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MSI Core Frozr S: Towerkühler aus der Mainboard und GPU-Schmiede
29.11.2019 - 09:00

Der Name MSI ist für PC-Interessierte und Bastler unmittelbar mit Grafikkarten und Mainboards verknüpft. Die ein oder andere Person mag auch an Laptops oder Komplett-PCs denken, in letzter Zeit gesellen sich zudem Monitore und Eingabe-Peripherie zum Sortiment hinzu. Deutlich unbekannter dürfte hingegen sein, dass die Taiwaner seit mittlerweile drei Jahren einen CPU-Kühler im Angebot haben. Zugegeben, die Firma versteckt das Produkt auch relativ gut auf der eigenen Webseite, aber er existiert und hat dieses Jahr ein kleines Schwestermodell spendiert bekommen. Der rund 35 Euro teure MSI Core Frozr S hat dabei, neben einer auffälligen Optik, mit vier Heatpipes, einem 120 Millimeter Lüfter, asymmetrischen Design und vielfältigem Sockelsupport auch einiges an Features unter der Haube, um etablierten Marken im CPU-Kühlungsbereich entgegen treten zu können. Hinzu kommen kompakte Abmessungen und eine einfache Montage mittels Backplate, damit der Einbau in vielfältigste Konfigurationen so frustfrei wie möglichklappt. Zudem besteht auch eine Option auf einen weiteren Lüfter für das letzte bisschen Leistung. Im Unterschied zum großen Bruder (Frozr L) verzichtet MSI auf eine Vernickelung der Heatpipes und gestaltet eben diese auch dünner, statt acht Millimeter Dicke sind es nun zwei Exemplare mit sechs und zwei mit den bekannten acht Millimetern.

Ob sich unser Testkandidat an die Spitze seiner Klasse kühlen kann, oder ob er besser ein schönes Zierelement in optisch abgestimmten Systemen bleiben sollte, klären wir im Test. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!




Danksagung

Wir danken der Firma MSI für die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung des Testsamples.









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Lieferumfang

Die relativ hohe, aber dafür schlanke Verpackung präsentiert sich in Schwarz und Rot, ganz getreu der Farbpalette anderer MSI-Produkte. Die Vorderseite dominiert eine Abbildung des Core Frozr S, unterhalb folgend der Produktname und drei besondere Eigenschaften respektive Features. Die obere Kante nehmen der Herstellername samt Logo sowie zwei kleine, aber unvollständige Hinweise auf die Sockel-Komptabilität ein. Auf der linken Seitenfläche folgt eine Erklärung in 20 Sprachen, worum es sich beim Core Frozr S eigentlich handelt und die obligatorischen, rechtlichen Hinweise. Die rechte Seite ziert eine kompakte, aber informative Tabelle der technischen Eckdaten, zusammen mit einer Bebilderung der Höhe des Kühlers. Auf der Rückseite werden die fünf wichtigsten Merkmale in Englisch zusammengefasst, darunter der asymmetrische Aufbau, der Lüfter sowie eine einfache Montage. Hinzu kommen im oberen Drittel noch einmal der Produktname und in der rechten, unteren Ecke zwei schematische Abbildungen mit eingezeichneten Abmessungen.


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Beim Öffnen des Kartons springt einem sofort die zweiteilige Plastikschale ins Auge, welche den Inhalt zugleich sehr gut vor Transportschäden schützt. In ihr lagern der Kühlerkörper samt vormontierten Lüfter, mehrere wiederverschließbare Plastikbeutel mit dem Montagematerial und Zubehör sowie eine Einbauanleitung. Die Wärmeleitpaste ist in Form einer Aufreißtüte beigelegt, damit kann sie leider nicht wiederverschlossen und erneut verwendet werden, denn hierfür hätte es eine Ausführung als Spritze gebraucht, schade. Insgesamt fällt der Lieferumfang angemessen aus, es liegen im Vergleich zu anderen Kühlern allerdings viele Teile für die Montage bei. Dies hat aber auch den Hintergrund, dass beim Core Frozr S auch noch vergleichsweise alte CPU-Sockel wie der Intel 775 unterstützt werden, welche seit fast 10 Jahren keine neuen CPUs mehr gesehen haben. Ein Verzicht auf diese Plattform hätte wohl die wenigsten Anwender gestört und zudem das Montagematerial vereinfacht.


