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Super Flower Leadex Gold II 650W - Besser als Hervorragend?
22.11.2017 - 08:00

Wer kennt den Netzteilgiganten Super Flower nicht? In den letzten Jahren hat der Hersteller mit der hervorragenden Budget-Serie "Golden Green HX" auf sich aufmerksam gemacht, vor allem aber die von uns getestete Leadex Gold Reihe und ihre Platin und Titan Gegenstücke haben große Beliebtheit erlangt. Sowohl die "Originale" als auch die baugleichen EVGA G2/P2/T2 Netzteile aus dem Hause Super Flower boten hervorragende Messwerte, hochwertige Bauteile und leisen Betrieb. Nun hat Super Flower die Leadex Gold II Reihe auf den Markt gebracht, mit der Absicht, auf die bis heute sehr guten Vorgänger noch eine Schippe drauf zu legen. Über den Hardware-Distributor Caseking.de fand damit dann auch ein Sample dieser zweiten Revision seinen Weg in unsere Redaktion.



Optisch wirkt das Netzteil unverändert, also beschränken sich die Veränderungen wohl auf die Technik unter der Haube. Selbige stammt nach wie vor aus den hauseigenen Fabriken und wurde auch von Super Flower selbst entwickelt. Dies lässt auf eine sehr gute Qualitätskontrolle hoffen und sollte es dem Hersteller zudem erlauben, die Netzteile billiger anzubieten, als es möglich wäre, wenn sie diese extern in Auftrag geben. Kann das Leadex Gold II an die Performance seines Vorgängers anknüpfen und diesen sogar noch übertreffen? Macht das Update des bereits hervorragenden Leadex Gold überhaupt Sinn? Wir sind gespannt wie Super Flowers aktuellster Beitrag zum High-End-Netzteilmarkt sich im Detail schlagen wird und wünschen Euch viel Spaß beim Lesen!

Euer Team TRV!



Danksagung

Wir danken Caseking.de für die Bereitstellung des Testsamples!









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Spezifikationen und Features

Ausnahmsweise testen wir kein 500-550 Watt Modell, sondern eins mit 650 Watt Nennleistung, denn kleiner ist unser Sample leider nicht am Markt verfügbar. Die Verpackung ähnelt stark der des Vorgängers – auffällig ist der große Schmetterling auf der Front, Super Flowers Marken-Logo. Geworben wird auch mit einer effizient arbeitenden PFC sowie doppelter 80+ Gold Zertifizierung. Hier haben wir eine Neuerung gegenüber dem Vorgänger und eine ziemliche Ausnahme im Netzteilmarkt. Die meisten Geräte werden nur gemäß des etwas einfacher zu erreichenden 80+ Standards im 110 Volt Netz getestet und nur wenige Hersteller verlangen (und erreichen) eine 230 Volt Zertifizierung. Preislich liegt das Netzteil mit rund 109,- € (geizhals.de, Stand: 20.11.2017) klar im High-End Bereich.


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Auf der Rückseite finden wir weitere Informationen zum Netzteil. Es ist 165 Millimeter lang und damit nicht für enge Gehäuse geeignet. Wahlweise ist es in schwarz oder weiß verfügbar. Zudem ist es mit 105°C Elektrolytkondensatoren von Nippon Chemi-Con, einem der führenden Hersteller weltweit, bestückt. Hierbei sagt allerdings das konkrete Modell meist mehr aus als der Hersteller, daher macht diese Information Hoffnung auf hochwertige Kondensatoren, ist aber noch kein absoluter Indikator. Welche Modelle konkret eingebaut wurden, werden wir bei der Technikanalyse dann genauer überprüfen. Die sieben lange Jahre Garantie sind der Preisklasse angemessen und versprechen zuverlässigen Betrieb. Immerhin wird ein Hersteller kaum länger Garantie auf ein Produkt geben als er an Lebensdauer des Netzteils erwartet.

Ebenso wird mit niedriger Lüfterdrehzahl geworben. Der Lüfter beginne bei 650-750 und erreiche bei Volllast 1500 Umdrehungen pro Minute. Das ist deutlich schneller als das kürzlich getestete Budget-Gerät aus dem Hause Cougar aufweist, aber das Leadex kann auch 200 Watt mehr Maximalleistung bereitstellen, was in mehr Abwärme resultiert. Hier wird sich bei den Messungen zeigen müssen, ob Super Flowers neues Modell wirklich silent-tauglich ist.

