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Tech-Review.de

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APC BX700U-GR

APC BX700U-GR: Eine USV für Jedermann?

Einleitung

Heute haben wir eine Premiere für euch. Es handelt sich um keinen überraschenden Release, denn APC ist schon seit Jahren bekannt als Hersteller von unterbrechungsfreien Stromversorgungen. Von preislich attraktiven USVs für das Heimbüro, über Firmenlösungen bis hin zu großen Anlagen für Rechenzentren bietet der Hersteller eine breite Palette an. Die Premiere liegt vielmehr bei uns, denn das ist der erste Testbericht einer USV, den wir auf Tech-Review.de veröffentlichen und – vermutlich – auch der erste seiner Art für die meisten unserer Leser. Unser heutiger Testkandidat hört auf den Namen BX700U-GR und ist ein Produkt für Privatkunden.

Das getestete Gerät ist mit 390 Watt (700 Voltampere) maximaler Leistung konzipiert, um ein bis zwei Office PCs sowie Modems, Router und/oder NAS-Geräte über kurze Stromausfälle hinwegzuhelfen und eventuelle Einbrüche oder Spitzen aus der Netzspannung von den Komponenten fernzuhalten. Mit einem Preis von rund 75,- € (geizhals.de, Stand 11.04.2016) ist die USV dabei auch für Privatkunden erschwinglich und damit nicht nur für Gewerbekunden interessant. Auf den folgenden Seiten werden wir den Testkandidaten nun ausgiebig untersuchen um zu sehen, wie gut er seine Aufgaben trotz des einsteigerfreundlichen Preises erfüllt – und ob er vielleicht sogar dafür geeignet wäre, einen Spiele-PC vor einem Stromausfall-bedingten Absturz mitten in einer spannenden Onlinespiel-Session zu bewahren.

Viel Spaß beim Lesen der nächsten Seiten. Euer TRV Team!

Spezifikationen und Features

Auf der Front der Verpackung ist, neben ein paar Eckdaten, das Produkt selbst abgebildet und es wird kurz erklärt, wofür eine USV mit Über-/Unterspannungsschutz eigentlich da ist: Geräte vor Ausfall oder Beschädigung zu schützen und Datenverlust zu vermeiden. Weitere Informationen zu den Features sind auf der Rückseite aufgelistet, neben einem Foto der Geräte-Rückseite welche die Anschlüsse beschreibt.

Die USV benötigt 6 Stunden für eine vollständige Ladung, dabei ist die Kapazität, außer im Handbuch, nirgends angegeben – 12 Volt bei 7,2 Amperestunden weist die interne Batterie auf. Laut Verpackung reicht das aus, um einen Office-PC mit 20“ LCD Display und ein Modem (~40 Watt Verbrauch) für 52 Minuten zu versorgen. Maximal kann das Gerät - wie bereits in der Einleitung erwähnt - 390 Watt bzw. 700 Voltampere leisten, ist also vor allem für den Büro-Bereich konzipiert und nicht für leistungshungrige Spielesysteme oder Workstations.

Es verfügt über drei batteriegepufferte Ausgänge mit Über-/Unterspannungsschutz und einen, der lediglich gegen Spannungsspitzen geschützt ist. Die „Power Surge Protection“, also der Schutz gegen ebengenannte Über-/Unterspannung, funktioniert ohne auf den Akku zurückzugreifen und verbraucht somit keine wertvolle Akku-Kapazität, welche im Falle eines Stromausfalls dann fehlen könnte. Zweimal pro Woche testet die USV alle internen Komponenten auf Funktion um sicherzugehen, dass sie dann, wenn man sie braucht, voll einsatzfähig ist. Hat man einen Defekt im Verdacht, kann eine solche Prüfung auch manuell veranlasst werden. Ebenfalls sehr interessant ist die zur USV gehörige Software, mit der man Akkuladung und Co. auslesen und Einstellungen anpassen kann. Im Falle eines Stromausfalls speichert diese alle offenen Dokumente und fährt den PC sicher herunter.

