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Tech-Review.de

  • Samstag, 31. Oktober 2020
Bitfenix Whisper M 550

Bitfenix Whisper M 550: Flüsterleise an die Spitze?

Einleitung

Bitfenix ist seit Jahren ein etablierter Hersteller von hochwertiger PC Hardware – wer kennt beispielsweise nicht deren “Prodigy”, den farbenfrohen Gehäuse-Würfel, den es in verschiedenen Ausführungen am Markt gibt? Nun versucht Bitfenix auch im Netzteilmarkt Fuß zu fassen und hat sich hierfür an CWT gewandt. Dieser Auftragsfertiger steht im Ruf, von sehr schlechter bis zu hervorragender Qualität alles zu liefern – je nach dem, was der Kunde im Detail verlangt und wie viel er zu zahlen bereit ist. Das drängt nun eine Frage auf: Weiß Bitfenix als eine recht unerfahrene Marke, was Netzteile anbelangt, worauf es bei einem guten Netzteil ankommt und wie man das dem Netzteil-Giganten CWT vermittelt?

Die Spezifikationen des Bitfenix Whisper M 550, welches seinen Weg zu unserem Redakteur gefunden hat, sind jedenfalls vielversprechend. Hohe Effizienz dank 80+ Gold Zertifikat, 7 volle Jahre Garantie sowie ein – dem Namen folgend – flüsterleiser Betrieb. Abgerundet wird das von einer modernen und technisch hochwertigen Plattform in vollmodularer Bauweise. Wir sind gespannt, ob Bitfenix hier wirklich einen Preis/Leistungs-Hammer abliefern und Spitzenklassen-Technik zu Mittelklasse-Preisen anbieten kann. Ihr auch?
Viel Spaß beim Lesen,
Euer TRV-Team

Die Spezifikationen und Features

Die Verpackung des Netzteils ist sehr schlicht gehalten – schwarz mit einigen gelben Elementen. Auf der Vorderseite finden wir neben einem Foto des Whisper M nur einen Hinweis auf die sehr langen 7 Jahre Garantie sowie die hohe Effizienz (80+ Gold) und den Marken- sowie Modellnamen. Der kleine Tippfehler „Silence Perfromance“ war nur bei unserer frühen Charge vorhanden und ist bei aktuellen Serienmodellen bereits ausgebessert. Aber so abwegig finden wir es nicht mal, wer verliebt sich nicht gerne in einen flüsterleisen Rechner?

Die Verpackung des Netzteils

Während die Vorderseite der Verpackung noch sparsam mit Informationen bestückt war, macht die Rückseite das alles wett. Hier hat Bitfenix alle Kabellängen aufgelistet (mehr dazu später), ebenso die Ströme/Leistungen, mit denen alle Schienen maximal belastet werden dürfen. Sehr interessant: Es handelt sich um ein Multirail Gerät. Nachdem be quiet! fast als einziger Hersteller in allen Leistungsklassen darauf setzt, sind wir froh, dass auch andere Hersteller mitzuziehen scheinen. Bei 450 oder 550 Watt, wie wir es hier vorliegen haben, macht das noch nicht viel an Sicherheit aus, aber im Hochleistungsbereich ziehen wir Multirail klar vor. Für die Interessierten unter Euch erklären wir die Unterschiede bei der Analyse der Technik noch einmal etwas näher.

Das 550 Watt Modell liefert 20 Ampere auf 5 sowie 3,3 Volt (und maximal 100 Watt auf beiden zusammen). Zudem bietet es drei +12V Schienen: 25 Ampere für Mainboard + Laufwerke, 25 Ampere für die CPU und 30 Ampere für die GPU. Das sind immerhin stattliche 300 Watt für die CPU und 360 Watt für die Grafikkarte – Werte, die kaum ein System, selbst mit Wasserkühlung, erreichen dürften. Dabei kann die volle Leistung auf +12 Volt abgerufen werden, was uns bereits zeigt, dass wir es hier mit einer modernen Plattform mit DC-DC Wandlern zu tun haben. Auf +5 Volt Standby stellt das Netzteil mit 2,5 Ampere in etwa so viel bereit wie die meisten anderen aktuellen Geräte auch – diese Schiene wird nur bei ausgeschaltetem Rechner benutzt, beispielsweise um ein Handy über USB aufzuladen, während der PC heruntergefahren ist.

