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Tech-Review.de

  • Montag, 10. August 2020
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Cougar GX-S450

Cougar GX-S450: Die Rückkehr der Raubkatze!

Einleitung

Heute haben wir wieder ein Modell eines Netzteilherstellers mit vielen Jahren an Erfahrung im Haus. Cougar ist schließlich nichts anderes als eine Tochterfirma des Giganten HEC/Compucase und damit einer der wenigen Anbieter von Netzteilen im Endkundenmarkt, der seine Geräte teilweise in hauseigenen Fabriken fertigt. Das heutige Sample hört konkret auf den Namen GX-S 450 und ist das Produkt eines sehr aggressiv angesetzten Preises von Cougar. Ein 80+ Gold Gerät mit DC-DC Wandlern in einer Preisklasse in der sich sonst fast nur Bronze oder einige wenige Silber Geräte tummeln. Damit bringt Cougar als Erstes ein effizientes Gerät für kostengünstigere Rechner ohne laut Spezifikationen Abstriche bei Ausstattung oder Elektronik zu machen. Interessanterweise wurde das GX-S nicht von HEC gefertigt, was naheliegend wäre, sondern dieses Modell hat man stattdessen beim externen Fertiger Highpower/Sirfa in Auftrag gegeben.

Wie immer bei preislich sehr interessant angesetzten Geräten drängt sich die Frage auf, wo gespart wurde. Viele Hersteller sparen leider am falschen Ende und lassen so zum Teil Schutzschaltungen vermissen oder verwenden qualitativ schlechte Bauteile. Dies reduziert die Lebensdauer des Netzteils oder teilweise gar des ganzen PCs drastisch und ist der Grund, warum es kaum empfehlenswerte Budget-Netzteile gibt. Cougar hat uns aber schon mit dem LX500 gezeigt, dass sie wissen, wo man Kosten einsparen darf – wir sind gespannt, ob das auch beim GX-S so gut umgesetzt wurde oder ob die Raubkatze diesmal eher einen zahnlosen Stubentiger abliefert.

Spezifikationen und Features

Auch wenn die Verpackung schlicht gehalten ist, geizt die Vorderseite nicht mit Details zum Gerät. Die beiden großen Pluspunkte, 80+ Gold Effizienz sowie DC-DC Wandler für perfekt stabile Nebenspannungen werden jeweils durch ein großes Icon als auch im Text am unteren Rand der Packung angekündigt. Zudem sei das Netzteil sehr leise und auch bei 40 °C Umgebungstemperatur noch zuverlässig einsetzbar. Drei Jahre Garantie sind für ein Gerät aus der Einstiegs- bis Mittelklasse gut bemessen. In einigen Ländern (u.A. Deutschland) bietet der Hersteller sogar fünf Jahre Garantie - hervorragend! Das ist weniger als die meisten aktuellen Spitzengeräte bieten, aber hier müssen wir uns trotz der herausragenden Spezifikationen wieder die Preisklasse des Netzteils vor Augen führen – wir haben es mit einem Budget-Gerät zu tun und da sind drei Jahre Garantie durchaus gut, fünf Jahre sogar sehr viel.

Auf der Rückseite der Verpackung wird durch etwas undurchsichtige Kurvendiagramme verdeutlicht, dass das Gerät effizienter, leiser und bei hoher Temperatur leistungsfähiger als „andere“ sei. Interessant an diesen Graphen ist allerdings die Lüfterkurve – das Netzteil beginnt bei niedriger Last deutlich unter 600 Umdrehungen pro Minute und überschreitet erst bei ca. 80% Last die 700 rpm. Wenn ein qualitativ hochwertiger Lüfter verbaut wurde, ist das Netzteil nicht nur effizient, sondern auch leise! Ob dem wirklich so ist werden wir später auf Seite 7 im Detail nachmessen.