Zu guter Letzt finden wir auf der Seite der Verpackung noch eine Übersicht über die vorhandenen Schutzschaltungen: OVP, OCP, OPP, SCP, UVP, OTP und LVP („low voltage protection“) sind vorhanden. Wir wissen nicht genau, was wir uns unter letzterer vorzustellen haben, nachdem bereits eine UVP (under voltage protection) genannt wurde, vermissen aber keine Schutzschaltung. Wenn die alle auch implementiert wurden, haben wir ein hervorragend abgesichertes Gerät vor uns.

Die auf den einzelnen Schienen verfügbare Leistung müssen wir mangels Tabelle am Karton direkt vom Netzteil ablesen: Auf +3,3 Volt kann es 24 Ampere liefern, auf +5 Volt 22 Ampere und auf beiden Schienen zusammen maximal 110 Watt. Die einzelne 12 Volt Rail kann bis zu 54,1 Ampere leisten (649,2 Watt). Man merkt, dass dem Leadex II eine moderne Plattform mit DC-DC Wandlern zugrunde liegt. Wirklich überrascht hat uns diese Erkenntnis aber nicht. Die 5 Volt Stand-By Spannung kann mit 3 Ampere belastet werden. Dies entspricht aktuell dem Durchschnitt am Markt.






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Äußeres, Lieferumfang und Kabelausstattung

Nach dem Öffnen des Produktkartons sehen wir als erstes das dicke Handbuch, welches für alle fünf Modelle zwischen 650 und 1200 Watt ausgelegt ist sowie einen Stoffbeutel mit Super Flower Logo. Wofür dieser eigentlich gedacht ist, wissen wir nicht – eventuell als Transport-Beutel für das Netzteil oder die Kabel, aber wer transportiert schon ein PC Netzteil ohne PC? Mit etwas Fantasie lassen sich aber sicher alternative Anwendungen für die schicke Tasche finden. Darunter versteckt sich dann eine weitere Stofftasche, in der die modularen Kabel verpackt sind. Ebenso liegt dort natürlich das Netzteil selbst, zuverlässig geschützt von dicken Schaumstoff-Ecken sowie einem Plastikbeutel. Transportschäden sollten sich hiermit nahezu vollständig ausschließen lassen.


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Kommen wir zum eigentlichen Inhalt, dem Netzteil. Es behält das schlichte Design des Vorgängers bei. Alle Längskanten sind abgerundet und in der Mitte des gestanzten Lüftergitters sitzt ein silbernes Super Flower Logo. Das Lüftergitter bietet etwas höheren Luftwiderstand als ein simples Metallgitter, sieht dafür aber äußerst hochwertig aus und hält Fremdkörper zuverlässig von den Lüfterschaufeln fern. Das einzige optisch auffallende Merkmal sind die großen modularen Buchsen aus transparentem Kunststoff, welche im Betrieb beleuchtet werden können. Die dazugehörigen Stecker sind natürlich ebenso transparent und erstrahlen optional im Betrieb komplett in weiß, was je nach Gehäuse ein kleines optisches Highlight darstellen kann. Da moderne Gehäuse aber häufig Blenden über den Netzteilen aufweisen, werden viele Kunden dieses Feature nicht benötigen – zum Glück kann dieses bei der neuen Modellreihe gezielt mit einem Schalter deaktiviert werden! Die Stecker sind aber auch, abgesehen vom optischen Aspekt, ein kleines Highlight. Wir haben außer beim Vorgänger noch keine modularen Stecker gesehen, die so leicht und satt ein und aussteckbar sind, zugleich aber bombenfest sitzen. Die Kontakte sind größer als die der sonst gängigen Molex Verbinder und senken damit den Übergangswiderstand – wir sind begeistert!


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Von der mechanischen Verarbeitung her ist es eindeutig das hochwertigste Gerät von allen die wir bislang in der Hand hatten. Stabilität und Spaltmaße sind absolut einwandfrei und wenn man das Leadex Gold II in der Hand hält, fühlt es sich stabil und qualitativ wie kaum ein zweites Netzteil am Markt an.


