Folgen Sie uns auf Twitter  »  TRV bei Facebook  »  Besuche unseren YouTube-Channel  »  Kontakt  »  Werbung  »  Datenschutz  »  Impressum  »  
Start Reviews/Artikel Forum News Partner
Passwort vergessen?
Artikel » Reviews » Seasonic Focus SGX - Kleines Netzteil ganz groß
  Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8  

  Seasonic Focus SGX - Kleines Netzteil ganz groß
Seasonic Focus SGX - Kleines Netzteil ganz groß
12.08.2019 von M.Plattner





Inhalts-Navigation:


Technik im Detail

Ein Hinweis vorweg:
Nicht nachmachen! Ihr begebt euch in Lebensgefahr, wenn ihr ein Netzteil aufschraubt!

Vorweg einige Abkürzungen, die wir bei der Analyse des Netzteils verwenden werden:
  • PCB = Printed circuit board, zu Deutsch Leiterplatte. Ein Träger für elektronische Bauteile.
  • IC = Integrated Circuit, Integrierter Schaltkreis. Viele elektronische Bauteile, zu einer Baugruppe zusammengefasst, in einem Bauteil.
  • PFC = Power Factor Correction, Blindfaktorkorrektur. Ein etwas komplexeres Thema, zu dem wir gerne auf den Wikipedia Artikel verweisen würden.

Ein paar weitere Informationen für die nicht ganz so Elektronikbegeisterten: Eine Drossel ist eine Spule aus isoliertem Draht, der um einen Kern gewickelt wurde. Primärseitig finden sich meist Drosseln mit zwei getrennten Spulen auf einem Kern, sodass beide "Pole" des Wechselstroms über eine Drossel fließen. X-Kondensatoren sind zwischen den beiden "Polen" des Wechselstroms eingelötete Kondensatoren und Y-Kondensatoren zwischen jeweils einem Pol und dem Schutzleiter. Aus diesen drei Bauelementen kann man Filterglieder aufbauen. Je nach ihrer Komplexität können sie, unterschiedlich gut, auftretende Störungen aus dem Stromnetz herausfiltern.

Bild vergrößern Bild vergrößern Bild vergrößern

Lüfter
Bei diesem Modell setzt Seasonic interessanterweise auf einen anderen Hersteller, wir haben es diesmal mit einem Globe Fan S1201512HB zu tun. Dabei handelt es sich um einen lediglich 15 Millimeter dicken („slim“) 120 Millimeter Lüfter, welcher maximal 0,45 Ampere ziehen kann und ein hochwertiges Fluiddynamisches Lager aufweist. Letztere stellen einen hervorragenden Kompromiss dar, denn sie bieten sowohl leisen Betrieb als auch hohe Lebensdauer, kosten aber auch etwas mehr als herkömmliche Gleitlager. Aufgrund der geringeren Maße kann er natürlich nicht die Leistung eines großen 25 Millimeter dicken Modells erreichen, doch dafür fehlte in dem Netzteil, wie man an den Bildern unschwer erkennen kann, der Platz.

An der für diese Bauform sehr übersichtlich und aufgeräumten Platine erkennt man die Verwandtschaft zum Focus Plus Gold. Das Layout ist sehr ähnlich, aber kompakter aufgebaut. Leerräume zwischen Komponenten wurden Großteiles weg-optimiert, doch die große Anordnung der Bauteile- und Gruppen blieb – ganz nach dem Motto „never change a running system“ – erhalten. Ob dies dem Focus SGX ermöglicht, bei der hervorragenden Performance des ATX Modells anzuknüpfen, werden wir auf den nächsten Seiten sehen.


Filter und Gleichrichter
Der Filter beginnt nach dem einpolig trennenden Netzschalter mit zwei Y-, sowie einem X Kondensator auf der kleinen Platine, welche direkt an Netzbuchse- und Schalter angelötet ist. Dort finden sich auch einige SMD Bauteile, welche vermutlich den Kondensator entladen sollen, während das Netzteil abgesteckt ist. Am Board folgen eine Schmelzsicherung und ein 470 Volt Epkos/TDK S14K300 Scheiben-Varistor zum Schutz gegen Überspannungs-Spitzen aus dem Netz. Ebenso wurden zwei Doppel-Drosseln, ein X- und zwei Y Kondensatoren verbaut. Dieser Netzfilter entspricht dem aktuellen Standard bei hochwertigen Geräten. Dass der Varistor nicht aus Platzgründen weggelassen wurde, war unerwartet und erfreulich.

Bild vergrößern Bild vergrößern

Der Gleichrichter ist mit der Typenbezeichnung zum Kühler montiert und ohne großen Aufwand nicht entfernbar, ist von der Bauform her aber ähnlich den weit verbreiteten GPU Typen, wie wir sie auch im Focus Plus vorgefunden haben.


