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Tech-Review.de

  • Freitag, 10. Juli 2020
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Arctic Freezer 33 eSports One

Arctic Freezer 33 eSports One: Im Test

Der Arctic Freezer 33 eSports One ist eigentlich gar keine komplett neue Kreation. Schließlich war bereits der direkte Vorgänger unter dem Namen Freezer i32 als auch die normale 33-Variante durchaus für ein vernünftiges Verhältnis aus Preis, Kühlleistung und Lautstärke bekannt und eine äußerst solide Wahl, wenn die Optik nicht das wichtigste Kaufkriterium sein musste. Mit der nun vorliegenden Edition nimmt sich der Hersteller der Kritik aus der Community an, dass sie den Kühler mögen, er aber nicht in das optische Gesamtkonzept ihres Rechners passt. Daneben wurde aber auch auf der technischen Seite gearbeitet, um weitere Argumente für den Kauf zu schaffen, dazu zählen zum Beispiel die Verbesserungen bei der Wärmeübertragung und am Lüfter.

Das Auffälligste ist natürlich der schwarze Anstrich sämtlicher sichtbarer Elemente am Kühlkörper, welcher gleichzeitig durch seine thermischen Eigenschaften auch die Wärmeabgabe an die durchziehende Luft verbessern soll. Vier Heatpipes sorgen dafür, dass die Hitze erstmal an die Lamellen kommt. Um nun die sich dort sammelnde Wärme abtransportieren zu können, spendiert Arctic einen Lüfter aus der hauseigenen BioniX-Serie. Jener besitzt eine dreiphasige Ansteuerung und soll durch ein optimiertes Schaufel-Design eine besonders gute Mischung aus Lautstärke zu Kühlleistung liefern. Montiert werden darf der Arctic Freezer 33 auf allen aktuelleren Intel-Sockeln der 115x-Serie sowie 2011(-v3) und 2066, bei AMD wird nur AM4 unterstützt.

Auf den nachfolgenden Seiten werden wir uns den Kühler genauer ansehen und mit dem Testparcours natürlich auch auf die Probe stellen.

Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Technische Daten

Hersteller Arctic
Modellname
Freezer 33 eSports One
Modell-Nr. -/-
Sockel-Kompatibilität Intel-Sockel: 1150 / 1151 /1155 / 1156 / 2011-0 / 2011-3 / 2066
AMD-Sockel: AM4
Gesamtmaße (Länge x Breite x Höhe) 150 x 123 x 88 mm
Gesamtgewicht (mit / ohne Lüfter) 676 g / 547 g
TDP Maximal: 320 W, Empfohlen: 200 W
Materialien Kupfer (schwarz angestrichen), Alu-Kühllamellen mit thermalem Anstrich

Verpackung / Lieferumfang

Bei der Verpackung ist, zumindest einmal bei den Abmessungen, Minimalismus angesagt, dennoch findet alles Wichtige seinen Platz. Die Vorderseite wird, wie könnte es anders sein, durch ein Bild des Kühlers dominiert, dazu kommen Produktname, Verwendungszweck, ein Hinweis auf eine beschränkte 10(!) jährige Garantie - diese gilt nur für den Lüfter - und natürlich auch ein Herstellerlogo. Selbiges findet sich ebenfalls auf der Oberseite und dem Sticker für "Carbon Neutral". Worauf sich das CO2-Neutral allerdings bezieht, konnten wir nicht ausmachen, der angegebene Link führt auf eine inhaltslose Seite. Wir vermuten, dass damit die Verpackung gemeint ist, schließlich kann man Papier/Pappe recht gut recyceln. Die rechte Seite wartet mit einer Übersicht in sieben Sprachen auf, was denn die wichtigsten Merkmale und Besonderheiten des Freezer 33 eSports sind, passend dazu sind auf der Rückseite auch gleich mehrere entsprechende Visualisierungen und zusätzliche Informationen zu lesen. Harte technische Fakten finden sich dagegen links auf der Verpackung, so natürlich eine übersichtliche Tabelle mit den Daten, Inhaltsangabe und eine Explosionszeichnung, wie alle Teile des Kühlers ineinandergreifen.