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Weiter zum Zubehör: Super Flower legt einen – angesichts des Preises – nicht allzu üppigen Lieferumfang bei, aber lässt im Grunde keine Wünsche offen. Hübsche Klett-Kabelbinder sucht man vergeblich, aber Montageschrauben und herkömmliche Kabelbinder für ein zuverlässiges Kabelmanagement liegen ebenso bei wie natürlich die modularen Kabel und das Kaltgerätekabel für den Anschluss an die Steckdose.


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Hier noch eine kurze Tabelle der Kabellängen:

Bezeichnung der Kabel  Kabel-Länge in cm
ATX 24 Pin  55
CPU 4+4 Pin  65
PCI-E 6+2 Pin  55
PCI-E 6+2 Pin  55
PCI-E 6+2 Pin & 6+2 Pin  55 & 70
4 x MOLEX  50 & 60 & 70 & 80
3 x SATA  50 & 60 & 70
3 x SATA  50 & 60 & 70
Wie man sieht fällt der Lieferumfang bei den Kabeln sehr üppig aus. Einzig Extrem-OC Boards könnten einen zweiten EPS 8 Pin für die CPU vermissen. Solche Boards werden aber auch selten an lediglich 650 Watt betrieben und das 750 Watt Modell hat bereits zwei Stück im Lieferumfang dabei. Die meisten Kabel sind nicht gemäß dem aktuellen Trend als Flachband ausgeführt, sondern als herkömmliche Bündel von schwarzen Adern, umhüllt mit Gewebeschlauch. Dieser ist äußerst blickdicht und bei den meisten sehr straff gespannt. Alle Leitungen sind recht flexibel und lassen sich einfach verlegen. Im Gehäuse fallen sie nicht negativ auf. Selbiges gilt auch für die als Flachbandkabel gebauten SATA/MOLEX Kabel. Optisch herausstechend sind natürlich die bereits erwähnten transparenten netzteilseitigen Stecker.

Wir vermissen bei diesem Netzteil nichts. Schlichtes Äußeres, hervorragende Verarbeitung der Kabel und des Netzteils und ein gut ausreichender Lieferumfang (inklusive schickem Stoffbeutel).







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Technik im Detail

Ein Hinweis vorweg:
Nicht nachmachen! Ihr begebt euch in Lebensgefahr, wenn ihr ein Netzteil aufschraubt!

Vorweg einige Abkürzungen, die wir bei der Analyse des Netzteils verwenden werden:
  • PCB = Printed circuit board, zu Deutsch Leiterplatte. Ein Träger für elektronische Bauteile.
  • IC = Integrated Circuit, Integrierter Schaltkreis. Viele elektronische Bauteile, zu einer Baugruppe zusammengefasst, in einem Bauteil.
  • PFC = Power Factor Correction, Blindfaktorkorrektur. Ein etwas komplexeres Thema, zu dem wir gerne auf den Wikipedia Artikel verweisen würden.

Ein paar weitere Informationen für die nicht ganz so Elektronikbegeisterten: Eine Drossel ist eine Spule aus isoliertem Draht, der um einen Kern gewickelt wurde. Primärseitig finden sich meist Drosseln mit zwei getrennten Spulen auf einem Kern, sodass beide "Pole" des Wechselstroms über eine Drossel fließen. X-Kondensatoren sind zwischen den beiden "Polen" des Wechselstroms eingelötete Kondensatoren und Y-Kondensatoren zwischen jeweils einem Pol und dem Schutzleiter. Aus diesen drei Bauelementen kann man Filterglieder aufbauen. Je nach ihrer Komplexität können sie, unterschiedlich gut, auftretende Störungen aus dem Stromnetz herausfiltern.


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Lüfter
Wie zuletzt auch im Cougar GX-S finden wir hier einen Lüfter der Marke Globefan. Dieser verfügt über ein fluiddynamisches Lager und hört auf die Modellbezeichnung RL4Z S1352512M. Die Endziffer M steht bei Globefan für eine maximale Drehzahl von 1200 Umdrehungen pro Minute, was allerdings den 1500, die auf der Verpackung angegeben waren, widerspricht. Da sich kein genaues Datenblatt auftreiben lässt, vertrauen wir hier den Angaben von Super Flower. Ein fluiddynamisches Lager ist gleichbedeutend mit einem hydrodynamischen Lager, also eine sehr leise und langlebige Technologie.


