Alter Sockel, neuer Chipsatz: ASRock P67 Transformer
16.07.2011 - 08:00
Sockel 1156 in Verbindung mit dem P67-Chipsatz, gibt’s nicht? – Gibt’s doch! Der taiwanesische Hersteller ASRock macht es möglich. Häufiger schon ist das Unternehmen mit eher ungewöhnlichen Mainboards aufgefallen. Zu den bekanntesten und auch außergewöhnlichsten zählen sicherlich das ASRock “K8 Combo-Z“, welches einst sowohl den Sockel 754 als auch den Sockel 939 auf der Platine vereinte und das "939Dual-VSTA", welches PCIe und AGP Support mit DDR1 und DDR2 kombinierte.
Mit dem P67 Transformer setzt sich der Trend fort, denn das Mainboard verbindet den P67-Chipsatz, welcher eigentlich den Sandy-Bridge-Prozessoren vorbehalten ist, mit dem Vorgänger Sockel 1156. Aber was bringt diese Kombination für den Anwender? Im Gegensatz zu den üblichen P55/H55-Platinen bietet das Transformer natürlich native Unterstützung für SATA III mit sich. Dazu kommt noch die Anbindung der Zusatzcontroller und damit auch dem USB 3.0-Chip, welche via PCI-Express 2.0 erfolgt und so die volle Geschwindigkeit bietet. Die gewöhnlichen Sockel 1156 Platinen binden diese nämlich nur PCI-Express 1.1 an, womit die Übertragung per se nicht höher als etwa 150 MB/s liegen kann. Nicht zu vernachlässigen: Auch UEFI ist mit an Bo(a)rd und bringt entsprechende Vorteile mit sich, wie die grafische Oberfläche mit Maus-Unterstützung, geringere Bootzeit und Support für 2 TB-Festplatten. Ob die Platine hält, was sie verspricht, wollen wir auf den nächsten Seiten klären.
Danksagung
Wir danken ASRock für die schnelle und unkomplizierte Bereitstellung des Testsamples!
Weniger ist manchmal mehr. Gerade bei Herstellern aus dem fernen Osten sind oft kunterbunte Verpackungen an der Tagesordnung. Umso schöner das dies beim P67 Transformer nicht der Fall ist. Der gesamte Karton kommt in einem Silber/Grauen Metallenen-Design daher, welches lediglich durch ein paar dezente Logos in der unteren rechten Ecke gestört wird. Was einen im Inneren erwartet, wird natürlich durch den Schriftzug in der Mitte verraten.
Auf der Rückseite des Kartons gibt es eine Übersicht der Platine mit einigen Ausstattungshinweisen zu begutachten. Darunter werden grafisch die Vorzüge eines P67- gegenüber dem P55-Chipsatz dargestellt, wobei, wie eingangs erwähnt, das Hauptaugenmerk auf SATA III und USB 3.0 liegt. Am unteren Rand tummeln sich noch einige Features gepaart mit Auszeichnungen und Awards die ASRock erreicht hat. Aber Vorsicht: Die meisten Auszeichnungen sind für gänzlich andere Mainboards, wie so häufig im Marketing.
Beim Lieferumfang gibt es nur die Standardkost. Neben den zwei farblich passenden SATA-Kabeln in schwarz, liegt nur noch das I/O Shield und die Handbücher, sowie eine Treiber DVD bei. Immerhin: Das Handbuch ist, wie üblich für ASRock, mehrsprachig und auch in Deutsch, was leider bei den wenigsten Herstellern der Fall ist. Der UEFI Guide ist sehr gelungen und kann gerade für Anfänger hilfreich sein, aber leider ausschließlich in Englisch.
