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Enermax Platimax D.F. 500 - Wieder wegweisend?
29.11.2016 - 08:00

Enermax – einer der bekanntesten und traditionsreichsten Hersteller von Netzteilen. Wer kennt die chinesische Netzteilschmiede nicht, die damals mit dem Platimax eines der ersten 80+ Platin zertifizierten Netzteile abgeliefert hat? Das Platimax der ersten Generation war damals, 2011, ein Fingerzeig auf das, was in den nächsten Jahren und bis heute in der High-End-Klasse an ATX Netzteilen kommen würde. Leise Geräte mit hervorragender Effizienz und schlichtem, eleganten Design. Seit der Umstellung der Fertigung aller Netzteile zu CWT wurde es eine Weile recht still um das High-End-Segment von Enermax. Das Platimax blieb am Markt, ging aber bald etwas in der von anderen Herstellern folgenden Flut an 80+ Platin Netzteilen unter und der Hersteller lieferte nur noch im Mittelklassesektor neue Geräte.




Nun hat sich die Situation wieder geändert, denn mit dem Platimax D.F. kam eine neue Version von dem Enermax-Flaggschiff auf den Markt. Ausgestattet mit neuer Elektronik, einem nagelneuen Lüfter aus eigenem Hause und ab Werk gesleevten, vollmodularen Kabeln meldet sich der Hersteller zurück an die Spitze. Die Ambitionen sind groß, die Konkurrenz ist stark. Kann sich das Platimax einmal mehr als Wegweiser behaupten? Im ersten Review mit unserem neuen Testsystem nehmen wir das neue Spitzengerät des Herstellers genauer unter die Lupe, um euch genau diese Frage zu beantworten.

Viel Spaß beim Lesen,
euer TRV Team!



Danksagung

Wir danken der Firma Enermax für die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung des Testsamples.











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Spezifikationen und Features

Während die Technik modern ist, hat die Verpackung des Netzteils etwas Retro-Charme. Zu Zeiten von ein bis zweifarbigen Verpackungen und schlichten Schriftarten wirkt der Karton des Platimax fast wie ein Relikt einer vergangenen Zeit. Grund hierfür sind die nicht näher definierbare Textur hinter dem Produktfoto und die verschiedenen Schriftarten für jede Zeile beim Produktnamen. Die Tatsache, dass der „Platimax“ Schriftzug stark an den des Shooter-Klassikers „Doom“ erinnert, trägt auch dazu bei. Ist das etwas Schlechtes? Kaum, wie wir finden. Die Verpackung sticht aus der Masse der sehr ähnlichen Produktkartons heraus und ist zeitgleich informativ – was soll eine Verpackung abgesehen davon noch bieten?


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Geworben wird auf der Vorderseite, neben der schon aus dem Modellnamen erschließbaren 80+ Platin Effizienz mit 5 Jahren Garantie, einem Twister bearing fan, hochwertigen japanischen Kondensatoren, einer „Dust Free Rotation“, einer „Staubfreien Lüfterdrehung“. Was es damit auf sich hat? Der Lüfter dreht beim Start 10 Sekunden in die entgegengesetzte Richtung, was laut Enermax durch die Umkehr des Luftstroms festgesetzten Staub aufwirbeln und das Netzteil somit länger staubfrei und kühl halten soll. Ob das im Praxisbetrieb auf lange Sicht funktioniert, können wir nicht sagen, aber die Idee dahinter wird jedem der einmal ein Netzteil nach einigen Jahren Betrieb ausgebaut und dabei einmal durchgepustet hat, ebenso gut finden wie wir.