Filter und Gleichrichter
Direkt an der Netzbuchse finden wir auch den einpolig trennenden Schalter. Von dieser kleinen Platine führen zwei Kabel weiter zum PCB, wo ein X Kondensator und eine Schmelzsicherung untergebracht wurden. Auf diese folgt ein TVR-14511 Varistor, der schädliche Überspannungen ab 320 Volt ableitet um das Netzteil zu schützen. Der restliche Netzfilter hält keine Überraschungen bereit – Drossel, zwei Y Kondensatoren, noch eine Drossel, X Kondensator, zwei Y Kondensatoren. Super Flower hat hier einen soliden Filter abgeliefert, an dem wir nichts vermissen. Der Gleichrichter hängt am Kühlkörper der PFC, womit eine hervorragende Kühlung garantiert werden kann. Für größere Modelle kann hier zudem ein zweiter Gleichrichter auf der gegenüberliegenden Seite des Alublechs montiert werden.


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PFC
Der PFC Controller befindet sich auf einem senkrechten Tochterboard und wurde so mit Kunststofffolie und Kleber eingepackt, dass es uns nicht möglich war ihn zerstörungsfrei zu erreichen. Die PFC Drossel ist nicht wie üblich direkt auf die Platine gelegt/geklebt, sondern sitzt in einer passend geformten Kunststoff-Schale, was die Stabilität erhöht. Die Diode von Cree sowie der MOSFET von Infineon sind am Kühlkörper befestigt. Letzterer ist mit 5R140P beschriftet, was einem IPP50R140CP entspricht. Ebenso Teil der PFC ist eine Kombination aus NTC-Thermistor und Relais, die dazu verwendet wird, um den sehr hohen Strom beim ersten Einschalten zu dämpfen, wenn der Primärkondensator aufgeladen wird.


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PWM und SR
Während auch dieser Controller neben dem der PFC unerreichbar ist, ließen sich die verwendeten Halbleiter, IPP50R199CP von Infineon, identifizieren. Diese sind auf winzigen Alukühlkörpern montiert – eindrucksvoller Beweis der Effizienz des verwendeten LLC Wandlers. Da nur zwei FETs verbaut sind, handelt es sich um eine Halbbrücke. Für geringere Verluste bei höheren Leistungen sieht die Platine vor, dass jeweils zwei Stück parallelgeschaltet werden können. Wo wir von LLC Wandler sprechen, vermisst ihr da auch eine Drossel? Immerhin besteht ein solcher ja aus einem Transformator (L), einer Drossel (L) und einem Kondensator (C). Letzterer wurde aus zwei roten Folienkondensatoren nahe des Haupttransformators aufgebaut, für die Drossel hingegen hat sich Super Flower einen besonderen Trick zum Platz sparen ausgedacht und diese „huckepack“ auf den Transformator gesetzt. Für den Transformator gibt es noch zwei weitere Bohrungspositionen, sodass auch größere Modelle verwendet werden können, obwohl der zum Einsatz kommende für ein 650 Watt Modell bereits eher großzügig bemessen ist. Die synchrone Gleichrichtung, vermutlich ebenfalls vom PWM Controller gesteuert, besteht aus zweimal jeweils zwei parallelen Infineon IPA041N04N, MOSFETs zu je 40 Volt und 70 Ampere mit 4,1 Milliohm Innenwiderstand. Diese sind nicht ganz so effizient wie beispielsweise die die im Whisper M-Netzteil verbaut sind, werden aber mit kleinen Alufahnen gut gekühlt und sind für die Leistungsklasse des Netzteils locker ausreichend. Das Platinenlayout sieht die Option vor, jeweils noch einen dritten MOSFET parallel dazu zu schalten, was den Innenwiderstand dritteln würde (bei zwei Stück haben wir den halben Widerstand eines Einzelnen). Damit kann diese Plattform – gegebenenfalls unter Verwendung noch stärkerer FETs – sehr weit hoch skaliert werden, sodass nicht für jede Leistungsklasse ein eigenes Platinenlayout erstellt werden muss.


