Corsair Obsidian 800D – Corsair entert den Gehäusemarkt. Mit Erfolg?
22.10.2009 - 00:08
Corsair dürfte den meisten PC-Bastlern ein Begriff sein. Bisher wurden sie aber eher mit hochwertigen, schnellen Speichern und seit zwei Jahren auch mit leisen, gut verarbeiteten Netzteilen in Verbindung gebracht.
Anfang des Jahres sorgte dann die Meldung für Furore, dass Corsair mit einem eigenen, auf Enthusiasten abzielenden Gehäuse in dieses hart umkämpfte Segment einsteigen will.
Um sich von der Masse abzuheben, braucht es mittlerweile einiges an guten Funktionen, pfiffigen Detaillösungen und innovativen Ideen.
Schon auf der diesjährigen Cebit konnten wir uns davon überzeugen, dass die Freibeuter aus dem warmen Sunnyvale (Kalifornien) derer einige in das Design einfließen ließen.
Zu nennen wären dabei zuerst: das Kabelmanagement und die konsequente Vorbereitung auf den Einbau einer Wasserkühlung.
Seit dem hat sich viel getan und wir sind gespannt auf die Beantwortung einiger Fragen.
Kann Corsair die hohen Erwartungen erfüllen? Welche Features zeichnen das Case aus? Wurde alles richtig gemacht? Wir sind gespannt auf die Beantwortung unserer drängendsten Fragen und wünschen viel Spaß beim lesen!
Danksagung
Unser Dank gilt Corsair für die Bereitstellung des Testsamples
Lieferumfang, erster Eindruck technische Daten Teil 1
Corsair lieferte das Gehäuse in einem, getrost als gigantisch zu bezeichnenden, optisch sehr ansprechende in Schwarz und blau gehaltenen Karton.
Leider überstand dieser die lange Reise aus Kalifornien nicht gänzlich unbeschadet und es kamen die ersten Sorgen über den Zustand des Obsidian auf.
Nach dem Auspacken verflogen diese Bedenken aber im Nu, denn die stabile Styroporeinfassung fing die ruppige Behandlung auf der mehr als 10 000 km langen Reise komplett auf.
Die empfindliche Alufront wird von einer selbstklebenden Folie vor Kratzern geschützt. Beim Abziehen sollte man in Höhe des Logos besondere Vorsicht walten lassen. Ein paar User berichteten schon, dass sich dabei etwas von der weißen Farbe löste.
Das empfindliche Plexiglas des Seitenteils wird im Auslieferungszustand von einer ebenfalls selbstklebenden Folie geschützt.
Das Gehäuse ist innen und außen komplett in Schwarz gehalten. Die Farbgebung macht dabei nicht vor den Kabel, Schrauben und allem Zubehör halt. Das Obsidian ist wirklich rundherum Schwarz. Nur das Corsair Logo auf dem unteren Teil der Front stellt den einzigen weißen Farbtupfer dar.
Im Deckel befinden sich Aussparungen für drei 120mm Lüfter. Perfekt für die Montage eines Radiators geeignet.
Der oberst 5,25“ Schacht wird von einer dezent und sehr cool aufschwingenden Klappe abgedeckt. Dahinter verbergen sich die Frontanschlüsse.
Links daneben befindet sich der Power und Resettaster. Letzterer lässt sich nur mit Hilfe eines spitzen Gegenstandes betätigen. Die Knöpfe machen einen wertigen Eindruck und haben einen angenehmen Druckpunkt.
Darunter ordnete Corsair die ingesamt fünf 5,25“ Schächte an.
Etwas tiefer befindet sich, hinter einer, entweder nach rechts oder links aufschwingenden Aluklappe, der Schacht zum Einbau der ingesamt vier Hot-Swap Festplatten. Diese Konstruktion ist zur Gewinnung weiterer Laufwerksschächte demontierbar.
Insgesamt macht das 800d einen sehr wuchtigen Eindruck, der nur durch das, an ein Segel und das Corsair Logo erinnernden Seitenfenster aufgelockert wird. Trotzdem kann man das Gehäuse als optisch sehr gelungen bezeichnen. Besonders die Alufront ist sehr wertig und es ist sehr schade, dass nicht das ganze Chassis aus diesem Material gefertigt wurde.