Schlussendlich listet Bitfenix auch noch eine Lüfterkurve auf. Laut dieser arbeitet der Netzteillüfter bis zu 80% der NT-Last (also 440 Watt) mit hervorragend leisen 495 Umdrehungen pro Minute – auch hier stellt sich der Hersteller als einer der einzigen am Markt in direkte Konkurrenz zu be quiet!, denn so langsam drehende Lüfter finden sich sonst eher sehr selten. Wenn der Lüfter nun noch qualitativ hochwertig ist, hat das Netzteil enormes Silent-Potential und macht seinem Namen alle Ehre. Auch oberhalb dieser Schwelle, wo der Lüfter langsam hochdreht, bleibt die Geschwindigkeit noch in einem Rahmen, der prinzipiell kaum wahrzunehmen sein sollte. Wir sind gespannt!

Die meisten Hersteller am Markt gehen aktuell eher den Weg, bis 300 Watt oder vergleichbar passiv zu arbeiten und dann erst den (meist leider billigen) Lüfter einzuschalten. Das sorgt für deutlich höhere Temperaturen und damit einem schnelleren Verschleiß des Geräts als mit einem langsamen, aber sich stetig drehenden Lüfter. Zudem können laute Störgeräusche beim Anlaufen auftreten. Daher ziehen wir eine durchgehende, stetig aktive Belüftung klar vor.

Äußeres und Lieferumfang

Das Innere der außergewöhnlich großen Verpackung ist ebenso minimalistisch wie die Front. Neben einer Bedienungsanleitung sieht man nach dem Öffnen nur den Schaumgummi, welcher das Netzteil vor eventuellen Transportschäden schützt und darüber hinaus den Beutel mit dem Zubehör. Das Netzteil selbst ist dann nochmal in einem Kunststoffbeutel verpackt um auch ja sicherzustellen, dass es keine Kratzer abbekommt – angesichts des kratzfesten Lacks aber eher unnötig. Super Verpackung, Bitfenix!

Optisch ist das Whisper M ähnlich unscheinbar wie die Verpackung, aber hochwertig verarbeitet. Hier finden wir keine Besonderheiten, aber auch keine Kritikpunkte. Das Lüftergitter ermöglicht einen hervorragenden Luftstrom, hält aber trotzdem neugierige Finger von den Schaufeln fern. Falls jemand das Netzteil mit dem Lüfter nach oben verbaut, ist das große Bitfenix Logo sicherlich ein Eyecatcher im Gehäuseinneren – ob man das doch sehr markante und zweckoptimierte Lüftergitter schön findet, lassen wir jeden für sich entscheiden. Es hat jedenfalls Wiedererkennungswert.

Das Gehäuse-Blech ist dick und stabil und die modularen Buchsen sind plan eingelassen. Zudem lassen sie sich auch mit viel Kraft nicht nach innen drücken oder verbiegen. Hier haben wir allerdings einen ersten Kritikpunkt – die beiden Buchsen für den 24-Pin Mainboardstecker befinden sich übereinander und sind so angeordnet, dass man die Kabel mit einem eher hohen Kraftaufwand so zurechtbiegen muss, dass die Buchsen passen. Es wäre angenehmer gewesen, wenn die beiden Buchsen nebeneinander positioniert wären. Auf Anfrage wurde uns mitgeteilt, dass das für das nächste Modell bereits vorgesehen sei. Abgesehen davon ist die Verarbeitung hervorragend, alle Stecker schnappen satt und stabil ein, ohne aber zu klemmen wenn man sie wieder aus dem Netzteil abstecken möchte.

Weiter zum Zubehör: Dieses folgt der Verpackung in Sachen Schlichtheit, lässt aber kaum Wünsche offen. Neben der bereits angesprochenen Anleitung liegen auch vier schwarze Schrauben bei, um das Netzteil im Gehäuse zu montieren. Ebenso 10 Kabelbinder für das Bändigen der Kabel nach dem Einbau und ein Kaltgerätekabel um das Whisper M mit der Steckdose zu verbinden. Hübsche Stoff-Kabelbinder sucht man vergeblich. Um ehrlich zu sein haben wir die aber auch noch nie benutzt, denn hinter dem Mainboard-Tray sind herkömmliche Kabelbinder deutlich praktischer und die Optik ist dort egal. In der Sichtlinie versuchen wir Kabelbinder generell zu vermeiden