Mit 140 Millimetern Länge reiht sich das Netzteil in die Liste der kürzesten ATX Netzteile ein. In einem Big Tower mag das irrelevant sein, aber in kleinen Mikro ATX oder gar Mini ITX Gehäusen können die 10-20 Millimeter Länge entscheiden, ob der Platz für vernünftiges Kabelmanagement gegeben ist oder eben nicht. Zu den Schutzschaltungen erwähnt Cougar nicht viel, lediglich eine „optimierte“ OCP (Überstrom-Abschaltung). Auf der Homepage des Herstellers finden wir dann noch weitere Infos. OCP, OPP, OVP, UVP und SCP seien verbaut. Bis auf eine Übertemperatur-Abschaltung vermissen wir hier nichts. Letztere ist im normalen Betrieb irrelevant und muss lediglich eingreifen, falls das Netzteil in extrem heißen Umgebungen betrieben wird oder der Lüfter ausfällt. Für den normalen Kunden also eine vernachlässigbare Einsparung, welche wir zuletzt auch schon beim teureren Enermax Platimax D.F. gefunden haben.

Das von uns getestete 450 Watt Modell kann auf 5 Volt und 3,3 Volt jeweils 20 Ampere liefern (zusammen maximal 105 Watt), auf 12 Volt 37,5 Ampere auf einer Schiene. Dies entspricht genau der angegebenen Maximalleistung von 450 Watt – DC-DC Wandler machen es möglich! Die 5 Volt Stand-By Schiene ist mit 3 Ampere belastbar, was aktuell dem Durchschnitt entspricht.

Äußeres, Lieferumfang und Kabelausstattung

Der Lieferumfang fällt, angesichts der Preisklasse wenig überraschend, etwas spartanisch aus. Das Wichtigste ist dabei, aber nicht mehr. Doch Hand aufs Herz, wer benötigt mehr als ein Kaltgerätekabel, vier Schrauben zur Befestigung und eine Hand voll (fünf an der Zahl) Kabelbinder für das Kabelmanagement? Modulare Kabel gibt es keine, alle sind fest am Netzteil verbaut, welches gut von einer Luftpolsterfolie geschützt im kleinen Produktkarton verstaut liegt.

Das Gehäuse des GX-S ist ein simpler, rechteckiger Blechkasten ohne Ornamente oder Zierblenden. Das Metall ist dick und stabil, wir konnten es weder verbiegen noch zum Klappern bringen. Das Lüftergitter ist ein ebenso schlichtes wie funktionales achteckiges Blechgitter welches den Airflow nicht behindert, aber Finger und Kabel zuverlässig von den Schaufeln fernhält. Einzig das schwarz/golden glänzende Raubkatzenlogo mittig über dem Lüfter lässt die inneren Qualitäten erahnen und bricht mit der minimalistischen Linie. Man merkt, dass am Äußeren des Netzteils gespart wurde, aber dennoch konnte eine konstant hohe Qualität bewahrt werden.

Die Kabel folgen diesem Motto. Wir finden hier keine Flachbandkabel, sondern gebündelt mit Gewebeschläuchen umhüllte Einzeladern. Die Sleeves sind leider nicht ganz straff gespannt und ein wenig blickdurchlässig, da aber die Adern allesamt schwarz sind, fällt das nicht weiter negativ auf. Im PC lassen sich die Kabel wegen ihrer Flexibilität hervorragend verlegen und sind dann kaum mehr zu sehen. Die Stecker sind schwarz und lassen sich ebenso einfach ein- wie auch ausstecken.

Hier eine Tabelle der Kabellängen:

Bezeichnung der Kabel  Kabel-Länge in cm
ATX 24 Pin  57
CPU 4+4 Pin  65
PCI-E 6+2 Pin & 6+2 Pin  55 & 67
4 x SATA  45 & 57 & 69 & 81
3 x MOLEX  45 & 57 & 69

Für ein 450 Watt Modell ist die Kabelausstattung genau richtig und liefert keinerlei Anlass für Kritik. Bei fix verlöteten Kabeln sind auch beide PCIe Stecker an einem Kabelstrang im Allgemeinen kein Problem. Trotzdem hat Cougar beim 550 Watt Modell vorbildlicher Weise zwei einzelne Stränge verbaut. Lediglich das kleine Modell im Test hat beide Stecker an einem Kabel angebracht, da hiermit ohnehin keine derart stromhungrige Grafikkarte betrieben werden kann. Besitzer einer Soundkarte mit 6 Pin haben allerdings ein Problem und müssen zu einem Molex -> PCIe Adapter greifen um ihre Soundkarte nutzen zu können.

