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  • Dienstag, 29. September 2020
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Alpenföhn Matterhorn

Alpenföhn Matterhorn: Straight to the top?

Einleitung

Alpenföhn – der Endkundenableger des Kühlerspezialisten EKL hat seit seinem ersten Kühler für Aufsehen gesorgt. In dem heiß umkämpften Markt fielen bereits die ersten Produkte auf: Preis und Leistung attraktiv, ein eigenständiges und markantes Design. Dazu gehört zuletzt die ungewohnte, weil alpin ausgerichtete Namensgebung, die sich selbst nicht ganz ernst nimmt. In die Reihe von Brocken, Nordwand, Gletscherspalte, und Groß Clockner stellt sich nun ein neuer Towerkühler: Das Matterhorn.

Nun aber zieht EKL weg von der Mittelklasse ins High End Segment. Nicht umsonst verweist die Bezeichnung auf einen hohen Berg. Mit satten sechs Heatpipes, matt-schwarzer Optik und einem neuen Luxus-Lüfter aus eigener Produktion steht der Versuch an, höchste Höhen zu erklimmen und der Konkurrenz Steine in den Weg zu legen. Wir kraxeln aber zunächst ins Testlabor.

Der Kühler im Detail

Alpenföhn ist eine eher ungewöhnliche Marke, nicht nur bezüglich ihrer Namensgebung. Das Design der Verpackung erinnert an die Bildchen in Omi’s Wohnzimmer: Schöne Gebirgslandschaften, durch die ein einzelner Kühler streift. Zugegeben, letzteres findet sich nicht bei der Großmutter – Stilbruch! Immerhin zeigt sich die Marke auch hier vollständig eigen. Im Vergleich zu den braunen Thermalright- oder futuristischen Scythe-Kartons wird hier mit symbolisch kühler Höhenluft gearbeitet.

Beim Auspacken fällt dem Wanderer zunächst der Kühler selbst in die Hände. Auf der Unterseite fehlt die normalerweise für EKL typische HeatpipeDirectTouch-Technologie (HDT). Hierbei bilden die Heatpipes des Kühlers gleichzeitig einen großen Teil der Bodenplatte und liegen so direkt auf dem Heatspreader der CPU auf, was den Abtransport der Wärme optimieren soll. Obwohl der Hersteller einer der Pioniere dieses Verfahrens war, findet sich nun aber keine Spur mehr davon. Warum? Der eigentliche DIE, d.h. der Rechenkern eines Prozessors variiert in seiner Größe und ist immer erheblich kleiner als seine Schutzkappe. Da er aber für die Abwärme sorgt, liegen bei HDT nicht alle Heatpipes an der Hitzequelle – ineffizient, da sich der Heatspreader nicht überall gleichmäßig erwärmt. In einer Kupferplatte eingegossene Pipes haben das Problem weniger stark, weshalb im HighEnd Segment kaum ein guter Kühler auf diese Technologie setzt. Der eigentliche Vorteil liegt in der Kostenersparnis für den Hersteller, bei Verkaufspreisen oberhalb der 40 € ist die Leistung aber in der Regel ausschlaggebend für einen Kauf – weniger der Endpreis.

Der Alpenföhn Matterhorn

Bei den Aluminiumlamellen hat sich Alpenföhn hingegen etwas Neues einfallen lassen. Bis auf die erste und letzte Lamelle ist keine durchgehend. Sie laufen bei etwa 2/3 der Maximallänge aus. Worin liegt hier der Vorteil? Dies ermöglicht größere Räume zwischen den Finnen von etwa 4 mm außen und ca. 2 mm im Inneren des Kühlers. Der Vorteil liegt eigentlich auf der Hand: Viel Platz hilft bei langsam drehenden Lüftern, die Kühlessenz zwischen die Lamellen zu befördern, wenig Platz nutzt aufgrund der größeren Oberfläche schnell drehenden Lüftern. Mit dem Hybrid-Design soll alles auf einmal möglich werden.