APC gibt zwei Jahre Garantie auf das Gerät selbst, sowie lebenslang bis zu 100.000 € Garantie auf (korrekt angeschlossene) Geräte, die wegen eines Versagens der USV einen Defekt erleiden.

Äußeres und Lieferumfang

Die USV kommt von zwei Styropor-Schalen und einem Plastikbeutel gut vor jeder erdenklichen Beschädigung auf dem Transportweg geschützt an. Der Lieferumfang ist nicht berauschend, aber man vermisst auch nichts. Genaugenommen besteht er nur aus der USV selbst, sowie insgesamt fünf DIN A3 Bögen. Jeder dieser Bögen beinhaltet das Benutzerhandbuch in je zwei Sprachen, nur einer ist lediglich einsprachig gehalten. Die Anleitung liegt somit in vorbildlichen neun Sprachen vor. Deutsch und Englisch sind ebenfalls darunter. Das Handbuch gibt einen guten Überblick über die Funktionen, Spezifikationen und die Bedienung des Geräts.

Nach dem Auspacken fällt als Erstes ein an die USV geklebter Zettel ins Auge. Dieser ist von Hand signiert und listet alle Tests auf, welche ein Gerät scheinbar erfüllen muss, ehe es von APC verkauft wird. Unser Testkandidat hat alle diese Hersteller-Prüfungen am 15.01.2016 bestanden. Dass ein Prüfungsbescheid beiliegt finden wir sehr gut, damit weiß man beim Auspacken schon, dass ein voll funktionsfähiges und geprüftes Gerät vorliegt.

Die USV selbst ist unspektakulär und zurückhaltend. Komplett in schwarz gehalten, ohne aufdringliche Designelemente und funktional gestaltet. An der Front ist (neben dem APC Logo und der Modellbezeichnung) nur ein Ein-/Ausschaltknopf, welcher zugleich auch als Status-LED fungiert. Die Seiten, Boden und Deckel weisen jeweils Lüftungsöffnungen auf und an der Rückseite liegen die vier Ausgangs-Steckdosen sowie eine USB Buchse, welche für das Verbinden mit der PC Software gedacht ist. Weiter gibt es einen Knopf, um die eventuell wegen Überstrom ausgelöste Sicherung zurückzusetzen und noch einen Unterbrecher-Kontakt, um die Batterie für den Transport oder der längeren Lagerung elektrisch komplett von der restlichen Elektronik zu trennen. Letzteres finden wir sehr gut, da unserem Redakteur bei einer USV, welche diese Option nicht hatte, bereits einmal eine Batterie wegen Tiefentladung durch zu langer Lagerung ausgefallen ist.

Technik im Detail

Nach dem Öffnen des (aufgrund der kompakten Maße recht verschachtelten) Gehäuses, findet sich als erstes der Akku (12 Volt, 7,2 Amperestunden, Bleigel-Akku von CSB-Battery). Dieser ist durch Entfernen der Front auch ohne Bruch eines Garantiesiegels tauschbar (sehr kundenfreundliche Entscheidung, wie wir finden!). Schließlich lässt sich das gesamte Gehäuse in vier Teile zerlegen und die Elektronik liegt offen.

Auf den ersten Blick wirkt diese sehr spartanisch und es scheint rätselhaft, wie die USV überhaupt mit so wenigen Bauteilen funktionieren kann – bis man die Rückseite erblickt. Diese besteht aus einer Menge sehr sauber verlöteter SMD Bauteile. Lediglich die beiden Akkukabel sehen aus, als seien sie mit einem zu schwachen Lötkolben eingelötet worden – wirkt unsauber, beeinträchtigt die Funktion aber keineswegs. Die eigentliche Steuerung befindet sich auf der Rückseite, auf der Vorderseite ist primär Leistungselektronik untergebracht.