Die Technik im Detail

Ein Hinweis vorweg:
Nicht nachmachen! Ihr begebt euch in Lebensgefahr, wenn ihr ein Netzteil aufschraubt!

Vorweg einige Abkürzungen, die wir bei der Analyse des Netzteils verwenden werden:

  • PCB = Printed circuit board, zu Deutsch Leiterplatte. Ein Träger für elektronische Bauteile.
  • IC = Integrated Circuit, Integrierter Schaltkreis. Viele elektronische Bauteile, zu einer Baugruppe zusammengefasst, in einem Bauteil.
  • PFC = Power Factor Correction, Blindfaktorkorrektur. Ein etwas komplexeres Thema, zu dem wir gerne auf den Wikipedia Artikel verweisen würden.

Ein paar weitere Informationen für die nicht ganz so Elektronikbegeisterten: Eine Drossel ist eine Spule aus isoliertem Draht, der um einen Kern gewickelt wurde. Primärseitig finden sich meist Drosseln mit zwei getrennten Spulen auf einem Kern, sodass beide "Pole" des Wechselstroms über eine Drossel fließen. X-Kondensatoren sind zwischen den beiden "Polen" des Wechselstroms eingelötete Kondensatoren und Y-Kondensatoren zwischen jeweils einem Pol und dem Schutzleiter. Aus diesen drei Bauelementen kann man Filterglieder aufbauen. Je nach ihrer Komplexität können sie, unterschiedlich gut, auftretende Störungen aus dem Stromnetz herausfiltern.

Lüfter
Cougar hat beim Lüfter zu einem Modell eines bekannten Herstellers gegriffen, wir finden einen Globefan S1202512L – ein 120 Millimeter Lüfter der bei 12 Volt maximal 0,18 Ampere verbraucht, wobei er mit höchstens 1000 Umdrehungen pro Minute laufen kann. Diese eher niedrige Maximalgeschwindigkeit lässt auf eine sehr niedrige Minimaldrehzahl schließen, was sich mit den Angaben der Verpackung deckt. Das verbaute Gleitlager ist, wie für die Typologie üblich, leise, aber nicht so langlebig wie beispielsweise ein Doppel-Kugellager oder ein hydrodynamisches Lager. Der Lüfter ist aber trotzdem mit 26.000 Stunden minimaler Lebensdauer spezifiziert – das wären bei 5 Stunden täglichen Betriebs immerhin satte 14 Jahre und damit länger als das Netzteil je in einem normalen Rechner verwendet werden würde. Selbst bei 24/7 Betrieb erreicht der Lüfter erst nach grob 3 Jahren diese Betriebszeit.

Filter und Gleichrichter
Direkt an der Netzbuchse sind ein X Kondensator (mit kleiner Platine zum Entladen) sowie zwei Y Kondensatoren untergebracht. Daneben hat Cougar eine kleine Überraschung für uns parat – ein zweipolig trennender Schalter! Nicht, dass das viel Einfluss hätte, aber trotzdem ist es immer toll einen Solchen zu sehen. Dieser trennt, egal wie der Stecker in der Schukodose steckt, immer Phase und Neutralleiter vom Netzteil und kann es daher garantiert komplett stromlos schalten. Durch einen Ferritkern führen die Kabel nun weiter zur Platine, wo nach einer Schmelzsicherung der restliche Netzfilter folgt. Hier sind eine Doppel-Drossel, zwei Y- und ein X-Kondensator und noch eine weitere Doppel-Drossel vor dem Gleichrichter verbaut. Hierbei handelt es sich - um genau zu sein - um ein GBU1006L, welcher auf 600 Volt bei maximal 10 Ampere ausgelegt ist. Da er zudem noch auf einen Kühlkörper geschraubt wurde, ist an dieser Stelle keine große Hitzeentwicklung zu erwarten.