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Auf der Rückseite geht es mit den Informationen zum Netzteil weiter. So wird der Lüfter nun als 139 Millimeter messendes Twister Bearing Modell aus eigener Fertigung ausgeschrieben, welches mindestens 160.000 Stunden Lebensdauer vorweist und sehr leise sein soll. Auch die Dust Free Rotation wird hier genauer erläutert, was wir nur vorweggenommen haben. Das Highlight und beinahe Alleinstellungsmerkmal am Markt sind aber die „Sleevemax“ genannten Kabel des Netzteils. Diese sind, wie der Name es bereits vermuten lässt, ab Werk gesleeved. Was Casemodder und Enthusiasten früher zeitaufwändig selbst machen oder teure Kabelsätze nachkaufen mussten, ist bei diesem Netzteil ab Werk fest dabei. Wie hochwertig diese Sleeves im Detail sind und wie viele Anschlüsse an welchem Strang sind, stellen wir euch auf der nächsten Seite vor!

Zuletzt findet sich hier noch eine Auflistung der Leistungen und Ströme pro Schiene für das 500 und das 600 Watt Modell. Das 500 Watt Modell, welches wir als Testkandidaten im Check haben, ist auf 41 Ampere bzw. 492 Watt auf der 12 Volt Schiene ausgelegt, während 3,3 Volt mit maximal 16 Ampere und 5 Volt mit maximal 15 Ampere spezifiziert sind. Die kombinierte Leistung der beiden Schienen darf aber 103 Watt nicht überschreiten, während die Gesamtleistung natürlich bei maximal 500 Watt liegt. Die 5 Volt Stand-By-Schiene wird mit 2,5 Ampere angegeben. Man sieht hier deutlich, dass es sich um ein modernes Design mit DC-DC Wandlern für die Nebenspannungen handelt – was angesichts des 80+ Platin Zertifikates aber ohnehin zu erwarten war.





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Äußeres, Lieferumfang und Kabelausstattung

Im Inneren der Verpackung finden sich, neben einem vorbildlich in Schaumgummi geschützten Netzteil, auch eine Anleitung und eine Kartonbox mit den Sleevemax-Kabeln. Zusätzlich zum Schaumgummi ist das Netzteil noch einmal in einen Samtbeutel gehüllt – Enermax unterstreicht mit der Verpackung klar in welcher Klasse das Netzteil angesiedelt ist. Neben Schrauben für die Montage und herkömmlichen Kabelbindern, liegen auch schöne Klett-Kabelbinder bei, welche in der Verpackung die modularen Kabelstränge zusammenhalten, aber natürlich auch im PC eingesetzt werden können. Netzkabel ist – wie immer - auch eins mit von der Partie.


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Das Gerät selbst ist schlicht, simpel und unauffällig – das kann gefallen, muss es aber nicht. Freunde von bunten LED beleuchteten Netzteilen werden mit dem Platimax keine Freude haben. Wer aber ein elegantes und zurückhaltendes Netzteil sucht, dessen Geschmack hat Enermax perfekt getroffen. Das simple Lüftergitter bietet minimalen Luftwiderstand und sollte zusammen mit dem hochwertigen Lüfter einen sehr leisen Betrieb erlauben. Die Buchsen für die modularen Kabel sind sauber versenkt und ausnahmslos beschriftet, Verwechslungen sollten hier keine eintreten können.


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Kommen wir nun aber zu dem Punkt, auf den wohl alle gewartet haben – die modularen Kabel. Enermax hat sich hierbei dafür entschieden, ab Werk gesleevte Kabel namens Sleevemax beizulegen. „Sleeven“ nennt man in der Modding-Szene die Tätigkeit, ein Kabel in einem Gewebeschlauch einzuhüllen. Während bei den meisten Netzteilen aus Kostengründen nur ein Schlauch über den ganzen Strang gehüllt wird, ist bei diesem Netzteil jede einzelne Ader stoffummantelt. Zugegebenermaßen macht das die Kabel etwas störrischer zu verlegen, da sie recht steif sind und man die Aderbündel immer beisammenhalten muss, damit man kein totales Chaos im Gehäuse hat – aber optisch und haptisch stellen sie alles in den Schatten, was wir bisher bei Netzteilen gesehen haben. Zugleich lassen sie sich deutlich flacher drücken als fixe Bündel, was gerade beim Verlegen hinter dem Mainboardtray von Vorteil sein kann. Wer musste nicht schon einmal mit Gewalt den Deckel der Rückwand zudrücken, weil das 24pin Kabel mal wieder zu dick war um in der Klappe Platz zu finden.