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Technische Daten

technische Daten
HerstellerMSI
Modellname
Core Frozr S
Modell-Nr.MKT ID 2073
Sockel-KompatibilitätIntel-Sockel: 775 / 115x / 1366 / 2011(-3) / 2066
AMD-Sockel: AM2(+), AM3(+) AM4, FM1, FM2(+)
Gesamtmaße (Länge x Breite x Höhe)141 x 84 x 152 mm
Gesamtgewicht (mit Lüfter)715 Gramm
TDP200 Watt
MaterialienAluminium-Lamellen, Kunstsoff-Verkleidung in Silber mit Hersteller-Logo, Kupferheatpipes, Kühlsockel aus Alu mit Heatpipe Direct Touch




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Im Detail

Die Basis-Konstruktion hält sich an die klassische Bauweise eines Tower-Kühlers, daher wird von einer Bodenplatte weiter über Heatpipes die Wärme in den Kühlturm, beziehungsweise in dessen Lamellen, geleitet, um dort von parallel zum Mainboard strömender Luft abtransportiert zu werden. Letztendlich wird durch die Anordnung ein Weitertransport der anfallenden Abwärme direkt zu einem Hecklüfter begünstigt. Bei MSI kommen jedoch noch weitere Kniffe wie eine asymmetrische Formgebung und unterschiedlich dicke Heatpipes hinzu, um für den Preis ein rundes Gesamtpaket abzuliefern.


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Bei den Abmessungen selbst erwarten uns keine Überraschungen, mit einer Höhe von 152 Millimetern passt der Core Frozr S in ziemlichen jeden Mini-Tower auf dem Markt. Zudem ist der Testkandidat auch nicht übermäßig breit oder lang, womit Probleme mit den RAM-Modulen oder Spannungswandler-Kühlblöcken gar nicht erst auftreten sollten. Um auch für Erweiterungskarten, vor allem einer Grafikkarte im ersten Erweiterungsslot, genug Platz zu bieten, entschied sich MSI für eine asymmetrische Formgebung des Kühlturmes. Hierbei sind die Lamellen nicht mittig über der Bodenplatte, sondern - frontal betrachtet - nach rechts versetzt.

Die Materialfrage ist beim Core Frozr S relativ schnell geklärt, so fertigt man die Lamellen aus Aluminium und setzt bei den Heatpipes auf Kupfer. Eine teure Vernickelung kommt aufgrund des Preises nicht zur Anwendung, MSI hat sich zudem gegen eine farbige Lackierung entschieden. Um jedoch auch für das Auge etwas Besonderes zu bieten und sich optisch in die Reihen der herstellereigenen Produkte einzugliedern, verfügt der Kühler über eine wuchtig wirkende Kunststoffabdeckung in Silber-Grau mit dem Drachenlogo auf rotem Hintergrund. Auf RGB-Spielereien muss beziehungsweise darf, je nach Betrachtungswinkel, jedoch verzichtet werden - das Erscheinungsbild ist aber auch so schon wenig zurückhaltend gewählt und durchaus ein Hingucker. Vorausgesetzt, man kann mit dem MSI-Logo etwas anfangen und/oder hat schon weitere Produkte des Herstellers im eigenen Rechner verbaut.