Bei geöffneter Verpackung kommt zuerst der schwarze Kühlkörper mit bereits montiertem roten Lüfter und ein kleiner Karton, aufrechtstehend, zum Vorschein. Anzumerken ist, dass es sich hierbei um eine außerordentlich kompakte Anordnung handelt. Ein positiver Nebeneffekt: Platz zum Wackeln ist keiner vorhanden, daher sollten Transportschäden absolut gering ausfallen, falls jene überhaupt auftreten.

Beim Zubehör beschränkt sich Arctic großteils auf das Nötigste. So sind die passenden Schrauben für die Montage auf den verschiedenen Sockeln vorhanden, eine Backplate für 115x-Systeme, zwei große Halteschienen sowie zwei kleine Schrauben zum Festziehen an der Bodenplatte. Hinzu kommt die Montagemöglichkeit für einen zweiten Lüfter, weswegen sich im Lieferumfang noch ein Paar Lüfterklammern und kleine Gummi-Klebepunkte finden lassen. Letztere dienen der Entkopplung und Geräuschreduzierung. Ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist die Wärmeleitpaste aus der hauseigenen MX-4 Reihe, welche sich in einer Aufreißtüte befindet. Da sich solche Verpackungen nicht wieder verschließen lassen, ist die Paste nur für den einmaligen Gebrauch bestimmt und kann deshalb auch nicht für weitere Kühler-Montagen zum Einsatz kommen. Wir bevorzugen daher eine klassische Tube mit Verschluss.

Im Detail

Nüchtern betrachtet ist der Freezer 33 eSports One ein klassischer Towerkühler, schließlich wird die Wärme von der Bodenplatte über Heatpipes in den Kühlturm befördert, um dort über die Lamellen anhand durchströmender Luft weitergetragen und letzten Endes aus dem Gehäuse befördert zu werden. Dabei gibt es allerdings gleich wieder einige Kniffe, welche Arctic anwendet, um das Maximum an Leistung herausholen zu können.

Optisch am Auffälligsten ist gleich einmal der schwarze Anstrich, welcher alle sichtbaren Teile bedeckt und, anders als bei vielen anderen Produkten, auch seinen Zweck hat. So sorgt dieser "Thermalanstrich" (Englisch "thermal coating") für ausgeprägtere Mikro-Verwirbelungen der durchströmenden Luft an den Lamellen selbst, um somit die Hitze besser abgeben zu können. Dies bewirkt, dass die Luft nicht unnütz vorbeifließt. Die Verarbeitung der Metallfinnen ist dabei gut gelungen, scharfe Kanten oder ähnliches konnten wir nicht finden. Ein besonderes optisches Augenmerk wurde der obersten Lamelle zuteil, neben mehreren sichtbaren Verzierungen im Material selbst gibt es an dieser Stelle auch drei mittig platzierte Öffnungen, welche das Gesamtpacket sehr sportlich wirken lassen. Wobei dies nicht ungewöhnlich sein sollte, es handelt sich ja schließlich auch um eine eSports-Edition.

Vier Kupferrohre mit jeweils sechs Millimeter Durchmesser sorgen währenddessen dafür, dass die Wärme überhaupt vom Prozessor abgeführt wird. Auch sie sind wiederum mit dem Thermal Coating versehen, wenngleich das sicherlich mehr der Optik als der Kühlung selbst dient. Auf dem Heatspreader einer jeder CPU liegen die Heatpipes dabei direkt auf, was im Gegensatz zu einer beispielsweise vernickelten Bodenplatte deutlich kostengünstiger herzustellen ist, aber durch die doch deutlich zu sehenden Abstände zwischen dem Kupfer zu Nachteilen bei der Kühlung selbst führen kann. Außerdem werden somit erfahrungsgemäß die zentraler liegenden Rohre mehr belastet, da eine Verteilung durch eine zusätzliche Schicht untereinander nicht stattfindet. Dafür, und dass muss man Arctic lassen, ist alles schön glattgeschliffen und abgesehen von den eben schon erwähnten Spalten finden sich auch keine Unebenheiten.