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DC-DC
Die DC-DC Wandler für die Nebenspannungen sind auf je einer kleinen senkrechten Platine untergebracht, auf denen Drossel, Controller und FETs liegen. Bei Letzteren hat Super Flower erneut zu Infineon gegriffen, um genau zu sein zu je zwei IPD060N03L pro Wandler. Jene sind mit 30 Volt, 5 Ampere und 6 Milliohm Innenwiderstand großzügig dimensioniert und werden zudem von kleinen Kühlrippen aktiv gekühlt. Trotzdem ist auf den DC-DC Platinen noch Platz für jeweils zwei weitere FETs, die parallel zu den vorhandenen geschaltet werden können. Super Flower entwirft Platinen offensichtlich gerne mit viel Spielraum nach oben. Die Controller NCP1587A stammen hingegen aus dem Hause ON-Semiconductor. Mit wenigen externen Bauteilen stellen diese einen kompletten DC-DC Wandler zur Verfügung und haben zwei Ausgänge um die verbaute Halbbrücke anzusteuern.


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+5 Volt Stand-By
Die 5 Volt Stand-By Schiene versorgt USB Geräte bei ausgeschaltetem Netzteil weiter. Der integrierte Schaltkreis, der hier verwendet wird, ist lediglich mit „29604“ beschriftet und leider war kein Datenblatt auffindbar. Ähnliche Chips im selben Gehäuse haben üblicherweise kein Problem, 20 Watt bereitzustellen, also genug Reserven für die hier angedachte Verwendung. Der vorgesehene Transformator fällt eher groß aus, die Mospec S10X60C Schottky Diode für die Gleichrichtung ist mit 60 Volt und 5 Ampere (so wie sie hier beschaltet ist 10 Ampere) locker ausreichend und wird daher auch nicht aktiv gekühlt.


Schutzschaltungen
Auch hier setzt Super Flower wieder auf ein uns unbekanntes Bauteil namens AA9013. Zu diesem DIP-16 IC lässt sich leider ebenfalls kein Datenblatt finden. ICs mit so vielen Kontakten stellen aber meist OCP/UVP/OVP auf allen Schienen sowie eine OTP bereit. Ein mit „OTP“ markiertes Kabel läuft vom Tochterboard der temperaturgeregelten Lüftersteuerung direkt neben das der Schutzschaltungen. Ebenso hat jede Schiene eine Drossel die als Shunt verwendet werden könnte, aber die Leiterbahnen des schwarzen doppelseitigen PCBs sind zu schwer erkennbar, um diese sinnvoll nachzuverfolgen.


Primärkondensator
Primärseitig finden wir einen üppig dimensionierten Nippon Chemi-Con KMQ mit 470 Mikrofarad und 400 Volt. Dieser ist auf 2000 Betriebsstunden bei maximaler Belastung ausgelegt, aber einer solchen wird er als Primärkondensator kaum ausgesetzt sein.


Glättung
Die 12 Volt Schiene wird von sieben 10 Millimeter dicken Chemi-Con KZE mit je 2200 Mikrofarad und 16 Volt geglättet. Diese sind auf 4000 Stunden bei maximaler Belastung ausgelegt. Ebenso wurde ein Chemi-Con KY mit acht Millimeter Dicke, 16 Volt und 1000 Mikrofarad verbaut, welcher auf 7000 Stunden Betrieb ausgelegt ist.

An den DC-DC Wandlern finden wir weitere drei 16 Volt 2200 Mikrofarad KZE, ebenso wie je einen 470 Mikrofarad 16 Volt Feststoffkondensator auf den Modulen, sowie einen zwischen +12 Volt Gleichrichtern und DC-DC Platinen. Aufgrund des verschachtelten Aufbaus und der komplett schwarzen Platine, die ein Nachverfolgen der Leiterbahnen beinahe unmöglich macht, ist schwer zu sagen, welcher Kondensator wofür zuständig ist. Während die drei Solid State Caps noch den 12 Volt Eingang der Wandler zu stützen scheinen, vermuten wir, dass die Elkos am Ausgang selbiger verbaut sind.