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Weiter liefert Enermax „Kabelkämme“ mit, welche sehr gut dabei helfen, die Kabel gebündelt zu halten und ihnen dabei noch eine schöne Form geben. Wir haben versucht, euch die Vorteile dieser Kämme auf ein paar Vergleichsbildern darzustellen. Der Querschnitt ist nicht angegeben, aber selbst im Überlast-Test an der Messstation blieben alle Kabel eiskalt, abgesehen von einer leichten Erwärmung an den Steckern, welche jedes von uns getestete Netzteil vorzuweisen hatte. Alles in allem sind wir begeistert von den Kabeln. Hervorragende Entscheidung von Enermax, diese beizulegen. Wir würden es allerdings begrüßen, wenn man das Platimax mit verschiedenfarbigen Kabeln kaufen könnte, um es individuell auf das Farbschema des eigenen PCs abzustimmen.

Hier noch eine kurze Tabelle zu den verwendeten Kabelsträngen:

Bezeichnung der Kabel  Kabel-Länge in cm
ATX 24 Pin  55
CPU 4+4 Pin  70
PCI-E 6+2 Pin und 6+2 Pin  55 & 70
PCI-E 6+2 Pin und 6+2 Pin  55 & 70
4 x SATA  45 & 60 & 75 & 90
4 x SATA  45 & 60 & 75 & 90
3 x MOLEX  45 & 60 & 75
3 x MOLEX  45 & 60 & 75
Molex auf Floppy  10
Enermax hat für das 500 Watt Modell sehr viele Kabel beigelegt, so weist das Netzteil stolze 4x PCI-E 6+2 Pins auf, ebenso 8x SATA und 6x MOLEX Anschlüsse.




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Technik im Detail

Ein Hinweis vorweg:
Nicht nachmachen! Ihr begebt euch in Lebensgefahr, wenn ihr ein Netzteil aufschraubt!

Vorweg einige Abkürzungen, die wir bei der Analyse des Netzteils verwenden werden:
  • PCB = Printed circuit board, zu Deutsch Leiterplatte. Ein Träger für elektronische Bauteile.
  • IC = Integrated Circuit, Integrierter Schaltkreis. Viele elektronische Bauteile, zu einer Baugruppe zusammengefasst, in einem Bauteil.
  • PFC = Power Factor Correction, Blindfaktorkorrektur. Ein etwas komplexeres Thema, zu dem wir gerne auf den Wikipedia Artikel verweisen würden.


Ein paar weitere Informationen für die nicht ganz so Elektronikbegeisterten: Eine Drossel ist eine Spule aus isoliertem Draht, der um einen Kern gewickelt wurde. Primärseitig finden sich meist Drosseln mit zwei getrennten Spulen auf einem Kern, sodass beide "Pole" des Wechselstroms über eine Drossel fließen. X-Kondensatoren sind zwischen den beiden "Polen" des Wechselstroms eingelötete Kondensatoren und Y-Kondensatoren zwischen jeweils einem Pol und dem Schutzleiter. Aus diesen drei Bauelementen kann man Filterglieder aufbauen. Je nach ihrer Komplexität können sie, unterschiedlich gut, auftretende Störungen aus dem Stromnetz filtern.

