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  Karlumne: Die Büchse der Pandora
Karlumne: Die Büchse der Pandora
06.05.2011 von Karl Koreander

Knaaaaarzzzzzzzzzzz! Dieses Geräusch verfolgt mich seit einigen Tagen. Genauer gesagt: seit Ostern. Kennt es jemand? Kann es jemand identifizieren? Fans griechischer Mythologie (nein, nicht das Wunder vom EM-Titel mit dem schlechtesten Fußball, sondern von Odysseus, Troja und Co.) werden es erkannt haben. So klingt es, wenn man die Büchse der Pandora öffnet und alles darin gesammelte Übel in die Welt entlässt.

Da ein Geständnis immer schwer fällt – vor allem, wenn man wie ich seit über einer Woche das Leid der Welt verantwortet – schweife ich für alle geistigen Tiefflieger, die bei den Worten Pandora, Odysseus und Troja schon ein Panik-P im Gesicht stehen hatten, doch mal kurz ab. Zeus, der Oberboss der Griechen, gab Hephaistos, einer künstlich geschaffenen Frau (oder Silikon-Schnitte), die Büchse der Pandora. Klare Ansage: Nicht aufmachen. Doch was sind Frauen? Neugierig. Also öffnete sie die Büchse und alle Laster und Untugenden kamen in die Welt. Von diesem Zeitpunkt an eroberte das "Schlechte" die Welt. Was würde das heute bedeuten? Genau. Schick deine Ehefrau mit Kreditkarte ins Schuhgeschäft oder gleich zu Zalando. Dann weiß man, was die Hölle auf Erden sein kann.

Nun ja. Ob es gleich im Kaufrausch bei Zalando endet, weiß ich nicht, aber das wäre wohl die Mindeststrafe für das Öffnen der Büchse. Ihr fragt euch, was ich getan habe? Ich habe meinem Vater einen Facebook-Account eingerichtet…

Ja, ja, ja! Ich hätte es besser wissen müssen. Aber was sagt man dagegen, wenn einem der ältere Herr (noch älter als der ergraute Karl) einem erklärt: "Wenn der amerikanische Präsident dort live auftritt, dann ist es Zeit, sich damit auseinanderzusetzen." Tja. Killer. Was nun? Obama schlecht reden? Facebook verteufeln, wo man gerade die letzten drei Stunden seines Lebens auf Bunny-Jagd verbracht hat? Amerika gleich mal pauschal verteufeln? Und dann drei Stunden weiter Gejammer und Gemecker anhören? Dann also doch der Facebook-Account.

Nach circa zehn Minuten auf der zweiten Anmeldeseite und reichlich Gemecker über unleserliche Zeichenfolgen bei der Sicherheitsabfrage reiße ich ihm die Maus aus der Hand und klicke die nächsten Felder einfach weiter. "Welches Bild willst du haben", frage ich ohne zu wissen, was ich raufbeschwöre. "Braucht man das? Geht das nicht anonym?" "Dein Name steht da auch komplett. Ist also nur halb anonym." "Ach ja. Na gut. Was für ein Bild nimmt man denn am Besten?" Ich überspringe den Punkt. Jetzt suchen wir erst mal Freunde. "Wen kennst du denn?" "Dich!" Hammer. Der war gut. Ich muss grinsen. Doch als ich ihn anschaue erfriert mein Grinsen im Gesicht und wird zu einer verknautschten, faltigen Masse. Scheiße. Der meint das ernst. Also suche ich mich selbst (und stelle nebenher fest, dass ich mal ein wenig an den Sicherheitseinstellungen für Nicht-Freunde schrauben sollte). Drei Klicks später flattert die Anfrage in Richtung meines Accounts. Da bleibt die auch erst mal liegen. Drei, vier… Jahre. Mindestens. Das war der Plan. Doch schon werde ich gedrängt, diese anzunehmen. Zähneknirschend logge ich meinen Vater aus und mich ein. Schneller Klick auf die Anfrage und dann neue Kategorie anlegen. "Gibt es eine feste Kategorie Eltern?", fragt mich mein Alter Herr. "Ja", bestätige ich kurz und muss mir das Lachen verkneifen. Wieder ausloggen und zurück auf seine Seite.

"Wie war das Passwort noch?" Ich möchte nun erst seinen und dann meinen Kopf gegen die Wand schlagen. "Das hast du selbst ausgesucht." "Ach ja. Lass mal nachdenken." Erfreulicherweise klappt schon der dritte Versuch und nun leuchtet dort rot die erste Nachricht mit dem Hinweis, dass ich die Freundschaftsanfrage angenommen habe. Viel interessanter ist aber nun die Anzeige der Personen, die mit einem Freund befreundet sind. Durch regelmäßiges Drücken der F5-Taste bahnt sich mein Vater so den Weg durch meine Freundesliste. "Die kennst du alle? Warte mal! Ist das die XXXX? (Name bewusst vom Schreiber zensiert) Die hatte doch voll einen an der Meise, oder?" Ich erspare einen Kommentar – ihr und mir. Wenn ich schon in der Scheiße stecke, ziehe ich halt jetzt andere mit rein. Was habe ich denn noch zu verlieren? Die Büchse der Pandora ist schon leer. Da kann ein zweiter Blick nicht schaden.

Schnell schnappe ich mir die Maus und navigiere zur Seite meiner Schwester und ihres Freundes. "Die kann ich auch hinzufügen?" "Ja und das solltest du schnell machen." Macht er. Und endlich kann er sich nicht mehr durch die Mischung von Ex-Freundinnen, Schulfreunden, Arbeitskollegen und Menschen, die halt als Freunde auftauchen, denen man aber Pickel ans Gesäß wünscht, klicken. Zumindest nicht mehr ausschließlich durch meine.

In einem kurzen Moment der Blasenschwäche logge ich ihn aus und mich ein. Sicherheitseinstellungen für die Gruppe "Eltern" auf höchste Stufe. Alles dicht machen und Ruhe ist. Soll meine Schwester sich doch damit rumschlagen. Dann stürme ich los. Wichtiger Termin. Ich habe das Gartentor noch nicht erreicht als das Handy klingelt. Mein Vater. Pflichtbewusst gehe ich ran. "Wie war noch mal das Passwort? Und wie geht das eigentlich mit den Gruppen?"

Die Büchse der Pandora ist offen… Es tut mir leid!


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