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  Enermax Platimax D.F. 500 - Wieder wegweisend?
Enermax Platimax D.F. 500 - Wieder wegweisend?
29.11.2016 von M.Plattner





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Technik im Detail

Ein Hinweis vorweg:
Nicht nachmachen! Ihr begebt euch in Lebensgefahr, wenn ihr ein Netzteil aufschraubt!

Vorweg einige Abkürzungen, die wir bei der Analyse des Netzteils verwenden werden:
  • PCB = Printed circuit board, zu Deutsch Leiterplatte. Ein Träger für elektronische Bauteile.
  • IC = Integrated Circuit, Integrierter Schaltkreis. Viele elektronische Bauteile, zu einer Baugruppe zusammengefasst, in einem Bauteil.
  • PFC = Power Factor Correction, Blindfaktorkorrektur. Ein etwas komplexeres Thema, zu dem wir gerne auf den Wikipedia Artikel verweisen würden.


Ein paar weitere Informationen für die nicht ganz so Elektronikbegeisterten: Eine Drossel ist eine Spule aus isoliertem Draht, der um einen Kern gewickelt wurde. Primärseitig finden sich meist Drosseln mit zwei getrennten Spulen auf einem Kern, sodass beide "Pole" des Wechselstroms über eine Drossel fließen. X-Kondensatoren sind zwischen den beiden "Polen" des Wechselstroms eingelötete Kondensatoren und Y-Kondensatoren zwischen jeweils einem Pol und dem Schutzleiter. Aus diesen drei Bauelementen kann man Filterglieder aufbauen. Je nach ihrer Komplexität können sie, unterschiedlich gut, auftretende Störungen aus dem Stromnetz filtern.

Beginnen wir mit der konkreten Analyse beim Lüfter. Dieser stammt wie bereits angekündigt direkt aus dem Hause Enermax und ist auch als Solcher gelabelt. Konkret ist es ein ED142512W-CA. Dasselbe Modell war in der DA Ausführung bereits im alten Platimax vorhanden und hatte dort die gleichen Eckdaten – 12 Volt bei maximal 0,25 Ampere. Das neue Kürzel liegt vermutlich an der veränderten Elektronik für die Dust-Free-Rotation. Als wir den Lüfter bei uns direkt mit 12 Volt versorgten, drehte er auch 10 Sekunden lang in die entgegengesetzte Richtung – die DFR-Funktion ist also tatsächlich direkt im Lüfter implementiert. Selbst an 12 Volt, also bei maximaler Drehzahl, war der Lüfter sehr leise, während er eine beträchtliche Luftmenge förderte. Zusammen mit einer guten Lüfterkurve hat das Netzteil ein super Silent-Potential. Zusätzlich verspricht Enermax, wie bereits angesprochen, eine sehr hohe Lebensdauer von 160.000 Stunden. Der Lüfter sollte im Normalfall also etliche PCs überleben.


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Die Platine ist aufgeräumt und simpel eingeteilt, etwas überraschend ist der vergleichsweise große Kühlkörper für die PFC und den LLC Schaltwandler. Dieser ist beinahe so groß wie der des Cougar LX500, welches 80+ Bronze zertifiziert ist. Vermutlich wollte Enermax mit dem großen Kühlkörper die Lüfterdrehzahl weiter senken. Doch beginnen wir am Anfang – bei der Netzbuchse.

Direkt an der Netzbuchse sind zwei Y und ein X Kondensator, gefolgt von einem Schalter, welcher zweipolig trennen könnte, hier aber nur einpolig beschaltet ist – warum auch immer. So kann selbst ausgeschaltet noch die Phase der Elektronik des Geräts anliegen, wenn der Stecker in einer bestimmten Ausrichtung in der Steckdose steckt. Das bedeutet auch bei ausgeschaltetem Schalter einen niedrigen Stromfluss von Phase auf Erde und Belastung der Y Kondensatoren. Daraufhin geht es durch einen Ferritkern weiter zur Hauptplatine, wo wir eine Schmelzsicherung vorfinden. Anschließend ist ein Relais verbaut, das den Heißleiter, welcher normalerweise den Einschaltstrom beim Einstecken verringert, überbrückt, sobald das Netzteil arbeitet – sonst würde an diesem dauerhaft viel Energie in Hitze umgesetzt werden. Darauf folgen noch einmal zwei zweipolige Drosseln, sowie zwei X Kondensatoren und zwei Y Kondensatoren vor dem Gleichrichter. Streng genommen sind es die Gleichrichter, denn hier wurden zwei parallel verbaut und zusammen auf den Kühlkörper geschraubt. Bis auf den fehlenden Varistor als Überspannungsschutz ein hervorragend bestückter Netzfilter.