Direkt an der Eingangsbuchse hängt – wie auch bei ATX Netzteilen – erstmal ein Netzfilter. Ein paar Informationen für die nicht ganz so Elektronikbegeisterten: Eine Drossel ist eine Spule aus isoliertem Draht, der um einen Kern gewickelt wurde. Primärseitig finden sich meist Drosseln mit zwei getrennten Spulen auf einem Kern, sodass beide "Pole" des Wechselstroms über eine Drossel fließen. X-Kondensatoren sind zwischen den beiden "Polen" des Wechselstroms eingelötete Kondensatoren und Y-Kondensatoren zwischen jeweils einem Pol und dem Schutzleiter. Aus diesen drei Bauelementen kann man Filterglieder aufbauen. Je nach ihrer Komplexität können sie, unterschiedlich gut, auftretende Störungen aus dem Stromnetz filtern.

Der hier verbaute Filter ist etwas simpler als es bei ATX Netzteilen der Fall ist, was an der deutlich geringeren Stromaufnahme der USV liegt – und daran, dass wir es hier mit keinem Schaltnetzteil zu tun haben, welches Störungen in der Netzspannung verursachen könnte. Direkt an der Netzbuchse am PCB liegt ein S20K385 Varistor, ein Überspannungsschutz, welcher bei 385 Volt auslöst. Auf diesen folgen zwei Y-Kondensatoren, ein X-Kondensator, eine zweipolige Drossel und ein weiterer X Kondensator.

Aktive oder passive PFC (Blindfaktorkorrektur) ist keine vorhanden, weil eine solche nicht nötig ist. Die USV verfügt über kein Schaltnetzteil, das einen hohen Blindstrom verursachen könnte. Der Akku wird über einen Transformator aufgeladen – der selbe Transformator wird zugleich auch verwendet um den Strom aus dem Akku bei einem Stromausfall wieder hochzutransformieren - auf die 230 Volt Wechselspannung am Ausgang. Da wir es hier nur mit einem sehr simplen Rechteckwandler (ein Rechtecksignal kennt nur 1 oder 0, also ein oder aus) und einem sehr trägen Transformator mit Eisenkern zu tun haben, der für 50 Hertz Sinus-Spannung gebaut wurde, fallen die Verluste in der Endstufe zwar sehr gering aus, die im Transformator dafür aber höher und als Ausgangsspannung ist keine saubere Sinus-Wechselspannung zu erwarten.

Ein sehr nettes Detail ist die kleine Platine an der USB Buchse, auf der alle Datenleitungen über Optokoppler getrennt werden. Optokoppler bestehen aus einer Leuchtdiode und einer lichtempfindlichen Diode zur Signalübertragung mittels Licht. Damit besteht keine direkte elektrische Verbindung zwischen der USV und dem USB Gerät (PC oder Server). Selbst wenn die USV komplett kaputtgehen sollte, besteht keine Möglichkeit, wie das USB Gerät Schaden nehmen könnte.

Zusammenfassend muss man sagen, dass man dem Gerät seine Einstufung im Niedrigpreissegment durchaus ansieht, aber es wurde nirgends zu viel oder an der falschen Stelle gespart. Alles ist kostenoptimiert, aber trotzdem zuverlässig und auf Lebensdauer getrimmt – angesichts der hohen Garantiesumme, die auf angeschlossene Geräte im Defektfall ausgezahlt wird, ist das auch nötig. Da könnten sich manche Hersteller von ATX Netzteilen etwas abschauen, dort wird häufig genau an der falschen Stelle Geld gespart. Sehr gut!

Testumgebung

Als Testumgebung kamen bei diesem Test verschiedene Messgeräte und verschiedene Testlasten zum Einsatz. Um konstante gleichbleibende Lasten zu generieren, haben wir zwei 60 Watt Glühbirnen verwendet, welche nach Bedarf einzeln oder beide parallel an die USV angeschlossen wurden. Für die Lasttests am PC kam unser Testsystem, welches auch für Netzteiltests verwendet wurde, zum Einsatz. Hierbei wurden Monitor und ATX Netzteil direkt an die USV angeschlossen. Peripherie (Maus, Tastatur, Webcam) wurde auch mit versorgt, da sie am Rechner angeschlossen waren.