Beginnen wir mit der konkreten Analyse beim Lüfter. Dieser stammt wie bereits angekündigt direkt aus dem Hause Enermax und ist auch als Solcher gelabelt. Konkret ist es ein ED142512W-CA. Dasselbe Modell war in der DA Ausführung bereits im alten Platimax vorhanden und hatte dort die gleichen Eckdaten – 12 Volt bei maximal 0,25 Ampere. Das neue Kürzel liegt vermutlich an der veränderten Elektronik für die Dust-Free-Rotation. Als wir den Lüfter bei uns direkt mit 12 Volt versorgten, drehte er auch 10 Sekunden lang in die entgegengesetzte Richtung – die DFR-Funktion ist also tatsächlich direkt im Lüfter implementiert. Selbst an 12 Volt, also bei maximaler Drehzahl, war der Lüfter sehr leise, während er eine beträchtliche Luftmenge förderte. Zusammen mit einer guten Lüfterkurve hat das Netzteil ein super Silent-Potential. Zusätzlich verspricht Enermax, wie bereits angesprochen, eine sehr hohe Lebensdauer von 160.000 Stunden. Der Lüfter sollte im Normalfall also etliche PCs überleben.


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Die Platine ist aufgeräumt und simpel eingeteilt, etwas überraschend ist der vergleichsweise große Kühlkörper für die PFC und den LLC Schaltwandler. Dieser ist beinahe so groß wie der des Cougar LX500, welches 80+ Bronze zertifiziert ist. Vermutlich wollte Enermax mit dem großen Kühlkörper die Lüfterdrehzahl weiter senken. Doch beginnen wir am Anfang – bei der Netzbuchse.

Direkt an der Netzbuchse sind zwei Y und ein X Kondensator, gefolgt von einem Schalter, welcher zweipolig trennen könnte, hier aber nur einpolig beschaltet ist – warum auch immer. So kann selbst ausgeschaltet noch die Phase der Elektronik des Geräts anliegen, wenn der Stecker in einer bestimmten Ausrichtung in der Steckdose steckt. Das bedeutet auch bei ausgeschaltetem Schalter einen niedrigen Stromfluss von Phase auf Erde und Belastung der Y Kondensatoren. Daraufhin geht es durch einen Ferritkern weiter zur Hauptplatine, wo wir eine Schmelzsicherung vorfinden. Anschließend ist ein Relais verbaut, das den Heißleiter, welcher normalerweise den Einschaltstrom beim Einstecken verringert, überbrückt, sobald das Netzteil arbeitet – sonst würde an diesem dauerhaft viel Energie in Hitze umgesetzt werden. Darauf folgen noch einmal zwei zweipolige Drosseln, sowie zwei X Kondensatoren und zwei Y Kondensatoren vor dem Gleichrichter. Streng genommen sind es die Gleichrichter, denn hier wurden zwei parallel verbaut und zusammen auf den Kühlkörper geschraubt. Bis auf den fehlenden Varistor als Überspannungsschutz ein hervorragend bestückter Netzfilter.


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Für die PFC ist ein Champion CM6502 zuständig, ein reiner PFC Controller, der laut Datenblatt Schaltverluste vermeidet, indem er im Nulldurchgang schaltet (wenn keine Spannung über den Schalttransistoren anliegt). Die dazugehörige Drossel ist auffallend groß für ein 500 Watt Modell, vermutlich wurde diese so groß gewählt, um mit dickerem Draht die Verluste in den Wicklungen zu senken. Der Zwischenkreiskondensator ist mit 400 Volt und 300 Mikrofarad eher klein bemessen, was laut Datenblatt aber ein weiteres Feature des CM6502 sein soll – der Kondensator kann kleiner ausfallen. Der Schaltwandler wird, wie im Datenblatt des CM6502 bei den Beispielschaltbildern empfohlen, von einem CM6901 übernommen. Dieser kann sowohl den LLC Resonanzwandler als auch den synchronen Gleichrichter für die Sekundärseite ansteuern und ermöglicht damit einen sehr effizienten Betrieb des Wandlers. LLC Drossel (direkt neben der schmalen Seite der Platine) und Haupttransformator (ziemlich genau in der Mitte) sind von der Größe her grob, so wie man sie sich in einer 500-700 Watt Plattform erwarten würde. Zusammen mit dem hocheffizienten PFC Controller erlaubt diese Plattform einen sehr verlustarmen Betrieb. Wo wir beim aktiven Gleichrichter waren – dieser besteht aus zweimal je zwei parallelen sinopower SM4021NSKP. Das sind MOSFETs die auf je 40 Volt bei 100 Ampere ausgelegt sind. Parallel geschaltet wurden sie wohl um den Innenwiderstand weiter abzusenken. Dieser beträgt 1,5 Milliohm pro Widerstand, also 0,75 Milliohm in einer Parallelschaltung. Angenommen die Schaltverluste sind gleich Null, fallen pro FET-Pärchen also maximal 1,875 Watt bei 12 Volt und 50 Ampere ab – real sogar weniger, weil die beiden nur abwechselnd leiten müssen. Man erkennt auch hier, dass das Netzteil kompromisslos auf Effizienz getrimmt wurde. Die Kühlung der FETs erfolgt, wie schon beim BeQuiet Dark Power Pro 11, über die Platine und kleinen Kühlfahnen auf der Oberseite, mit denen die FETs verlötet sind – viel Kühlung ist bei der geringen Verlustleistung ohnehin nicht nötig.


