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  • Samstag, 08. August 2020
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be quiet! System Power 7 300W

be quiet! System Power 7 300W: Im Chromatest

Einleitung

Be quiet! ist besonders in Deutschland sehr aktiv und dadurch bekannt. Profilieren kann sich dieser Hersteller durch qualitativ gute und besonders leise Netzteile. Dieses Mal sehen wir uns die aktuelle System Power 7 Serie an, welche die System Power 6 Reihe kürzlich abgelöst hat. Bei diesen Netzteilen handelt es sich im so genannte "system builder" Geräte, welche eigentlich nicht für den Endkundenmarkt bestimmt sind. Allerdings sind diese Netzteile trotzdem für Endkunden ganz normal erhältlich - aufgrund des besonders niedrigen Kaufpreises greifen doch einige Leute zu diesen Stromversorgern, wodurch ein Test durchaus Sinn macht. Aus diesen Grund sehen wir uns heute das System Power S7 in der kleinen 300 Watt Edition an.

Erhältlich ist der kleine Kasten für einen Kampfpreis von gerade einmal 29,- € exklusive Versandkosten. Doch was ist eigentlich an diesem Netzteil dran? Ist es be quiet! typisch leise? Arbeitet es zuverlässig? Wo müssen eventuelle Abstriche gemacht werden? All diese Fragen und einiges mehr werden wir auf den folgenden Seiten ausführlich und detailliert erläutern ...

Spezifikationen und Features

Allgemeine Features:

  • 80+ Bronze
  • 120 mm Lüfter mit Kugellager
  • zwei 12 Volt Leitungen
  • drei Jahre Garantie

Kabellänge und Kabelstränge:
Beim be quiet! System Power 7 mit 300W hängen alle Kabel direkt am Netzteil, was bei dieser Preis- und Leistungsklasse nicht besonders verwunderlich ist. Ohnehin bringt das S7 300 nicht besonders viele Kabel mit sich. Vorhanden sind ein 24+4 Pin Stecker, welcher ebenso mit 45 cm so lang ist wie der 4+4 Pin CPU-Strang. Aufgrund dessen sollte man etwas größer geratene Midi-Tower meiden, da es sonst sehr schnell eng werden kann. Der dritte Kabelstrang im Bunde beherbergt zwei Sata-Stecker und ist 40 cm lang. Die letzte Kabelstrippe verfügt über zwei weitere Sata-, zwei Molex- und über einen FDD-Stecker. Die Länge beläuft sich hier ebenfalls auf 40 cm. Insgesamt hätten wir uns eine etwas größere Anschlussvielfalt gewünscht - zwei weitere Sata-Stecker hätten dem Gerät sicher gut getan. Aufgrund dessen, dass heutige PCs immer sparsamer werden wäre ein PCI-Express Kabel für Grafikkarten sicher sinnvoll gewesen.

Die Kabellängen

Schutzschaltungen:
Folgende Schutzschaltungen bietet das Netzteil:

  • OCP - Überstromschutz (Sollte die Last auf den einzelnen Leitungen höher sein als angegeben, schaltet das Netzteil automatisch ab.)
  • OVP - Überspannungsschutz (Falls die Spannungen auf den einzelnen Leitungen über einen gewissen Toleranzwert steigen, schaltet sich das Netzteil automatisch ab.)
  • UVP - Unterspannungsschutz (Fallen die Spannungen auf den einzelnen Leitungen unter einen gewissen Toleranzwert, so schaltet sich das Netzteil automatisch ab.)
  • OPP - Überlastungsschutz (Wenn das System mehr Leistung verbraucht, als das Netzteil liefern kann, schaltet es sich ab.)
  • OTP - Überhitzungsschutz (Bei Überhitzung einzelner Komponenten schaltet sich das Netzteil automatisch ab.)
  • SCP - Kurzschlussschutz (Im Falle eines Kurzschlusses verhindert diese Sicherung eine Beschädigung der Kernkomponenten des Netzteils und der einzelnen Systemkomponenten.)

