li am Außenbereich zu schaffen machte, so durchdacht und umfangreich geht es im Inneren des V600F weiter. Die hohe Verarbeitungsqualität ist an jeder Ecke zu erkennen. Beide Seitentüren, ebenfalls aus gebürstetem Aluminium, lassen sich komplett ohne zur Hilfenahme von Werkzeug öffnen. Möglich wird dies durch ein Klipp-System, bei dem ein Metallstift in eine Kunststoff-Feder einrastet.

Im rechten Bereich haben wir die getrennten Module. Oben können zwei 5,25" und in den unteren Bereichen fünf 3,5" Laufwerke eine Herberge finden. Auch zwei 2,5" Pendanten, z.B. eine SSD, finden hier ihren Platz.

Während beim oberen Modul ein Schnellverschluss-System zum Einsatz kommt, handelt es sich um die beiden unteren Käfige um Hot-Swap-Module. Hot-Swap bietet die Möglichkeit, die Laufwerke im Live-Betrieb zu entnehmen oder weitere hinzuzufügen ohne das Betriebssystem neu zu starten. Da die Käfige hier im Voraus direkt mit den 4 Pin-Molex- und Sata-Stecker versorgt werden, entfällt beim Tausch der Laufwerke auch das meist nervige Neuverkabeln jener. Zum Einbau werden die Festplattenlaufwerke mit den im Lieferumfang beiliegenden Montageschienen bestückt und dann in die Schächte eingeführt. Gummipuffer an den speziellen Schrauben dienen der Entkopplung der Geräte. SSDs werden hier auf der Oberseite des jeweiligen Käfigs montiert.

Beide unteren Module lassen sich schnell und einfach über Rändelschrauben entfernen und bieten damit mehr Platz für überlange Grafikkarten oder anderweitige Verwendung des gewonnenen Freiraums.

Grafikkarten haben viel Platz

Gut zu sehen sind auch die beiden 120mm-LED-Lüfter des Typs LI121225BE-B4-C. Diese sorgen für ausreichend Frischluft im Gehäuse und bieten zugleich durch die LED-Beleuchtung ein optisches Highlight. Beide Lüfter sind einzeln über Anti-Vibrationsschrauben mit dem Gehäuse verbunden und lassen sich durch einfaches zur Seite ziehen bequem samt vormontierten Staubfilter entfernen.

Am Boden ist der Stellplatz des Netzteils zu finden. Hier sind zu Entkopplung und damit zur Geräuschreduktion zwei Gummistreifen verklebt. Damit dieses Konzept auch aufgeht und zugleich das Gehäuse von Schrammen aufgrund der Verschraubung verschont wird, hat Lian Li zusätzlich eine nach Innen versetzte Halterung dazu gepackt, die am Netzteil befestigt wird. Das komplette Gespann muss dann nur noch mit den vier Rändelschrauben (inklusive Gummiunterlegscheiben) an das Gehäuse gedreht werden. Sinn und Zweck dieser Halterung ist neben der Lackschonung durch die Gummischeiben, zugleich die Möglichkeit einer schnellen Montage ohne Werkzeug.

Auf dem Mainboardtray sind die Abstandbolzen bereits vormontiert und sparen damit beim Einbau der Micro-, bzw. Mini-ATX-Systeme wertvolle Zeit. Um einen Wechsel der Backplate des Kühlers auch im eingebauten Zustand zu ermöglichen, ist auch hier eine bereits übliche Aussparung im Tray. Rechts unten im Tray ist noch ein weiterer Ausschnitt mit Kantenschutz-Ring für das Kabelmanagement zu finden. Darüber hinaus bietet das Mainboard-Tray noch diverse, leider nicht speziell dokumentierte Montage-Löcher.

Die Rückseite bietet von Innen nur den NT-Schacht, die Aussparung für das I/O-Shield des Mainboards und die PCI-Slotblenden. Diese sind über einfache Rändelschrauben befestigt und lassen durch ihre Luftschlitze die Luft besser zirkulieren.

Die hinteren Karten-Slotblenden

Im Deckel des Gehäuses ist nur noch der 120mm Lüfter des Typs Lian Li LI121425BE-4-A und ohne Beleuchtung zu finden. Auch hier kommt natürlich wieder ein bereits vormontierter Staubfilter zum Einsatz, ebenso lässt sich der Lüfter komplett ohne Werkzeug abnehmen. Dazu kommt dasselbe System wie bereit bei den Frontlüftern zum Einsatz.

Der hintere Lüfter

Natürlich sind auch alle notwendigen Kabel bereits enthalten und darüber hinaus ein ganz spezielles Highlight. Der Anwender des PC-V600F kann mit diesem blauen Stecker den USB-Port direkt mit der Hauptplatine verbinden (USB 3.0-Pinleiste). Eine wirklich gut durchdachte Angelegenheit und damit für jeden User, unabhängig vom Mainboard, was passendes dabei.