CPU: IntelCore i5-4670K @ 4,2 GHz 
CPU-Kühler: Prolimatech Super Mega (2x NoctuaNF-F12) 
Mainboard: Asus Z87 Gryphon 
Arbeitsspeicher: 2x 8 GB G.Skill TridentX DDR3-2400CL10-12-12-31
Grafikkarte: Sapphire R9 290X Referenz (Morpheus mit 2xNoctua NF-12)
SSD / Festplatte: Samsung 840 Pro 256 GB 
Netzteil: Cooler Master V550
Bildschirm: Dell U2715H

Die Ausgangsleistung der USV wurde immer über die zugehörige Software, Powerchute, gemessen, nachdem ein kurzer Test ergab, dass deren Messwert immer um +/- 2 Watt mit dem unseres Leistungsmessgeräts, einem Profitec KD-302, übereinstimmt. Letzteres wurde für die Bestimmung der primärseitig messbaren Leistung der USV verwendet.

Die Ausgangsspannung und/oder Netzspannung wurde mit dem True-RMS Digitalmultimeter Fluke 177 bestimmt. Um die genaue Signalform des Ausgangsstroms zu messen wurde ein Hameg HM605 verwendet – ein analoges Oszilloskop. Um dessen Eingang vor der Netzspannung zu schützen, wurde ein (nicht kalibrierter) Spannungsteiler verwendet, weshalb die vom Oszilloskop gemessene Spannung leider nicht als Absolutwert herangezogen werden kann.

Unsere Messstation

Messungen

An einer USV sind im Grunde genau drei Werte interessant. Erstens, natürlich, wie viel Leistung kann sie liefern? Kann man einen Office-Rechner damit versorgen, eine Workstation, oder doch gleich einen ganzen Serverraum? Ebenso interessant ist die maximale Zeit ohne Stromzufuhr, welche die USV überbrücken kann. Zu guter Letzt sind aber auch Effizienz und Verbrauch im Normzustand (Stromzufuhr vorhanden) keine unwichtigen Größen, bestimmen sie doch den Stromverbrauch und damit die Laufzeitkosten eines Büros, Haushalts oder eben eines Rechenzentrums.

Anfangen möchten wir mit den Messungen zur Leistungsaufnahme primärseitig in diversen Szenarien. Einmal mit vollem Akku bei diversen Lasten:

Szenario Leistung primärseitig (in Watt)
Idle (USV aus, keine Last) 14
Idle (USV an, keine Last) 14
Last (60 Watt, Netzbetrieb) 74
Last (120 Watt, Netzbetrieb) 135

Weiter haben wir auch während des Ladevorgangs an verschiedenen Punkten die Stromaufnahme gemessen:

Szenario Leistung primärseitig (in Watt)
Idle (USV an, keine Last), 0% geladen 30
Idle (USV an, keine Last), 25% geladen 33
Idle (USV an, keine Last), 50% geladen 23
Idle (USV an, keine Last), 75% geladen 18
Idle (USV an, keine Last), 100% geladen 14

An den Werten lässt sich schön ein Eigenverbrauch der USV ohne Last von ungefähr 14-15 Watt erkennen. Die Zeit einer kompletten Ladung (0% bis 100% Akkuladung) betrug grob 6 Stunden und 30 Minuten – das deckt sich mit den 6 Stunden welche der Hersteller angibt. Üblicherweise fährt die USV - lange bevor sie auf 0% angelangt ist - alle angeschlossenen Geräte herunter und wird somit nie zur Gänze entladen, was die maximale Ladezeit im Normbetrieb kürzer ausfallen lässt als in unserem Test.

Der Ladestrom nimmt interessanterweise erst kurz zu, dann immer weiter ab, je voller die USV wird. Abzüglich der 14 Watt im Idle lädt die USV mit (Ladezustandsabhängigen) 4 bis 19 Watt, womit man im Mittel mit der von uns gemessenen Ladezeit die Kapazität des Akkus, die von APC angegeben wird, rechnerisch grob bestätigen kann. Abgesehen davon wurde diese Angabe auch schon bei der Analyse der Technik bestätigt.

