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Tech-Review.de

  • Samstag, 11. Juli 2020
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MS-Tech Value Edition 550W

MS-Tech Value Edition 550W: (MS-N550-VAL-CM)

Einleitung

In der Vergangenheit haben wir bei Tech-Review schon so einige Netzteile unter die Lupe genommen, welche sich durch ihren günstigen Preis auszeichneten. Hierbei wäre zum Beispiel das Xilence Performance A Series 530W zu nennen. Heute möchten wir dieses Prinzip aber einmal auf die Spitze treiben, indem wir die maximale Leistungsaufnahme nach oben schrauben und gleichzeitig deutlich tiefer ins Regal greifen. Das MS-Tech Value mit 550 Watt passt genau in dieses Schema. Mit seinen 550 Watt soll es stärker als das Cooler Master oder das Xilence sein, gleichzeitig ist es mit einem Preis von etwa 28,- Euro wesentlich günstiger.

Zugegeben, unter Netzteilkennern sorgt der Name MS-Tech nun wirklich nicht für Begeisterung. Die Netzteile besitzen einen sehr schlechten Ruf und sollen minderwertige Technik mit einer selbstmörderischen Zuverlässigkeit verbinden. Unser heutiger Testkandidat geht aber einen etwas anderen Weg: Mit dem umfangreichen Kabelmanagement und dem großen 140 mm-Lüfter soll es auf Kundenjagd gehen. Bislang absolut erfolgreich, das MS-Tech Value gehört in seiner Preisklasse zu einem der beliebtesten Netzteile auf dem Markt. Kann uns das MS-Tech Value 550W CM überzeugen?

Spezifikationen und Features

Um einen ersten Eindruck von dem Netzteil zu bekommen, schauen wir uns einmal die Verpackung an. Das MS-Tech Value wird in einem kompakten Hochglanz-Karton geliefert. Innen geht es so eng zu, dass sich einige Kabel schon durch die Außenhülle bohrten. Der Hersteller wirbt unter anderem mit einigen technischen Details:

  • ATX 2.3 Standard
  • Passive PFC
  • Modulares Kabelmanagement
Die Verpackung

Nun, Passive PFC ist heutzutage nun wirklich kein Punkt mehr, mit dem man effektiv werben könnte. Wir sind gespannt was uns im Inneren des Netzteils erwartet. Auf der Rückseite befindet sich eine Tabelle, bei der die technischen Daten übersichtlich abgedruckt sind. Im Gegensatz zu Markennetzteilen wirbt MS-Tech nur mit der Schutzschaltung OVP, was sehr wenig wäre. Vielleicht bringt der Aufkleber des Netzteils ein paar mehr Antworten:

Von dem Hersteller versprochene Gesamtleistung von 550 Watt bleiben noch 420 Watt auf den 12 Volt-Rails übrig. Dies sind wohlgemerkt die Herstellerangaben, wieviel das Netzteil wirklich zu leisten imstande ist, werden wir noch testen. Üppig sind hingegen die 125 Watt auf den Minor-Rails 3,3 V und 5 V. Immerhin scheint das CE-Siegel echt zu sein, das P4-Siegel verwirrt allerdings etwas.

Der Lieferumfang, das Äußere und die Kabel

Im Lieferumfang befinden sich zwei Faltblätter. Eines erklärt den Einbau des Netzteils, das andere ist die Garantiekarte. Genauere Infos über die Länge der Garantie gab aber auch die Karte nicht preis. Neben den üblichen Gehäuseschrauben und dem Kaltgerätekabel befinden sich die vielen modularen Kabel, zu denen wir allerdings gleich noch kommen werden.

Das MS-Tech Value kommt in einem klassischen Design daher. Mit dem schwarz lackierten Lüftergitter sieht dies aber gar nicht mal so schlecht aus. Nicht überzeugen kann indes die Lackierung. Nachdem wir die Schrauben lösten, um einen Blick in das Innere des Netzteils zu werfen, bröselte der Lack fröhlich von den angesprochenen Stellen. Auch im späteren Verlauf bröselte immer wieder schwarzer Lack ab. Das modulare Kabelsystem ist deutlich aufwendiger als zum Beispiel beim Cooler Master G450M, hier bleibt nur noch das ATX-Kabel fest integriert. Alle Kabel besitzen einen ordentlichen Sleeve, in der Preisklasse ist das eine Seltenheit.