Der USB3.0-Anschluss des Front-Panels für das Mainboard

Praxistest

Folgendes Testsystem kam dabei zum Einsatz:

Motherboard ASRock N68C-S (AM2+)
CPU AMD Athlon64 X2 4200+ EE 2200Mhz 2x512KB
RAM 1024 MB DDR2 800Mhz Corsair PC2-6400 CL5
Grafikkarte ATI Radeon HD 5850 (Cypress) (Core-Clock 775 MHz - Mem-Clock 1125 MHz)
Betriebssystem Microsoft Windows 7 64bit
CPU-Kühler Zalman CNPS9500 AM2
Festplatte 1 x 160GB Samsung HD160JJ 7200rpm sATAII
Netzteil Gigabyte Superb 720 GE-P610A-C2

Als ersten Schritt haben wir die Frontblende demontieren müssen, da unser Testlaufwerk mit einer schwarzen Blende ausgestattet ist. Dazu sind zwei Schrauben zu lösen. Dies ist sehr unglücklich gelöst, da der restliche Hardwareeinbau ohne Werkzeug funktioniert. Danach ist die darunterliegende Blende zu entfernen und zum Einschieben des Laufwerks dann die Klapp-Blende in den unteren Schacht zu legen. Erst dann kann das DVD-Laufwerk eingeschoben, die Blende wieder vorgesetzt und angeschraubt, sowie das Laufwerk entsprechend der Löcher für das Schnellverschluss-Systems herangedrückt werden. Das Verschluss-System von PC-V600F entspricht selbigem System des PC-K63-Gehäuses, ist also sehr praktisch, schließt einfach und hält die Laufwerke ausreichend fest. Um kurze Frontpanels montieren zu können, sind daneben auch noch normale Schraubenlöcher zu finden.

Nach dem, durch die vormontierten Abstandshalter, fixen Mainboardeinbau bremste uns der Prozessorkühler leider ein. Ausgelegt ist der PC-V600F laut technischer Spezifikationen der Homepage für Kühler bis zu einer Höhe von 160 Millimeter. Unser verwendeter Spire-Kühler hat eine Höhe von 155 Millimeter, war für das Case jedoch zu hoch: Der Deckel ließ sich schlicht und einfach nicht mehr schließen. Eine Nachfrage bei Lian Li ergab, dass der Hersteller hier einen Fehler bei den technischen Details gemacht hat. Tatsächlich können nur Kühler bis zu einer maximalen Höhe von 150 mm im Gehäuse verwendet werden. Aktuell sind die Änderungen auf der Homepage noch nicht ausgeführt worden, nach Aussage von Lian Li, wird dies aber sehr kurzfristig geschehen. Aufgrund dieser Inkompatibilität musste ein älterer und flacherer Kühler für die weitere Arbeit herhalten. Bei diesem Modell war es leider nicht möglich, wegen der Sockelhalterung, den Luftstrom nach oben zu lenken, was angesichts des nicht vorhandenen Hecklüfters effizienter gewesen wäre. Zudem sei zu Erwähnen, dass es schwer sein wird außerhalb der Mainstreamhöhe von 160 mm einen Kühler mit 120 mm-Lüfter zu finden. Zwar lassen sich High-End Grafikkarten verbauen, bei der Wahl von High-End CPU-Kühlern schränkt das V600F jedoch ein: Möglich wären der Noctua NH-C14 für Silentfans (Zum Testbericht) oder sehr leistungsfähige, aber laute Hydrokühler wie z. B. die H80 von Corsair (Zum Testbericht).

Als das Netzteil an der Reihe war, ging der Ärger weiter. Zuerst muss der Montagerahmen an das Netzteil montiert und beides dann in den Tower gesteckt werden - aufgrund der Halteklammer der Seitentür die im Weg war, ist der Einbau ein Kraftakt gewesen.

Der Halteklipp der Seitentür blockiert leicht das Netzteil

Unschön ist auch die Tatsache, dass die Rändelschrauben zwar durch den Gummiring den Lack beim Festziehen schützen, eine weitere Gummilage zwischen Gehäuse und Montagerahmen aber die gesamte Konstruktion komplett entkoppelt hätte. Da der Rahmen jedoch einen direkten Kontakt mit dem Gehäuseaufbau hat, werden somit auch weiterhin Vibrationen ans Case abgegeben.