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Die DC-DC Wandler sitzen beide auf einem Tochterboard und hören ebenfalls beide auf den Namen Anpec APW7073. Auch diese sind hochintegriert und benötigen eigentlich nur mehr eine Drossel und zwei MOSFETs um zu funktionieren, sowie ein paar Widerstände. Weiter verfügen sie über eine OCP, indem sie messen, wie viel Spannung über einen der beiden MOSFETs abfällt.

Für die 5 Volt Standby-Schiene wurde ein TNY278 verbaut. Dieser Serie von hochintegrierten Niederleistungs-Schaltwandlern sind wir bereits öfters begegnet, so hat das LX500 beispielsweise einen TNY279 verbaut, das um eins größere Modell. Im Datenblatt des CM6502 ist bei den Beispielschaltbildern ein TNY277 empfohlen. Der hier verbaute TNY278 kann bis zu 21,5 Watt (also bei 5 Volt knapp mehr als 4 Ampere) bereitstellen – mit den 2,5 Ampere des Platimax D.F. wird er also deutlich unterhalb seiner Spezifikationen betrieben.

Die OPP des Netzteils wird vermutlich direkt vom CM6901 übernommen, dieser hat eine solche vorgesehen. Aufgrund der Komplexität der Schaltwandler-Sektion ist das aber ohne komplettes Zerlöten des Netzteils nicht weiter nachprüfbar. Ein Infinno ST9S313 stellt UVP und OVP auf allen Rails bereit, OCP auf 3,3 Volt und 5 Volt machen die Anpec DC-DC Konverter selbst. Eine OCP auf 12 Volt ist bei einem DC-DC Gerät nicht nötig, da diese Rolle auch von der primärseitigen OPP übernommen werden kann. Somit sind außer einer OTP alle relevanten Schutzschaltungen implementiert. Zur OTP: Ein Temperatursensor ist vorhanden und an einem der DC-DC Wandler untergebracht. Allerdings sind die Leiterbahnen hier schwer nachzuverfolgen, weshalb wir nicht feststellen konnten, ob dieser nur für die Lüftersteuerung verwendet wird, oder über einen Transistor ab einer gewissen Temperatur eventuell eine OVP/UVP am Infinno Chip auslöst. Technisch möglich wäre das. Enermax selbst listet keine vorhandene OTP auf. Diese wird im Normalbetreib auch nicht benötigt, allerdings ist sie im Falle eines Lüfterdefekts von Nöten. Dank des sehr hochwertigen Lüfters gehen wir aber davon aus, dass dieser Fall kaum eintreten wird.


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Die Kondensatoren dieses Netzteils sind durchwegs hervorragend. Primärseitig als Zwischenkreiskondensator finden wir einen Nippon Chemi-Con KMR, welcher mit 2000 Stunden bei maximaler Belastung und 105 °C angegeben ist – der er in diesem Aufbau aber bei weitem nicht ausgesetzt sein wird. In der Elektronik entdecken wir noch einige kleinere Chemi-Con KY, welche auf 5000 Stunden bei 105 °C zertifiziert sind. Der Rest (Glättung aller Spannungen sekundärseitig) sind ausschließlich Chemi-Con KZE, welche je nach Durchmesser für 3000 oder 4000 Stunden bei 105 °C geeignet und auf hohe Rippleströme ausgelegt sind. Weiter lassen sich noch unzählige Feststoffkondensatoren zur Glättung der 12 Volt am Haupt-PCB und am modularen PCB, sowie für die Nebenspannungen am DC-DC PCB und am modularen PCB ausmachen.