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Für den Wärmetransport stehen, sehr standesgemäß, vier Heatpipes zur Verfügung. Der Verlauf durch den Kühlturm und die Abstände zueinander erscheinen uns sehr sinnvoll gewählt. Äußerst interessant ist in unseren Augen jedoch, dass die beiden äußeren Exemplare mit sechs Millimeter Durchmesser ausgeführt sind, während die inneren Pendants acht Millimeter Materialdicke spendiert bekommen haben. Dieser Umstand erinnert uns stark an Kühllösungen von Grafikkarten, was bei MSI allerdings niemanden wundern dürfte, immerhin bauen die Taiwanesen nicht erst seit gestern am Markt erfolgreiche Pixelbeschleuniger. Die Bodenplatte setzt auf Heatpipe Direkt Touch, alle Wärmerohre befinden sich demnach über die Wärmeleitpaste in direktem Kontakt zum CPU-Heatspreader. Prinzipiell erleichtert dies die Weiterleitung der Wärme, da keine weitere Zwischenschicht die Übertragung behindern kann. Auf der anderen Seite kommt es zu keiner optimalen Verteilung der Hitze auf die Heatpipes. Immerhin sind die stärker belasteten, mittleren Komponenten ohnehin schon großzügiger dimensioniert. Insofern stehen wir der getroffenen Entscheidung, obwohl wir eine zusätzliche Materialschicht bevorzugen, neutral gegenüber, da zumindest Vorkehrungen gegen potenzielle Probleme getroffen wurden.


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Der 120 Millimeter Lüfter kommt ebenfalls aus dem Hause MSI und hört auf den Namen „Torx Fan“. Als Eigenentwicklung ist er auch einzeln für knapp 16 Euro erhältlich, wenn man die Option auf einen weiten Lüfter für die Rückseite des Kühlkörpers wahrnehmen will. Angesteuert wird er über ein PWM-Signal und den damit verbundenen 4-Pin-Stecker. Der Regelungsbereich startet bei 500, maximal sind 1800 U/min in der Minute bei hohen 15% Toleranz möglich. Branchenüblich wären für den letzten Kennwert 10% (schlimmstenfalls: 450 – 1980 U/min), die gesteigerte Schwankungsbreite (schlimmstenfalls: 425 - 2070 U/min) hinterlässt daher ein leicht mulmiges Gefühl bei der Qualität. Für die Entkopplung stehen, neben den vorbildlich gummierten Ecken des Lüfters, noch vier kleine Gummi-Pads auf dem Kühlkörper bereit, womit eine Übertragung von Schwingungen auszuschließen ist. Auffällig ist zudem die hohe Anzahl and Impeller-Blättern, wir zählen 14 Stück. Zum Vergleich: Noctuas NF-A12x25, NF-P12 und Arctic Coolings F12 PWM PST weisen jeweils nur 9 Stück auf, generell sind mehr als zehn eher selten.

Positiv stimmt uns hingegen das HDB-Lager (Hydro Dynamic Bearing). Praktisch folgt jenes dem FDB-Prinzip (Fluid Dynamic Bearing). Grundsätzlich teilt sich das Lüfterlager in zwei Kategorien: Gleit- und Kugellager. Letztere Version kennen viele Leser sicherlich aus dem Bereich der Automobile oder der Antriebstechnik, diese gelten auch im IT-Sektor als besonders langlebig und hochwertig. Jedoch haben sie, durch den über das Rollen entstehenden mechanischen Kontakt der Kugeln, auch eine gewisse Geräuschentwicklung, welche nicht jedem gefällt. Das wird durch den Einsatz der Gleitlager verhindert. Hier reduziert ein Schmiermittel den Kontakt auf ein Minimum, was zumindest zu Beginn für ein sehr leises Betriebsgeräusch sorgt. Leider wird dieses Gleitmittel über die Zeit hin durch Austritt reduziert und das Lager zusätzlich etwas zugestaubt. Der Lüfter beginnt unruhig zu laufen, gibt störende Geräusche von sich oder stellt gar die Arbeit komplett ein. Um diesen Effekt möglichst lange zu verhindern, sind die Hersteller dazu übergegangen, diese Mittel spezieller als üblich zu kapseln. Damit wird dem Verlust vorgebeugt und kombiniert so ein geringes Betriebsgeräusch mit einer hohen Lebenserwartung des Lagers. Diese Kombination nennt sich, wie bereits vorhergehend erwähnt, Fluid Dynamic Bearing / Hydro Dynamic Hearing und ist in unseren Augen eine ausgezeichnete Wahl. Mit einer MTBF (mittlere Ausfallszeit) von 150.000 Betriebsstunden unter optimalen Bedingungen bleiben auch in den erhitzen PC-Gehäuse unserer Einschätzung nach noch einige Jahre Dauerbetrieb übrig, ohne dass der Torx-Fan ausfallen sollte. Außerdem: Bei wem läuft der Gaming-Rechner schon durchgehend das ganze Jahr durch? Von Zeit zu Zeit bekommt auch der Rechenknecht einmal seinen verdienten Kurz-Urlaub.