Um die maximale Zeit zu messen, welche die USV überbrücken kann, wurden erneut die zwei vorher verwendeten 60 Watt Glühbirnen als Last hergenommen. Von einem 100% vollen Akku bis zur Notabschaltung der USV mit komplett leerer Batterie vergingen hierbei 15 Minuten und 20 Sekunden. 120 Watt für diese Zeit ergeben grob 30,7 Wattstunden am Ausgang entnommener Energie. Angenommen, die Batterie hat wirklich genau 12 Volt bei 7,2 Amperestunden, verfügt diese über eine gespeicherte Energie von 86,4 Wattstunden. Die Effizienz des Wandlers (Batterie -> Ausgang) liegt demnach bei gerade mal 35%. Das mag nach sehr wenig klingen, ist für den realen Stromverbrauch eines Büros allerdings ziemlich unwichtig, denn der Wandler wird lediglich bei Stromausfällen aktiviert, um entweder kurze Ausfälle zu überbrücken oder aber genug Puffer bereitzustellen, dass alle Dokumente gespeichert und der PC sicher heruntergefahren werden kann. Im Normbetrieb wird auf die Batteriereserven nie zurückgegriffen.

Anschließend haben wir die USV noch einem realitätsnahen Test unterzogen. Desktop-Testsystem und Bildschirm wurden an die USV angeschlossen und diese wurde in diversen Testszenarien kurzzeitig vom Strom getrennt um einen Stromausfall zu simulieren. Das Testsystem im Idle ist gut vergleichbar mit ein bis zwei Bürorechnern samt Monitoren, Peripherie und Modem/Router. Die weiteren Testszenarien sollten die doch sehr kleine USV auf Spieletauglichkeit überprüfen, obwohl sie vom Hersteller nicht für so hohe Leistungen empfohlen wird.

Szenario Leistung am USV Ausgang (in Watt)
Idle 120
CS:GO 250
Heaven 304
Heaven + Cinebench R15 345
Heaven+ Prime95 27.7 365

Im ersten Szenario arbeitete die USV einwandfrei, pufferte den mehrsekündigen „Stromausfall“ ohne Probleme. So lange die USV im Akkubetrieb läuft, gibt sie ein sehr lautes, schrilles Piepsen von sich, um vor dem Stromausfall zu warnen (außer man befindet sich in einer konfigurierten Ruhezeit). Den PC in den Ruhezustand zu versetzen bot die Software wegen >10 Minuten erwarteter Akkulaufzeit noch nicht an. Im zweiten Szenario (Counterstrike: Global Offensive) arbeitete die USV erneut einwandfrei, allerdings schaltete Powerchute den Rechner im Hintergrund automatisch in den Ruhezustand – die Warnmeldung wäre zwar wegklickbar (damit wird die Auslösung des Ruhezustands nach hinten verschoben), aber Counterstrike blieb im Vordergrund vor der Meldung, weshalb wir das nicht tun konnten und aus dem Spiel geworfen wurden.

Im dritten Szenario (Heaven Benchmark, Extreme Preset, 1080p, OpenGL) mit über 300 Watt Grundlast warnte die USV, dass sie wegen der sehr geringen erwarteten Laufzeit für die Last unterdimensioniert sei, lief aber absolut einwandfrei und bewahrte PC und Monitor vor einem Absturz. Selbiges Bild auch im vierten Szenario (Heaven Benchmark, selbe Settings, aber zusätzlich lief Cinebench R15 parallel).

Im fünften Szenario (Heaven Benchmark, selbe Settings, mit Prime95 27.7 im Blend-Preset), wo wir uns mit 365 Watt Last (in Spitzen auch kurzfristig höher) dem Leistungslimit der USV weiter annäherten, begannen erste Probleme. Sobald die USV auf Akku lief (während des simulierten Stromausfalls) begann der Monitor, ständig abzustürzen, weil sein Netzteil scheinbar nicht mehr mit ausreichend sauberer Spannung versorgt wurde. Sobald die USV erneut an die Steckdose angeschlossen wurde, piepste sie weiter, als liefe sie noch im Akkubetrieb, der Monitor stürzte weiter ab. Nach kurzem folgte dann ein Dauerpiepsen der USV, gefolgt von einer kompletten Abschaltung. Vermutlich lag das daran, dass zwar der Mittelwert der Leistungsaufnahme des PCs bei 365 Watt lag, aber zwischendurch deutlich höhere Spitzen gezogen wurden, welche die USV überlastet haben.