PFC
Seasonic setzt hierbei erneut auf einen an der Unterseite des PCBs verbauten CM6500. Dieser ist ein PFC Controller aus dem aktuellen Portfolio von Champion Supermicro und erlaubt verlustarme Blindfaktorkorrektur – ein Teil der benötigten Schaltung, um 80+ Gold Standards zu erreichen. Zu den GPT18N50 Schalt-Transistoren finden wir kein Datenblatt, doch diese sollten aus derselben Serie wie die GPT13N50 des ATX Modells stammen, allerdings mit 500 Volt und 18 Ampere (statt der 13 Ampere des kleineren Modells). Bei der Diode setzt der Hersteller erneut auf eine STTH8S06 von ST Microelectronics. Diese ist für maximal 8 Ampere und 600 Volt spezifiziert. Ebenso mit von der Partie ist ein Heißleiter mit einem Relais, um den hohen Einschaltstrom zu reduzieren, der auftreten würde, wenn man das Netzteil mit entladenem Kondensator an die Steckdose klemmt. Dies schont die Bauteile und hält bereits nahe am Limit laufende Haussicherungen davon ab, auszulösen. Erneut ein Lob an Seasonic, dass sie trotz beengter Platzverhältnisse nicht auf diese zusätzliche Baugruppe verzichtet haben!

Bild vergrößern


PWM/SR
Auch an dieser Stelle greift Seasonic wieder zu einem erprobten Chip von Champion Supermicro, und zwar einem CM6901. Dieser ist auf der Unterseite des PCBs verlötet und kontrolliert sowohl den eigentlichen Schaltwandler als auch die synchronen Gleichrichter und wandelt somit die grob 350 Volt im Zwischenkreis nach der PFC in +12 Volt am Ausgang des Netzteils um. Er arbeitet mit einem Resonanzschwingkreis, bestehend aus einer kleinen Spule, dem Haupttransformator und einem Folienkondensator. Damit kann die Effizienz gegenüber stumpfen, als „hardswitching“ bezeichneten, Typologien stark erhöht werden, denn in den Halbleitern fallen hier deutlich weniger Verluste an.

Bild vergrößern Bild vergrößern

Bei den Schalttransistoren der PWM hingegen haben wir einen ersten nennenswerten Unterschied zum ATX Modell – hier kommt beim Focus SGX lediglich eine Halbbrücke aus leider nicht identifizierbar verbauten Halbleitern zum Einsatz und keine Vollbrücke mehr. Die beiden zusätzlichen Transistoren hätten wohl zu Platzmangel geführt. Eine Vollbrücke besteht aus vier MOSFETs und erlaubt höhere Leistungen als eine Halbbrücke, ist aber komplexer und teurer im Aufbau und daher bei Geräten in der Leistungsklasse selten anzutreffen. Für den Betrieb sollte dies keinen Unterschied machen.

Bild vergrößern

Auch bei der synchronen Gleichrichtung wurde eine Änderung vorgenommen. Hier haben wir es mit jeweils zwei PSMN1R8-40YLC zu tun. Diese weisen mit 100 Ampere und 40 Volt zwar die gleichen Eckdaten wie jene im Focus Plus auf, allerdings einen um ca. 25 % niedrigeren Innenwiderstand. Da davon zwei Stück parallel sind, wird dieser im Vergleich zum großen Bruder beinahe gedrittelt. Dies verspricht eine effizientere Gleichrichtung und damit eventuell etwas höhere Effizienz, als wir sie noch beim ATX Modell messen konnten. Da wir es mit kleineren Kühlern und einem schwächeren Lüfter zu tun haben, ist das ein willkommenes Upgrade.


DC-DC
Im Focus SGX kommt eine beinahe baugleiche senkrechte Platine zum Einsatz, wie sie auch schon im Focus Plus anzutreffen war. Seasonic hat diese an eine drei Millimeter starke Aluplatte für Stabilität und Kühlung montiert, welche uns leider den Blick auf alle aktiven Komponenten versperrt. Die Leistungshalbleiter scheinen SMD-Typen zu sein, welche ihre Abwärme teilweise an das Board und teilweise über Pads an das Aluminium abgeben, während Drosseln und Kondensatoren auf der sichtbaren Seite sinnvoll dimensioniert für die Anwendung wirken.

Bild vergrößern


5 Volt Stand-By
Die 5 Volt Stand-By Schiene wird erneut von einem Excelliance MOS EM8569C bereitgestellt. Dieser Chip im DIP-7 Gehäuse ist ein hochintegrierter Schaltwandler-IC, welcher mit minimaler externer Beschaltung ein eigenes vollständiges Schaltnetzteil ergibt, um bei ausgeschaltetem Rechner die Stromversorgung von USB Geräten zu garantieren.