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Grundsätzlich haben wir an den technischen Rohdaten und der Verarbeitung wenig auszusetzen. Scharfe Kanten oder andere gefährliche Stellen konnten wir nicht ausfindig machen. Die Grundkonstruktion mit vier Heatpipes, einer angemessenen Lamellenanzahl und dem 120 Millimeter Lüfter sieht sehr solide aus und lassen auf gute Ergebnisse hoffen. Als einzige Auffälligkeit ist der hohe Drehzahl-Toleranzbereich des Lüfters anzusehen, wo wir angesichts der sonst branchenüblichen Werte von weniger ausgegangen sind.


Montage

Für den ersten Schritt der Montage gilt es, die Multi-Sockel Backplate einsatzbereit zu machen. Dazu gehört unter anderem, die passenden Löcher für die Schrauben zu finden und Letztere mittels kleiner Plastik O-Ringe zu fixieren. Schade nur, dass keines der vier Stück wirklich halten wollte, an eine Montage auf ein eingebautes Mainboard muss also verzichtet werden. Zudem ist die Aussparung für Intel 115x/1366/775 ein und dieselbe, wodurch auch hier selten etwas in Position bleibt. Darum empfehlen wir die Backplate unbedingt auf eine Fläche zu legen und das Mainboard darauf zu platzieren, damit alle vier Schrauben durch die dafür vorgesehenen Bohrungen hindurchkommen. Von der Vorderseite ziehen vier metallene Abstandhalter mit eingelassenem Gewinde die Backplate dafür endgültig in Position, ab diesem Punkt hält die Konstruktion dann auch. Um auf allen Sockeln eine gedrehte Montage in 90 Grad Schritten zu ermöglichen, gibt es, statt wie so oft zwei Brückenelemente, eine große metallene Platte. Mittels vier kleiner Schrauben wird diese wiederum auf den Abstandshaltern festgezogen.


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Bevor nun der Metallklotz seinen Platz findet, muss man die Schutzfolie von der Bodenplatte entfernen und die Wärmeleitpaste auf dem Heatspreader der CPU verteilen. Ohne diese beiden Schritte ist keine ausreichende Kühlleistung garantiert. Sobald das erledigt ist, darf auch schon der Kühlturm auf seinen Platz, wo er mittels zweier Schrauben angebracht wird. Durch die asymmetrische Form heißt es jedoch aufpassen, ansonsten verdeckt der Turm erst recht die PCIe-Slots. Bei einer senkrechten Montage mit den RAM-Slots rechts und dem IO-Panel links sollte das MSI-Logo mit der Schildspitze nach unten zeigen.

Während die Montage mittels einer entsprechenden Brücke mittlerweile fest etablierter Standard ist, gehört es auch zum guten Ton, jene bereits fest mit dem Kühlturm zu verschrauben. Das erspart vor allem nervige Feinarbeit und verhindert ein Verrutschen mitten im Einbau. Warum MSI hier ein separates Bauteil als Hürde in die Montage eingeplant hat, ist uns daher unverständlich. Aufpassen heißt es zudem bei den Schrauben für das Festziehen, je nach Sockel muss entweder das schwarze oder das silberne Paar verwendet werden, welche sich in der Gewindelänge unterscheiden. Auch hier wäre ein einzelnes, unter Umständen schon fix mit der Montagebrücke verbundenes Element deutlich besser gewesen. Andernfalls riskiert man einen zu locker oder zu festsitzenden Kühler, die Problemspanne reicht von Überhitzungen zu einer Boot-Verweigerung, da die in der CPU integrierten Speicherkontroller oftmals schlecht auf erhöhten Druck reagieren.