Kritik müssen wir an den Steckerbuchsen am Netzteil üben. Das Plastik ist so weich, dass sich die Stecker auch in der verkehrten Richtung einstecken lassen, was fatale Folgen an Netzteil und PC haben könnte. Der PCI-E Stecker ist als 6 + 2 Pin ausgeführt, der 2 Pin ist jedoch nur mit einer Kabeldicke von 20 AWG ausgestattet. Laut ATX-Norm können bis zu 75 Watt durch die zwei dünnen Kabel geschickt werden, was wir für fahrlässig halten.

Bezeichnung der Kabel Kabel-Länge in cm
ATX 20 Pin + 4 Pin 45
CPU 4 + 4 Pin 46
PCI-E 6 + 2 Pin 41 + 50
SATA + SATA + SATA + SATA 40 + 55 + 70 + 85
Molex + Molex + Floppy 40 + 55 + 70
SATA + SATA + Molex + Floppy 40 + 55 + 70 + 85
Molex + Molex + Molex 40 + 55 + 70

Zuerst möchten wir MS-Tech für die vielen Laufwerkskabel loben, die Anzahl würde auch wesentlich größeren Netzteilen noch gut stehen. Nicht so toll ist hingegen der PCI-E Stecker, in dieser Leistungsklasse sind zwei Anschlüsse Pflicht. Geradezu lächerlich muten die Kabellängen an, selbst deutlich kleinere Netzteile haben hier mehr zu bieten. Schon in einem normalen Midi-Tower lassen sich die sehr kurzen Kabel kaum vernünftig verlegen, hier nützt also auch das modulare Kabelsystem nichts.

Das Innere und die Technik im Detail

Ein Hinweis vorweg:
Nicht nachmachen! Ihr begebt euch in Lebensgefahr wenn ihr ein Netzteil aufschraubt, des Weiteren geht die Garantie verloren!

Schon auf dem ersten Blick wird klar, dass wir hier nicht über ein 550 Watt starkes Netzteil reden. Die Spulen der Sekundärseite sind dafür viel zu klein, zudem gibt es dort nur sehr wenige Kondensatoren. Wir haben im Vorfeld auf 300 Watt Maximalbelastung getippt. Der OEM-Hersteller dieses Netzteils bleibt leider unbekannt, wir haben keine Hinweise auf der Platine gefunden.

Normalerweise kommt der Lüfter immer zum Schluss, aber wir ziehen das einmal vor. Hier kommt ein 140 mm großes Modell der Marke CPS zum Einsatz, weitere Informationen spuckte uns die Suchmaschine leider nicht aus. Etwas sorgfältiger sollte hierbei die Verarbeitung sein, an den Lüfterblättern befanden sich Fettrückstände. Die PFC-Spule für passive PFC ist nun keine Überraschung. Allerdings war das Kabel der Spule so kurz, dass es von alleine aus dem dazugehörigen Stecker gesprungen ist. Die Gleichrichterbrücke auf der Platine ist so hoch, dass das Kabel der Spule permanent unter Spannung steht und sich einfach löste. Im Prinzip hätte das MS-Tech also nicht mal eine passive Leistungsfaktorkorrektur gehabt.

Kommen wir wieder zur Elektronik: Die Eingangsfilterung beginnt mit einer größeren Platine, welche schon etwas Schlagseite aufgrund des Gewichts hat. Zwei Y- und ein X-Kondensator, sowie ein kleiner Trafo als auch eine Spule befinden sich auf dieser Platine. Weiter geht es auf dem großen PCB, auf der sich eine Schmelzsicherung, ein Thermistor, sowie ein Y- und zwei X-Kondensatoren befinden. Abgesehen von dem Fehlen eines MOV und der PFC-Spule geht die Eingangsfilterung in Ordnung.

Als Protection-IC befindet sich ein HS8110 an Bord. Informationen über diesen IC zu finden ist sehr schwierig, wir haben auf einer chinesischen Website die Hinweise auf OVP und UVP gefunden. Kurios mutet die einsame Schraube etwas abseits der Platine an. Hier sollte eigentlich mal ein Erdungskabel hin, aber dieses wurde nicht verlegt. Als Primärcaps kommen zwei Modelle von einer uns unbekannten Marke "LCZ" zum Einsatz. Diese besitzen jeweils eine Kapazität von 680 Mikrofarad bei einer Spannungsfestigkeit von 200 Volt und einer Temperaturfestigkeit von 105°C.

Wie schon festgestellt, ist die Sekundärseite für ein 550 Watt starkes Netzteil sehr klein gehalten. Als Kondensatoren kommen durchgehend Modelle der Marke Asia´X zum Einsatz, uns ist diese Marke ebenfalls unbekannt.