Hinter dem Gleichrichter ist dann noch ein kleiner Folienkondensator sowie ein TVR10471V Varistor untergebracht. Dieser hat die Aufgabe das Netzteil vor Spannungsspitzen aus dem Stromnetz zu schützen indem er diese einfach „kurzschließt“, falls sie auftreten sollten. Gerade Varistoren finden sich nicht in allen Budget-Netzteilen, aber auch der restliche Filter ist vorbildlich bestückt.

PFC
In der PFC hat Highpower zur Abwechslung nicht zu Champion Supermicro Controllern gegriffen, wie man sie sonst in fast jedem aktuellen ATX Netzteil findet, sondern stattdessen einen ICE3PCS01G des deutschen Herstellers Infineon verbaut. Die dazugehörige Drossel ist als verlustarmer Schalenkern ausgeführt und die Transistoren wurden am Haupt-Kühlkörper befestigt – gegenüber von denen des Schaltwandlers.

Gleichrichter, PFC Drossel und Primärkondensator vor dem Kühlkörper

PWM und SR
Auch beim Schaltwandler wurde zu Infineon gegriffen: Dieser wird von einem Infineon ICE2HS01G gesteuert. Ähnlich wie die meistverwendeten Chips der Konkurrenz kann dieser eine resonant arbeitende Halbbrücke betreiben die als sehr effizienter LLC-Wandler ausgeführt ist. Die große Ferrit-Drossel in der Mitte des Netzteils sowie die beiden großen blauen Folienkondensatoren daneben ergänzen hierbei ein L und das C zum L des für ein 450 Watt Modell groß dimensionierten Transformators. Neben diesem effizienten Schaltwandler ist natürlich auch eine synchrone Gleichrichtung mit von der Partie, vom selben Chip angesteuert. Die dafür zuständigen MOSFETs stammen ebenfalls von Infineon und hören auf den Namen IPA040N06N. Ausgelegt sind sie auf je 60 Volt bei 69 Ampere, der Innenwiderstand beträgt sehr niedrige 4 Milliohm.

Da jeweils zwei Stück parallel verwendet werden, sinkt der effektive Widerstand auf 2 Milliohm. Dies ist nicht so wenig wie beispielsweise die SMD FETs im Whisper M aufgewiesen haben, für diese Aufgabe aber mehr als nur ausreichend. Ein niedrigerer Innenwiderstand senkt die Abwärme an den FETs und steigert damit die Effizienz, erhöht aber auch die Bauteilkosten. Zusätzlich sind diese Transistoren im TO-220 Gehäuse fest mit einem massigen Alu-Kühlkörper verschraubt. Hitzeprobleme können wir also ausschließen. Wie auch schon beim Wandler selbst hat man hier nicht das Gefühl, ein 450 Watt Gerät vor sich zu haben – vermutlich bleibt die Elektronik auch bei den leistungsstärkeren Modellen weitestgehend unverändert. Das hat bei unserem Sample den Vorteil, dass alle Teile weit von ihren Limits entfernt betrieben werden!

DC-DC
Als DC-DC Wandler finden wir nach all den neuen Chips hingegen wieder einen alten Bekannten, den Anpec APW7159. Diesen haben wir zuletzt im Bitfenix Whisper M oder dem Enermax Revo SFX gesehen. Der Chip kann mit wenig externer Beschaltung zwei unabhängige DC-DC Wandler bereitstellen. Zusätzlich verfügt er über UVP, OVP, OCP und OTP. Hier hat sich Highpower für insgesamt acht Stück IPD06N03L MOSFETs von Infineon (30 Volt, 50 Ampere, 5,9 Milliohm Innenwiderstand) entschieden – wenn sie die Beispielschaltung von Anpec verwendet haben, dann ergäbe das jeweils 2 MOSFETs parallel. Das wäre stark überdimensioniert für die Wandler der Minor Rails. Während wir diese Entscheidung nicht ganz verstehen, da sie unnötigerweise Kosten mit sich bringt, werden die Wandler dadurch belastbarer und effizienter als sie es bei einem Minimal-Aufbau wären. Als Drosseln kommen herkömmliche Ferrit-Ringe zum Einsatz.