Die Kabel

Hier noch eine kurze Tabelle der Kabellängen:

Bezeichnung der Kabel  Kabel-Länge in cm
ATX 24 Pin  60
CPU 4+4 Pin  65
PCI-E 6+2 Pin  65
PCI-E 6+2 Pin  65
4 x SATA  55 & 70 & 85 & 100
4 x SATA  55 & 70 & 85 & 100
4 x MOLEX  45 & 60 & 75 & 90

Bitfenix lässt weder beim Zubehör noch bei den Kabeln Wünsche offen. Wir finden alle Kabel, die wir uns von einem 550 Watt Netzteil wünschen würden, in jeweils einer guten Länge die für jedes System ausreichen sollte. Lediglich ein Strang mit einem einzelnen Molex Anschluss sowie einer mit einem zusätzlichen PCIe 6pin wäre für die Soundkartenbesitzer interessant. Aber das ist kein Problem, welches ein billiger Adapter nicht lösen könnte. Sehr vorbildlich sind die getrennten Kabel der beiden PCIe 6+2 Pin, um übermäßigen Strom über einen Strang oder eine Buchse am Netzteil zu vermeiden, wenn eine sehr stromhungrige GPU verbaut wird. Bei der R9 295X gab es damals vereinzelt verschmorte Steckverbinder bei modularen Netzteilen, bei denen beide Grafikkarten-Anschlüsse an einer 8pin Buchse des Netzteils angeschlossen waren. Bei starker Übertaktung kann dies durchaus auch bei anderen Grafikkarten, die ab Werk die PCIe Normen einhalten würden, auftreten.

Alle Kabelstränge sind als Flachbandkabel ausgeführt. So flexibel wie die unseres bisherigen Muster-Netzteils in dieser Hinsicht (Cougar LX500) sind sie nicht. Trotzdem lassen sich alle Leitungen problemlos verlegen und bleiben - einmal in Position gebracht - auch ohne viel Widerstand zu leisten in selbiger. Da die Kabel komplett schwarz sind lassen sie sich auch gut im Gehäuse verstecken ohne von der schicken Hardware abzulenken. Das 24pin Kabel hat leider einen sehr sperrigen Stecker – mainboardseitig - in welchem Kondensatoren verbaut sind. Das wurde gemacht, um die Ripple-Spannungen weiter zu drücken und die Hardware zu entlasten.

Die Technik im Detail

Ein Hinweis vorweg:
Nicht nachmachen! Ihr begebt euch in Lebensgefahr, wenn ihr ein Netzteil aufschraubt!

Vorweg einige Abkürzungen, die wir bei der Analyse des Netzteils verwenden werden:

  • PCB = Printed circuit board, zu Deutsch Leiterplatte. Ein Träger für elektronische Bauteile.
  • IC = Integrated Circuit, Integrierter Schaltkreis. Viele elektronische Bauteile, zu einer Baugruppe zusammengefasst, in einem Bauteil.
  • PFC = Power Factor Correction, Blindfaktorkorrektur. Ein etwas komplexeres Thema, zu dem wir gerne auf den Wikipedia Artikel verweisen würden.

Ein paar weitere Informationen für die nicht ganz so Elektronikbegeisterten: Eine Drossel ist eine Spule aus isoliertem Draht, der um einen Kern gewickelt wurde. Primärseitig finden sich meist Drosseln mit zwei getrennten Spulen auf einem Kern, sodass beide "Pole" des Wechselstroms über eine Drossel fließen. X-Kondensatoren sind zwischen den beiden "Polen" des Wechselstroms eingelötete Kondensatoren und Y-Kondensatoren zwischen jeweils einem Pol und dem Schutzleiter. Aus diesen drei Bauelementen kann man Filterglieder aufbauen. Je nach ihrer Komplexität können sie, unterschiedlich gut, auftretende Störungen aus dem Stromnetz herausfiltern.

Lüfter
Der Lüfter stammt von einem eher unbekannten Hersteller namens Martech, zu welchem wir auch keinerlei Datenblätter finden konnten. Die genaue Bezeichnung lautet DF1352512SEMN (135 Millimeter Durchmesser, 25 Millimeter Dicke, 12 Volt Betriebsspannung) und benötigt laut Aufdruck maximal 0,45 Ampere. Maximale Drehzahl und Lagertyp werden durch die letzten vier Buchstaben angegeben, hierbei handelt es sich um einen Lüfter mit hydrodynamischen Lager mit maximal 1500 Umdrehungen pro Minute – wovon er im Betrieb aber weit entfernt ist. Das verspricht auch große Reserven für den Betrieb in sehr heißen Umgebungen. Hydrodynamische Lager sind üblicherweise leise und langlebig. Da der Hersteller aber unbekannt ist, muss sich der Lüfter erst im Langzeittest beweisen. Frisch ausgepackt ist er im Betrieb jedenfalls nicht hörbar.