Leider stellt Corsair die Laufwerksblenden nur aus Kunstoff, der mit einer Aluplatte bedeckt wurde, quasi ein „Alufurnier“ her. Auch hier wäre eine massive Bauweise wünschenswert gewesen.
Der Hersteller unterteilt das 800D in drei Temperaturzonen. Beginnend im Boden, wird durch den Lüfter des Netzteils kühle Luft angesaugt, durch den 140mm Ventilator im Zwischenboden in das Abteil des Mainbaords und mittels eines, durch die Plastikabdeckung über einem zweiten 140mm Lüfter, erzeugten Kamineffekts auf die Festplatten transportiert.
Die Abdeckungen bestehen leider aus billigstem Kunststoff und inbesondere die über dem HDD Lüfter positionierte ist eher klapprig befestigt.
Alle Lüfter sind entkoppelt. Besonders negativ: Die Festplatten hat Corsair dabei schlichtweg vergessen.
Ebenfalls im unteren Teil besteht die Möglichkeit zwei weiteren Festplatten Unterschlupf zu gewähren. Erneut vermissen wir eine Entkopplung.
In der Rückwand des Hauptbereichs sitzt ein dritter 140mm Lüfter der die erwärmte Luft nach Außen Abführt. Corsair dachte dabei selbstverständlich an Bohrungen zum Befestigen der hauseigenen Wasserkühlung „Hydro H5O“. Natürlich lässt sich auch jeder andere 120 oder 140mm Single Radiator einbauen.
Zusätzlich bietet die Vorbereitung im Deckel Platz für drei 120 mm Lüfter oder einen, Single, Dual oder Triple Radiator.
Betrachtet man die Rückseite des Mainbaordträgers, springen sofort die vielen, gummierten Kabeldurchführungen und die große, leider (wie alle Plastikteile am 800D) aus minderwertig anmutendendem Kunstoff produzierte Klappe ins Auge. Diese ermöglicht die Demontage des CPU Kühlers auch bei verschraubtem Board. Die Qualität des Plastiks entspricht leider im ganzen Gehäuse bei weitem nicht dem Preis von 240€. Besonders beim Öffnen eben jener Klappe, hat man das Gefühl, dass die Haltenasen in einem unvorsichtigem Moment sehr leicht abbrechen könnten.
Noiseblocker Blacksilent Pro PK1 zur Gehäusebelüftung
Wasserkühlung
Watercool Heatkiller 3.0 LT
Watercool GPU X² auf der Grafikkarte (von MSI vormontiert)
Watercool Silentstar HDD Dual
Anfi-tec.de Kühler fürs Mainboard
Feser 360 White Edition Radiator
XSPC 5,25“ Slotin AGB in Schwarz
Laing DDC1t
Aquacomputer DDC TOP
Aquacomputer Aquaero VFD Lüftersteuerung
Aquacomputer Highflow Durchflussmesser
Noiseblocker Blacksilent Pro PL2 für den Radiator
Perfect Seal Tüllen
Masterkleer 16/10 Schlauch in Weiß und Blau
Aufgrund des enormen Platzangebots und der vielen Kabeldurchführungen gestaltete sich der Einbau sehr einfach. Die schwarzen Slotblenden werden alle samt von Rändelschrauben gehalten.
Das Mainboard ist schnell verbaut, die Festplatten in den Rahmen für den Einschaub in den HDD Käfig verschraubt und alle Schläuche flott verlegt. Schlauchdurchführungen im Zwischenboden sei Dank, ließ sich die Pumpe im „Keller“ platzieren.
Sehr gut ist hier die platzsparende Verkabelung der Massenspeicher zu erkennen.
Eine böse Überraschung erlebt man leider bei dem Versuch Hardware, die mehr als einen Laufwerksschacht belegt einzubauen. Nach einfachem Entfernen der gesamten Front bietet sich obiges Bild. Durch die, in jedem Platz statisch vorhandenen Führungsstege wird dies unmöglich gemacht.
Ansonsten ist der Einbau eines Laufwerks simpel. Einschieben, durch die (leider sehr billig verarbeitete) Arretierung sichern fertig.