+5 Volt Standby
Hier wurde von Highpower ein Sanken STR-A6069H verwendet. Dieser kann mit wenig externer Beschaltung zu einem vollständigen Netzteil gemacht werden, welches bis zu 19,5 Watt bereitstellen kann. Cougar gibt diese Schiene mit 3 Ampere, also 15 Watt an – 4,5 Watt Sicherheitsmarge sind mehr als ausreichend.

Schutzschaltungen
Nachdem das Netzteil bisher bei jedem Teilbereich eher wie ein Top-Gerät abgeschnitten hat, würde man sich hier wohl einen Haken erwarten, denn an den Schutzschaltungen wird nur allzu gern gespart, schließlich müssen diese im normalen Betrieb ja nie eingreifen. Das ist aber weit gefehlt, denn der SITI PS223 kann OCP, UVP und OVP auf 3,3 Volt, 5 Volt und zwei 12 Volt Schienen bereitstellen und zusätzlich ermöglicht er noch die einfache Implementierung einer OTP. In der Tat ist das komplette Netzteil eigentlich auf Dual-Rail ausgelegt, sogar zwei Shunts wären vorhanden – die Lötpunkte der Kabel sind dann aber zusammengelegt. Nichtsdestotrotz hervorragende Schutzschaltungen – gerade in Anbetracht der Preisklasse!

Der Schutzschaltungs-IC

Primärkondensator
Primärseitig wird ein 400 Volt und 390 Mikrofarad Modell von Teapo aus der LG Serie verwendet. Diese ist für den Einsatz in Schaltnetzteilen bestimmt und auf 2000 Stunden bei 105°C und maximaler Belastung ausgelegt. Generell ist die Last auf den Primärkondensator im Allgemeinen eher gering, wir erwarten hier einwandfreien Betrieb über das ganze Produkt-Leben hinweg.

+12 Volt
Auf der +12 Volt Schiene finden drei Teapo SC zu je 16 Volt und 2200 Mikrofarad Verwendung. Das ist weniger als bei vielen High-End Geräten, aber noch im Rahmen. Teapo SC werden oft bei Geräten der gehobenen Mittelklasse verwendet und sind im Falle der hier verwendeten ebenfalls auf 2000 Stunden Betriebsdauer bei maximaler Belastung ausgelegt.

+5 Volt und +3,3 Volt
Auf der Platine mit den DC-DC Wandlern sind je ein Feststoffkondenator mit 16 Volt und 470 Mikrofarad sowie einer mit 1500 Mikrofarad und 6,3 Volt pro Wandler verlötet. Direkt an den Kabeln folgen dann noch einmal je ein Modell zu 1500 Mikrofarad und 6,3 Volt. Dies ist deutlich weniger Glättung, als beispielsweise in einem Bitfenix Whisper M verbaut wurde, dafür sind Feststoffkondensatoren aber üblicherweise sehr langlebig und zuverlässig.

Für ein Gerät aus dem Budget-Sektor sind alle Bauteile qualitativ äußerst zufriedenstellend, hier wurde an keiner Stelle zu viel eingespart, sehr gut.

Lötqualität und Verarbeitung
Die Verarbeitung ist im Allgemeinen sehr ordentlich – Bauteile wurden mit gerade genug Kleber gesichert, um nicht zu vibrieren, aber es wurde auch nie so viel verwendet, dass der Luftstrom beeinträchtigt wäre. Klebt man Komponenten nicht fest, können sich beim Transport oder bei unsachgemäßer Handhabung während des Einbaus in den PC Lötstellen lösen, was zum Defekt führen würde. Die Platine ist ziemlich vollgestopft, wie es bei einem so kleinen, nichtmodularen Netzteil aber auch zu erwarten war.