Die Hauptplatine ist die Aufgeräumteste, die wir bisher in einem Netzteil gesehen haben. Alle Bauteile liegen hervorragend im Luftstrom des Lüfters und wir können keine Stelle ausmachen, wo sich heiße Luft aufstauen könnte. An den kleinen Kühlkörpern erkennt man die hohe Effizienz der Plattform, denn bei einer Plattform mit beispielsweise 80+ Bronze würden die kleinen Alubleche nur bei absurd hohen Lüfterdrehzahlen einen ausfallfreien Betrieb gewährleisten.

Filter und Gleichrichter
Nach der Kaltgeräte-Buchse und einem (leider nur einpolig trennenden) Netzschalter kommen wir zum Filter. Ein X und zwei Y Kondensatoren finden sich direkt an der Buchse, zwischen Buchse und Platine dann ein kleiner Ferritkern. Eine Schmelzsicherung sowie ein Varistor sind ebenfalls vorhanden. Letzterer schützt das Netzteil vor Spannungsspitzen aus dem Netz, die Sicherung schaltet ab falls Komponenten des Netzteils durchbrennen und Überstrom ziehen sollten, sodass die Haussicherung nicht auslösen muss. Auf dieses Schutzglied folgen noch zwei Drosseln und ein X sowie 2 Y Kondensatoren. Hier vermissen wir nichts, der Netzfilter entspricht dem Durchschnitt in gehobener Preisklasse. Der Gleichrichter ist ein GBU806 und als Solcher auf 600 Volt bei 8 Ampere Dauerlast ausgelegt – kann kurzzeitig aber bis zu 200 Ampere verkraften. Der Spannungsabfall von 1 Volt pro Diode führt bei Volllast zu ca. 5 Watt Verlust über den Gleichrichter – mit dem angebrachten Kühlkörper aber problemlos zu kühlen.

Das Innere des Netzteils im Detail

PFC
Die Controller für PWM, PFC (Leistungsfaktorkorrekturfilter (englisch Power Factor Correction) und synchronen Gleichrichter sind aus dem aktuellen Champion Supermicro Portfolio entnommen und decken sich Großteils mit den Chips in unserem letzten CWT Sample – dem Enermax Revolution SFX. Auf der Unterseite der Platine sind ein CM6502UHHX samt CM03X als PFC Controller untergebracht. Ersterer übernimmt hierbei die PFC, wobei dieser so ausgelegt ist, dass immer im Nulldurchgang (also wenn gerade keine Spannung über den Schalttransistoren anliegt) resonant geschaltet wird, was die Effizienz beträchtlich steigert und 80+ Gold ermöglicht. Der CM03X hingegen senkt die Leistungsaufnahme bei abgeschaltetem Gerät und besteht im Grunde nur aus 3 MOSFETs in einem Gehäuse. Wie genau das abläuft, wird im Datenblatt nicht erwähnt. Ein NTC Widerstand (ein temperaturabhängiger Widerstand, dessen Leitungswiderstand mit steigender Temperatur sinkt) sowie ein Relais beschränken die Stromspitze beim Einschalten, während der Kondensator geladen wird und entlasten damit die Haussicherung sowie die Komponenten.