Auf der modularen Platine finden sich insgesamt vier CapXon SY mit je 330 Mikrofarad bei 16 Volt, ausgelegt auf 2000 Stunden, sowie sechs CapXon Feststoffkondensatoren zu 16 Volt und 330 Mikrofarad.

Die Stand-By Schiene wird von einem Chemi-Con ohne erkennbaren Serienaufdruck mit 3300 Mikrofarad und 16 Volt geglättet.

Alle verbauten Kondensatoren sind – soweit erkennbar – hochwertig und ihrer Aufgabe entsprechend gewählt. Leider erschwert der Aufbau des Netzteils die Zuordnung der Kondensatoren zu den einzelnen Schienen ungemein. Auffallend ist die sehr hohe Kapazität auf +12 Volt, welche sogar das unlängst getestete Bitfenix Whisper M in den Schatten stellt. Das verspricht hervorragende Ripplewerte. Auch wenn CapXon kein japanischer Hersteller ist, bricht Super Flower nicht mit dem Marketing-Versprechen, dass 100% japanische Kondensatoren verbaut seien, denn es wird extra erwähnt, dass dies nur für die Hauptplatine gelte – am modularen PCB wird von taiwanesischen Kondensatoren gesprochen. CapXon stellt dabei je nach Serie auch sehr hochwertige Kondensatoren her. Wir sind generell der Meinung, dass Kondensatoren weniger nach der Herkunft als viel mehr nach der Qualität bzw. Serie bewertet werden sollten.


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Lötqualität und Verarbeitung
Die Lötqualität ist, wie erwartet, hervorragend und passt gut zur restlichen Verarbeitung des Netzteils. Alle Bauteile wurden gerade positioniert und sehr sauber verlötet. Stark belastete Leiterbahnen zwischen Transformator, Gleichrichter und modularem PCB sowie am modularen PCB selbst sind mit aufgelöteten Metallplatten verstärkt, um Erwärmung und Verluste gering zu halten. Die zahlreichen senkrecht montierten PCBs wurden alle isoliert oder mit Abstandshaltern zueinander gesichert, sodass sichergestellt werden kann, dass keine Kurzschlüsse auftreten. Alle Bauteile die vibrieren könnten, was Schäden während des Transports zum Kunden vereinfacht, hat Super Flower mit Klebstoff gesichert. Dieser klebt deutlich besser und ist etwas flexibler als der üblicherweise in Netzteilen verwendete. Das sichert die Bauteile noch zuverlässiger.

Zu der hervorragenden Verarbeitung und den exzellenten Bauteilen kommt noch ein durchdachtes, gut kühlbares Design, wo keinerlei Raum für Hotspots ist. Super Flower liefert ein technisch hervorragendes Netzteil und einen würdigen Nachfolger für das Leadex Gold ab, an dessen Technik wir keinerlei Kritik haben und daher auch entsprechend gute Messergebnisse erwarten.






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Testumgebung


Auch bei diesem Review kam wieder unsere neue Lastbank zum Einsatz. Konkret belasten wir die Testkandidaten in bis zu 17 verschiedenen Stufen. Circa 2 Ampere auf je 5 Volt und 3,3 Volt sind fix, während an die 12 Volt Schiene zwischen 0 und 16 Halogenbirnen zu je 50 Watt angeschlossen werden können. Die Spannungen messen wir dabei mit einem Fluke 177, den Strom der 12 Volt Schiene mit einer Stromzange aus dem Hause Uni-T, genauer gesagt einem UT210E. Die primärseitig aufgenommene Leistung wird mit einem Profitec KD 302 überprüft und die Lautstärke in 20 cm Abstand zum Luftauslass des Netzteils mit einem Voltcraft SL-100 ermittelt. Für weitere Informationen zum Messsystem haben wir einen eigenen Artikel dazu geschrieben.








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Spannungen und Effizienz

Eine höhere Effizienz ermöglicht einen sparsameren Betrieb des Rechners, wobei die Unterschiede meist eher marginal sind. Vor allem hat diese aber Auswirkungen auf die Lautstärke – je weniger Verluste im Netzteil anfallen, desto leiser kann dieses seine Arbeit verrichten. Bei Systemen, die sehr lange am Stück laufen oder sehr viel Strom benötigen, kann eine höhere Effizienz aber durchaus auch Einfluss auf die Stromrechnung haben.