Leistung:
Das be quiet! SP 7 300W kann bis zu 288 Watt und damit 96 Prozent der Gesamtleistung (300 Watt) auf den beiden 12 Volt Schienen zur Verfügung stellen. Pro Schiene sind dabei bis zu 18 Ampere Strom möglich. Das SP 7 300 verhält sich daher wie ein Multirailnetzteil. Die Sicherheit im Falle eines Kurzschluss ist gegenüber Singlerail Netzteilen höher. Da bis zu 288 Watt auf der 12 Volt Leitung möglich sind, braucht man sich über die Verkabelung keine Gedanken machen. Eine Überlastung einer einzelnen Schiene durch falsche Steckerauswahl ist im Gegensatz zu älteren oder ungünstig designten Multirail-Netzteilen kein Grund zur Sorge.

Zubehör:
Beim be quiet! System Power 7 300W handelt es sich nicht um ein gewöhnliches Retail-Netzteil, wodurch auf eine Verpackung verzichtet wurde. Geliefert wird dieses standardmäßig in einer Luftpolsterfolie. Zubehör ist praktisch nicht vorhanden, bis auf einen obligatorischen Kaltgerätestecker.

Details und Verarbeitung (extern und intern)

Rein äußerlich gibt es nichts bewegendes zu berichten. Es handelt sich hierbei um Ware für Systemintegratoren, da kann man schon froh sein, wenn man ein lackiertes Gerät erhält. Das S7 300 ist sogar sehr vorbildlich mit einem schwarzen und dazu rauen Lack überzogen worden. Die äußere Verarbeitung stimmt, die Metallaußenhaut wirkt robust und das Lüftergitter mit integriertem be quiet! Logo weiß zu überzeugen.

Nach dem Lösen der Schrauben und dem Öffnen des Netzteils fällt unser Blick auf die Elektronik.
Wie immer gilt: Nicht nachmachen - Lebensgefahr!

Wie so oft basiert auch dieses be quiet! Netzteil auf einer FSP Plattform. Ungewöhnlicher Weise wurden alle Bauteile auf eine schwarze Platine aufgelötet, was in Budget Serien selten der Fall ist. Dies hat allerdings nur einen optischen Nutzen.

Das Innere des Netzteils

Die Eingangsfilterung beginnt direkt an der Kaltgerätebuchse in Form von einem X- und zwei Y-Kondensatoren. Diese wird dann auf der Platine mit einem weiteren X-Kondensator, Spulen und zwei Y-Kondensatoren fortgesetzt. Einen MOV konnten wir leider nicht vorfinden - wir sind der Meinung, dass ein passiver Überspannungsschutz in jedem Netzteil gut aufgehoben ist.

Auf dieser kleinen zusätzlichen Platine befindet sich die Regeleinheit für den Lüfter. Zusätzlich sind darauf zwei Temperatursensoren einmal für den Überhitzungsschutz und einmal für die Lüftersteuerung aufgelötet worden.

Als Sicherungschip wird der WT7527 IC von Weltrend verwendet, welcher zugleich alle vom Hersteller angegebenen Schutzschaltungen unterstützt.

Der IC der auf die Bezeichnung TNY277PN hört, steuert die Spannungsregulation des Netzteils.

Der Primärkondensator kommt aus dem Hause Teapo, mit einer Spannungsfestigkeit von 420 Volt und 180 mikro-Farad bei 85 °C. Eine angemessene und völlig ausreichende Wahl.

Im sekundären Bereich treffen wir auf einen Kondensatorenmix aus Teapos und Taicons, alle Elkos sind mit 105 °C spezifiziert und stellen eine akzeptable Wahl dar.

Der Lüfter kommt aus dem Hause Yato-Loon, mit der Bezeichnung D12SM-12, dieser kann bei einer maximalen Betriebsspannung von 12 Volt mit bis zu 1650 U/min rotieren.

Der Lüfter des Netzteils

Die Lötqualität macht einen guten Eindruck, es konnten keine zu heiß ausgeführten oder kalte Lötstellen entdeckt werden. Kabelenden wurden vorbildlich gekürzt.