Auf der Oberseite der Platine kann man die beiden 12V-Rails sehen. Schaut man sich hingegen die Unterseite der Platine an, sieht man zwar zwei Häufchen Lötzinn, die Fläche darunter ist aber durchgehend. Für uns handelt es sich hier um ein Single-Rail Netzteil.

Die Lötqualität ist eine einzige Katastrophe, jede Stelle die mit Hand nachgearbeitet wurde, weißt Verbrennungen auf. Zudem sind viele Kabel nur unzureichend isoliert.

Insgesamt ist die Elektronik des MS-Tech Value 550W CM sehr fragwürdig, wir sind gespannt welche Ergebnisse wir im Praxistest erzielen werden.

Das Testsystem und Testumgebung

Der Test wird in einem offenen Testsystem durchgeführt, Gehäuselüfter fallen daher weg. Die Außentemperatur lag in diesem Test bei 23° Celsius.

CPU: Intel Core i5-3470 @ 4,0 GHz
CPU-Kühler: Scythe Mugen 4 PCGH-Edition
Mainboard: Asrock Z77 Extreme4
Arbeitsspeicher: 2x 4GB G.Skill Sniper DDR3-1600 CL9-9-9-24
Grafikkarte: Zotac Geforce GTX 480 Amp!
SSD / Festplatte: Samsung 840 Evo 500GB
Netzteil: siehe Test
Bildschirm: BenQ G2220HD
Sonstige Hardware: Asus Xonar DGX

Die Geforce GTX 480 stellt die Single-GPU Grafikkarte mit der höchsten Leistungsaufnahme dar. Hierbei ließe sich theoretisch eine Aufnahme von weit über 600 Watt generieren, aber selbst der gute Kühler von Zotac ist mit der Leistung überfordert, das vorläufige Maximum des Gesamtsystems liegt daher erst einmal bei ca. 520 Watt. Die Leistungsaufnahme des Gesamtsystems haben wir mit Hilfe eines Profitec KD 302 gemessen. Hierbei haben wir folgende Lastszenarios generiert:

Test-Szenarien:
Szenario 1: Gesamtsystem im Idle
Szenario 2: CPU: Prime 95
Grafikkarte im Idle
Szenario 3: CPU im Idle
Grafikkarte: GPU-Voltage 950 mV, Chiptakt 500 MHz, Furmark
Szenario 4: CPU im Idle
Grafikkarte: GPU-Voltage 950 mV, Furmark
Szenario 5: CPU: Prime 95
Grafikkarte: GPU-Voltage 1013mV, Furmark

Die einzelnen Werte wurden entnommen, nachdem sich die Temperaturen der Komponenten einpendelten. Die Lautstärkemessungen wurden mit Hilfe eines Voltcraft SL-100 durchgeführt. Dabei wurde das Netzteil bestmöglich vom restlichen System getrennt. Das Schallpegel-Messgerät wurde in einem Abstand von 50 cm vom Lüfter positioniert. Die Messwerte zur Spannungsregulation wurden mit den Sensoren des Mainboards ausgelesen.

Die Effizienz

Nun genug der Theorie, schauen wir uns das MS-Tech einmal im Praxistest an. Wir beginnen mit den Effizienzmessungen.

Sonderlich überzeugen konnte unser Testkandidat nicht, das MS-Tech findet sich am untersten Ende aller bisher von uns getesteten Netzteile wieder. Die Effizienz dürfte sich deutlich unter 80 Prozent bewegen, denn selbst die mit 80 Plus Bronze zertifizierten Geräte schneiden deutlich besser ab. Warum für das MS-Tech bereits nach der dritten Messung Schluss war, erfahrt ihr bei der Spannungsregulation.

Die Spannungsregulation

Wie sieht es eigentlich mit der Spannungsregulation aus? Eine zu niedrige oder zu hohe Spannung kann Komponenten beschädigen oder das System instabil werden lassen. Die Grenzen der Diagramme stellen die ATX-Norm dar. Werte, die außerhalb des Diagramms liegen, liegen somit auch gleichzeitig außerhalb der ATX-Norm.

Wie schon im Technikteil vermutet, ist das MS-Tech Value niemals in der Lage die versprochenen 550 Watt auch wirklich zu leisten. Während es auf der 3,3 Volt-Schiene keine Probleme gibt, kann sich das Netzteil auf 5 Volt nur noch knapp in der ATX-Norm halten. Katastrophal wird es auf der 12 Volt-Schiene, das MS-Tech ist schon im dritten Szenario völlig am Ende, selbst das mit nur 300 Watt angegebene und von uns getestete Enermax Triathlor ist deutlich leistungsfähiger!