Zu guter Letzt haben wir den Ausgangswert der USV noch mit einem Oszilloskop und True-RMS-Multimeter getestet, bei 0, 60 und 120 Watt Last. An der Kurvenform kann man gut sehen, dass die USV einen Trapez- oder Rechteckwandler verwendet und die Endstufe keinen echten Sinus produziert. Rechteckspannung auf einem Transformator mit Eisenkern sorgt für eine geringe Effizienz, senkt aber sehr deutlich die Produktionskosten und schränkt die Funktionalität an PCs, Monitoren, Modems und anderem trotzdem nicht ein. Hier finden wir wohl einen der Hauptgründe, warum APC die USV zu einem so niedrigen Preis auf dem Markt anbieten kann.

Netzspannung (direkt an der Steckdose gemessen, als Referenz):

Ausgang der USV bei 0 Watt Last:

Ausgang der USV bei 60 Watt Last:

Ausgang der USV bei 120 Watt Last:

Die Software

Absolut essentiell an einer USV ist auch eine gute Software zur Steuerung, Wartung und Funktionskontrolle. Diese muss (in erster Linie) alle angeschlossenen PCs sicher herunterfahren und eventuell noch offene Dateien speichern können, ehe der Akku der USV erschöpft ist. Statusinformationen zur USV und weitere Features sind aber natürlich auch gern gesehen. Natürlich stellt auch APC eine solche Software zur Verfügung. Diese hört auf den Namen „Powerchute“ (Wortspiel aus „Parachute“, dem Englischen für Fallschirm, und Power). Im Zuge des Tests wurde natürlich auch diese genauer unter die Lupe genommen. In unserem Fall handelt es sich um die „Personal Edition“ – inwiefern diese sich von der Business Edition unterscheidet können wir mangels mit dieser kompatibler USV nicht sagen.

Beginnen wir mit dem Menüpunkt „System überwachen“. Auf der Startseite des Programms („Leistung“) ist eine Übersicht zu finden, wie viele (wie lange) Stromausfälle die USV bereits zu überbrücken hatte – sehr interessant, um die Netzqualität zu analysieren und gegebenenfalls Beschwerde beim Strom-Anbieter einzureichen. Die zweite Seite („Aktueller Status“) zeigt den aktuellen Status der USV an – vor allem Ladestatus und aktuelle Ausgangsleistung. Auf der dritten Seite („Selbsttest durchführen“) findet man den automatischen Selbsttest, welcher auch manuell gestartet werden kann, falls der Verdacht auf einen Defekt der USV besteht.

Des Weiteren kann hier ein Batteriewechsel bei APC angefordert werden, wenn der Selbsttest dieser eine schwache Laufzeit bescheinigt. Unter „Energieverbrauch“ kann man seinen lokalen Preis pro Kilowattstunde angeben und die USV berechnet aus dem mitgeloggten Energieverbrauch die Kosten, zudem wird der CO2 Ausstoß, der für diese Energiemenge erzeugt wurde, aufgelistet – auf welcher Basis das berechnet wird (Wasserkraft, Kohlekraft, Atomkraft – die USV kann nicht wissen, was man verwendet) ist uns unbekannt. Dieser Punkt ist auch eher eine Spielerei ohne wirklichen Nutzen, wie wir finden, aber für den ein oder anderen Anwender vielleicht interessant.