Der Lüfter stellt zudem selbst ein kleines Highlight dar, schließlich stammt er aus der hauseigenen BioniX-Serie und zeigt gegenüber seinen Vorgängern in verschiedenen Punkten Verbesserungen, nimmt aber auch viele schöne und sinnvolle Elemente von ihnen mit. Das wäre zum Beispiel das "Fluid Dynamic Bearing", sinngemäß zu Übersetzen als "hydrodynamisches Gleitlager". Jenes verbindet praktisch die zwei großen bekannten Welten, denn grundsätzlich teilt sich das Lüfterlager in zwei Kategorien: Gleit- und Kugellager. Letztere Version kennen viele Leser sicherlich aus dem Bereich der Automobile oder der Antriebstechnik, diese gelten auch im IT-Sektor als besonders langlebig und hochwertig. Jedoch haben sie, durch den mechanischen Kontakt der Kugeln, auch eine gewisse Mindestlautstärke, welche nicht jedem gefällt. Das wird durch den Einsatz der Gleitlager verhindert. Hier reduziert ein Schmiermittel den Kontakt auf ein Minimum, was zumindest zu Beginn für ein sehr leises Betriebsgeräusch sorgt. Leider wird diese Gleitmittel über die Zeit hin aufgebraucht und zugestaubt. Der Lüfter beginnt unruhig zu laufen, gibt störende Geräusche von sich oder stellt gar die Arbeit komplett ein. Um diese Effekt möglichst lange zu verhindern, sind die Hersteller dazu übergegangen, diese Mittel speziell zu kapseln. Damit wird dem Verlust vorgebeugt und kombiniert so ein geringes Betriebsgeräusch mit einer hohen Lebenserwartung des Lagers. Das ist natürlich sehr sinnvoll bei einem Lüfter, welcher im laufenden Betrieb praktisch durchgehend beansprucht wird.

Weiterhin wurden bei der BioniX-Reihe die Lüfterblätter verbessert und ein 3-phasiges Motordesign hat Einzug gehalten. Jenes verspricht ein geringeres Betriebsgeräusch als herkömmliche Modelle mit nur einer oder zwei Phasen und zudem verlängert es potenziell die Nutzungsdauer, womit Arctic hier auch gleich 10 Jahre Garantie auf diese Komponente gibt. Außerdem darf am Kabel selbst das Tacho-Signal über PWM-Sharing weitergegeben werden, was für einen zweiten Lüfter am Kühlkörper überaus praktisch ist. Die restlichen Eigenschaften sind dafür recht bekannt beziehungsweise weniger überraschend: Die Dicke beträgt 25 Millimeter, gesteuert wird, logischerweise bereits impliziert durch das Sharing, über ein PWM-Signal und das Anschluss-Kabel selbst ist 40 Zentimeter lang. In seiner Drehzahl geregelt werden kann der Lüfter zwischen 200 und 1800 U/Min. und ist damit sowohl für den Pull- als auch für den Push-Betrieb ausgelegt.

Falls jemanden die Farbkombination mit Schwarz-Rot nicht zusagt und er/sie lieber eine andere Farbe möchte, hat man bei Arctic wirklich Glück, denn es sind auch Varianten mit grünem, gelben oder weißem Lüfter zu erwerben. Wir haben für diesen Test eben die rote Version erhalten. Es kann aber auch einfach der Lüfter selbst in einer anderen Farbe nachgekauft werden, solle man einmal das Bedürfnis haben, zu einem späteren Zeitpunkt etwas an der Farbabstimmung ändern zu wollen.

Bei der Verarbeitung können wir praktisch nicht meckern. Nie hatten wir das Gefühl, einer scharfen Kante zu begegnen und Fehler in der Lackierung waren mit dem Auge ebenfalls nicht feststellbar. Die Heatpipe-Enden sind gut eingekürzt, der Abschluss sauber, auf der Bodenplatte wurde ebenfalls gute Arbeit geleistet. Lediglich die Spalte zwischen den Wärmerohren könnten eine kleine Spur geringer ausfallen, aber das ist ein generelles Problem bei direktem Kontakt mit dem Heatspreader des Prozessors.

