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Pappe trifft HDD-Gehäuse - Convar BytePac
04.11.2011 - 08:00

Öko ist in, aber Öko ist irgendwie auch immer schmuddelig-uncool. Denn dank RTL wissen wir ja: "Bio ist Abfall". Gerade im stets neuen, auf Hochglanz getrimmten IT-Bereich der minimale Halbwertszeiten hervorbringt. Und dennoch: ein kleines Unternehmen leistet Widerstand. Die recht junge Firma Convar hat mit dem "BytePac" ein umweltverträgliches HDD-Gehäuse im Programm, das sich durch maximale Flexibilität und schickes Design auszeichnen soll.




Mittel der Wahl: Pappe. Ordinäre, wie aus dem Bastlerbedarf. Quick-Access und Geräuschdämmung sollen trotzdem inklusive sein, dazu noch Wechselcover - fertig ist die Öko-Enterprise. Angesichts des selbstbewussten Preises von 40,-€ für das Schnippelmaterial hebt sich durchaus die ein oder andere Augenbraue: Kann graue Pappe wirklich grün, wirklich nützlich und wirklich konkurrenzfähig sein? Logisch scheint das nicht - Wir haben's trotzdem gewagt und die Ergebnisse des Selbstversuches wie immer selbstlos dokumentiert. Spock wäre stolz auf uns!


Danksagung

Wir danken Convar für die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung des Testsamples.









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Verpackung und Lieferumfang

Das BytePac kommt, welch Überraschung, in einem braunen Karton - und zwar einem erstaunlich kompakten. Nach dem Öffnen des 40€ teuren Behältnisses finden sich Flyer zu weiteren Convar-Produkten, insgesamt drei Montageanleitungen - nur Bild, kein Text - auf der Rückseite der Sticker zur HDD- und Gehäusebeschriftung. Optimale Ressourcennutzung wird von Convar groß geschrieben, auch bezüglich der OVP: Die dient nach dem Öffnen als Sammelbehälter für die eigentlichen drei HDD-Gehäuse. Zusätzlich enthält das Bundle noch ein Anschlusskit, das sowohl eSATA als auch die topaktuellen USB 3.0-Schnittstelle zur Verfügung stellt. Alles grün und öko? Ha - das Kabelpaket besteht natürlich aus Plastik. Die getestete Version ist der momentane Höhepunkt der BytePac-Produktpalette und noch nicht im Shop eingepflegt.


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Das BytePac selbst hüllt sich noch einmal in Papier. Auf den ersten Blick die braune Maus, auf den zweiten aber durchaus zu Ende gedacht, denn die Umverpackung der Verpackung lässt sich noch einmal beschriften und sorgt für einen etwas feineren Look im Buchrückenstil. Abgesehen davon erlaubt es der HDD durch ausgesparte Bereiche noch zu atmen: Auf Vor- und Rückseite sitzen Luftlöcher. Ohne die wie maßgeschneidert sitzende Hülle bleibt nur eine einfarbige, homogene Masse nach Art von diversen Versandkartons zurück. Auf Klebstoff wurde komplett verzichtet - überraschenderweise hat man bei Convar nur gefaltet und geknickt. Dabei fällt die insgesamt wertige Verarbeitung sowohl des Gesamtpaketes als auch der Faltung positiv ins Auge: Trotz Haltbarkeitsbedenken darf das durchgehend stabile BytePac auch etwas ruppiger zerlegt werden, ohne sogleich in Teile zu zerfallen und zeigt sich von seiner steifen Seite. Nur wenn es hakt, sollte man als Mittel der Wahl keine (übertriebene) Gewalt in Betracht ziehen. Abgesehen davon gibt Convar bei "ordnungsgemäßer" Nutzung satte fünf Jahre Garantie, um etwaige Bedenken zu zerstreuen.


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Zusätzlich bietet Convar für die HDD-Gehäuse auch alternative Hüllen an. Die sind dann aus dickerer Pappe und schön bunt. Für einen Preis, denn umsonst werden die schicken Schuber nicht verteilt - 14€ für drei Stück sind nicht ohne. Die Designs in den Varianten "Grünes Krokodil", "Bock Beer" und "Fun Cannabis" mit jeweils individueller Haptik werden zudem nicht jeden Geschmack treffen. Andererseits ermöglicht der Aufbau des BytePac mit etwas Kreativität und Bastellaune auch die Selbstanfertigung der Hüllen - einen Schnittplan gibt es auf der Convar-Homepage.