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Für die PFC ist ein Champion CM6502 zuständig, ein reiner PFC Controller, der laut Datenblatt Schaltverluste vermeidet, indem er im Nulldurchgang schaltet (wenn keine Spannung über den Schalttransistoren anliegt). Die dazugehörige Drossel ist auffallend groß für ein 500 Watt Modell, vermutlich wurde diese so groß gewählt, um mit dickerem Draht die Verluste in den Wicklungen zu senken. Der Zwischenkreiskondensator ist mit 400 Volt und 300 Mikrofarad eher klein bemessen, was laut Datenblatt aber ein weiteres Feature des CM6502 sein soll – der Kondensator kann kleiner ausfallen. Der Schaltwandler wird, wie im Datenblatt des CM6502 bei den Beispielschaltbildern empfohlen, von einem CM6901 übernommen. Dieser kann sowohl den LLC Resonanzwandler als auch den synchronen Gleichrichter für die Sekundärseite ansteuern und ermöglicht damit einen sehr effizienten Betrieb des Wandlers. LLC Drossel (direkt neben der schmalen Seite der Platine) und Haupttransformator (ziemlich genau in der Mitte) sind von der Größe her grob, so wie man sie sich in einer 500-700 Watt Plattform erwarten würde. Zusammen mit dem hocheffizienten PFC Controller erlaubt diese Plattform einen sehr verlustarmen Betrieb. Wo wir beim aktiven Gleichrichter waren – dieser besteht aus zweimal je zwei parallelen sinopower SM4021NSKP. Das sind MOSFETs die auf je 40 Volt bei 100 Ampere ausgelegt sind. Parallel geschaltet wurden sie wohl um den Innenwiderstand weiter abzusenken. Dieser beträgt 1,5 Milliohm pro Widerstand, also 0,75 Milliohm in einer Parallelschaltung. Angenommen die Schaltverluste sind gleich Null, fallen pro FET-Pärchen also maximal 1,875 Watt bei 12 Volt und 50 Ampere ab – real sogar weniger, weil die beiden nur abwechselnd leiten müssen. Man erkennt auch hier, dass das Netzteil kompromisslos auf Effizienz getrimmt wurde. Die Kühlung der FETs erfolgt, wie schon beim BeQuiet Dark Power Pro 11, über die Platine und kleinen Kühlfahnen auf der Oberseite, mit denen die FETs verlötet sind – viel Kühlung ist bei der geringen Verlustleistung ohnehin nicht nötig.


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Die DC-DC Wandler sitzen beide auf einem Tochterboard und hören ebenfalls beide auf den Namen Anpec APW7073. Auch diese sind hochintegriert und benötigen eigentlich nur mehr eine Drossel und zwei MOSFETs um zu funktionieren, sowie ein paar Widerstände. Weiter verfügen sie über eine OCP, indem sie messen, wie viel Spannung über einen der beiden MOSFETs abfällt.

Für die 5 Volt Standby-Schiene wurde ein TNY278 verbaut. Dieser Serie von hochintegrierten Niederleistungs-Schaltwandlern sind wir bereits öfters begegnet, so hat das LX500 beispielsweise einen TNY279 verbaut, das um eins größere Modell. Im Datenblatt des CM6502 ist bei den Beispielschaltbildern ein TNY277 empfohlen. Der hier verbaute TNY278 kann bis zu 21,5 Watt (also bei 5 Volt knapp mehr als 4 Ampere) bereitstellen – mit den 2,5 Ampere des Platimax D.F. wird er also deutlich unterhalb seiner Spezifikationen betrieben.

