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Tech-Review.de

  • Dienstag, 29. September 2020
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Scythe Ninja 3

Scythe Ninja 3: Auf leisen Sohlen

Einleitung

Freunde leiser und potenter Rechner haben eine schier riesige Auswahl an Kühlern aller Bauarten und –formen und das auch noch in allen Preisklassen. Freunde unhörbarer Rechner hingegen müssen in der Regel wahre Kühlklötze auf ihr Mainboard schnallen und gleichzeitig tief in die Tasche greifen. Zumindest auf den letzten Umstand setzt Scythe einen lautlosen Killer an: Den Ninja 3.

Satte acht Heatpipes und ein großzügiger Lamellenabstand von ca. 2,5 mm deuten auf eine hervorragende Eignung für einen komplett lüfterlosen, zumindest aber durchsatzreduzierten Betrieb. Für momentan etwa 32€ könnte man eigentlich schon von Dumping reden: Günstig oder bloß billig? Wir stellen den Japankrieger, als er sich in unserem Testlabor an einen Thermalright HR-02 heranschleicht. Von diesem behauptet der Hersteller immerhin, er könne eine Nehalem-CPU semipassiv kühlen.

Technische Daten und Lieferumfang

Obwohl die Verpackung bei Scythe normalerweise sensorischer Overkill ist, hat man sich beim Ninja im Vergleich mit anderen Exzessen etwas zurückgehalten. Weniger Schriftzeichen fernöstlicher Machart, als vielmehr Merkmale und Auszeichnungen des Kühlers finden sich angepriesen. "Six Core Ready!!", "LGA 1156 und 1366 Ready!!", Hersteller des Jahres 2009, - tatsächlich doppelt genannt - Kompatibilität zu den Sockeln 775, 1156, 1366 und AMDs Palette, die universale Backplate, der Slip Stream Lüfter und eine um 7% verbesserte Kühlleistung im Vergleich zum Vorgänger werden angeprangert. Auf der Rückseite wird der rein passive Betrieb auf den Office- und Idle-Betrieb eingeschränkt.

Der Karton selbst ist nur so groß wie nötig: Zu oberst finden sich Lüfter samt Steuerung, darunter der Kühler. Dieser ist nur von zwei dünnen Pappteilen in der Mitte der Packung fixiert, Schaumstoff oder ähnlich schützendes Material sucht man vergeblich. Ninjas sind Akrobaten, müssen es wohl sein, denn Beschädigungen am Kühler waren keine vorhanden. Zu unterst schließlich versteckt sich in einer kleinen Schachtel das Montagematerial samt Lüfterklammern, Wärmeleitpaste und einer Anleitung. Wie bei Scythe typisch leidet diese unter ihrer chronischen Internationalität. Das geht eindeutig auf Kosten der Übersichtlichkeit - rein englisch wäre zu begrüßen.

Für einen fernöstlichen Kampfkrieger ist der Kühler selbst durchaus zimperlich. Das quadratische Äußere ist ohne Fehl und Tadel, die Verarbeitung gut, Kanten sauber und die kupfernen Heatpipes ordentlich abgeschlossen. Allerdings spart sich Scythe eine zusätzliche Versteifung der Lamellen gegeneinander, was deren Stabilität insbesondere am Rand senkt. So kann es durchaus passieren, dass aus Unachtsamkeit ein Paar der Wärmeleiter verbiegen. Ungefähr 2,5 mm Abstand stecken bereits das Einsatzgebiet ab, den drehzahlarmen Betrieb. Wie bei allen Kühlern der aktuellen Generation setzt Scythe auf die "Multiple Airflow Pass-Through Structure" (MAPS). Die vielen Worte beschreiben die voneinander abgegrenzten Lamellensegmente. Statt auf durchgehende Aluminiumstücke sind vier allein stehende "Tower" angebracht, zwischen denen Luft zirkulieren kann. Durch den absolut symmetrischen Aufbau gibt es keine klassische Montagerichtung.

Auf dem Deckel finden sich Tribals samt Herstellerlogo - Geschmackssache. Uns haben die Flammen eher an billige Revoltec-Produkte erinnert als an einen guten Kühler, zumal die suggerierte Hitze ja eigentlich abgegeben werden soll: Steht der Ninja schon im Feuer, wird's dem Tester ungeheuer. Auf der Unterseite gibt es dagegen wenig Neues. Die Bodenplatte ist in gewohnt guter, polierter Qualität. Die Kühlung beginnt gleich auf der Rückseite mit Kühlfinnen.