Schöne Hardware für Wakü-Enthusiasten: Ein Watercool Silenstar HDD Dual Classic und eine XSPC Laing Dual AGB. Hübsch anzusehen, aber leider nicht im Corsair Obsidian. Für ein Gehäuse, das so explizit auf Wasserkühlung getrimmt wurde, soviel Geld kostet und damit Enthusiasten anspricht absolut unverzeihlich.
Corsair versäumte ebenfalls, an beidseitige Schraubenlöcher im 5,25“ Schacht zu denken. Für die Installation des Aquaero VFD braucht man nämlich vier an der Zahl. (je zwei direkt übereinander). Da auf der rechten Seite nur ein Loch vorhanden und das andere verdeckt ist, konnte die High-End Lüftersteuerung nur provisorisch gesichert werden.
Wie beim Einbau der Festplatten befürchtet, übertragen sich die Vibrationen auf das Gehäuse. In einem PC, in dem man aufgrund der Wasserkühlung sonst nichts hört, ist dies unverzeihlich.
Vom Betrieb der mitgelieferten Lüfter muss man gleichsam abraten. Allein die Materialanmutung lässt böses erahnen. Rahmen und Lüfterblätter aus billigstem Kunststoff, die Kabel eher dünn, geben sie auf jeder Drehzahl ein ordentliches Lagerschleifen von sich.
Ein Grund, wieso wir alle Lüfter durch die neue Noiseblocker Blacksilent Pro Serie ersetzten. Diese verrichten ihren Dienst in jeder Situation extrem leise und überaus zufriedenstellend.
Glücklicherweise bedachten die Ingenieure das oftmals vorherrschende Staubproblem und planten dafür einen leicht zu reinigenden, herausnehmbaren Filter unter dem Gehäuse ein.
Davon abgesehen läuft unser System sehr ruhig und vor allem kühl.
Die Erwartungen waren hoch, sehr hoch. Corsair verbinden wir mit kompromisslosen, makellosen High-End Produkten. Sei es Speicher, seien es die makellosen Netzteilen oder jetzt eben das Corsair Obsidian 800D.
Leider erfüllt Corsair diese Erwartungen beim Einstieg in den Markt der High-End Gehäuse nicht zu Genüge.
Nach der Devise: „Wo viel Licht ist, ist auch Schatten“, müssen wir am Obsidian viel bemängeln.
Die Materialstärke des Gehäuses dürfte für ein Gehäuse dieser Preisklasse, etwas dicker sein. Der Deckel, Zwischenboden und Mainboardträger gibt für unseren Geschmack zu sehr nach. Von einem der Mitbewerber sind wir für runde 220€ Besseres gewohnt.
Es ist natürlich eine Frage der Kosten, wir aber sind der Meinung, daß ein Obsidian aus dem selben, ansehnlichen, gebürstetem Alu, mit dem die Frontblenden verkleidet und der Rest der Stirnseite gefertigt ist, einen Aufpreis von 30-40€ wert wäre.
Die ärgerlichsten Mängel stellen aber ohne Zweifel die nicht vorhandene Festplattenentkopplung, die billigst Qualität des eingesetzten Kunststoffs (Abdeckungen der Lüfter, Klappe im Mainboardtray) und die miserable Qualität der eingesetzten Lüfter. Wir würden uns sehr freuen, wenn Corsair dabei mit Noiseblocker kooperieren würde. Auf die Menge an abgesetzten Gehäuse, würde dies sicher nur einen geringen Aufpreis, aber einen gewaltigen Anstieg der Qualität bedeuten.
Schade auch, dass Corsair die seit Anfang des Jahres angekündigten 420er Radiatoren nicht berücksichtigt hat. Es wäre technisch sehr leicht gewesen, Triple 120 und Triple 140mm Radiatoren simultan zu ermöglichen. Da so ein Gehäuse, eine mehr als 12 monatige Entwicklungszeit hinter sich bringt, darf man diesen Aspekt aber nicht in die Wertung einfliessen lassen.
Baute Corsair das Gehäuse nur 3-5 cm länger, wäre es sogar möglich, das Gehäuse für den Deckeleinbau eines Quad 140mm Wärmetauschers, ohne Metallarbeiten vorzubereiten. Damit hätte das Chassis ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Soviel nur als Anregung Richtung Corsair.