Schutzschaltungen
Die meisten Hersteller setzen hier auf fertige Chips, welche mehrere Schutzschaltungen in einem vereinen. So auch Seasonic, die einen Weltrend WT7527 verwendet haben. Er ermöglicht OVP, UVP und OCP auf 3,3 Volt, 5 Volt sowie zwei 12 Volt Schienen, wovon eine leider unbenutzt blieb. Zusätzlich erlaubt er eine OVP auf einer weiteren, frei wählbaren Spannung – wir nehmen an, dass darüber die OTP implementiert wurde. In dem sehr kompakten SFX Netzteil Leiterbahnen verfolgen ist leider beinahe unmöglich. Die OPP wird vermutlich, wie üblich, über den PFC Controller implementiert worden sein. Das Datenblatt spricht zwar nicht explizit von einer solchen, aber es wäre problemlos möglich sie zu implementieren.

Kondensatoren
  • Primär: Nichicon GG 400 Volt - 470 Mikrofarad - 2000 Stunden @105°C
  • +12 Volt: 2 Nippon Chemi-Con „W“* 16 Volt - 3300 - Mikrofarad - 105 °C // 4 Nippon Chemi-Con Feststoffkondensatoren 16 Volt - 470 Mikrofarad // 1 Nichicon HE 16 Volt - 2200 Mikrofarad - 7000 Stunden @ 105 °C auf der modularen Platine // 5 Nichicon FPCAP Feststoffkondensatoren 16 Volt - 270 Mikrofarad auf dem modularen PCB // 2 Nichicon FPCAP Feststoffkondensatoren 16 Volt - 470 Mikrofarad auf dem DC-DC PCB
  • +5 Volt und +3,3 Volt: Je 1 5 Nichicon FPCAP Feststoffkondensator 6,3 Volt - 820 Mikrofarad auf dem modularen PCB // je 2 Nichicon FPCAP Feststoffkondensatoren 6,3 Volt - 560 Mikrofarad auf dem DC-DC PCB
  • +5 Volt Stand-By: 1 Nippon Chemi-Con „W“* 16 Volt - 3300 - Mikrofarad - 105 °C // 1 Nippon Chemi-Con KY 6,3 Volt - 2200 Mikrofarad – 7000 Stunden @ 105 °C auf dem modularen PCB

* Als Teil der „W“ Serie von Nippon Chemi-Con markierte Kondensatoren sind Auftragsfertigungen für Kunden nach deren Spezifikationen. Diese gehören somit keiner eigentlichen Serie an und es gibt auch keine Datenblätter.

Zusätzlich finden sich über das PCB verstreut mehrere kleinere Kondensatoren in diversen Aufgaben, wobei diese von Rubycon, Nippon Chemi-Con oder Nichicon gefertigt wurden.

Bild vergrößern


Lötqualität und Verarbeitung
Das Netzteil ist, wie üblich bei Seasonic, sehr gut gefertigt. Bis auf einige (optisch) nicht perfekte Lötstellen, wo die senkrechten Tochter-Boards mit dem Haupt-PCB verlötet wurden, können wir keinerlei Probleme ausmachen. Selbst diese beschränken sich auf rein visuelle Unsauberkeiten die keinerlei funktionsbeeinträchtigende Wirkung hätten – meckern auf sehr hohem Niveau! Alle Bauteile, die vibrieren könnten, wurden mit korrekt dosiertem Kleber verklebt, alle Stellen, wo ungewollte Kontakte möglich wären, mit Kunststoff-Folien isoliert. Hervorragend!

Bild vergrößern Bild vergrößern


Abschließende Gedanken
Das Focus SGX kann hier an die Qualität des großen Bruders anknüpfen und ihn, trotz der limitierten Platzverhältnisse, stellenweise sogar übertrumpfen. Alle verwendeten Bauteile stammen von namhaften Herstellern und sind – soweit es uns möglich ist das festzustellen – passend dimensioniert und aus geeigneten Modellreihen ausgewählt. Trotz der kleinen Maße verfügt der Testkandidat über einen durchdachten Airflow, sodass alle Teile mit Frischluft versorgt werden sollten und sich keine Hot-Spots bilden. Wir waren auch überrascht, wie ähnlich das Focus SGX dem ATX Modell in vielerlei Hinsicht ist, obwohl natürlich trotzdem einige Veränderungen und kleinere Upgrades durchgeführt wurden. Zusammenfassend ein hervorragend verarbeitetes und mit top-end Bauteilen ausgestattetes Netzteil!





Inhalts-Navigation:





  Druckansicht
 

Seite: 1 2 3 4 5 6 7 8
Seitenanfang
nach oben

Copyright © 2009 - by Tech-Review.de

Diese Webseite wurde mit PHPKIT Version 1.6.1 erstellt
PHPKIT ist eine eingetragene Marke der Gersöne & Schott GbR - Copyright © 2002-2004