Das Kabel des Lüfters ist gesleevt

Beim Lüfter handelt es sich um ein Modell aus der Slip Stream Serie mit PWM-Anschluss und integrierter Steuerung, welches speziell für den Ninja 3 entwickelt wurde. Geradezu gigantisch erscheint das Drehzahlband, das von 470 bis hin zu 1900 Umdrehungen reicht. Der Trick hierbei ist der Slotblenden-Poti mit dem man einen Drehzahlbereich auswählen kann, in dem der Lüfter dann angesprochen wird. Außerdem wird eine zweite Lüftersteuerung, etwa am Mainboard oder extern benötigt. Ansonsten bleibt das Fenster zwischen ungefähr 800 und 1900 rpm im oberen Bereich, mehr ist an der Slotblende nicht möglich. Durch eine zweite Steuerung, hier eine Scythe Kaze Master, kann man dann tatsächlich alle Bereiche nutzen - der Poti dient zur groben Vorauswahl, die Steuerung Nummer zwei zum Feintuning. Nötig gewesen wäre das allerdings nicht, denn der Slipstream ist mit maximal 1900 rpm deutlich zu schnell und damit zu laut für so ziemlich jeden Anwender. Der verwendete Sleeve sieht nicht nur edel aus, sondern ist auch gut verarbeitet, allerdings ist das Stromkabel mit etwa 30cm ebenso wie die 10 cm längere Strippe zur Steuerung ein wenig kurz geraten. Das Lager macht wie bei fast jedem Slipstream leichte Geräusche.

  • Intel: Sockel 775, 1150, 1151, 1155, 1156, 1200, 1366
  • AMD: Sockel 939, 940, AM2, AM2+, AM3, AM3+, FM1, FM2, FM2+

Das Testsystem

Unser Testsystem nimmt in einem Lian-Li PC60FN Gehäuse Platz. Gegenüber einem offenen Testaufbau erhalten wir so praxisnahe Ergebnisse, auch wenn durch die Vielfalt an Komponenten und Konfigurationen keine zu 100% übertragbaren Werte generiert werden können.

Allgemeiner Aufbau des Testsystems mit einem Thermalright HR-02

Zur Geräuschreduktion haben wir sämtliche Gehäuselüfter ersetzt und an einer Scythe Kaze Master Lüftersteuerung angeschlossen. Im Heck schaufelt nun ein Noiseblocker Multiframe MF-12 S2 Luft (650 rpm), ebenso wie auf dem CPU-Kühler, einem Thermalright HR-02. Dieser ist für einen Intel Core i7 920 im C0 Stepping zuständig. Ein echter Hitzkopf mit 130 Watt TDP, der wie geschaffen für unseren Kühlertest ist. In die Front setzten wir einen Noctua NF-P14 FLX, der mit nur 450 rpm rotiert. Da die meisten Nutzer Krach nicht mehr mit Leistung gleichsetzten, orientieren wir uns hier an den momentanen geräuschtechnischen Anforderungen. Die Festplatte hingegen muss sich in ein Scythe Quiet Drive zwängen und wird mittels eines einfachen Baumarktschwammes auf dem Gehäuseboden entkoppelt. Als Testkarte nutzen wir eine AMD HD5850 im Referenzdesign, die auf 775/1125 MHz ohne Spannungsanhebung übertaktet wurde und von einem Scythe Setsugen 2 gekühlt wird. Außerdem wich der Lüfter einem Multiframe - 650 Umdrehungen müssen auch hier genügen.

Testsystem:

  • Intel Core i7 920 (3,4 GHz)
  • Asus P6TD Deluxe
  • 6 GB DDR3 1333
  • Western Digital Black 640 GB
  • Antec TruePower New 550 W
  • AMD HD5850 (775/1125 MHz)

Zur Leistungsmessung belassen wir den Rechner nach dem Einschalten zunächst 15 Minuten im Leerlauf. Anschließend belasten wir ihn eine weitere Viertelstunde mit Core2MaxPerf in der Version 1.7. Hierbei werden alle acht logischen Kerne der CPU belastet. Temperatur und Takt werden dabei mit RealTemp 3.60 beobachtet, nach Ablauf der Zeit ein Mittelwert aus den Ergebnissen der einzelnen Kerne gebildet. Die Idle-Werte werden nach einer Abkühlungsphase von weiteren 15 Minuten genommen. Dank eines Raumthermometers können wir Delta-K Werte ermitteln. Um gleiche Voraussetzungen für alle Kühler zu schaffen, haben wir für die Tests ausschließlich MX-4 Wärmeleitpaste von Arctic Cooling verwendet. Sämtliche Runs werden zweimal ausgeführt: Sowohl mit dem Normaltakt des Prozessors (2,67 GHz) als auch in moderat übertaktetem Zustand (3,4 GHz ohne Spannungserhöhung).