Die Lautstärke

Ganz wichtig ist bei Netzteilen natürlich die Lautstärke. Bevor hier Fragen auftauchen wie ein PC denn ohne Netzteil betrieben werden kann: Wir haben hier das semipassive Seasonic 860W Platinum genommen und so weit wie möglich vom Schallpegel-Messgerät gelegt. Auch wenn der Lüfter in höheren Belastungen minimal aufdreht, sollte er vom restlichen System übertönt worden sein. Vorab eine kleine Definition zur besseren Einordnung:

Bis 32,9 db(A) Unhörbar leise bis sehr leise
Von 33,0 bis 34,9 db(A) Leise bis leicht hörbar
Von 35,0 bis 39,9 db(A) Hörbar bis deutlich hörbar, die Komponente sollte aus einem geschlossenen Gehäuse herauszuhören sein
Ab 40 db(A) Störend laut

Das MS-Tech Value ist mit einem größeren Lüfter ausgestattet als die meisten Netzteile in dieser Leistungsklasse. Dies stellt sich aber eher als Nachteil heraus, denn der Lüfter besitzt schon bei geringer Belastung eine hohe Drehzahl. Das Netzteil ist somit schon im Idle deutlich aus dem Gesamtsystem heraus zu hören. Unter Last dreht der Lüfter stark auf, in Szenario 3 fährt das Netzteil so fast das schlechteste jemals von uns gemessene Ergebnis ein. Über 45 Dezibel sind auf jeden Fall zu laut.

Hendrik Engelbertz meint …

Hendrik Engelbertz

"Kann uns das MS-Tech Value 550W CM überzeugen?", das war die Frage die wir uns im Intro gestellt haben. Schaut man sich einmal die Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile hier im Fazit an, können wir diese Frage nur mit einem klaren "Nein!" beantworten. Auch wenn es nicht schön ist, so ein vernichtendes Urteil fällen müssen.

Auf den ersten Blick wirkt das Netzteil gar nicht mal so schlecht, satte 550 Watt, kombiniert mit einem modularen Kabelmanagement für einen Preis von 28,- Euro? Klingt absolut verlockend. Schaut man sich das Netzteil dann aber etwas genauer an, fällt die Fassade wie ein Kartenhaus zusammen. Die Steckverbindungen am Netzteil sind so weich, dass sich die Kabel auch falsch herum in das Netzteil schieben lassen - mit fatalen Folgen für Netzteil und PC-Komponenten. Kabel sind zwar reichlich vorhanden, diese sind allerdings extrem kurz geraten und sollten selbst in normalen Midi-Towern für Probleme sorgen.

Schaut man sich die internen Aussattung des Netzteils an, erkennt man sofort, dass es sich hierbei um eine Mogelpackung handelt. Die internen Komponenten sind niemals für eine Belastbarkeit von 550 Watt ausgelegt und machten im Praxistest sehr früh schlapp. Zudem war statt der versprochenen zwei 12 Volt-Rails war nur eine vorhanden, die Lötqualität war außerdem die Schlechteste die wir in unseren bisherigen Tests gesehen haben. Da passt es ins Bild, dass es kaum Schutzschaltungen gibt, die Spannungsregulation bedenklich ist und der Lüfter lautstark auf sich aufmerksam macht.

Insgesamt ist das MS-Tech Value 550W CM alles andere als Empfehlenswert. Würden wir Awards für besonders schlechte Produkte verteilen, hätte ihn das MS-Tech verdient gehabt. Soll es ein möglichst günstiges Netzteil für den eigenen PC sein, empfehlen wir einmal einen Blick auf das Xilence Performance A Series 530W zu werfen. Das kostet kaum mehr und ist seinen Preis absolut wert.

  • Positiv
  • Preis
  • Modulares Kabelmanagement
  • Viele Laufwerksanschlüsse
  • Neutral
  • Negativ
  • Garantiezeit
  • Anzahl der Schutzschaltungen sehr gering
  • Schlechte Lackierung des Netzteils
  • Unzureichende Steckerbuchsen am Netzteil - Verpolungssicherheit
  • PCI-E Strang teilweise als 20AWG-Kabel ausgeführt
  • Nur ein PCI-E Stecker
  • Kabel sind extrem kurz
  • Qualität der internen Komponenten fragwürdig
  • Passive PFC, welches nicht einmal funktionstüchtig war
  • Statt zwei 12V Rails nur Single-Rail
  • Lötqualität mangelhaft
  • Geringe Effizienz
  • Spannungsregulation
  • Leistet niemals 550 Watt, stark überlabelt
  • Lautstärke

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