Alles in allem sind Kondensatoren hervorragender Qualität verbaut, technisch aus Serien gewählt, die an den jeweiligen Einsatzorten sinnvoll sind und (bis auf ein paar KZE sekundärseitig) auch gut belüftet. Diese werden aber ohnehin von den Feststoffkondensatoren entlastet.


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„Irgendwo muss das Netzteil doch einen Haken haben!“ – hier ist er. Die Lötqualität ist nicht schlecht, aber eben auch nicht hervorragend, wie es andere Netzteile in diesem Preisbereich vorzuzeigen haben. SMD Bauteile wurden wohl automatisch bestückt und sind sehr sauber gelötet, bei Handgelöteten Teilen wurde aber ab und an etwas unsauber gearbeitet. Recht lange überstehende, nicht abgezwickte Lötkontakte, unsaubere Lötstellen und zu viel Flussmittel – alles findet man an ein paar Stellen. Versteht uns nicht falsch, die Funktionalität oder gar der sichere Betrieb des Netzteils werden nirgends beeinträchtigt. Es ist einfach unschön anzusehen und könnte in der Preisklasse ruhig etwas besser sein. Da es aber nicht funktionsbeeinträchtigend ist und das Netzteil sonst hervorragend aufgebaut ist, wollen wir uns daran aber nicht zu lange aufhängen.

Zusammengefasst: Das Netzteil ist sehr hochwertig, durchdacht entworfen und aufgebaut und macht im Technikcheck eine hervorragende Figur.





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Testumgebung

Das Netzteil wurde als Erstes mit unserer neuen Lastbank getestet und durchgemessen. Zum Vergleich haben wir allerdings noch alle alten Testsamples - die wir zur Hand hatten - einmal gemessen. Konkret belasten wir die Testkandidaten in bis zu 17 verschiedenen Stufen. Ca. 2 Ampere auf je 5 Volt und 3,3 Volt sind fix, während an die 12 Volt Schiene zwischen 0 und 16 Halogenbirnen zu je 50 Watt angeschlossen werden können. Spannungen messen wir dabei mit einem Fluke 177, den Strom der 12 Volt Schiene mit einer Stromzange aus dem Hause Uni-T, genauer einem UT210E. Die primärseitig aufgenommene Leistung wird mit einem Profitec KD 302 gemessen und die Lautstärke in 20 cm Abstand zum Luftauslass des Netzteils mit einem Voltcraft SL-100. Für weitere Informationen zum Messsystem haben wir einen eigenen Artikel dazu geschrieben.







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Effizienz und Spannungsregulation


Dank unserem neuen Testsystem können wie nun erstmals brauchbare Effizienzkurven aufzeichnen. Eine höhere Effizienz ermöglicht einen sparsameren Betrieb des Rechners, wobei die Unterschiede meist eher marginal sind. Vor allem hat diese aber Auswirkungen auf die Lautstärke – je weniger Verluste im Netzteil anfallen, desto leiser kann das Gerät arbeiten. Bei Systemen die sehr lange am Stück laufen, oder sehr viel Strom brauchen, kann eine höhere Effizienz aber durchaus auch Einfluss auf die Stromrechnung haben.

Mit 80+ Platin führt das Platimax das Feld unserer Testkandidaten zusammen mit dem BeQuiet P11 an und macht eine hervorragende Figur. Der Übersicht zu Liebe haben wir alle Netzteile außer den beiden 80+ Platin Geräten ausgeblendet.