Technische Daten:

  • 195 x 130 x 38 mm (L x B x H)
  • 66 g
  • 960 mm (Anschlussteil), 550 mm (eSATA) 120 mm (USB 3.0)










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Einbau und Betrieb

Wie funktioniert nun ein BytePac? Zuerst wird das gute Stück geöffnet und die Festplatte, in unserem Falle eine Samsung HD105J, eingesetzt. Das funktioniert logischerweise völlig ohne Werkzeug, hält die heimische HDD aber auch so sicher an Ort und Stelle - obwohl das BytePac gerade von Innen wie ein reines Spielzeug aussieht. Um das Speichermedium sicher zu halten, muss außerdem die Doppelte Papplage unter dem Deckel eingefaltet werden. Die vorgesehenen Knickpunkte sind allerdings von der Außenseite kaum zu erkennen, wenngleich die Anleitung den Vorgang aufführt. Danach gilt es, die "Wartungsklappen" zu öffnen, um von außen an die Anschlüsse gelangen zu können. Wer mag, darf zur zusätzlichen Belüftung auch noch den Aufsteller ausklappen. Nun noch schnell das Kabel anstecken und ran an den Rechner - fertig innerhalb von maximal zwei Minuten. Natürlich sollte klar sein, dass ein Pappprodukt ein Ge-, vor allem aber ein Verbrauchsgegenstand ist und als solcher nur eine potentiell begrenzte Haltbarkeit aufweist. Im Testbetrieb wies der Aufsteller an der Griffkante leichte Verformungen auf. Optisch unschön, wenngleich in keinerlei kritischem oder schädlichem Rahmen. Ein Fingerzeig allerdings auf die begrenzte Haltbarkeit des BytePacs - solide, aber nicht für die absolute Ewigkeit. Gut gelöst wurde auch der Kabelteil: Direkt an die HDD darf sich ein gut 100 cm langes Kabel schmiegen, das in einem Hub für Strom- und Datenströme mündet. Hier geht es per eSATA wahlweise direkt an den PC oder an den USB 3.0 Adapter, ganz nach Wunsch. Das ermöglicht gleichzeitig ein Umsatteln auf künftige Anschlussformate mit relativ geringen Kosten und wenig Aufwand, da nur ein Teil des Kabelgewirrs zu tauschen ist.


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Nun verspricht der Hersteller neben dem wunderbar funktionierenden "easy access" auch noch eine erhebliche Dämm- und Kühlwirkung. Natürlich muss derlei in Relation gesehen werden: Mit einer Dämmbox kann das BytePac nicht konkurrieren, wohl aber hochfrequente Geräusche filtern. Damit wird die HDD nicht vorrangig leiser, aber angenehmer zu hören. Auch Vibrationen werden, wohl aufgrund des "weichen" Materials recht gut gefiltert. Zu Lasten der Temperatur? Mitnichten - mehr als 32 Grad (HWMonitor 1.18) erreichte unsere Festplatte während der Benchmarks zu keiner Zeit.


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Im Alltagsbetrieb vermag sich das Ökowunder gut zu behaupten. Das Buchdesign sichert eine gewisse Unauffälligkeit - sofern der Besitzer denn auch echte besitzt - und die Möglichkeit zur Beschriftung sowohl der Festplatte durch die mitgelieferten Sticker als auch ihrer Umverpackung hilft beim Archivieren großer Datenmengen. Auf einen An- und Ausschalter muss aber verzichtet werden - aus ist, wenn Kabel ab. Schade, denn ein kleines, unauffälliges Modell am großzügig bemessenen Anschlusskabel wäre keine so schlechte Idee gewesen und hätte abseits des ultra mobilen Einsatzgebietes Vorteile verschafft.


Weil kalter Stahl trotzdem solider als pappiger Karton bleibt, wollten wir auch wissen, wieviel ein BytePac verträgt und haben ihm Gewalt angetan: Mit einer ausgemusterten 6,3 GB Festplatte gefüllt wurde das gute Stück aus normaler Schreibtischhöhe - einem realistischen Szenario - auf Teppichboden fallen gelassen. Mehrfach. Mit der normalen Wischbewegung spielte das BytePac jedoch Katze und fiel auch im fünften Versuch noch munter auf die flachen Seiten. Zu verzeichnen waren nur minimale Beschädigungen, die aus hervorstehenden Teilen des Testpiloten resultierten, ein Merkmal, das heutige HDDs aber nicht mehr aufweisen. Die Stellen allerdings sind mit normalem Cover nicht mehr sichtbar - enttäuschend. In Versuch Nummer Sechs haben wir das mutige BytePac deshalb vorsätzlich schräg am Boden aufkommen lassen, was an den Faltstellen der doppellagigen Gehäusewänden zu etwas mehr Spiel führte, die Funktionalität aber ebenfalls nicht einschränken konnte. Nur der Spannpunkt im Innenraum wurde etwas in Mitleidenschaft gezogen, was der Festplatte etwas Bewegungsspielraum gab.


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Noch lacht der Testpilot...