Die Montage

Da, wie bereits vorhergehend erwähnt, dem Kühler keine Montageanleitung beiliegt, muss jene auf der Herstellerseite eingesehen werden. Hervorzuheben ist dabei, dass auch eine deutsche Sprachversion existiert. Im selben Atemzug bemerkten wir außerdem, dass die Anleitung im positivsten Sinne mit vielen Bildern beziehungsweise Visualisierungen arbeitet und dadurch bereits eine Montage ohne etwaige Sprachkenntnisse möglich ist. Nachteilhaft sehen wir diese Form der Anleitung, wenn zum Beispiel das Smartphone einen kleinen oder schlecht auflösenden Bildschirm besitzt, da dadurch das Erkennen von Details sehr schwierig wird. Zudem hat, auch im Jahre 2018, noch nicht jede Person ein Smartphone und sich extra einen Laptop oder PC für die Montage eines Kühlers holen zu müssen, ist auch umständlich. Wir können, zwecks Kosteneinsparung und besserer Umweltbilanz, den Schritt zwar verstehen, praktisch ist er unserer Meinung nach allerdings nicht und es wäre uns lieber, wenn Arctic eine klassische Faltanleitung dazugegeben hätte. Dafür, und das ist eine wirklich tolle Sache für Neueinsteiger, gibt es Video-Anleitungen für die Sockeln AM4 und 115x auf Youtube, welche von Arctic selbst erstellt wurden. Diese sind hübsch aufgemacht und eignen sich sehr gut als Vorlage und Montage-Hilfe.

Als Erstes empfiehlt es sich, den Lüfter zu entfernen und die großen Haltebügel auf dem Kühlkörper anzubringen. Dabei hilft eine Einkerbung auf der oberen Seite der Bodenplatte bei der korrekten Ausrichtung und verleiht der Konstruktion, trotz nur einer Schraube je Seite, eine gute Stabilität. Als nächsten Schritt wird die Backplate auf der Rückseite des Mainboards positioniert und muss dort irgendwie an Ort und Stelle gehalten werden. Dazu eignet sich natürlich auch das Hinlegen der Platine auf eine feste Unterlage. An dieser Stelle ist nun unbedingt daran zu denken die Schutzfolie von der Bodenplatte zu entfernen und anschließend die Wärmeleitpaste auf dem Prozessor aufzubringen, da ansonsten die Kühlleistung erheblich leidet und ein Betrieb nicht anzuraten wäre!

Nachfolgend wird der Kühler in Position gebracht und mit der Hilfe von vier langen Schrauben, welche nur am vorderen Ende für zirka einen Zentimeter ein Gewinde aufweisen, festgezogen. Allgemein sollte man immer über Kreuz festdrehen und zuerst einmal darauf achten, dass alle Schrauben "angebissen" haben, also ein Erstkontakt zur Backplate besteht, bevor man sich ans Eingemachte wagt. Dabei kann ruhig so weit gedreht werden, bis sich die Schraube nicht mehr weiter reindrehen lässt, die Endposition also erreicht wurde. Jene ist nämlich so ausgelegt, dass ein zu festes Anziehen nicht möglich ist. Als letzter Montageschritt ist der Lüfter mit den Halterklammern wieder am Kühlkörper anzubringen. Wichtig ist hierbei natürlich auf die Strömungsrichtung zu achten, jene wird mit der Hilfe kleiner Pfeile auf dem Lüfterrahmen angezeigt.

Die Montage geht leicht von der Hand, wenngleich auch ein Blick in die Anleitung unerlässlich ist, auch für geübte Monteure, um die korrekte Anbringung der Haltebügel sicherzustellen. Innerhalb von wenigen Minuten ist der Kühler ausgesprochen stabil montiert, wenn man die Zeit für das Suchen und Finden der Anleitung abzieht, und schindet mit seiner Farbgebung optisch schon Mal mächtig Eindruck.