PWM und SR
Nahe der modularen Buchsen auf der Platinenunterseite ist ein CM6901 verlötet. Dieser ist der PWM/Gleichrichter Controller und wandelt als solcher die grob 350 Volt im Zwischenkreis nach der PFC in die +12 Volt am Ausgang des Netzteils um. Auch dieser kann wieder mit einem Resonanzschwingkreis (bestehend aus einer kleinen Spule, dem Haupttransformator und zwei Kondensatoren direkt daneben) arbeiten. Damit kann die Effizienz gegenüber stumpfen als „hardswitching“ bezeichneten Typologien stark erhöht werden, denn in den Halbleitern fallen hierdurch deutlich weniger Verluste an. Die 4 FETs für die synchrone Gleichrichtung sind auf der Unterseite verlötet und geben ihre Hitze durch die Platine hindurch an zwei silberne Kühlfahnen an der Oberseite ab. Sie hören auf den Modellnamen SM4021NA und stammen aus dem Hause sinopower. 40 Volt, 100 Ampere sowie sehr geringe Schaltverluste durch hohe Schaltgeschwindigkeit zeichnen diese aus, was sie für die Anwendung prädestiniert. Warum schaltet man bei FETs, welche bereits 100 Ampere könnten, noch zwei parallel in einem 550 Watt Netzteil, das bei ca. 50 Ampere ohnehin abschaltet, fragen sich nun wohl manche Leser. Die Antwort darauf ist einfach – ein MOSFET hat, wenn er voll durchschaltet, immer noch einen gewissen Widerstand. Die Verlustleistung steigt proportional mit dem Widerstand. Halbiert man den Widerstand, indem man zwei baugleiche Modelle parallel verwendet, senkt man die Verlustleistung damit auf die Hälfte! Zudem vermuten wir, dass diese FETs in allen Modellen in der Konstellation zum Einsatz kommen – beim 850 Watt Gerät sind sie dann auch nötig.

Der PWM/Gleichrichter Controller

DC-DC
Die DC-DC Wandler für die Nebenspannungen sind auf einer kleinen senkrechten Platine nahe der mit den modularen Anschlüssen untergebracht und weisen je einen Anpec APW7159C auf – auch hier kommt der gleiche Controller wie beim Revo SFX-Netzteil zum Einsatz. Verständlich, so muss nicht jede Plattform von Grund auf neu entwickelt werden, sondern CWT kann immer auf Schaltungsteile zurückgreifen die bereits entwickelt wurden. Dieser Chip kann mit 12 Volt am Eingang und wenig externer Beschaltung zwei komplette DC-DC Wandler bereitstellen, von denen beide über eine OVP/UVP/OCP verfügen.

+5 Volt Stand-By
Die 5 Volt Stand-By Schiene versorgt USB Geräte bei ausgeschaltetem Netzteil weiter. Hier findet ein TNY177PN Verwendung, ein simpler hochintegrierter Schaltwandler, der mit kaum externen Bauteilen ein Schaltnetzteil mit bis zu 18 Watt Leistung ergibt. Im Whisper M ist diese Schiene mit 12,5 Watt spezifiziert, Bitfenix hat da wohl bewusst einiges an Sicherheitsmarge für zuverlässigen Betrieb gelassen.

Die Platine im Detail

Schutzschaltungen
Die Schutzschaltungen übernimmt ein SITI ST9S429. Dieser ermöglicht OVP, UVP und OCP auf 3,3 Volt, 5 Volt und 2 Mal 12 Volt. Dem zur Seite steht ein Weltrend WS7518D, der eine OCP auf zwei Schienen bereitstellen kann. Die Plattform sieht insgesamt vier +12 Volt Schienen vor, am modularen PCB sind auch alle vier Shunts vorhanden. Alle werden allerdings erst bei den größeren Modellen verwendet, unser 550 Watt Netzteil hat nur drei im Einsatz. Die beiden Steckverbinder am modularen PCB, wo man Kabel an die vierte Schiene anschließen könnte, wurden einfach nicht bestückt. Die OPP wird im PFC Chip implementiert. OTP wird von Bitfenix angegeben, aber wie diese konkret umgesetzt wurde konnten wir nicht feststellen. Ein LM393 (Operationsverstärker) zwischen dem Lüfteranschluss und Schutzschaltungs-Chips könnte ggf. dafür Verwendung finden, wobei es wahrscheinlicher ist, dass die Lüftersteuerung von diesem erledigt wird. Auf schwarzen Platinen ist es sehr schwierig, Leiterbahnen zu verfolgen und das doppelseitige Layout mit zahlreichen Layerwechseln erschwert diese Aufgabe weiter.