Trotzdem sind alle Kühlkörper und Elkos gut positioniert, sodass sich an diesen keine Temperatur-Hotspots bilden können sollten. Bis auf eine kleine nicht ganz perfekte Lötstelle ist die Platine ausnahmslos hervorragend gelötet, sowohl SMD als auch Durchloch-Bauteile. Leiterbahnen über den viel Strom fließt (Masse und +12 Volt zwischen Transformator, Gleichrichter und Kabeln) wurden zudem mit dünnen aufgelöteten Metallplatten verstärkt. Einzig unschön verarbeitet sind die Lötstellen an der Netz-Eingangsbuchse, die etwas schlampig verzinnt und verlötet wurden – das ist aber ein rein optisches Manko. Highpowers Budget-Gerät überzeugt also zusammenfassend auch hier auf voller Linie und kann selbst manchem teureren Gerät zeigen wie es sein soll!

Die Testumgebung

Auch bei diesem Review kam wieder unsere neue Lastbank zum Einsatz. Konkret belasten wir die Testkandidaten in bis zu 17 verschiedenen Stufen. Circa 2 Ampere auf je 5 Volt und 3,3 Volt sind fix, während an die 12 Volt Schiene zwischen 0 und 16 Halogenbirnen zu je 50 Watt angeschlossen werden können. Die Spannungen messen wir dabei mit einem Fluke 177, den Strom der 12 Volt Schiene mit einer Stromzange aus dem Hause Uni-T, genauer gesagt einem UT210E. Die primärseitig aufgenommene Leistung wird mit einem Profitec KD 302 überprüft und die Lautstärke in 20 cm Abstand zum Luftauslass des Netzteils mit einem Voltcraft SL-100. Für weitere Informationen zum Messsystem haben wir einen eigenen Artikel dazu geschrieben.

Spannungen und Effizienz

Eine höhere Effizienz ermöglicht einen sparsameren Betrieb des Rechners, wobei die Unterschiede meist eher marginal sind. Vor allem hat diese aber Auswirkungen auf die Lautstärke – je weniger Verluste im Netzteil anfallen, desto leiser kann dieses seine Arbeit verrichten. Bei Systemen die sehr lange am Stück laufen, oder sehr viel Strom benötigen, kann eine höhere Effizienz aber durchaus auch Einfluss auf die Stromrechnung haben.

Hierbei ist anzumerken, dass unsere Messwerte wegen einer systematischen, also bei jeder Messung gleich auftretenden, Ungenauigkeit der Teststation (vermutlich beim Leistungsmessgerät) immer eine leichte Abweichung nach oben von den effektiven Werten haben. Untereinander sind unsere Messungen aber konsistent und Netzteile lassen sich hervorragend vergleichen. Unser heutiger Testkandidat ist mit einer soliden Effizienz bei den restlichen 80+ Gold Modellen, wie dem Bitfenix Whisper M, dabei und damit nur knapp hinter 80+ Platin Geräten. Von der hauseigenen 80+ Bronze Konkurrenz kann es sich deutlich absetzen.

Eine gute Spannungsregulation ist im Betrieb sehr wichtig. Eine zu niedrige oder zu hohe Spannung kann die empfindlichen Komponenten beschädigen oder das System instabil werden lassen. Die Grenzen der Diagramme stellen die ATX-Norm dar. Werte, die außerhalb des Diagramms liegen, liegen somit auch gleichzeitig außerhalb der ATX-Norm.

Auch hier zeigt das GX-S was es kann. Sehr saubere Spannungen in jedem Szenario. Diese Messwerte könnten auch zu einem 40 Euro teureren Gerät gehören!

Bei ungefähr 45 Ampere auf der +12 Volt Schiene zieht dann eine Schutzschaltung an – ob es die OCP oder die OPP ist lässt sich schwer sagen, ist aber eigentlich auch egal, denn das Netzteil schaltet zuverlässig ab ehe es Gefahr läuft, beschädigt zu werden und liefert bis zum Auslösen der Schutzschaltung hervorragende Messwerte. Großes Lob an Cougar, für ein vergleichsweise kostengünstiges Gerät überzeugt dieses Netzteil hier auf voller Linie und muss sich auch vor teureren Geräten keineswegs verstecken.