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Als letzte Hürde vor der vollständigen Montage drängten sich noch die Lüfterklammern in den Vordergrund. Hängt man sie zuerst am Kühlkörper ein und will sie dann in die Montagelöcher am Lüfter ziehen, hängen sich die Klammern fast immer am Tower wieder aus. Bei umgekehrter Vorgehensweise neigt das weiche Material zu einer temporären Verformung und kann nur unter Aufwand in die Aussparung am Kühlkörper eingehängt werden. Zudem sollte eine Hand immer den Lüfter festhalten, da ansonsten die Klammern wieder herausspringen und der Spaß von vorne beginnt. Unter allen getesteten Kühlern war dies die mit Abstand schwierigste Lüftermontage. Abschließend gilt es noch, das PWM-Kabel am Mainboard anzustecken.


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Der Abstand zu den Erweiterungsslots ist in der Tat sehr gut, auch eine aufwändige Backplate auf PCIe-Karten im ersten Erweiterungsslot würde noch nicht mit dem Core Frozr S kollidieren. Beim RAM gibt es zumindest in der ersten Bank eine kleine Einschränkung in der Höhe. Verschiebt man den Lüfter noch etwas nach oben, ergeben sich gute 40 Millimeter Freiraum. Die restlichen Slots sind natürlich unbeeinträchtigt.

Insgesamt hinterlässt die Montage leider einen negativen Eindruck. Während die vielfältige Sockelkompatibilität als großer Pluspunkt heraussticht, machen viele Teile, hakelige Konstruktion und schlichtweg veraltete Einbautechniken auf dem Stand von vor 10 Jahren das Anbringen zu einer nervenzerreißenden Arbeit. Die dazugehörige Anleitung stufen wir als neutral ein. Während alle Schritte klar durchnummeriert und verständlich sind, hätten einzelne Schritte etwas größer bebildert sein können.




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Grundlegende Information und Philosophie bezüglich des Testsystems

Auf diesem i7-System werden wir uns überwiegend mit Kühlern beschäftigen, die sich für die Abfuhr von großen Mengen an Wärme eignen. Dazu gehören vor allem Kühler im Tower-Design, mit vielen Heatpipes, 120 oder 140 Millimeter Lüftern, gerne auch in doppelter Ausführung. Bei der Bauhöhe bewegen wir uns mehrheitlich um die 160 Millimeter, jedoch sind auch Ausflüge darunter oder darüber zu erwarten.

Aber nicht nur neue Kühler werden getestet! Auch diverse, nicht mehr brandneue Produkte, die eventuell sogar nicht mehr im Fokus liegen oder noch nie ins Auge gefasst wurden, haben wir im Hinterkopf und werden bei Gelegenheit den einen oder anderen Blick darauf werfen, schließlich können jene auch noch für die eine oder andere Überraschung gut sein. Somit entdeckt man vielleicht ein Modell, welches zwar schon älter, aber damit auch häufig kostengünstiger zu bekommen ist und für das geplante Hardware-Setting vollkommen ausreicht.


Testverfahren

Als Testverfahren zur Temperaturmessung haben wir uns ein Belastungsszenario mit durchgehend hoher Auslastung und damit verbundener Wärmeentwicklung ausgesucht, um die Kühler an die Leistungs-Grenzen zu führen und dabei eventuelle Schachstellen aufzudecken, sowie Vergleiche zwischen den Produkten untereinander machen zu können. Als Programm verwenden wir hierzu CoreDamage, welches sich als thermisch zuverlässig erweist.

