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Kolumne: Über die Kommunikation mit Herstellern

Kolumne: Über die Kommunikation mit Herstellern
19.11.2015 - 16:45 von Simon Sternbauer

Am Anfang jedes Tests steht immer das Besorgen eines entsprechenden Samples. Oft wird eine schöne, sachliche Mail an den jeweiligen Hersteller oder Distributor geschrieben, jener schickt dann entsprechend eine positive oder negative Antwort zurück - manchmal auch gar keine. Bis jetzt habe ich allerdings immer Antworten bekommen, wenn auch nicht immer ein gewünschtes Sample. Aber zurück zum Thema: Ist der Erhalt des Musters erst einmal fixiert, beginnt das Warten auf das Eintreffen eines ganz bestimmtes Paketes, wo hoffentlich dann ein neues Stück Hardware sorgsam in Empfang genommen werden kann.

Und hier, in diesem der trivialsten Abläufe, findet bereits einer der hoffentlich leicht zu ignorierenden Beeinflussungen statt. Wie freundlich war die am anderen Ende der Tastatur sitzende Person? Folgte der Versand zügig, oder wurde dieser aufgeschoben? Kam das Paket auch schnell, oder durfte es gefühlt den Weg von der Fabrik in Fern-Ost-Asien über den Himalya nehmen (zur Fuß versteht sich)? Alle diese Faktoren sind nicht einmal in der Wertung enthalten und doch können sie einen Redakteur schon von Anfang an in eine gewisse Richtung ziehen.
Seien Sie ehrlich, bestimmt haben Sie auch mal vor Freude innerlich oder auch lautstark gejubelt, als das bestellte Paket vom Händler auch ohne extra schnellen Versand und zusätzliche Kosten, zügig an ihrer Türe war. Auch ich als Schreiberling, kann mich diesem Gefühl nicht entziehen, schließlich bin ich keine gefühlslose Testmaschine, sondern auch nur ein normaler Mensch. Vor allem über Hardware, welche ich ohnehin schon immer einmal in die Finger kriegen wollte, freue ich mich sehr, klammere es aber beim Schreiben und Testen aus, denn es hat ja nichts mit dem Produkt selbst zu tun. Zumindest hoffe ich, dies so effektiv wie möglich zu tun.

Doch auch während der ganzen Schreibarbeit muss hin und wieder Kontakt mit dem Hersteller aufgenommen werden. Eine wichtige Information fehlt, oder wird von mir partout nicht gefunden, dann wird wieder die Kontaktperson angeschrieben. Und genau hier, an diesem doch sehr marginalen Punkt, findet wieder eine weitere, kleine Beeinflussung statt. Wie schnell wird reagiert? Ist die Person am anderen Ende der Leitung wieder freundlich und hilft einem gerne weiter? Oder erhält man eine 0815-Antwort und muss sich daraus die Informationen herauspicken? Persönlich hatte ich es bis jetzt immer mit sehr hilfsbereiten Menschen in der PR zu tun, welche sehr schnell und konstruktiv geantwortet haben. Leider ist das nicht immer so, wie man innerhalb der Redaktion hört.

Ist der Test erst einmal fertig getippt, den kritischen Augen der Kollegen vorgelegt und die Freigabe durch die Chefredaktion erteilt worden, wird häufig ein Vorab-Link an den Hersteller gesendet. Wenn wir denn überhaupt Anmerkungen bekommen, sind es meistens Hinweise auf kleinere, technische Details, welche falsch beschrieben wurden. Manchmal wird bei Kritikpunkten auch um eine detailliertere Erklärung gebeten, damit eventuelle Missverständnisse aus der Welt geschaffen werden. Oder, und das ist ganz erfreulich, der Hersteller bittet um eine Idee, wie man das Produkt noch verbessern könnte. Was man also noch einmal überdenken oder optimieren sollte. Natürlich geht es hier nicht um grundlegende und fundamentale Entscheidungen, aber der Teufel steckt bekanntlich oft im Detail.