Grundlegende Information und Philosophie bezüglich des Testsystems

Auf diesem i7-System werden wir uns überwiegend mit Kühlern beschäftigen, die für die Abfuhr von großen Mengen an Wärme eignen. Dazu gehören vor allem Kühler im Tower-Design, vielen Heatpipes, 120 oder 140 Millimeter Lüftern, gerne auch in doppelter Ausführung. Bei der Bauhöhe bewegen wir uns mehrheitlich um die 160 Millimeter, jedoch sind auch Ausflüge darunter oder darüber zu erwarten.

Aber nicht nur neue Kühler werden getestet! Auch auf diverse ältere Produkte, die eventuell nicht mehr im Hauptaugenmerkt liegen werden wir bei Gelegenheit den einen oder anderen Blick werfen, schließlich können jene auch noch für die ein oder andere Überraschung gut sein. Somit entdeckt man vielleicht ein Modell erneut, der für das eigene, neue Gaming- oder Hochleistung-System interessant sein könnte.

Testverfahren

Als Testverfahren zur Temperaturmessung haben wir uns ein Belastungsszenario mit durchgehend hoher Auslastung und damit verbundener Wärmeentwicklung ausgesucht, um die Kühler an die Grenzen und die Unterschiede feststellen zu können. Als Programm verwenden wir CoreDamage, welches sich als thermisch zuverlässig erweist.

Alle Kühler werden mit derselben Wärmeleitpaste (Noctua NT-H1) betrieben. Die umgebende Raumtemperatur des nicht schalldichten Raums beträgt ~23°C. Gemessen wird die Temperatur der CPU mittels "HWMonitor" und "CoreTemp" zweifach, um eventuelle Abweichungen durch ein Programm ausschließen zu können. Um unabhängig von der Umgebungsluft zu werden, welche allerdings meistens um die 23 Grad Celsius hat, geben wir das Ergebnis in Differenz zur Raumtemperatur in Kelvin an. Eine kurze Erklärung für Laien: Wenn es um ein Grad wärmer wird, sind das bei Celsius und Kelvin gleich viel, lediglich der Punkt, wo null Grad sind, unterscheidet sich. Um auch den Physikern gerecht zu werden, werden wir Temperatur-Differenzen in Kelvin angeben, da dies der korrekte Weg ist. Daher sind die Messwerte immer "x Grad mehr als der Raum" zu lesen. Ein Beispiel: Ein Kühler erreicht 40 Grad Kelvin, die Raumtemperatur liegt bei gemütlichen 23 Grad Celsius. Daher wird die CPU letztendlich 63 Grad heiß.

Die Lautstärke des Kühlers wird mit einem Schallpegel-Messgerät ermittelt. Hierbei messen wir die Lautstärke bei 100%, 75% und 50% Drehzahl des Lüfters. Die Messung erfolgt in einem Abstand von 50 cm vor dem Lüfter. Um möglichst alle Geräuschquellen bei den Lautstärke-Messungen zu vermeiden, nutzen wir ein passives Netzteil und eine SSD-Festplatte. Bei allen Messungen liegt das Mainboard frei auf dem Tisch, ohne weiteren Nebenlüfter. Die Ergebnisse der Lautstärkemessungen kann sich von Redakteur zu Redakteur unterscheiden. Wie kommt es zu den unterschiedlichen Messabständen bei den Redakteuren? Dies erläutern wir hier:

Da unser Team geografisch weit verstreut ist, haben wir kein gemeinsames Redaktionsbüro, weshalb die Redakteure in ihren eigenen Räumlichkeiten arbeiten. Aufgrund der stark abweichenden Raumgrößen und Einrichtungen kann es bei jedem zu anderen Ergebnissen kommen, genauso wie bei dem Leser daheim.
Kahle Wände reflektieren mehr Schall, wodurch Geräuschmessungen lauter ausfallen. Sind die Wände durch Schränke oder Regale mit Büchern abgedeckt, absorbieren sie mehr Schall, wodurch bei den Geräuschmessungen leisere Werte zustande kommen.
Deshalb gibt jeder Redakteur die Gegebenheiten seiner Räumlichkeit an, in dem der Test stattfindet. Als Orientierungswert wird der Messwert angegeben, den der Redakteur in seiner Räumlichkeit bei absoluter Stille misst.