Der Montagerahmen des Netzteils ist nicht entkoppelt

Wie bei jedem Einbau mussten hier nun natürlich noch die ganzen Kabelstränge möglichst sorgfältig verlegt werden. Von den versprochenen Kabel-Ösen im Case fehlte jedoch jede Spur, auch im Lieferumfang war von den angepriesenen Klebeführungen nichts zu sehen. Da es jedoch überall beworben wird, gehen wir davon aus, das es bei unserem Sample schlichtweg vergessen wurde. Schade, aber kein Grund den Tower hier abzuwerten. Platzmäßig hat die Rückseite zwischen Seitenwand und Mainboard-Tray mit rund 1,8 Zentimetern auch ausreichend Luft um die Kabel bequem zu verlegen – sollte man meinen! Sind Kabelstränge dabei, die ein wenig Druck auf die Seitenwand ausüben, so löst sich ständig die Arretierung und es bildet sich ein unschöner Spalt. So toll die Idee auch war, bei dickeren Strängen oder gar noch umfangreichere Bündel ist dahinter zu wenig Platz um ein Drücken und damit Öffnen der Seitenwand zu verhindern.

Positiv geht es dann aber bei den Festplattenkäfigen, also der Montage unserer Testplatte weiter. Zum Einbau ist es lediglich notwendig eine Schiene samt speziellen Abstandsschrauben am Laufwerk zu montieren. Dann muss beim Käfig über eine Rändelschraube der Sicherungsverschluss geöffnet, die Platte in die Schiene gesteckt und dann das Verschlusssystem wieder verschlossen werden. Das klappt wunderbar und durch die Hot-Swap-Technik ist der ganze Kabel-Kram schon zuvor an der Rückseite absolviert worden. Die Festplatten können nun ohne Kabel-Stress auch im laufenden Betrieb gewechselt werden.

Befinden sich die Anschlüsse an der Oberseite der Platine lässt sich das Pixelgerät gerade noch so montieren. Beim Einbauvorgang unserer Testkarte mit den Buchsen direkt am Ende mussten wir zum Einstecken der Stromkabel bereits einen Käfig kurzfristig entfernen. Bei längeren Modellen muss jedoch ein HDD-Käfig dauerhaft weichen.

Die fertig eingebauten Komponenten

Die Lüfter

Ab Werk sind insgesamt drei Lüfter vormontiert: zwei blau leuchtende 120mm LED-Lüfter in der Front, sowie ein 120mm-Schaufler im Deckel. Für optionale Lüfter verfügt das Case über keine weiteren Montageplätze. Alle Lüfter sind extrem laufruhig und gegenüber CPU- und Netzteillüfter auch bei näherem Hinhören kaum auszumachen. Kein Brummen, kein Lagerschleifen, keine Schreihalse - hier ist alles im grünen Bereich! Leider ist dies auch bei einem so teuren Case keine Selbstverständlichkeit. Nicht selten sind laute und viel zu schnell drehende Pendanten verbaut. Die hier verwendeten Lüfter liegen in einem angenehmen Drehzahlspektrum, ohne ihre Kühlwirkung einbüßen zu müssen.

Sehr schön ist auch die Tatsache, dass alle Lüfter über einen 3-Pin-Anschluss mit der eigenen Lüftersteuerung verbunden werden könnten und so eine individuelle Regelung möglich ist. Auch die Vibrationsdämmung funktioniert hervorragend.

Technische Daten, Lüfter hinten

Oben (Lian Li LI121425BE-4-A)

Lüfter 120 x 120 x 250 mm
Spannung 12 V
Farbe Schwarz
Beleuchtung Keine
Leistungsaufnahme ~ 2,88 Watt
Ampere 0,14 A
Geschwindigkeit 1000 U/Min
Technische Daten, Lüfter vorne

Front (Lian Li LI121225BE-B4-C)

Lüfter 120 x 120 x 250 mm
Spannung 12 V
Farbe Transparent
Beleuchtung Blau
Leistungsaufnahme ~ 2,4 Watt
Ampere 0,20 A
Geschwindigkeit 1100 U/Min
Die leuchtenden Frontlüfter

Temperaturmessung

Damit wir die maximale Temperatur unserer CPU ermitteln konnten, haben wir das System nach einer 30 Minütigen Aufwärmphase mit dem kostenlos verfügbaren Stress-Test-Tool Prime 95 für die Dauer von ebenfalls 30 Minuten ausgelastet. Gewählt wurde an dieser Stelle der Small-FFT-Test, welcher die höchste Verlustleistung erzeugt. Das Tool Aida64 von der Firma FinalWire ltd. wurde verwendet, um die gemessen Temperaturen zu protokollieren. Zum Schluss haben wir aus den Temperaturmessungen beider Einzelkerne den Mittelwert für die CPU-Temperatur gebildet.

Da es inzwischen für jede Bench-Situation passende Softwarelösungen gibt, haben wir im Anschluss an den CPU-Bench die Grafikkarte mit dem ebenfalls kostenlosen OpenGL-Mess-Tool "Furmark" im Xtreme-Burning-Mode bei einer Auflösung von 1280x720 Pixel und 8xMSAA für wiederum 30 Minuten schwitzen lassen.