Es gibt aber leider auch das Gegenteil. Manchmal sind Hersteller überhaupt unzufrieden, weil am Schluss nicht das erwartete Ergebnis steht. Dann kann sich das zwischen dem Redakteur und der PR-Person durchaus zu einem Kleinkrieg entwickeln, trotz aller Professionalität. Während anfangs natürlich noch sauber und sachlich argumentiert wird, fallen im Laufe des Streits leider auch immer öfter Anschuldigungen oder Vorwürfe, welche bei einer normalen Diskussion nie entstanden wären. Am Schluss haben beide Seiten verloren. Der Redakteur, da er wahrscheinlich keine Samples des Herstellers mehr erhalten wird. Der Manufakteur selbst leidet natürlich auch darunter, wenn der Schreiberling seinem Unmut freien Lauf lässt und sich der Name auch sehr deutlich erkennbar auf der negativen Seite befindet. Menschlich natürlich verständlich, dass der Redakteur auch in seinem privaten Umfeld vielleicht keine Produkte mehr des Herstellers empfiehlt.

Doch soweit sollte es natürlich nicht kommen. Meistens werden, auch bei größeren Kritiken, schnell gemeinsame Nenner gefunden und beide Seiten zeigen Verständnis für die Position des Gegenübers. Und in fast allen Situationen gibt es auch nichts groß zu bemängeln. Tests werden redaktionsintern bereits auf ihre Richtigkeit geprüft und dementsprechend versucht, Fehler vor der Veröffentlichung zu vermeiden.

All die oben genannten Situationen beeinflussen einem persönlich. Ist der Hersteller oder Kontakt freundlich, die Samples sind schnell bei einem zu Hause und Informationen sind schnell parat, dann neigt man durchaus dazu, über kleinere Fehler hinweg zu sehen. Objektiv ist das nicht und so wird ein Ergebnis auch gerne in eine, für den Hersteller, positive Richtung verfälscht. Persönlich notiere ich mir Schwächen immer sofort und verschiebe nicht kritische Details immer auf den Schluss einer Review, damit alles andere bereits fertig getippt ist. Dann werden diese kleinen Details eingebaut, welche mit aufgefallen sind. An der groben Richtung einer Bewertung, zum Beispiel gut oder schlecht, ändern diese in der Regel nichts, sondern hat nur eine Auswirkung über die genauen Höhe.

Letztendlich ist ein gutes Klima zwischen dem Hersteller und dem Redakteur immer förderlich. Beide Seiten profitieren davon, die Tester durch den unkomplizierten und schnellen Zugang zu neuen Produkten und der Hersteller durch (hoffentlich) informative und bereichernde Tests.

Nach allen diesen Worten mag es durchaus den Eindruck erwecken, als das wir hier bei Tech-Review möglichst gute Wertungen geben, damit wir neue Samples bekommen. Aber das stimmt hier definitiv nicht. Wir kritisieren, was es zu kritisieren gibt, ganz unabhängig vom Hersteller, wie schnell das Produkt geliefert wurde oder wie freundlich die Kontaktperson ist oder war. Wir gehen an jedes Sample stets unvoreingenommen ran. Wir loben, was es zu loben gibt. Wir machen keine Kompromisse. Wenn ein Hersteller unbedingt meint, er werde keine Testsamples mehr an uns schicken, bewegt uns das keineswegs dazu, eine bessere Bewertung zu vergeben. Das wäre schlichtweg Betrug gegenüber den Lesern und ein weiterer Schlag in das Gesicht der objektiven Presse.

Abschließend lässt sich über dieses Thema natürlich streiten. Viele der oben aufgezählten Punkte sind subjektiver Natur und werden höchst wahrscheinlich auf viele Redakteure, so wie uns, nicht zutreffen. Jedoch sind vor allem Neulinge eher gewillt, eine bessere Wertung zu vergeben, um weiterhin aktiv schreiben zu können. Ich bin glücklicherweise nie dazu gezwungen gewesen und schreibe auch nur Kritikpunkte, wenn diese berechtigt und zu begründen sind. Dasselbe gilt auch für Lobe.

Zitat:
Anmerkung: Die oben genannten Punkte sind eine persönliche Einschätzung des Redakteurs und werden deshalb auch nicht zwingend von allen Mitgliedern der Redaktion geteilt.



Danke für die Konzentration beim Lesen!





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Quelle: Redakteur Simon
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