Im oberen Teil der Rückwand befinden sich Schlauchdurchführungen. Die Konstruktionsabteilung wählte damit leider einen denkbar ungünstigen Platz, wenn man einen dicken Radiator montiert. Wir meinen, dass so etwas besser im „Keller“ über bzw. neben dem Netzteil aufgehoben wäre.
Den schlimmsten Schnitzer erlaubt sich Corsair aber beim Design der 5,25" Laufwerksschächte. Die fest eingebauten Führungsstege haben dort nichts verloren. Jemand der 240€ für ein Gehäuse auf den Tisch legt, montiert sich auch, wie in unserem Fall, Festplattenkühler die sich über zwei oder drei Laufwerksschächte erstrecken. In einem Case, das soviel Geld über die Ladentheke wandern lässt, darf es keine Inkompatibilitäten geben. Besonders nicht, wenn sich diese auf den Einbau einer High-End Wasserkühlung auswirken und das Produkt damit beworben wird.
Wie zuvor schon beschrieben, setzen wir vier Festplatten ein. Leider befindet sich aber nur die gleiche Anzahl Wechselrahmen im Lieferumfang. Wir würden uns sehr freuen, wenn Corsair 1-2 Rahmen zusätzlich in den Karton legen oder diese Rahmen als Zubehör anbieten würde. Backups mit extern gelagerten Platten würden so erleichtert.
Nun aber genug der Kritik. Es gibt nämlich auch einiges Gute am Corsair.
Besonders gut gefallen hat uns das enorme Platzangebot, dass einen sehr stressfreien und einfachen Einbau der Hardware ermöglicht. Die sehr saubere, komplette mattschwarze Lackierung, innen wie außen.
Herzuheben ist auch die einzigartige, wundervoll einfache Verlegung der Kabel. Wo wir sonst Stunden darüber grübelten, wie die Kabelstränge ideal zu verstecken seien, brauchte dieser Schritt im 800er nur einen Bruchteil der Zeit.
Sehr pfiffig auch die Schlauchdurchführungen im Zwischenboden, die platzsparende Zusammenfassung der Festplattenstromversorgung, das sehr gute Belüftungs/Raumkonzept, die tadellose allgemeine Verarbeitung (ohne scharfe Schnittkanten o.Ä.) oder die Vorbereitung auf den Einbau eines Triple Radiators im Deckel.
Dass man die Klappe des HDD Schacht zu beiden Seiten öffnend ansetzen kann und das sanfte Aufgleiten der Verkleidung der externen Anschlüsse kann man auch positiv anmerken.
Das Corsair macht viele Punkte, teilweise sogar revolutionär, richtig. Unerfreulicherweise aber auch beinahe ebenso viele Punkte falsch. Wenn Corsair die Schwächen des 800D ausmerzt und weiter an Details arbeitet, hat das Gehäuse ohne Zweifel das Potential der Traum eines jeden, mit Wasser kühlenden Schraubers zu werden.
Wir meinen, dass Corsair auf dem richtigen Weg ist, begeistert das Obsidian mit seinen positiven Punkten doch jetzt schon. Mit Spannung erwarten wir die geplante, hoffentlich stark verbesserte zweite Version der schwarzen Schönheit und sind sicher, dass Corsair den eingeschlagenen Kurs zur Zufriedenheit aller weiter steuert.
enorm viel Platz
komplett schwarze Lackierung
Lackierung sehr sauber ausgeführt
revolutionäres Kabelmanagement
gutes Zubehör (CPU Stromverlängerung, viele Schrauben)
Schlauchdurchführungen im Zwischenboden
sehr gutes Belüftungskonzept
tadellose Verarbeitung
schicke Alu Front
Festplatte Hot-Swap fähg montiert
kinderleichter Einbau eines Triple 120 Radiators ohne Metallarbeiten
leicht herausnehmbarer Staubfilter im Boden
alle Lüfter entkoppelt
inkompatibel mit Geräten, die mehr als einen Laufwerksschacht nutzen
Materialstärke könnte besser sein
nur Front aus Alukorpus (hinter den Blenden Plastik, Rest massiv)
Festplatte nicht entkoppelt
Kunststoffteile entsprechen bei Weitem nicht dem ansonsten wertigen Gesamteindruck
Lüfter von billigster Qualität
Keine Vorbereitung für Triple 140mm Radiatoren oder sogar Quad Wärmetauscher