Kurz zum Multirail Aufbau. Der Unterschied zwischen Multirail und Singlerail liegt rein in der Absicherung der einzelnen Anschlüsse. Bei Singlerail ist an jedem Anschluss des Netzteils die gesamte Leistung abrufbar. Das klingt so weit gut, oder? Damit kommt aber ein Problem einher. Ein 550 Watt Gerät kann auf +12 Volt meist ungefähr 45 Ampere liefern. Angenommen ein Spannungswandler der Grafikkarte brennt durch und diese zieht über einen einzigen 6 Pin-Stecker ganze 40 Ampere. Die Sicherung des Netzteils sieht nur einen Strom im Normbereich, aber das eine Kabel sowie die Steckverbinder daran werden überlastet und können verschmoren oder - im schlimmsten Fall - Feuer fangen. Je leistungsfähiger das Gerät, desto höher wird auch dieses Risiko. Ein Multirail Gerät hingegen teilt die Anschlüsse auf einzelne "Gruppen" von Kabeln auf und misst den Strom für jede dieser Gruppen. Bei unserem Whisper M darf die Grafikkarte beispielsweise über beide Stecker zusammen maximal 35 Ampere ziehen - in unserem Beispielszenario würde die OCP also anschlagen und den PC vor einem Kabelbrand bewahren.

Primärkondensator
Beginnen wir beim Primärkondensator, einem Nippon-Chemi-Con KMR mit 390 Mikrofarad bei 400 Volt (25x45 mm). Dieser ist auf 2000 Betriebsstunden bei 1,5 Ampere Ripplestrom ausgelegt und für genau diesen Verwendungszweck konzipiert.

+12 Volt
Die +12 Volt Schiene wird von fünf Chemi-Con KZE Kondensatoren mit 16 Volt und 2200 Mikrofarad (10x25 mm) und 6 FPCAP Feststoffkondensatoren mit 16 Volt und 470 Mikrofarad auf der Hauptplatine geglättet. Das ist viel Kapazität für ein 550 Watt Modell und sollte für gute Ripplewerte sorgen. Die KZE sind auf 4000 Betriebsstunden bei maximaler Belastung spezifiziert. Darüber hinaus sind am modularen PCB weitere 5 FPCAP 16 Volt Polymerkondensatoren zu finden, leider mit unbekannter Kapazität.

+5 Volt und +3,3 Volt
Am DC-DC Wandler Board befinden sich noch einmal zwei FPCAP Feststoffkondensatoren mit 16 Volt Rating am Eingang, sowie zwei FPCAP mit 6,3 Volt Rating für die Ausgänge. Die +5 Volt und +3,3 Volt Schienen werden zusätzlich mit je einem 1500 Mikrofarad & 10 Volt Chemi-Con KZH (8x20 mm) geglättet sowie mit insgesamt drei 6,3 Volt FPCAP Feststoffkondensatoren am modularen PCB.

+5 Volt Stand-By
Auf der +5 Volt Stand-By Schiene finden ein 2200 Mikrofarad 16 Volt KZE (10x25 mm) sowie ein 1000 Mikrofarad 16 Volt Chemi-Con KY (8x20 mm) Verwendung. Letzterer ist auf 7000 Stunden bei maximaler Last ausgelegt.

Die Kondensatoren sind allesamt hochwertig und soweit man das ohne detaillierte Schaltpläne bestimmen kann auch sehr sinnvoll gewählt (jedoch kann auch ein hochwertiger Kondensator an der falschen Stelle schnell ausfallen). Die stärksten Ripple werden von den Polymerkondensatoren gepuffert, die großzügig dimensionierten Elkos auf +12 Volt erledigen dann den Rest.

Lötqualität und Verarbeitung
Die Lötqualität ist – entgegen CWTs teilweise eher schlechtem Ruf – hervorragend. Sehr viele Teile wurden maschinell in perfekter Qualität bestückt, aber auch Handgelötetes wirkt sehr sauber. Das Layout an sich ist gut durchdacht und minimiert lange Leiterwege, um Verluste zu vermeiden. Zusätzlich werden Verbindungen über die hohe Ströme fließen durch dicke Aluminiumschienen verstärkt, was sowohl die Abwärme der Gleichrichter-FETs besser verteilt, als auch eine sehr verlustarme Energieübertragung ermöglicht. An dieser Stelle haben wir keinerlei Kritikpunkte – hervorragende Arbeit von Channel Well Technology!