Wie ist die Räumlichkeit zu diesem Testsystem?
Der Redakteur testet seine Komponenten in einem mittelgroßen Büroraum, welcher die Maße von ca. 5 x 5 x 2.5 Meter (L x B x H) besitzt. Die Seite hin zur Außenmauer mit einem großzügigen Fenster ist im oberen Viertel durch das Dach leicht abgeschrägt, an fast drei von vier Wänden befinden sich lärmschluckende Bücherregale, kaum eine Wandfläche ist frei, womit ein eher ruhiger Raum entsteht. Zudem wohnt der Redaktuer in einer auch eher leiseren Siedlung etwas abseits der Bundesstraße, womit der Verkehrslärm durch die Mauern und Fenster effektiv abgehalten wird. Der geringstmögliche Messwert der Lautstärke in dem Raum lag bei 32 dB(A).

Das Testsystem

Netzteil Seasonic Platinum Fanless 400W (passiv)
Mainboard MSI Z270M Mortar
Prozessor Intel i7-6700K (4x 4.0 GHz) *
Grafikkarte iGPU
Arbeitsspeicher Crucial Ballistix 16 GB DDR4
Festplatte / SSD M.2 Samsung 960 Evo 256 GB
Betriebssystem Windows 10 Pro (64 bit)
Software zur Lüftersteuerung
MSI Command Center
Schallpegel-Messgerät Voltcraft SL100

* Hinweis zur CPU: Unsere i7-6700K CPU wird vom Mainboard automatisch auf 4 Ghz bei Last auf allen Kernen getaktet und mit der passenden Spannung versorgt. Den letzten Wert haben wir unverändert gelassen, da er sich bei den Messungen praktisch im selben Rahmen bewegt und so Probleme verhindert werden.

Temperaturen

Beginnen wir mit den Temperatur-Messungen, also welche Kühlleistung von dem hier getesteten Kühler im Vergleich zu anderen Produkten erreicht wird. Dabei gilt klarerweise, dass weniger besser ist. Denn je kühler ein Prozessor bleibt, desto mehr Spielraum besteht für ein Herunterregeln des Lüfters und damit einhergehender reduzierter Lautstärke oder aber für zusätzliche Kühl-Ressourcen bei Übertaktungen. Um noch einmal etwas klarzustellen: Die angegebenen Temperaturwerte sind abzüglich der Raumtemperatur, um so eine bessere Vergleichbarkeit zu ermöglichen und eine schwankende Raumtemperatur abfedern zu können. Die "reale" Temperatur ist daher der Messwert zuzüglich der jeweils beim Leser vorherrschenden Umgebung, womit man sich auch auf die eigenen vier Wände bezogen ein gutes Bild machen kann, ob der Kühler für die eigenen Bedürfnisse ausreicht oder nicht.

Knapp, aber doch mit erkennbarem Abstand positioniert sich der Freezer 33 eSports One vor der versammelten Konkurrenz. Dabei sticht vor allem der größere Vorsprung bei niedrigeren Drehzahlen hervor, was zusammen mit dem guten Ergebnis auch noch auf weiteres Tuning-Potenzial und hoffentlich eine geringe Lautstärke hin hoffen lässt. Mit steigenden Drehzahlen nimmt die Kühlleistung allerdings nur minimal zu, daher ist eine geringere Stufe ohnehin empfehlenswerter. Insgesamt überzeugt die Kühlleistung.