Das Zubehör

Das Zubehör ist der Preisklasse entsprechend. Montagematerial für alle gängigen Sockel, eine Tube Wärmeleitpaste, ein zweiter Satz Lüfterklammern sowie eine Einbauanleitung runden das Paket ab. Zusätzlich findet man noch Spannungsadapter für 7 und 5 Volt vor, was bei fehlender Lüftersteuerung erfreut.

Gute Lüfterserien lassen sich eigentlich an einer Hand abzählen, die Schrott-Schwemme nicht. Insbesondere Neueinsteiger konnten nicht unbedingt durch Qualität überraschen. EKL verspricht allerdings auf der Rückseite "german engineering" - was ist das noch wert? Mehr als man meinen möchte. Zunächst folgt tatsächlich eine Überraschung. Der gummierte Rahmen samt Aufnahmen zur Schwingungsdämpfung sieht nicht nur ungewöhnlich aus, er funktioniert auch. Die neun blauen Lüfterblätter sind hingegen nicht ungewöhnlich. Lediglich die himmelblaue Farbe weist dezent auf das Corporate-Design hin. Wie in der Preisklasse mittlerweile üblich, ist das Kabel komplett schwarz gesleeved. Die Qualität ist entsprechend gut. Alpenföhn verbaut passend zum Rahmen eine leicht gummierte Ummantelung.

Technische Daten

Spezifikationen Matterhorn:

  • Unterstützte Lüfter: 120 mm
  • Abmessungen mit Lüfter: 138 x 100 x 158 mm (L x B x H)
  • Gewicht mit Serienlüfter: 980 Gramm
  • Sechs-6 mm-Heatpipes
  • Vernickelte Aluminiumlamellen und Heatpipes
  • Überlappende Lamellen (Abstand 2-4 mm)

Kompatibilität:

  • Intel Sockel 775, 1150, 1151, 1155, 1156, 1200, 1366
  • AMD Sockel: AM2, AM2+, AM3, AM3+
  • Die Ausrichtung des Kühlers zur Gehäuse-Rückwand ist auch bei AMD-Systemen möglich.

Spezifikationen Föhn 120 Wing Boost:

  • Abmessungen: 120 x 120 x 25
  • Drehzahl: 500-1500 rpm
  • Lautstärke (Herstellerangabe): 8-24,8 dB(A)
  • Luftdurchsatz: 108 m³/h
  • Gummierter Rahmen

Testsystem und Einbau

Unser Testsystem für CPU-Kühler nimmt bei konstant 21-22 Grad Raumtemperatur Platz auf einem praktischen CoolerMaster Benchtable. Die einzigen Lüfter sitzen hier auf den jeweiligen Kühlern. Für alle Probanden kommt mit der Artic Cooling MX-4 die selbe Wärmeleitpaste zum Einsatz. So können wir die reine Kühlleistung am besten bewerten - die Hersteller legen qualitativ teils sehr unterschiedliche Erzeugnisse bei. Unser Bench-Szenario sah wie folgt aus: Der Rechner durfte sich nach dem Einschalten 15 Minuten akklimatisieren. Anschließend belasteten wir den Prozessor mit Prime95 in der aktuellsten Version 26.4. Um die Temperaturen zu beobachten, benutzten wir HardwareMonitor. Nach einer weiteren 30-minütigen Abkühlphase wurden dann die Idle-Werte abgelesen. Alle Stromsparmechanismen waren dazu aktiviert. Lediglich auf den Turbo-Modus haben wir verzichtet, weil sich dessen Aktivierung nicht zuverlässig ablesen lässt.