Die Lautstärke

Sehr wichtiges Kaufkriterium für viele Anwender ist bei einem Netzteil auch die Lautstärke. Lasst euch hier nicht von den im Vergleich zu anderen Seiten hohen Werten verunsichern, denn diese hängen sehr stark von der Messmethode ab. Interessant sind die Laustärkewerte und Hintergrund-Lärmpegel im direkten Vergleich zu anderen Netzteilen, welche wir ebenfalls gemessen haben.

Bei vielen kostengünstigeren Geräten, oft aber auch im High-End Segment, ist die Lautstärke ein großes Problem. Nachdem uns unlängst schon das Bitfenix Whisper M in dem Bereich überrascht hat, hielt das GX-S noch eine viel größere Überraschung für uns bereit. Es blieb durch alle Lastbereiche hindurch fast unhörbar und musste sich lediglich unseren drei leisesten Geräten im Lineup knapp geschlagen geben – von denen das billigste immerhin ca. 20,- € mehr kostet! Der Lüfter blieb im offenen Aufbau fast gänzlich unhörbar durch alle Lastbereiche und eine fiepende Elektronik konnten wir auch nicht ausmachen. Spulenfiepen kann allerdings bei jedem Netzteil abhängig vom restlichen System auftreten oder aber auch nicht - wie bei GPUs gibt es hier keine Garantie. Dabei dreht der Lüfter aber im Gegensatz zu semipassiven Geräten dauerhaft und sorgt somit für eine stetige Zufuhr von Frischluft. Das wiederum führt zu einer längeren Lebensdauer aller Komponenten.

Auch in diesem Bereich zeigte sich Cougars Budget-Gerät in seiner ganzen Pracht. Angesichts dieser Messwerte fragt man sich, warum viele Hersteller bei deutlich teureren Modellen es nicht schaffen, vergleichbar leise Lüfter zu verbauen oder auf semipassiven Betrieb zurückgreifen müssen.

Moritz Plattner meint …

Moritz Plattner

Das Cougar GX-S 450 kann an den sehr guten Eindruck, den bereits das LX500 bei uns hinterlassen hat direkt anknüpfen und ergänzt Cougars Portfolio hervorragend. Neben einem günstigen, guten vollmodularen Netzteil mit Kompromissen (Lautstärke bei Volllast, Effizienz) stellt das GX-S das genaue Gegenteil dar. Es ist ebenso preisgünstig, aber verzichtet komplett auf Modularität, um eine möglichst effiziente und hochwertige Elektronik zum Kampfpreis zu ermöglichen. Dieses Vorhaben ist Cougar mehr als nur geglückt – das Netzteil kann eigentlich bedenkenlos empfohlen werden. Natürlich ist es technisch nicht so gut wie beispielsweise ein Whisper M oder ein V550, aber die sind preislich auch beide in einer ganz anderen Kategorie angesiedelt.

Neben der hochwertigen Elektronik, sehr zuverlässigen Schutzschaltungen und guten Messwerten weiß die Raubkatze vor allem mit ihrer Lautstärke und der sehr kurzen Einbautiefe von 140 Millimetern zu beeindrucken. Diese Kombination ist sehr selten anzutreffen und gerade in kleinen Gehäusen ein Segen für alle, die trotz Baugröße keinen Kompromiss bei der Lautstärke eingehen wollen. Die fehlende Modularität haben wir als Minuspunkt aufgeführt, aber diese kann unter Umständen auch einen Pluspunkt darstellen! Unlängst haben wir das GX-S als 550W-Version für ein Gehäuse empfohlen, in dem maximal 140 Millimeter Einbautiefe möglich waren und wo modulare Stecker diese überschritten hätten. Cougar/Highpower haben konsequent an den richtigen Stellen gespart, ohne wichtige Dinge zu Gunsten des Preises zu vernachlässigen - klarer Preis/Leistungs-Hammer!

  • Positiv
  • Hohe Effizienz
  • Gute Spannungsstabilisierung
  • Sehr leiser Betrieb
  • Gute Verarbeitung
  • Mit 140 Millimetern Einbautiefe sehr kurz
  • Niedriger Preis für die gebotene Leistung
  • 5 Jahre Garantie
  • Neutral
  • Negativ
  • Nicht modular
  • Etwas wenig Kapazität der Kondensatoren auf +12 Volt

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