Temperaturen

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf Drehzahlen und Lautstärke-Ergebnisse. Alle Kühler wurden dabei natürlich auf demselben System bei praktisch gleichen Umgebungsbedingungen getestet. Das gesamte Testfeld wird über ein PWM-Signal geregelt. Eingestellt und gemessen wurde mit Hilfe des "Command Center" von Mainboardhersteller MSI selbst.
Allgemeiner Hinweis: Im normalen Nutzungsbetrieb erreichen die Lüfter von CPU-Kühlern nie den Drehzahlbereich von 100%.

Leider sieht es ein bisschen danach aus, als ob die ausgezeichneten Temperaturwerte auf Kosten der Lautstärke erkauft wurden. Zugegeben, bei 50% PWM-Drehzahl agiert der Kühler noch nicht im störenden Bereich, hörbar ist er jedoch trotzdem. Subjektiv betrachtet macht sich das Geräusch dafür in einem angenehmeren Rauschen der Luft anstelle eines hochtonigen Pfeifens bemerkbar. Da zudem die Lautstärke bei steigender Drehzahl auch deutlich anzieht und sehr schnell störend werden kann, empfiehlt sich der Betrieb bei maximaler Drehzahl auf keinen Fall, viel mehr sollte darauf geachtet werden, sich höchstens im Bereich um die 50% PWM zu bewegen.

Drehzahlen

Bevor wir uns die Drehzahlwerte genauer anschauen, muss man zuerst erklären, warum der Arctic Freezer 33 so hohe Werte erreicht. Durch den neuen 3-Phasen-Motor wird auf praktisch allen Mainboards, welche durchgehend auf eine oder zwei Phasen ausgelegt sind, die Geschwindigkeit um den Faktor 1.5 erhöht angezeigt. Das liegt an den sinusförmigen Signalen, welche die mehr vorhandenen Phasen erzeugen und für die Hauptplatinen so aussehen, als ob der Lüfter besonders schnell dreht. Eine Möglichkeit, das im UFEI durch einen Teiler auszugleichen und so faktisch korrekte Werte zu bekommen, existiert unseres Wissens nach bisher leider nicht.

Natürlich sind die hier angeführten Drehzahlen prinzipiell zu hoch, aber selbst wenn man alles zurückrechnet, dreht sich der BioniX-Lüfter noch immer am Schnellsten und erzeugt damit auch die meiste Lautstärke. Das sind bei der halben PWM-Drehzahl immerhin schon fast 1200 U/Min, bei 75 Prozent 1600 und bei voller Geschwindigkeit knapp über der 2000 U/Min Grenze. Das ist sogar mehr als vom Hersteller als eigentlicher Drehzahlbereich angegeben wurde. Allerdings weist Arctic zugleich darauf hin, dass es sich bei dem Faktor 1,5 nur um den Schnitt handelt, es daher auch Ausreiser nach oben und unten geben kann. Trotzdem gehen wir davon aus, dass der Lüfter allgemein gerne etwas schneller dreht als vorgesehen, jenes Verhalten ist aber bei faktisch jedem Produkt vorhanden, es also nicht immer genau innerhalb der Spezifikationen agiert.

Simon Sternbauer meint …

Simon Sternbauer

Zusammengefasst sind wir mit dem Freezer 33 eSports One wirklich zufrieden, allerdings auch nicht wunschlos glücklich. Äußerst positiv ist die Kühlleistung aufgefallen, welche sich doch mit einem gewissen Abstand von den Mitbewerbern absetzt und selbst bei halber Geschwindigkeit für einen Mainstream i7 oder vergleichbares mehr als ausreicht. Bei der Verarbeitung wurde ebenfalls eine ausgezeichnete Arbeit geleistet, scharfe Kanten oder Fehler in der Lackierung konnten wir nicht feststellen, da sie einfach nicht vorhanden waren. Auch die Bodenplatte weiß zu gefallen, abgesehen von den Spalten zwischen den Heatpipes, welche aber bei Direct Touch nicht zu vermeiden sind. Dazu ist die Optik einfach stimmig und da heutzutage generell viel auf dunkle Farben bei PC-Komponenten gesetzt wird, ist das schwarze Grundgerüst eine gute Wahl. Passend dazu darf man immer noch eine teilweise etwas knalligere Effekt-Farbe auswählen. Neben dem bei uns vorhandenen Rot sind hier noch Gelb, Grün und Weiß verfügbar. Hinweis: Wenn man den Kühler bereits besitzt und lediglich die Farbe wechseln möchte, kann ein entsprechender Lüfter auch einzeln für ungefähr 15 Euro nachgekauft werden.