Alle Kühler werden mit derselben Wärmeleitpaste (Noctua NT-H1) betrieben. Die umgebende Raumtemperatur des nicht schalldichten Raums beträgt ~23°C. Gemessen wird die Temperatur der CPU mittels "HWMonitor" und "CoreTemp" zweifach, um eventuelle Abweichungen durch ein Programm ausschließen zu können. Um unabhängig von der Umgebungsluft zu werden, welche allerdings meistens um die 23 Grad Celsius hat, geben wir das Ergebnis als Differenz zur Raumtemperatur in Kelvin an. Eine kurze Erklärung für Laien: Wenn es um einen Grad wärmer wird, sind das bei Celsius und Kelvin gleich viel, lediglich der Punkt, wo null Grad sind, unterscheidet sich. Um auch den Physikern gerecht zu werden, werden wir Temperatur-Differenzen in Kelvin angeben, da dies der korrekte Weg ist. Daher sind die Messwerte immer als "x Grad mehr als der Raum" zu lesen. Ein Beispiel: Ein Kühler erreicht 40 Grad Kelvin, die Raumtemperatur liegt bei gemütlichen 23 Grad Celsius. Daher wird die CPU letztendlich 63 Grad heiß.

Die Lautstärke des Kühlers wird mit einem Schallpegel-Messgerät ermittelt. Hierbei messen wir die Lautstärke bei 100%, 75% und 50% Drehzahl des Lüfters. Die Messung erfolgt in einem Abstand von 50 cm vor dem Lüfter. Um möglichst alle Geräuschquellen bei den Lautstärke-Messungen zu vermeiden, nutzen wir ein passives Netzteil und eine SSD-Festplatte. Bei allen Messungen liegt das Mainboard frei auf dem Tisch, ohne weiteren Nebenlüfter. Die Ergebnisse der Lautstärkemessungen kann sich von Redakteur zu Redakteur unterscheiden. Wie kommt es zu den unterschiedlichen Messabständen bei den Redakteuren? Dies erläutern wir hier:


 Aufklappen

Das Testsystem

Testsystem-i7
Netzteil Seasonic Platinum Fanless 400W (passiv)
Mainboard MSI Z270M Mortar
Prozessor Intel i7-6700K (4x 4.0 GHz)*
Grafikkarte iGPU
Arbeitsspeicher Crucial Ballistix 16 GB DDR4
Festplatte / SSD M.2 Samsung 970 EvoPlus 256 GB
Betriebssystem Windows 10 Pro (64 bit)
Software zur Lüftersteuerung
MSI Command Center
Schallpegel-Messgerät Voltcraft SL100
* Hinweis zur CPU: Unsere i7-6700K CPU wird vom Mainboard automatisch auf 4 Ghz bei Last auf allen Kernen getaktet und mit der passenden Spannung versorgt. Den letzten Wert haben wir unverändert gelassen, da er sich bei den Messungen praktisch im selben Rahmen bewegt und so Probleme verhindert werden.





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Temperaturen

Beginnen wir mit den Temperatur-Messungen, also welche Wärmeabführleistung von dem hier getesteten Kühler im Vergleich zu anderen Produkten erreicht wird. Dabei gilt klarerweise, dass weniger Grade auf der CPU besser sind. Denn je kühler ein Prozessor bleibt, desto mehr Spielraum besteht für ein Herunterregeln des Lüfters und damit einhergehender reduzierter Lautstärke oder aber zusätzliche Kühl-Ressourcen bei Übertaktungen.

Um das Prinzip der Messungen noch einmal zu erläutern: Die angegebenen Temperaturwerte sind abzüglich der Raumtemperatur, um somit eine bessere Vergleichbarkeit zu ermöglichen und eine schwankende Raumtemperatur abfedern zu können. Die "reale" Temperatur ist daher der Messwert zuzüglich der jeweils beim Leser vorherrschenden Umgebungstemperatur, womit man sich auch auf die eigenen vier Wände bezogen ein gutes Bild machen kann, ob der Kühler für die eigenen Bedürfnisse ausreicht oder nicht.