Testsystem:

  • Intel 2500k
  • Noctua NH-DH14
  • Biostar TP67XW
  • Exceleram DDR3 1600 CL6
  • ATI HD6850
  • Arctic MX-4

Die Montage erfolgt über zwei separate Bügelsets, einmal für AMD und einmal für Intel-Sockel. Diese werden bequem und einfach mittels Thumbscrews angezogen und dann mit der Backplate verschraubt. Nur für den High-End Sockel 1366 verzichtet EKL auf eine solche Backplate und legt vier einzelne Montagebolzen bei. Ein seltsamer Zug. Besitzer einer AMD-Plattform freuen sich hingegen über das um 90° gedrehte Bügelsystem, welches die Ausrichtung auf das Heck des Gehäuses hin möglich macht. Die Abwärme kann so direkt aus dem Case befördert werden und muss keinen Umweg über das Netzteil nehmen oder sich gar am Gehäusedeckel stauen. Das anschließende Verschrauben des Matterhorns gestaltet sich relativ simpel,, ein Schraubendreher sollte allerdings bereitliegen. EKL selbst spendiert im Gegensatz zur Konkurrenz im Luxus-Segment wie Thermaltake oder Noctua leider keinen. Die Lüfterklammern kommen zum Schluss samt des blauen Ventilators an ihren Platz. Ihre Montage gestaltet sich sehr einfach, weil leichtgängig.

Der Praxistest

Die Benchmarks unseres Gipfelstürmers können tatsächlich überraschen. Trotz des gigantischen Materialaufwandes, den Noctua mit dem fetten Twin-Tower Kühler samt zwei Lüftern betreibt, kann das Alpenföhn-Produkt gut Schritt halten. Insbesondere bei 12 und 7 Volt Lüfterleistung gibt es zwischen beiden Produkten quasi keinen Unterschied. Erst bei 5 V macht sich die größere Lamellenfläche und der zweite Lüfter des DH14 positiv bemerkbar.

Damit ist dieses Alpenföhn-Produkt weniger dazu geeignet, eine 130Watt-TDP CPU passiv oder semipassiv zu temperieren. Auch mit extrem niedrigen Drehzahlen greift man besser zu einem anderen Kühler. Wer aber nur ein sehr leises System haben möchte und bei Drehzahlen ab 800 oder 900 rpm keinen Haarausfall bekommt, findet hier eine günstigere Alternative zum Noctua. Insofern erweist sich auch der gemischte Lamellenabstand als ein funktionierendes Konzept.

Max Doll meint …

Max Doll

Mühsam schleppt sich der Matterhorn in Richtung Spitze – und findet dort den Noctua NH-DH14 vor. Zurück ins Tal? Keine Spur! Der Noctua ist ein wahrer Gigant, TwinTower Bauform, zwei Lüfter, ausladend und mit 70 € spaßig bepreist. Für 20 € oder fast 30% weniger Kosten bekommt man bei EKL einen Temperator mit guter Verarbeitung, hochwertigem PWM-Lüfter und sehr guter Leistung insbesondere bei hohen Drehzahlen – hier kann er tatsächlich mit dem Noctua-Monster auf Augenhöhe konkurrieren, vor allem bei übertakteter CPU. Erst bei niedrigen Drehzahlen bricht er etwas ein. Dies ist allerdings der generellen Abstimmung geschuldet.

Für die geforderten 50 € geht das Gebotene definitiv in Ordnung. Die Laustärke erfreut – EKL hat gut erkannt, dass zu einem High-End Kühler mehr als nur schiere Leistung gehört, ohne diese dabei zu vernachlässigen. Dank des kompletten Zubehörs und des guten Lüfters können wir das exzellente Komplettpaket von Alpenföhn an diese Stelle unsere Empfehlung aussprechen, wenn es nicht nur auf kompromisslose Leistung um jeden Preis ankommt.

  • Positiv
  • Leistung
  • Verarbeitung
  • Lieferumfang
  • Qualität des Lüfter & Regelspektrum
  • Neutral
  • -/-
  • Negativ
  • Verdeckt einen RAM-Slot (bei hohen Heatspreadern)
  • Keine S1366-Backplate

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