Wenngleich die Lautstärke nicht herausragend ist, stört jene doch erst in den höheren Drehzahlbereichen und bleibt zumindest bei halber Drehzahl und darunter sehr erträglich, was auch daran liegt, dass keine nervigen Nebengeräusche auftreten und keine hohen Töne erzeugt, mehr das tiefe Rauschen der Luft.

Größere Kritik muss sich der Freezer bei der Montage gefallen lassen. Jene ist zwar prinzipiell gut gelungen, obwohl im Ablauf auch etwas ungewohnt im Vergleich zu anderen Systemen. Leider ist die Anleitung aber nur digital verfügbar. Was auf den ersten Blick von Vorteil sein mag, da so weniger Ressourcen für Papier und Druck verwendet werden, entpuppt sich allerdings als unhandlich, da so entweder ein zweiter Computer oder zumindest ein Smartphone vorhanden sein muss und das Ablesen und Nachschauen auf kleinen Bildschirmen einfach unhandlich ist. Eine gedruckte Version in Englisch hätte vollständig gereicht, da die Bebilderung wirklich gut umgesetzt wurde und so auch ohne besondere Sprachkenntnisse ein Zusammenbau möglich gewesen wäre. Bei AMD-Mainboards darf außerdem nur auf jenen mit AM4-Sockel montiert werden, während man bei Intel den Kühler auf alle 115x und sogar die Oberklasse ala 2011(-v3) und 2066 setzen kann. Unserer Meinung nach eine verpasste Chance, da auch die Besitzer etwas älteren Plattformen mit AM3 oder FM2 sicherlich noch gute Kühler mit Leistungsreserven benötigen.

Selbst wenn, wie vorher bereits erwähnt, die Lautstärke nicht wirklich auffallend negativ ist, hat es einen faden Beigeschmack, dass es einfach noch ein Stück leiser gegangen wäre. Wir empfehlen daher aufzupassen, damit der Kühler nicht in die höheren Regionen vorstoßen muss. Zudem hat die Drehzahlauslese durch das neuartige Motordesign ihre kleinen Schwächen aufgezeigt, da sie stehts um den Faktor 1,5 erhöht vom Mainboard angezeigt wird. Das ist zwar nicht dem Lüfter selbst geschuldet, sondern der Art, wie Mainboards die Drehzahl berechnen, sorgt aber auch für Verwirrung oder Verwunderung und man benötigt zuerst etwas Rechnerei, um den eigentlichen Drehzahlwert herauszubekommen. Dazu kommt auch, dass laut Arctic selbst 1,5 nicht der exakte Umrechnungs-Faktor ist, sondern jener etwas schwanken kann, aber zumindest einen guten Mittelwert darstellen sollte.

Zusammengefasst ist der Freezer 33 eSports One ein gutes Paket, dass in vielen Punkten zu überzeugen vermag und für viele Anwender ohne Einschränkungen zu empfehlen ist. Kleinere Schwächen leistet er sich, aber welches Produkt mag schon perfekt sein. Für den Preis von aktuell leicht über 30 Euro kann man also beruhigt zuschlagen.

  • Positiv
  • Sehr gute Kühlleistung
  • Schickes Design
  • Schickes Design
  • Hochwertiger Lüfter
  • In mehreren Farbkombinationen verfügbar
  • Preislich attraktiv
  • Eigentlich leichte, wenn auch ungewohnte Montage, aber...
  • Neutral
  • Drehzahlen werden von Mainboards falsch ausgelesen
  • Negativ
  • ... Anleitung nur digital verfügbar, was eine Spur zu unhandlich ist.
  • Nicht das allerleiseste Produkt
  • Montage bei AMD auf AM4-Sockel beschränkt.

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