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Außerdem haben wir einmal geschaut, wie sich Flüssigkeit auf das Gehäuse selbst ohne seine Kleidung auswirkt. Ein paar Wassertropfen machen dem Material allerdings wenig aus, weshalb eine Spezialbehandlung notwendig wurde: Ein paar Sekunden unter dem Wasserhahn, um die Oberfläche des Gehäuses gleichmäßig zu bedecken (Thailand-Aufbau). Obwohl auch etwas Wasser in die Belüftungsschlitze lief, blieb eine Sinflut im Innenraum aus. Etwas feucht und sicher nicht ganz gesund, aber kein GAU. Lediglich die Pappe quoll auf, was aber der Funktionsfähigkeit immer noch keinen Abbruch tut. Nur Tauchen zu gehen empfiehlt sich eindeutig nicht - eigentlich logisch. Insgesamt überrascht die Haltbarkeit des BytePacs also im weit positiven Bereich und lässt sich so leicht kaum aus der Ruhe bringen. Ein kleiner Hinweis für die Forscher im Leser: Derlei fällt natürlich nicht unter die von Convar vorgesehene "ordnungsgemäße Nutzung" und damit auch nicht unter die Garantie.












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Leistung

Um herauszufinden, ob möglicherweise der bzw. die Controller für Leistungseinbußen sorgen, haben wir uns eine Samsung HD105J geschnappt und in ein Testsystem auf aktueller Sandy-Bridge Basis befördert. Neben USB 3.0 bietet das verbaute Gigabyte Z68XP-UD4 auch eSATA und deckt somit alle möglichen Einsatzszenarien des BytePac ab. Für den Unterbau sorgte Windows 7 x64 in der Professional-Edition mit Service Pack 1 auf einer OCZ Vertex 2 SSD. AHCI war während Benchmarks mit dem Crystal Disk Mark in der aktuellsten Version (zwei Durchgänge, 1000 MB Size) natürlich aktiviert.


Testsystem:

  • Intel 2500k
  • Gigabyte Z68 XP-UD4
  • 12 GB DDR3 1333
  • Nvida GeForce GTX480
  • Seasonic X-560
  • OCZ Vertex 2 (OS, Win7) Samsung HD105J (Benchmarks)
  • Crystal Disk Mark 3.1 x64


Sowohl die Lese- als auch die Schreibwerte unserer Test-HDD blieben, wie wir fröhlich entdecken durften, bei allen drei Anschlussarten - intern, per eSATA oder USB 3.0 - auf einem Level. Die maximal möglichen sequentiellen Transferraten fallen natürlich bei einer Festplatte mit nur 5400 U/Min nicht allzu hoch aus, können aber komplett abgerufen werden.


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Fazit

Nutzloses Lifestyle-Gadget für ostentative Ökos? Auch wenn angesichts des Preises zunächst die Haare zu Berge stehen - Pappe! - erweist sich das BytePac tatsächlich als ausgewachsenes Produkt mit vielen positiven Eigenschaften. Der Aufbau geht werkzeuglos in Windeseile, die Optik lässt viel Spielraum zur Individualisierung und die Leistung hat sich gewaschen: Leise, fix, flexibel dank USB 3.0 und eSATA - was will man mehr? Selbst Schreibtischstürze konnten die Ökohülle nicht aus der Ruhe bringen, was für die solide Bauweise spricht. Für das Material sprechen auch die Temperaturen samt Aufschlucken von lästigen Vibrationen, ganz ohne Gummi.

Im Alltagseinsatz macht das BytePac deshalb eine gute Figur. Neben dem durch die Materialwahl unauffälligen Design punktet die Lösung durch geringes Gewicht und hohe Mobilität. Nur einen An/Aus-Schalter für den stationären Betrieb vermisst man hin und wieder - so bleibt nur der Griff zum Kabel, was für eine mobiles System zwar nicht schön, aber aktzeptabel ist. Der Preis hingegen lässt doch etwas zögern - Beam me up, Scotty? Berücksichtigt man jedoch, dass für 40€ drei Gehäuse samt Anschlusskit geliefert werden, geht auch das in Ordnung, zumal sich drei weitere Behältnisse ohne das Kabelpaket für 14€ erwerben lassen. Insofern bietet Convar eine wunderbar intelligente Lösung für einen gewissen Preis - Kaufempfehlung!


  • Stabil und Solide
  • USB 3.0 / eSATA
  • Flexibel & Zukunftssicher
  • Werkzeugfreie Montage
  • 3 Gehäuse + Sammelbox
  • Optionales Zubehör
  • 5 Jahre Garantie




  • Preis
  • Kein Ein-/Ausschalter
  • Prinzipiell endliche Haltbarkeit



    Awards:


    Links zum Produkt





  • Max Doll


    gedruckt am 17.08.2018 - 11:34
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