Leistungstechnisch positioniert sich der Core Frozr S im guten Mittelfeld, wo wir ihn angesichts seiner Größe, Preises und Gewichts auch vermutet haben. Positiv fällt auf, dass die ähnlich erschwingliche Konkurrenz gut in Schach gehalten werden kann und man eine Kühlung auf dem Niveau eines etwas teureren Modells erreicht. Anzumerken ist jedoch auch der deutliche Leistungsrückgang mit sinkender Drehzahl, welcher mit drei Kelvin Differenz viel deutlicher zu Buche schlägt als der kleine Temperaturanstieg von voller Drehzahl auf 75% PWM. Der Core Frozr S spielt damit seine Stärken eher in höheren Drehzahlbereichen aus und ist ansonsten eher durchschnittlich unterwegs.


Lautstärke

Werfen wir nun einen genaueren Blick auf die Drehzahlen und Lautstärke-Ergebnisse. Alle Kühler wurden dabei natürlich auf demselben System bei praktisch gleichen Umgebungsbedingungen getestet. Das gesamte Testfeld wird über ein PWM-Signal geregelt. Eingestellt und gemessen wurde mit Hilfe des "Command Center" vom Mainboardhersteller MSI selbst.

Allgemeiner Hinweis: Im normalen Nutzungsbetrieb erreichen die Lüfter von CPU-Kühlern nie den Drehzahlbereich von 100%.




Ein Blick auf die Lautstärkekurve verrät gleich, weshalb unser heutiger Testkandidat über seiner Gewichtsklasse hinaus Leistung erbringt. Die Lautstärke stellt bei der, zugegeben im Alltag hoffentlich nie erreichten, maximalen Drehzahl einen neuen Negativrekord auf. Ohrenbetäubende 48,4 dB sind nicht mehr zu überhören und dringen auch durch noch so gut abgeschlossene Kopfhörer deutlich hervor. Eine Reduzierung der Drehzahl bewirkt glücklicherweise eine deutliche Lautstärkenminderung, allerdings wird der Core Frozr S nie flüsterleise, sondern bleibt auch auf halber Drehzahl wahrnehmbar und zählt generell zu den lauteren Kühlern in unserem Vergleich.


Drehzahl



Die Drehzahlen liegen im Mittelfeld, was allerdings ein negatives Licht auf den verwendeten Lüfter wirft, da dieser in Relation offensichtlich eine hohe Lautstärke erzeugt. Dafür können beispielsweise die Rotorblätter durch ihre Ausrichtung oder Formung verantwortlich sein. Zum Vergleich: Das, sehr teure, Spitzenmodell Noctua NH-U12A bleibt mit zwei gleich großen Lüftern trotz höherer Drehzahlen leiser. Immerhin gibt es keine auffälligen Abweichungen der Kurve von einer geraden Ideallinie und der Lüfter dieses Core Frozr S hält sich recht gut an das Drehzahl-Maximum, die Differenz ist in unseren Augen vernachlässigbar.




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Fazit

Zusammengefasst handelt es sich beim MSI Core Frozr S nicht um ein schlechtes Produkt, aber der Kühler hat seine Makel, welche ihn im Vergleich zur versammelten Konkurrenz schlechter dastehen lassen. Das liegt jedoch nicht an der Kühlleistung, denn bei dieser Kategorie positioniert man sich für die Preis- und Gewichtsklasse sehr gut. Problematisch ist hingegen die enorme Lautstärke, selbst in gedrosselten Regionen kann man nie wirklich von einem leisen Produkt sprechen.