Optisch steht beim P67 Transformer Understatement auf dem Plan. Keine übermäßig ausfallenden Kühl-Lösungen und keine knalligen Farben die ins Auge springen. Vermutlich auch ein Tribut an den relativ günstigen Preis von knapp über 90€. Die Platine wollte sicher einmal schwarz werden, ist aber näher betrachtet dunkelbraun. Wirklich schwarze PCBs kommen ohnehin fast ausschließlich nur bei hochpreisigen Mainboards zum Einsatz, da schwarz schwieriger und teurer in der Herstellung ist. Bei den Slots für den Arbeitsspeicher und den Erweiterungskarten setzt ASRock auf die Farben weiß und blau, was in Verbindung mit dem braunen PCB einen ‚unpassenden‘ Eindruck hinterlässt. Aber Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Das Platinen-Layout ist im Großen und Ganzen recht gut, birgt im Detail aber die eine oder andere Schwäche. Drei der insgesamt fünf Lüfteranschlüsse befinden sich zwischen PCI-Express x16-Slot, CPU-Sockel und den RAM-Bänken. Sind alle Komponenten verbaut und nutzt man vielleicht auch noch einen relativ wuchtigen CPU-Kühler, wird es schnell fummelig. Dazu kommt noch die daraus resultierende, nicht optimale Kabelführung, welche vermieden werden könnte, wenn die Anschlüsse weiter am Rand der Platine positioniert werden würden, wie es auch bei den anderen zwei der Fall ist. Die SATA-Ports sind alle bis auf einen angewinkelt, was immer mehr zum Standard wird: Sehr schön!
Die Kühlkörper sind, wie in diesem Preissegment üblich, recht einfach gehalten und eher klein. Heatpipes sucht man vergebens. Sowohl die Spannungsversorgung rund um den CPU-Sockel als auch der Chipsatz sind mit solchen Kühlern bestückt. Nichtsdestotrotz ist das ausreichend, um die Komponenten auf unkritischen Temperaturen zu halten.
Weitere Highlights auf der Platine sind sicherlich am rechten unteren Platinenrand zu suchen. Hier finden wir die Power- und Reset-Taster, sowie eine DBug-LED zum Auslesen von Fehlercodes. Im I/O-Panel befindet sich passend dazu noch ein Clear CMOS Knopf, womit das BIOS/UEFI ganz einfach wieder auf die Standardeinstellungen gebracht werden kann. Interessant: Bei ASRock finden sogar Marketingversprechen auf der Platine Platz. Neben den RAM-Bänken steht der unter anderem angepriesene DDR3-2600+ Support, welcher jedoch zum einen von der verwendeten CPU abhängt (nur Core i7 stehen alle RAM-Teiler zur Verfügung) und zum anderen auch nur durch Overclocking zu erreichen ist.
Für Aufrüster vom Sockel 775 bietet das P67 Transformer von ASRock auch eine praktisches Feature. Um den CPU-Sockel herum sind neben den Bohrungen für Sockel 1155/1156-Kühler, auch entsprechende für Sockel den 775. Damit kann ein bereits vorhandener CPU-Kühler, welcher sich nur für den alten Sockel eignet, problemlos weiter verwendet werden.
Das Testsystem bietet, abgesehen von dem Objekt der Begierde, wenig Spannendes. Ein Intel Core i5-750 übernimmt die anstehende Arbeit und wird dabei von einer Corsair H50, bestückt mit zwei Lüftern (Push/Pull), auf Temperatur gehalten. Als schneller Zwischenspeicher kommt das 8 GB Corsair Vengeance Kit (DDR3-1600 CL9-9-9) zum Einsatz. Die Bildausgabe übernimmt eine sehr beliebte GeForce GTX 460 mit 768 MB VRAM im Referenzdesign. Bei der Stromversorgung setzen wir auf ein 450W Modell von Silverstone mit 80+ Bronze-Standard, welches für unser Testsystem absolut ausreichend dimensioniert ist. Als Datengrab nutzen wir eine herkömmliche Festplatte in Form der Samsung HD103UJ aus der beliebten F1-Serie, welche natürlich auch das Betriebssystem (Windows 7) beherbergt.