Die Testumgebung

Auch bei diesem Review kam wieder unsere neue Lastbank zum Einsatz. Konkret belasten wir die Testkandidaten in bis zu 17 verschiedenen Stufen. Circa 2 Ampere auf je 5 Volt und 3,3 Volt sind fix, während an die 12 Volt Schiene zwischen 0 und 16 Halogenbirnen zu je 50 Watt angeschlossen werden können. Die Spannungen messen wir dabei mit einem Fluke 177, den Strom der 12 Volt Schiene mit einer Stromzange aus dem Hause Uni-T, genauer gesagt einem UT210E. Die primärseitig aufgenommene Leistung wird mit einem Profitec KD 302 überprüft und die Lautstärke in 20 cm Abstand zum Luftauslass des Netzteils mit einem Voltcraft SL-100. Für weitere Informationen zum Messsystem haben wir einen eigenen Artikel dazu geschrieben.

Spannungen und Effizienz

Eine höhere Effizienz ermöglicht einen sparsameren Betrieb des Rechners, wobei die Unterschiede meist eher marginal sind. Vor allem hat diese aber Auswirkungen auf die Lautstärke – je weniger Verluste im Netzteil anfallen, desto leiser kann dieses seine Arbeit verrichten. Bei Systemen die sehr lange am Stück laufen, oder sehr viel Strom benötigen, kann eine höhere Effizienz aber durchaus auch Einfluss auf die Stromrechnung haben.

Hierbei ist anzumerken, dass unsere Messwerte wegen einer systematischen, also bei jeder Messung gleich auftretenden, Ungenauigkeit der Teststation (vermutlich beim Leistungsmessgerät) immer eine leichte Abweichung nach oben von den effektiven Werten haben. Untereinander sind unsere Messungen aber konsistent und Netzteile lassen sich hervorragend vergleichen. Unser heutiger Testkandidat ist mit einer soliden Effizienz bei den restlichen 80+ Gold Modellen, wie dem Thermaltake London, dabei und damit nur knapp hinter 80+ Platin Geräten (in dem Fall das Enermax Platimax D.F.).

Eine gute Spannungsregulation ist im Betrieb sehr wichtig. Eine zu niedrige oder zu hohe Spannung kann die empfindlichen Komponenten beschädigen oder das System instabil werden lassen. Die Grenzen der Diagramme stellen die ATX-Norm dar. Werte, die außerhalb des Diagramms liegen, liegen somit auch gleichzeitig außerhalb der ATX-Norm.

Das Whisper M gibt sich auch hier keine Blöße und ist in allen erdenklichen Lastszenarien sehr stabil und weit weg von den Grenzen der ATX Normen. Hervorragende Messwerte.

Bei knapp oberhalb von 60 Ampere Gesamtlast auf allen Schienen (also bei ca. 750 Watt) zog die OPP an. Diese ist etwas hoch gesetzt, aber da das Netzteil wie auch schon das Cooler Master V550 bis zu diesem Punkt hin sehr souverän arbeitet und weder laut noch heiß wird und alle Messwerte hervorragend bleiben, wurde das Netzteil wohl gehörig überdimensioniert oder underlabelt - kurz: Man kriegt mehr als man bezahlt. Das Whisper gezielt im Betrieb zu überlasten würden wir keinem raten, aber wenn eine kurze Überlast auftritt, dann kann das Netzteil damit spielerisch umgehen und im Notfall zuverlässig abschalten.

Da wir es hier allerdings mit einem Multirail-Gerät zu tun haben, ist natürlich auch die OCP der einzelnen Schienen interessant. Die Mainboard/Laufwerksschiene variabel zu belasten ermöglicht unser Testsystem nicht, aber die anderen beiden konnten wir gezielt ausloten. Die CPU Schiene schaltet bei ca. 30 Ampere Last ab, die GPU Schiene bei ca. 35 Ampere. Das sind mit jeweils 5 Ampere über den angegebenen Werten unserer Meinung nach gut gesetzte OCP Schwellen, die einen Kabelbrand eigentlich absolut unmöglich machen, im normalen Betrieb aber kaum auszulösen sind.

Zusammenfassend hat CWT hier ganze Arbeit geleistet und eine gut gegen Überlast abgesicherte Plattform gebaut, die effizient arbeitet und mit hervorragenden Messwerten glänzt.

Die Lautstärke

Sehr wichtiges Kaufkriterium für viele Anwender ist bei einem Netzteil auch die Lautstärke. Lasst euch hier nicht von den im Vergleich zu anderen Seiten hohen Werten verunsichern, denn diese hängen sehr stark von der Messmethode ab. Interessant sind die Laustärkewerte und Hintergrund-Lärmpegel im direkten Vergleich zu anderen Netzteilen, welche wir ebenfalls gemessen haben.