Die Verlötung der Platine

Das Testsystem

Ein guter Netzteiltest setzt eine gewisse Ausrüstung voraus. Da es mit handelsüblichen PCs nicht möglich ist, bestimmte Lasten für das Netzteil zu produzieren, verwenden wir daher professionelle elektronische Lasten der Firma Chroma. Die Chroma belastet das Netzteil mit den von uns gewählten Einstellungen. Dabei können auch sehr leistungsfähige Netzteile voll ausgelastet werden. PFC-faktor, Spannungen und Effizienz lassen sich daher präzise bestimmen. Damit können wir eine sehr hohe Vergleichbarkeit der Netzteile sicherstellen. Zur Messung der Restwelligkeit verwenden wir ein Vierkanal-Oszilloskop von Tektronix (Tektronix TDS 3014C, 100 MHz, 1,25 GS/s).

Die Chroma

Die Chroma im Detail:

  • Chroma Digital Power Meter 66202
  • Chroma Measurement Test Fixture A662003
  • Chroma 6314A DC Electronic Load Mainframe mit 63102A und 63106 Lastmodul
  • 2x Chroma 6314 mit insgesamt acht 63103 Lastmodulen
  • Enermax-Anschlussplatine und Kondensatoren für normgerechte Messung
  • Kalibrierung am 26.10.2010, Rekalibrierung am 26.10.2011
  • Messung bei 230 Volt Eingangsspannung
Die Enermax-Anschlussplatine

Testablauf:

  • 10% Last
  • 20% Last
  • 50% Last
  • 80% Last
  • 100% Last
  • Crossloadtest (bei 39 und 65 Prozent)
  • wird vom Hersteller eine dauerhafte Überlastfähigkeit garantiert, wird diese zusätzlich geprüft

Wir möchten an dieser Stelle offen darauf hinweisen, dass wir als Gäste auf der Chroma der Firma Coolergiant Computers Handels GmbH in Hamburg testen. Für diese Unterstützung sind wir sehr dankbar, da eine solche Ausrüstung sehr teuer ist. Wir sind immer selbst vor Ort, bringen unsere Testmuster mit, führen unsere Messungen durch und lassen nicht "remote-testen". Zudem testen wir bei jedem Termin zahlreiche Netzteile - eine systematische Abweichung nach Oben oder Unten würde dann alle Netzteile betreffen. Sollten wir trotzdem auch nur den geringsten Zweifel an unserer Unabhängigkeit haben, werden wir auf weitere Tests an der Chroma verzichten.

Aufgrund der Lautstärke der elektronischen Lasten ist eine Lautstärkemessung an der Chroma wenig sinnvoll. Wir lasten die Netzteile daher auch mit gewöhnlichen Computern in festgelegten Szenarios aus. Damit können wir dann die Lüfterdrehzahl und die Lautstärke messen. Während der Lautstärkemessung mit unserem Voltcraft SL100 Schallpegelmessgerät werden natürlich die Lüfter des Testsystems kurz angehalten.

Testsystem für die Niedriglast:

Testsystem für Windows-Normalbetrieb, Auslastung 1 und Auslastung 2:

Die Messwerte

Leistungsfaktor:

Die Leitungsfaktorkorrektur funktioniert bei diesem Netzteil äußerst gut, bei zehn Prozent Last werden schon gute 83 Prozent erreicht.

Effizienz:

Hinsichtlich der Effizienz schneidet das S7 300 gut bis sehr gut ab - das 80 Plus Bronze Logo wird zurecht getragen. Bei einem zusätzlichen Test mit einer Betriebsspannung von 115 Volt konnten bei 100 Prozent Auslastung über 82 Prozent Effektivität gemessen werden.

Spannungsregulation 12 Volt 1:

Spannungsregulation 12 Volt 2:

Spannungsregulation 5 Volt:

Spannungsregulation 3,3 Volt:

In Bezug auf die Spannungsregulationen der einzelnen Rails konnten keine Probleme festgestellt werden - das Gerät schneidet gut ab.

Restwelligkeit 12 Volt:

Restwelligkeit 5 Volt:

Restwelligkeit 3,3 Volt:

Die Restwelligkeit lässt sich als gut bis sehr gut bezeichnen, sofern man nur die 12 Volt und 5 Volt Schiene betrachtet. Die 3,3 Volt Rail liegt zwar genau innerhalb der Toleranz, dennoch hätten wir und hier etwas mehr erwartet - tragisch ist dies aber bei weitem nicht. Insgesamt lässt sich die Restwelligkeit damit als befriedigend bezeichnen.