Die OPP des Netzteils wird vermutlich direkt vom CM6901 übernommen, dieser hat eine solche vorgesehen. Aufgrund der Komplexität der Schaltwandler-Sektion ist das aber ohne komplettes Zerlöten des Netzteils nicht weiter nachprüfbar. Ein Infinno ST9S313 stellt UVP und OVP auf allen Rails bereit, OCP auf 3,3 Volt und 5 Volt machen die Anpec DC-DC Konverter selbst. Eine OCP auf 12 Volt ist bei einem DC-DC Gerät nicht nötig, da diese Rolle auch von der primärseitigen OPP übernommen werden kann. Somit sind außer einer OTP alle relevanten Schutzschaltungen implementiert. Zur OTP: Ein Temperatursensor ist vorhanden und an einem der DC-DC Wandler untergebracht. Allerdings sind die Leiterbahnen hier schwer nachzuverfolgen, weshalb wir nicht feststellen konnten, ob dieser nur für die Lüftersteuerung verwendet wird, oder über einen Transistor ab einer gewissen Temperatur eventuell eine OVP/UVP am Infinno Chip auslöst. Technisch möglich wäre das. Enermax selbst listet keine vorhandene OTP auf. Diese wird im Normalbetreib auch nicht benötigt, allerdings ist sie im Falle eines Lüfterdefekts von Nöten. Dank des sehr hochwertigen Lüfters gehen wir aber davon aus, dass dieser Fall kaum eintreten wird.


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Die Kondensatoren dieses Netzteils sind durchwegs hervorragend. Primärseitig als Zwischenkreiskondensator finden wir einen Nippon Chemi-Con KMR, welcher mit 2000 Stunden bei maximaler Belastung und 105 °C angegeben ist – der er in diesem Aufbau aber bei weitem nicht ausgesetzt sein wird. In der Elektronik entdecken wir noch einige kleinere Chemi-Con KY, welche auf 5000 Stunden bei 105 °C zertifiziert sind. Der Rest (Glättung aller Spannungen sekundärseitig) sind ausschließlich Chemi-Con KZE, welche je nach Durchmesser für 3000 oder 4000 Stunden bei 105 °C geeignet und auf hohe Rippleströme ausgelegt sind. Weiter lassen sich noch unzählige Feststoffkondensatoren zur Glättung der 12 Volt am Haupt-PCB und am modularen PCB, sowie für die Nebenspannungen am DC-DC PCB und am modularen PCB ausmachen.

Alles in allem sind Kondensatoren hervorragender Qualität verbaut, technisch aus Serien gewählt, die an den jeweiligen Einsatzorten sinnvoll sind und (bis auf ein paar KZE sekundärseitig) auch gut belüftet. Diese werden aber ohnehin von den Feststoffkondensatoren entlastet.


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„Irgendwo muss das Netzteil doch einen Haken haben!“ – hier ist er. Die Lötqualität ist nicht schlecht, aber eben auch nicht hervorragend, wie es andere Netzteile in diesem Preisbereich vorzuzeigen haben. SMD Bauteile wurden wohl automatisch bestückt und sind sehr sauber gelötet, bei Handgelöteten Teilen wurde aber ab und an etwas unsauber gearbeitet. Recht lange überstehende, nicht abgezwickte Lötkontakte, unsaubere Lötstellen und zu viel Flussmittel – alles findet man an ein paar Stellen. Versteht uns nicht falsch, die Funktionalität oder gar der sichere Betrieb des Netzteils werden nirgends beeinträchtigt. Es ist einfach unschön anzusehen und könnte in der Preisklasse ruhig etwas besser sein. Da es aber nicht funktionsbeeinträchtigend ist und das Netzteil sonst hervorragend aufgebaut ist, wollen wir uns daran aber nicht zu lange aufhängen.

Zusammengefasst: Das Netzteil ist sehr hochwertig, durchdacht entworfen und aufgebaut und macht im Technikcheck eine hervorragende Figur.





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