Hierbei ist anzumerken, dass unsere Messwerte wegen einer systematischen, also bei jeder Messung gleich auftretenden, Ungenauigkeit der Teststation (vermutlich beim Leistungsmessgerät) immer eine leichte Abweichung nach oben von den effektiven Werten haben. Untereinander sind unsere Messungen aber konsistent und Netzteile lassen sich hervorragend vergleichen. Das Leadex Gold II liefert hier keine Überraschungen ab und liegt mit einer soliden Effizienzkurve gleichauf mit anderen 80+ Gold Geräten (z.B. Bitfenix Whisper M) und damit knapp hinter Platin-Modellen (wie z.B. dem be quiet! Dark Power Pro 11).




Eine gute Spannungsregulation ist im Betrieb sehr wichtig. Eine zu niedrige oder zu hohe Spannung kann die empfindlichen Komponenten beschädigen oder das System instabil werden lassen. Die Grenzlinien der Diagramme stellen die ATX-Norm dar. Werte, die außerhalb des Diagramms liegen, sind somit auch gleichzeitig außerhalb der ATX-Norm.









Die Spannungsregulierung des Netzteils ist – kurz gesagt – perfekt. Sehr stabile Spannungen, die weit entfernt von den Grenzen der ATX Normen sind. Bei ungefähr 65 Ampere auf der +12 Volt Schiene löste die OCP oder OPP aus, was einem Auslösepunkt bei ca. 800 Watt entspricht. Für ein 650 Watt Gerät ist das ein guter Punkt, sofern die Elektronik mit der Überlast klarkommt, was das Leadex Gold II spielerisch mit perfekten Messwerten bis zum Abschalten hin beweist.

In der Leistungsklasse ziehen wir Multi-Rail Designs wegen der niedrigeren maximalen Ströme im Falle eines Hardwaredefekts zwar vor, aber trotzdem macht der Testkandidat hier eine hervorragende Figur und überzeugt elektrisch auf ganzer Linie. Auf der nächsten Seite geht es weiter mit den Lautstärkemessungen!






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Lautstärke

Für viele Anwender ist auch die Lautstärke bei einem Netzteil ein sehr wichtiges Kaufkriterium. Lasst euch hier nicht von den im Vergleich zu anderen Seiten hohen Werten verunsichern, denn diese hängen sehr stark von der Messmethode ab. Interessant sind die Laustärkewerte und Hintergrund-Lärmpegel im direkten Vergleich zu anderen Netzteilen, welche wir ebenfalls gemessen haben.




Hier liefert der Testkandidat leider kein so überzeugendes Bild wie noch bei den elektrischen Messungen. Bis zu 300-350 Watt läuft das Gerät semipassiv (auf Wunsch auch aktiv, was wir aber wegen des Lärmpegels nicht empfehlen würden), dann schaltet der Lüfter ein. Da das Gerät sich im passiven Betrieb stark erhitzt hat, setzt er direkt mit fast 38 dB(A) ein, um sich dann nach ca. 1 Minute auf 36,8 dB(A) einzupendeln – hier haben wir auch den Messpunkt genommen, da wir für jeden Lastschritt immer auf einen statischen Zustand warten. Das ist nicht laut, aber von „silent“ auch noch etwas entfernt, wie man am Vergleich des hervorragend leisen Bitfenix Whisper M sehen kann. Selbst das Cougar LX500, welches kleiner ist und lediglich über 80+ Bronze Effizienz verfügt, ist bis zu einer gewissen Last merklich leiser als das Leadex, sobald dessen Lüfter einschaltet.

Im aktiven Modus ist das Netzteil – zumindest im Rahmen unseres sehr leisen Testsystems – von Anfang an wahrnehmbar, während es im semipassiven Zustand erst nach einer Weile spielen oder anderer sehr leistungsintensiver Aufgaben hörbar wird. Beim Filme anschauen, surfen oder Office bleibt es natürlich passiv und damit absolut lautlos.