Bei vielen kostengünstigeren Geräten, oft aber auch im High-End Segment, ist die Lautstärke ein großes Problem. Hier hat uns das Whisper M außerordentlich überrascht, es blieb über alle Lastbereiche hindurch und selbst unter Überlast nur minimal messbar lauter als ein Dark Power Pro 11, welches bisher unsere Lautstärke-Referenz darstellt. Dabei lieferte es sich ein hartes Kopf an Kopf Rennen mit dem unhörbaren Cooler Master V550 und konnte ebenfalls das sehr leise Enermax Platimax D.F. schlagen. Der Lüfter bleibt absolut unhörbar durch alle Lastbereiche und eine fiepende Elektronik konnten wir auch nicht ausmachen. Spulenfiepen kann allerdings bei jedem Netzteil abhängig vom restlichen System auftreten oder aber auch nicht - wie bei GPUs gibt es hier keine Garantie. Dabei dreht der Lüfter aber im Gegensatz zu den semipassiven Geräten dauerhaft und sorgt somit für stetige Frischluft. Das wiederum führt zu einer längeren Lebensdauer aller Komponenten.

Auch hier präsentiert Bitfenix Mittelklasse-Gerät eine Leistung auf absolutem High-End-Niveau - Hut ab!

Moritz Plattner meint …

Moritz Plattner

Bitfenix hat sich als eher unerfahrener Hersteller im Netzteilmarkt an einen der ganz großen Fertiger gewandt und zusammen mit diesem eine hervorragende Plattform auf die Beine gestellt. Ein gutes Layout kombiniert mit hochwertigen Bauteilen und einwandfreier Verarbeitung ergibt ein quasi lautloses Netzteil der Spitzenklasse - bei einem Preis der in der gehobenen Mittelklasse anzusiedeln ist. Auf Geizhals.de ist das Netzteil aktuell (Stand: 06.08.2017) für 87,85 Euro zu erwerben und macht sowohl am Teststand als auch im Technik-Check eine hervorragende Figur. Damit ist es nicht nur ein Preis/Leistungs-Hit, sondern auch eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für jeden normalen Spiele-PC. Lediglich extreme Systeme die mit LN2-Kühlung ans Limit gebracht werden oder mehr als eine GPU vorweisen sollen erfordern eine leistungsfähigere Stromquelle.

Wir haben nur zwei kleine Kritikpunkte am Gerät und beide betreffen das 24 Pin ATX Kabel. Netzteilseitig ist das Kabel ist nur mit viel Kraft in die Buchsen zu kriegen. Der 24 Pin Stecker welcher ins Mainboard gesteckt wird ist wegen der darin verbauten Kondensatoren optisch etwas unschön und sehr ausladend. Zudem ist das Whisper M mit 160 Millimeter Länge nicht ganz klein - in sehr engen Gehäusen lässt sich ein eher kurzes Netzteil wie beispielsweise das Cooler Master V550 deutlich angenehmer verbauen. Wen diese optischen Mankos nicht stören, der macht mit dem Whisper M garantiert nichts falsch und kann bedenkenlos zugreifen, denn technisch spielt Bitfenix zweites Netzteil in der Liga ganz weit oben mit.

Wir sind zudem sehr erfreut, endlich mehr Multirail Geräte im Endkunden-Netzteilmarkt zu finden. Bei 550 Watt mag das noch vernachlässigbar sein, aber von 750 Watt aufwärts sinkt das Risiko für einen Kabelbrand deutlich, wenn das Gerät über sinnvoll abgesicherte Rails verfügt. Zudem hat Bitfenix gezeigt, dass man kein semipassives Gerät bauen oder Unsummen verlangen muss, um lautlosen Betrieb zu ermöglichen und zieht mit den Platzhirschen be quiet! (Straight Power 10, Dark Power Pro 11) sowie Cooler Master (V550) gleich – und läuft vielen anderen alteingesessenen Netzteilherstellern davon.

  • Positiv
  • Flüsterleiser Betrieb
  • Hervorragende Technik
  • Vollmodular
  • Mit 80+ Gold hohe Effizienz
  • Gute Spannungsregulierung dank DC-DC Wandlern
  • Multirail
  • Neutral
  • Negativ
  • Ausladender 24 Pin Steckverbinder
  • Unpraktisch platzierte Buchsen für das modulare 24 Pin Kabel am Netzteil

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