Die Lautstärkemessungen erfolgen mithilfe eines Voltcraft SL-100 Schallpegelmessgerätes. Dieses wird aus 15 cm Entfernung zum offenen Gehäuse auf Höhe des CPU-Kühlers mittels eines Statives fixiert und aus einem Abstand von einem guten Meter abgelesen. Um Nebengeräusche zu minimieren, erfolgten die Messungen in einer ruhigen Wohnsiedlung („Dorf“) vormittags und in der Nacht. Zudem wurden die Lüfter im Testsystem deaktiviert, wodurch lediglich die Festplatte und das Netzteil für Nebengeräusche sorgten.

Einbau des Ninja 3

Vorsicht, gefährlich! Denn der Ninja ist bewaffnet: "Flip Mount Super Back-Plate 2" (FMSBP2) heisst sein Werkzeug. Einfache Montage für hohe Kampfkunst? Ninja-Bändigern wird beim Einbau einiges abverlangt. Im Gegensatz zur höherpreisigen Konkurrenz setzt Scythe nicht auf eine Kühlerbefestigung, die zunächst am Mainboard fixiert wird. Nein, es muss direkt durch die Backplate an den Kühler geschraubt werden. Chapeau! Am einfachsten montiert man den Ninja 3 daher bei ausgebautem Mutterbrett, indem man ihn umdreht und dann wie bei einem Sandwich Platine und Backplate auflegt. Sofern das heimische Gehäuse einen Ausschnitt im Mainboardtray hat, ist es, wenngleich fummelig, möglich, den Kühler auch in verbautem Zustand aufzusetzen. Hierzu platziert man in umgekehrter Reihenfolge zunächst die Backplate und steckt ein oder zwei Schrauben durch die Löcher damit sie nicht abfällt. So kann man den Kühler aufsetzen und die Schrauben von Hand leicht andrehen. Voila, er fällt nicht mehr ab. Trotzdem nicht gerade "carefree". Der Lüfter hingegen sollte unbedingt als erstes aufgesetzt werden, da die Klammern fest sitzen und man zum einfacheren Einbau Bewegungsfreiheit dringend benötigt - wenig Chance in einem engen Gehäuse. Durch ihre Bauweise sparen sie zudem Platz am ohnehin überbreiten Kühler, erschweren so aber den Einbau eines Konkurrenzproduktes. Unser Referenzlüfter, ein Noiseblocker Multiframe, ließ sich so nicht anbringen.

Ansonsten gibt es aber keinen Grund zur Klage. Die beiden Halterungen für die AMD bzw. Intel sind schnell und einfach montiert sowie auf den eigenen Sockel eingestellt. Dank des Anschlages kann man beim Schrauben nichts falsch machen. Erst einmal eingebaut zeigt sich der leider immense Platzbedarf des Ninjas. Um den Sockel herum gibt es zwar keine Probleme, allerdings ragt der Trumm über ganze drei RAM-Bänke unseres X58-Mainboards. Hohe Heatspreader verbieten sich damit, sofern die CPU nicht komplett passiv betrieben wird oder der Lüfter nach oben, unten oder Richtung Gehäuseheck Platz nimmt. Durch den symmetrischen Aufbau des Ninjas ist das ohne Probleme möglich, aber in der Regel mit leichten Einbußen bezüglich der Leistung verbunden.

Die Kühlleistung

Die Ergebnisse im Idle sind in zwei Tabellen knapp zusammengefasst. Auffälligkeiten ergeben sich nicht, jegliche Drehzahlunterschiede führen nur wenig überraschend zu minimalen Unterschieden in der Leistung. Lediglich komplett passiv fällt der Scythe im Vergleich zu seinem voluminösen Thermalright-Konkurrenten ab. Unter Last geht dem Ninja dann in Verbindung mit unserem langsam drehenden Hecklüfter komplett die Puste aus. Auch mit Standardsettings muss die CPU aufgrund von Hitzewallungen um 100 Grad den Takt reduzieren, wenngleich erst nach guten 14 Minuten. Hier hatten wir uns etwas mehr erhofft. Übertaktet auf 3,4 GHz ist an einen Passivbetrieb nicht mehr zu denken, allerdings hält der HR-02 etwas länger ohne Drosselung durch.

Aufgrund des variablen Drehzahlbandes des Scythe Slipstream-Lüfters haben wir unser Testverfahren ergänzen müssen. Mit maximalem Spektrum testen wir die Leistung bei 12, 7 und 5 Volt. Beim Minimalem fixieren wir die Lüftergeschwindigkeit mithilfe unserer Kaze Master Steuerung auf 500 bzw. 840 Umdrehungen pro Minute. Das entspricht etwa der Lüftergeschwindigkeit des Noiseblocker-Fans auf dem Thermalright mit 7 respektive 5 Volt Spannung. So lässt sich auch ohne Montage des Referenzlüfters zumindest ein indirekter Leistungsvergleich auf ähnlichem Lautstärkeniveau ziehen (Vergleiche Seite 5).