Verarbeitungstechnisch zeigt sich der Kühler von seiner besten Seite, scharfe Kanten, unsaubere Entgratungen oder ähnliche Mängel konnten wir nicht feststellen. Am meisten stört uns am Tower noch, dass es keine durchgehende Bodenplatte gibt, sondern auf Heatpipe Direct Touch gesetzt wird. Allerdings sind zur Kompensation die mittleren Beiden der vier Wärmerohre voluminöser ausgeführt. Wir hätten es trotzdem schön gefunden, wenn dieses Feature vom großen Bruder Frozr L übernommen worden wäre. Der mitgelieferte Lüfter aus dem eigenen Hause ist angesichts seiner schieren Anzahl an Impeller-Blättern interessant, patzt aber etwas beim Toleranzbereich der Drehzahl. Die angegebenen 15 Prozent sind einfach mehr als die üblichen zehn Prozent, wie sie bei unzähligen vergleichbaren Produkten anzufinden ist. Dafür überzeugt das hochwertige HDB-Lager, in Kombination mit der MTBF von 150.000 Stunden deuten sie auf einen problemlosen Dauereinsatz hin. Über das Design mag man sicherlich streiten, allerdings finden wir, dass sich die silber-graue Komponente der Kunststoff-Verkleidung für Lamellen gut in ein bestehendes System einfügen kann. Mit anderen MSI-Bauteilen kommt zudem ein gutes Zusammenspiel dank des Logos auf.

Warum allerdings die Montage derart kompliziert ausgefallen ist, bleibt uns ein Rätsel. Zwar ist die Möglichkeit, den Kühler auf jedem Sockel in 90 Grad Schritten montieren zu können, überaus lobenswert, stellt aber keine Erklärung für die vielen Fallstricke dar. Neben der hakeligen Anbringung der Backplate ist die Montagebrücke nicht mit der Bodenplatte fix verbunden, sondern stellt durch ihre variable Positionierung eine weitere Hürde dar. Zudem wusste uns bisher kein Kühler derart bei der Lüfteranbringung durch die verwendeten Klammern zu enttäuschen, als es hier passierte. Störend ist zusätzlich, dass es stellenweise für ein und dieselbe Aufgabe unterschiedliche, farblich kodierte Schrauben gibt, wo man mit etwas Ingenieursarbeit auch eine einheitliche, vorinstallierte Lösung hätte problemlos umsetzen können. Nach dem Einbau steht dafür ein großzügiger Abstand zum ersten Erweiterungsslot zur Verfügung, welcher Besitzern von Grafikkarten mit ausladenden Backplates sicherlich zu Gute kommt.

Insgesamt fällt es uns schwer, eine Empfehlung auszusprechen. Es ist kein schlechtes Gesamtpaket, aber auch nicht bemerkenswert. Für den normalen PC-Spieler gibt es unzählige weitere Kühler am Markt, welche für den gleichen Preis bedeutend leiser sind, ohne großartige Abstriche bei der Leistung machen zu müssen. Zudem ist die meiste Konkurrenz der letzten Jahre auch bedeutend einfacher zu montieren, was nicht zuletzt Laien mehr anspricht. Nennenswert wären hier der in etwas gleich teure SilentiumPC Fera 3 oder der leistungsschwächere, aber sehr preiswerte Inter-Tech Argus SU-260. Der für uns relevante Einsatzzweck wäre ein PC mit MSI-Komponenten, wo sich der Core Frozr S dank seiner Optik nahtlos einfügt und so dem Erscheinungsbild des Rechners das gewisse Etwas verleiht.




  • Gute Verarbeitung
  • Hübsche Optik
  • Gute Kühlleistung im oberen Drehzahlbereich
  • Asymmetrische Formgebung lässt viel Platz bei Erweiterungskarten
  • Kompatibel zu vielen Sockeln




  • Insgesamt zu laut (Lüfter dreht dabei langsamer als bei der Konkurrenz)
  • Montagekit auf Intel Mainstream viel zu kompliziert
  • Lüfterklammern nicht ausgereift.
  • Hoher Toleranzbereich des Lüfters
  • Bei sinkenden Drehzahlen knickt die Kühlleistung ein


Awards:


Links zum Produkt





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Simon Sternbauer


gedruckt am 05.04.2020 - 00:00
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