Alle Temperaturmessungen finden einmal mit maximaler Drehzahl (1000 U/Min), als auch mit geringster Drehzahl (500 U/Min) des Front- und Deckellüfters statt. Die niedrigste Drehzahl haben wir mit unserer Lüftersteuerung NZXT Sentry LXE fest eingestellt. Neben dem Netzteil (Gigabyte Superb 720 GE-P610A-C2), sowie dem CPU-Lüfter (Zalman CNPS9500 - konstant auf 12V laufend) und natürlich den vormontierten Exemplaren befanden sich keine weiteren Lüfter im System. Da heutige Systeme zahlreiche Energiesparfunktionen beherbergen und damit den Stromverbrauch, ergo die Wärmeabgabe im Leerlauf massiv absenken, haben wir auf einen Test im Idle-Modus verzichtet.

Das gute Kühlergebnis ist mit dem Material des Gehäuses zu erklären. Aluminium leitet die entstehende Wärme des Inneren schneller nach Außen als es Kunststoff-, oder Metall-Elemente je könnten. Daher waren der Innenraum und die Komponenten selbst auch nach über zwei Stunden noch gefühlt "eiskalt", was sich bei den gemessenen Temperaturen widerspiegelte. Trotz des geschlossenen Hecks und ohne weiteren Lüfter sehr gute Ergebnisse.

Mario Kramer meint …

Mario Kramer

Insgesamt drei Wochen haben wir den neuen Kollegen der PC-V Serie von Lian Li begutachten dürfen. Dabei sind sehr schöne Dinge zusammengekommen, wie die Hot-Swap-fähigen Festplattenkäfige, ein hervorragendes Schnellverschluss-System mit sicheren Halt, laufruhige Lüfter, das sehr edle Design und die praktische USB-Lösung mit dem Konverter. Der Tower ist sehr leicht und die Verarbeitung Lian Li-typisch perfekt. Das Material ist in ausreichender Dicke und sehr stabil.

Leider haben sich im Test auch einige Dinge gefunden, bei denen sich die Schmunzelgrenze aufgrund des Kaufpreises von rund 200 Euro eher in Grenzen hielt, wie die fehlenden Kabelführungen, der erschwerte Einbau oder die nicht ganz zu Ende gedachte Vibrationsdämpfung des Netzteils. Besonders unglücklich ist jedoch die Angelegenheit mit der Angabe der fehlerhaften technischen Daten. Laut herstellereigenem Datenblatt auf der Homepage lassen sich Kühler mit einer maximalen Höhe von 160 Millimetern verbauen. Die ist eine fehlerhafte Angabe gewesen, denn es bleibt die unschöne Tatsache, dass mit dieser Beschränkung auf 150 Millimeter die Auswahl der Tower-Kühler deutlich geringer ist. Unpassend und keineswegs mehr zeitgemäß ist auch die Montage bzw. die Demontage der Vorblende für andersfarbige Laufwerke. Zu Umständlich ist der Ausbau der Blende, um das Laufwerk einzuschieben.

Betrachtet man die Vor- und Nachteile dieses Gehäuses stellt man schnell fest, dass ein Großteil durch kleine Modifikationen beseitigt werden kann. Angesichts dieser Versäumnisse in Verbindung mit dem hohen Preis reicht es in unserem Test daher trotz Edelschmiede nur für ein "Gut". Eine Kaufempfehlung können wir bei dieser Preisklasse nur gegenüber echten Lian-Li Enthusiasten aussprechen, sowie Leuten, denen edles Design gepaart mit einer wirklich sehr guten Verarbeitung wichtiger ist, als das Gehäuse mit High-End-Komponenten wie ausladenden Kühlern und einer dementsprechend kraftvollen Grafikkarte ausstatten zu wollen.

  • Positiv
  • Edles Design
  • Top Material – Vollaluminium
  • Geringes Gewicht
  • Sehr gutes Schnellverschluss-System
  • USB 3.0 Unterstützung samt Konverter für USB 2.0
  • Laufruhige Lüfter und gute Kühlung
  • Ausreichend Platz für die Montage
  • Clevere Laufwerkskäfige mit Hot-Swap-Technologie
  • Leicht verständliche und bebilderte Montageanleitung
  • Neutral
  • Negativ
  • Seitenwand-Arretierung teils zu schwach (speziell Rückwand)
  • Inkompatibilität mit 160mm- Kühlern
  • Vibrationsdämpfung beim NT nicht zu Ende gedacht
  • Unzeitgemäße Entfernung der Vorblende für andersfarbige Laufwerke
  • Zu hoher Preis

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