Eine gute Spannungsregulation ist im Betrieb sehr wichtig. Eine zu niedrige oder zu hohe Spannung kann Komponenten beschädigen oder das System instabil werden lassen. Die Grenzen der Diagramme stellen die ATX-Norm dar. Werte, die außerhalb des Diagramms liegen, liegen somit auch gleichzeitig außerhalb der ATX-Norm.








An diesen Messwerten kann man rein gar nichts aussetzen. Das Platimax liefert hervorragende Spannungen, die sehr konstant fast perfekt am Soll-Wert liegen. Hervorragende Arbeit von Enermax!





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Lautstärke

Sehr wichtiges Kaufkriterium für viele Anwender ist bei einem Netzteil auch die Lautstärke. Lasst euch hier nicht von den im Vergleich zu anderen Seiten hohen Werten verunsichern, denn diese hängen sehr stark von der Messmethode ab. Interessant sind die Laustärkewerte und Hintergrund-Lärmpegel im direkten Vergleich zu anderen Netzteilen, welche wir ebenfalls gemessen haben.




Das Platimax zeigte sich durch das gesamte Lastspektrum hindurch souverän und leise - selbst im offenen Aufbau war es kaum wahrnehmbar. Das leise Luftrauschen, welches man vernehmen konnte, war auf einer sehr unaufdringlichen Frequenz (kein Quietschen, Schnarren, Brummen oder Klackern). Der hauseigene D.F. Lüfter scheint nicht nur langlebig zu sein, sondern zugleich einen sehr leisen Betrieb zu ermöglichen. Auch bei 500 Watt Dauerlast oder Überlast war die Luft, die aus dem Netzteil gepustet wurde, angenehm kühl. Fazit: Hervorragende Kühlung!




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Fazit

Enermax ist wieder da - und das nicht heimlich, still und leise, sondern mit einem Paukenschlag. Vielleicht war der Retro-Look auf der Verpackung angebracht. Der Hersteller besinnt sich wieder darauf, was die Firma damals bekannt gemacht hat - hochwertige High-End Netzteile mit tollen Features - und drängt einmal mehr in die Rolle des Innovationstreibers im PC Markt. Diesmal zwar nicht technisch, denn technisch gibt es durchaus vergleichbare Netzteile am Markt. Aber optisch – für viele Nutzer ist es ja schließlich das Gesamtpaket, was zählt. Für etwas weniger als 121,- € (billigster Preis auf Geizhals.de, Stand 09.11.2016) kriegt man ein Netzteil, das nicht nur leise und technisch hervorragend ist, nein, es bringt auch noch einzeln gesleevte Kabel mit.

Der Preis ist hoch – natürlich. Aber dies ist er bei der Konkurrenz auch. So ein rundes Gesamtpaket für Leute, die zudem Wert auf Optik legen, hat außer Enermax im Moment niemand im Angebot. Für alle, die schon immer einzeln gesleevte Kabel wollten, aber bislang vom finanziellen oder zeitlichen Aufwand abgehalten wurden, ist das Platimax eine hervorragende Wahl. Aber auch für alle, die einfach nur ein leises, zuverlässiges Netzteil mit guten Spannungen wollen, ist das Platimax D.F. eine Überlegung wert. Wir haben keinen wirklichen Kritikpunkt am Netzteil finden können, bis auf die teilweise etwas lieblose Lötqualität, welche aber auf den Betrieb keine Auswirkungen hat.

80+ Platin, gute Messwerte, leiser Betrieb, lange Lebensdauer und hervorragende Optik – das Platimax D.F. hat eine Empfehlung wirklich verdient.




  • Hochwertige Komponenten
  • Sehr hohe Effizienz
  • Vollmodular
  • Leise
  • Einzeln gesleevte Kabel




  • Hoher Preis (für das Paket aber angemessen)
  • Lötqualität nicht überall perfekt




    Awards:


    Links zum Produkt







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  • M.Plattner


    gedruckt am 13.12.2019 - 04:19
    http://www.tech-review.de/include.php?path=content/content.php&contentid=16681