Wir ziehen ein Gerät mit leisem, immer aktivem Lüfter wegen der geringeren thermischen Belastung im Leerlauf und der meist niedrigeren Lautstärke unter Last vor. Viele spielen aber generell nur mit Headset und durch einen geschlossenen Kopfhörer (oder eventuell schon aus einem gedämmten Gehäuse) ist das Netzteil bereits nicht mehr hörbar. Aus unserem schlecht schallisolierten Gehäuse mit Wasserkühlung hingegen konnte man es stets wahrnehmen.

Zusammenfassend ist das Netzteil für alle, die keinen absoluten Silent-Rechner wollen, eine uneingeschränkte Kaufempfehlung, da es technisch wirklich hervorragend ist. Wer hingegen einen geräuschlosen Rechner möchte, sollte sich lieber ein be quiet Dark Power Pro, Cooler Master V, Bitfenix Whisper M oder eventuell ein Enermax Platimax D.F. anschauen – unter Volllast sind alle leiser als das Leadex. Schade, Super Flower!





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Fazit

Super Flowers zweite Iteration der Leadex-Reihe lässt uns mit gemischten Gefühlen zurück. Technisch finden wir erneut eine einwandfreie Plattform mit hervorragender Technik, Bauteilwahl und Verarbeitung. Optisch macht das Netzteil viel her und haptisch ist es traumhaft. Die Messwerte spiegeln die gute Technik wieder und sind einwandfrei. Es wäre ein perfektes Netzteil, wenn da nicht das „wenn“ wäre: Die Lautstärke. Während es für Käufer mit leistungshungrigen Grafikkarten mit 2-Slot Kühlern oder kleinen Luftkühlern auf der CPU noch gut geeignet sein mag, weil die restliche Hardware lauter als das Netzteil ist, werden Leute mit Custom-Wasserkühlungen oder anderweitig auf Silent-Betrieb getrimmten Rechnern mit diesem Netzteil kaum auf ihre Kosten kommen. Lautloser Betrieb im Leerlauf/Office wird durch hörbaren Betrieb bei hohen Lasten erkauft. Dass das auch anders geht, haben mehrere Hersteller gezeigt, zuletzt Cougar, deren Netzteil bei deutlich niedrigerem Preis und vergleichbarer Effizienz quasi lautlosen Betrieb in allen Lastbereichen abliefern kann - technisch fällt dieses natürlich weit hinter das Leadex zurück.

Schade, denn abgesehen von der Lautstärke können wir an diesem Gerät wirklich nichts aussetzen. Aber der Sinn einer zweiten Iteration erschließt sich für uns nicht ganz. Die Lautstärke ist vergleichbar mit dem Vorgänger, das Gehäuse ist nicht kleiner und auch bei den Schutzschaltungen ist dasselbe (vollständige) Paket vorhanden. Die Messwerte mögen etwas besser sein, aber die waren auch schon beim ersten Leadex in einem Bereich, der keinerlei Raum für Kritik gelassen hat. Hier hätten wir als Silent-Freaks lieber eine etwas längere Entwicklungszeit gehabt, nach der dann auch – gegebenenfalls um ein paar Euro teurer – ein leiserer Lüfter seinen Weg in das Gerät gefunden hätte.

Wenn Lautstärke nicht das wichtigste Kriterium ist oder, wenn jemand den PC unter Volllast nur mit Headset verwendet, dem können wir das Netzteil bedenkenlos empfehlen, denn beim Surfen, Office und Film schauen bleibt es lautlos. Aufdrehen tut es erst bei aufwändigen Spielen, wo dann das Headset gut genug abschirmt, dass das Netzteil in keiner Lage störend auffällt. Silent-Freaks, die den PC in keinem Lastzustand wahrnehmen wollen, raten wir allerdings vom Kauf ab und empfehlen dann eher eine Alternative der Konkurrenz – beispielsweise das unlängst getestete Bitfenix Whisper M, welches technisch nicht ganz an das Leadex heranreicht, dafür aber sehr leise zu Werke geht.





  • Hervorragende Messwerte
  • Sehr gute Verarbeitung
  • 7 Jahre Garantie
  • Lautlos im Office-Bereich...




  • ...aber hörbar unter hoher Last



Awards:


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M.Plattner


gedruckt am 12.12.2018 - 20:37
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