Weiter geht es mit dem Menüpunkt „Konfiguration“. Hier lassen sich diverse Signaltöne und Benachrichtigungen der Software („Optionen“) und der USV selbst („Benachrichtigung“) aktivieren/deaktivieren. Sehr interessant ist, dass man Ruhezeiten festlegen kann, in denen die USV keine Alarmtöne abspielt. Unter „Laufzeit“ lässt sich einstellen, wie schnell die USV den angeschlossenen Rechner herunterfahren und wie viel Kapazität der Batterie aufgespart werden soll. Unter „Empfindlichkeit“ lässt sich, wie der Name sagt, einstellen, wie sensibel und schnell das Gerät auf Störungen im Netz reagieren muss und unter „Spannung“, ab welcher Abweichung vom Sollwert der Netzspannung eingegriffen wird.

Die Software

Unter „Hilfe und Support“ kann schlussendlich neben den Daten der USV, der Software und des Systems auch der APC Support angefordert oder die Hilfe-Funktion aufgerufen werden.

Während die Software einerseits sehr umfangreich ist und viele tolle Funktionen vereint, vermissen wir andererseits doch einige Funktionen. Einsicht in die Logs, wann wie viel Leistung benötigt wurde, wäre sehr interessant. Eine Anzeige der aktuellen Netzspannung sowie Logs der Schwankungen selbiger wäre informativ um die Stabilität des Stromnetzes zu beurteilen. Deaktivieren des automatischen Herunterfahrens für Systeme, welche die maximale Laufzeit ohne Ausfälle benötigen und bei denen speichern der aktuellen Files allein nicht reicht (Homeserver, Spielesysteme), wäre auch wünschenswert. Bei dieser kleinen USV fällt das weniger ins Gewicht, aber die Software ist auch für größere Consumer-Modelle die gleiche.

Zu guter Letzt das unserer Meinung nach größte Problem – für Mac OSX oder Linux ist keine Software zum Download verfügbar. Beide Systeme haben aber einen doch zu beachtenden Marktanteil und sollten nicht einfach übergangen werden.

Moritz Plattner meint …

Moritz Plattner

APC hat ein Gerät abgeliefert, welches trotz seines niedrigen Kostenpunkts alle Aufgaben sehr gut erfüllt. Dafür wurde – wie bereits angesprochen – an manchen Stellen gespart. Der eher ineffiziente Wandler mit dem nicht-Sinusförmigen Ausgangsstrom ist hierfür das beste Beispiel. Allerdings wurde richtig gespart und nur an Stellen, wo dies für den Betrieb kein Problem darstellt. Zum ständigen Laden und Entladen oder für leistungshungrige Workstations ist die USV zwar nicht geeignet – aber darauf war sie auch nie ausgelegt. APC hat andere Geräte, die diese Aufgabenbereiche abdecken können. Verwendet man die BX700 so, wie sie ausgelegt wurde (um ein bis zwei Office Systeme, Büro/Heim NAS Systeme und/oder Modems über kurze Ausfälle hinweg am Laufen zu halten bzw. sicher herunterzufahren, wenn der Ausfall länger andauert), erfüllt sie diese Aufgaben ohne irgendwelche Probleme.

Der Testkandidat stellt eine kostengünstige und gute Lösung für Haushalte oder Büros dar, die die Sicherheit einer USV benötigen, aber nicht das Budget für teure Enterprise-Modelle haben. Unangenehm ist einzig der recht hohe Leerlauf-Verbrauch von 14 Watt. Mangels Testerfahrung können wir zwar nicht sagen, ob das im Vergleich zu anderen Geräten viel ist, aber absolut betrachtet sind 15 Watt doch ein nicht zu verachtender Verbrauch - ein sparsames Office-System benötigt so viel im Idle oder nicht stark fordernden Betrieb. Eine Version der "Powerchute" Software für Max OSX und Linux wäre allerdings wünschenswert.

  • Positiv
  • Preiswert
  • Gute Integration in Windows
  • Einfach wechselbarer Akku
  • Schützt anwendungsgerecht sicher vor Stromausfällen
  • Angenehm leiser Betrieb
  • Neutral
  • Negativ
  • Rechteckwandler
  • Noch ausbaufähige Software
  • Hoher Idle-Verbrauch

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