Mit maximaler Drehzahl setzt sich der Ninja 3 knapp von seinem Konkurrenten ab, unabhängig von der Taktung. Keine Kunst, denn bei 1900 rpm rotiert neben dem Lüfter auch der Tester! Für den geringen Vorsprung zu leiden ist nicht lohnenswert. Mit nur 7 und 5 Volt Spannung zeigt sich dasselbe Bild. Die Temperaturen sind etwas höher, trotzdem liegt der Ninja um den Preis immer noch enormer Lautstärke vor dem HR-02. Erst bei ähnlicher Drehzahl fällt er hinter seinen Konkurrenten zurück. Gerade bei 500 Umdrehungen verliert der Ninja 3 erheblich an Leistung. Wir haben den Test daher mehrfach wiederholt, um Fehler auszuschließen. Ergebnislos: Zwischen 840 und 500 rpm liegen gute 6-7 K Unterschied - mehr als zwischen 840 und 1900 Umdrehungen. In beiden Disziplinen, insbesondere am unteren Drehzahlrand, muss er sich zudem hinter dem HR-02 anstellen, der durch höheren Lamellenabstand, dickeren Heatpipes und mehr Oberfläche kompromisslos auf minimalen Luftfluss optimiert wurde. Vermutlich dürften die unterbrochenen Lamellen für diesen Nachteil verantwortlich sein, da die Luft bei 500 rpm "die erste Ausfahrt" nimmt und nicht den gesamten Alubereich umströmt. Trotz seiner vielversprechenden Anlagen fühlt sich der Ninja im mittleren Drehzahlbereich um 800 einfach am wohlsten. Sehr hohe Drehzahlen hingegen führen zu kaum einer Verbesserung.

Die Lautstärke

Bei der Lautstärke kann der Ninja dann richtig loslegen. Ein richtiger Saalräumer, der Kleine. Denn weder mit 59,2 dB(A) bei 12 noch 49,2 dB(A) bei 7 Volt möchte man dieses Gerät betrieben. Wie auf der letzten Seite gezeigt ist der Leistungsgewinn ohnehin gering. Bei annähernd gleichen Drehzahlen zeigt sich dann das Lager des Slip Streams als kleiner Nachteil. Bei einem Preisunterschied der beiden Kombinationen von etwa 38€ allerdings zu vernachlässigen, in der Praxis hört man davon ohnehin fast nichts.

Max Doll meint …

Max Doll

Quadratisch, praktisch, gut. Nicht nur die Schokolade, auch der Ninja 3 kann sich diese Attribute auf die Fahnen schreiben. Für die geforderten 32€ bekommt der Kunde viel Kühler. Der Lüfter überzeugt mit monströsem Regelspektrum. Wie die Anleitung ist der gesamte Kühler international konzipiert - Amerikaner z.B. sind weniger auf Lautstärke aus. Wobei "laut" den Krach bei vollen 12 Volt schon nicht mehr zutreffend beschrei(b)t. Dem lässt sich zum Glück mit Hilfe des Potis am etwas kurzen Kabel abhelfen. Weniger gut gelungen ist das Montagesystem, das durchaus Verrenkungen abfordert. Hier besteht seit einiger Zeit Verbesserungsbedarf. Auch der Platzbedarf ist unschön. Drei komplette RAM-Slots gehen für Module mit hohen Heatspreadern verloren. Thermalright zeigt mit dem asymetrischen Design dagegen den richtigen Weg vor. Leistungsmäßig muss sich der Ninja dann insbesondere im mittleren Drehzahlbereich nicht mehr verstecken. Dem teureren Konkurrenten kann er hier gut folgen. Nur wenn Drehzahlen um 500 rpm gefordert sind, sollte man bei verbrauchsstarken CPUs nach Alternativen schauen. Ganz leise sind die Sohlen des Ninjas dann doch wieder nicht. Angesichts der lediglich sekundären Mängel verdient der Probant daher einen Preis-Leistungsaward.

  • Positiv
  • Leistung bei mittleren Drehzahlen
  • Preis
  • Drehzahlband Lüfter
  • Kompatibilität
  • Neutral
  • -/-
  • Negativ
  • Montage
  • Lautstärke im oberen Drehzahlbereich
  • Leistung bei sehr geringen & sehr hohen Drehzahlen
  • Lamellen recht empfindlich
  • Ersten drei RAM-Slots nur niedrige Ram-Riegel

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