Anhang Lastkalkulation:

Die Lautstärke

Rein von den Messwerten her schneidet das S7 300 wirklich gut ab, was in dieser Preisklasse leider nicht selbstverständlich ist. In den ersten beiden Belastungsstufen platziert sich das Gerät zwischen bekannten und leisen Enermax sowie be quiet Geräten. Unter Last nimmt das Lautstärkeniveau dann doch etwas mehr zu, was aber nicht tragisch ist, denn das S7 300 kann sich direkt nach dem ebenso sehr leisen be quiet! E9 580 einreihen.

Die Lautstärke subjektiv:
Rein subjektiv betrachtet macht das S7 in allen Lagen eine ziemlich gute Figur. Im IDLE (40 Watt Belastung) ist es ohnehin sehr leise, bei einer Belastung von 170 Watt agiert es immer noch nicht lauter, erst bei voller Auslastung von 300 Watt dreht der Lüfter merkbar auf - Laut dreht er dennoch nicht. Das Gerät ist durchaus für Silentrechner geeignet, sofern einem das permanente hochfrequente eher dezente Spulenfiepen nicht stört. Beim Lüfter hätten wir uns etwas mehr erwartet, der Yate-Loon weißt leider ein Lagerschleifen auf, was allerdings normal ist. Wir hätten uns eher einen Lüfter von Protechnic gewünscht, wie er in der L7 Serie von be quiet! zu finden ist. Insgesamt sind wir doch sehr zufrieden, was die Lautstärke angeht. Wir sprechen ja immer noch um ein Gerät der <30 Euro Klasse.

Louis Hirschmann meint …

Louis Hirschmann

Das S7 300 hat nach unseren Tests einen wirklich guten Eindruck hinterlassen. Anfangs viel allerdings auf, dass die Steckervielfalt doch etwas zu wünschen übrig lässt. Klar, hier handelt sich um ein schwächeres Modell, doch zwei Molexstecker sind dann doch etwas zu wenig. Da das Gerät eigentlich nur für Systemintegratoren bestimmt ist, gibt es keine Retail-Verpackung und auch kein Zubehör, bis auf das Kaltgerätekabel. Ein Nachteil ist dies nicht, da das Zubehör meist unverwendet in der Ecke endet. Die äußere Verarbeitung hinterlässt einen guten Eindruck, matt schwarz, dicker Lack und ein robustes Gehäuse spricht für be quiet! Die Elektronik zeigt sich bis auf einen fehlenden MOV in gutem Licht: die Wahl der Kondensatoren stimmt, der Sicherungschip unterstützt das was be quiet! verspricht und noch dazu gefällt uns die allgemeine Lötqualität ziemlich gut.

Die Messergebnisse der Chromastation überzeugen auch zum Großteil. Die Leistungsfaktorkorrektur arbeitet auf einem sehr hohen Niveau. Auch der Effizienztest verlief gut, alle Bedingungen für das 80+ Bronze Zertifikat wurden erfüllt. Die Spannungsregulation arbeitet im Wesentlichen wie sie soll, Toleranzen werden bis auf den Crossloadtest kaum bis gar nicht beansprucht. Bei der Restwelligkeit gab es lediglich auf der 3,3 Volt Rail ein Problem: hier wurde die Obergrenze der ATX-Spezifikation in Anspruch genommen - somit ist das Ergebnis der Restwelligkeit als befriedigend zu werten.

Das Niveau der Geräuschentwicklung hat uns bis auf den schleifenden Lüfter und den permanenten Elektronikgeräuschen, welche eher dezent ausfallen, voll überzeugt. Dabei liegt es in etwa gleichauf mit teureren be quiet! und Enermax Modellen, sofern man es nicht mit mehr als 250 Watt belastet. Insgesamt sind wir mit diesem Gerät sehr zufrieden gewesen, zugreifen sollten also Käufer, die wenig Leistung benötigen, dabei auf den ein oder anderen Molex Stecker verzichten können und dazu eine leise Gangart wünschen.

  • Positiv
  • sehr günstig
  • leise
  • gute Lötqualität
  • gute Effizienz
  • sehr gute PFC
  • Neutral
  • Negativ
  • Restwelligkeit auf der 3,3 Volt Schiene
  • begrenzte Steckerauswahl

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