Testsystem:
ASRock P67 Transformer
Intel Core i5-750
Corsair H50
2x4 GB DDR3-1600 CL9 Corsair Vengeance
GeForce GTX 460
Silverstone Strider 450W
Samsung HD103UJ
Windows 7 x64 SP1
Technische Daten im Überblick: ASRock P67 Transformer
Intel P67 Chipsatz
Dual-Channel DDR3 up to 2600
PCIe x16 2.0
3x PCIe x1 2.0
2x PCI
2x SATA III
5x SATA II
1x eSATA
Realtek ALC892 7.1 Audio
Realtek RTL8111E Gigabit-LAN
6x USB 2.0
2x USB 3.0
6x USB 2.0 (intern)
Lüfteranschlüsse: 2x 4-Pin, 3x 3-Pin
Sonstiges: S/PDIF OUT header, coaxial & optical S/PDIF Out PS2, Debug LED
Wie eingangs erwähnt bringt der P67-Chipsatz auch den BIOS-Nachfolger UEFI (Unified Extensible Firmware Interface) mit sich. ASRock schöpft hier aus den Vollen und bietet gleich eine grafische Oberfläche samt Mausunterstützung und komfortablen Drop-Down-Menüs. Das ist zwar eine Umstellung für jene, welche nur mit dem klassischen BIOS gearbeitet haben, aber nach kurzer Eingewöhnung eine ungemeine Bedienungsvereinfachung zugleich. Standardmäßige UEFI-Spezials, wie Support für große Festplatten ( <2,2 TB) und schnelleres Booten sind bauartbedingt selbstverständlich mit an Bord.
Der Aufbau ist recht intuitiv und übersichtlich. Im oberen Bereich sind sieben anklickbare Symbole zu allen Menüs mit der entsprechenden Bezeichnung darunter. Auf der rechten Seite ist eine hellblaue "Description-Box", wo zu dem ausgewählten Eintrag mal mehr und mal weniger hilfreiche Beschreibungen angezeigt werden. Die Aufteilung der Untermenüs ähnelt stark der bei eines klassischen BIOS. Unter "Main", dem UEFI-Startbildschirm, wenn man so möchte, finden sich rudimentäre Informationen zum Mainboard und UEFI-Version, zum CPU und verbauten Speicher.
Der größte Punkt auf dem Plan ist der "Advanced" Reiter. Hier findet sich unter anderem auch mit "ASRock Instant Flash" ein Tool um das UEFI via USB-Medium zu aktualisieren ohne Windows starten zu müssen. In den zahlreichen Untermenüs findet sich fast alles was das Herz begehrt. "CPU Configuration" birgt alle Settings rund um den Turbomodus, Stromsparmechanismen wie C1E und Speedstep, CPU-Virtualisierung und co. Letztgenannte war im Test von Haus aus deaktiviert und sollte bei Verwendung von Virtuellen Maschinen auf jeden Fall aktiviert werden. "Clock Generator Configuration" und "Voltage Control" bieten eigentlich genau das, was man im Reiter "OC Tweaker" auch anfinden kann und ist somit eigentlich unnötig doppelt vorhanden. "North Bridge Configuration" ist etwa genauso überflüssig, denn die einzigen beiden Option sind wieder einmal die CPU Virtualisierung und der primäre Grafikadapter. Da jedoch eine eventuell vorhandene integrierte Grafikeinheit der CPU nicht genutzt werden kann und die Verwendung mehrere Pixelbeschleuniger sich mit nur einem vollwertigen PCI-Express x16 Slot schwierig gestaltet, ist die Auswahl des primären Adapters hier eher dekorativer Natur.
Der Reiter "South Bridge Configuration" offenbart Optionen für onboard Audio- und LAN-Controller, LEDs auf der Platine und Standby-Modi (S-Modus). "Storage Configuration" beherbergt die SATA-Controller Settings, sowohl für den Chipsatz als auch für den JMicron-Controller und listet darunter übersichtlich die angeschlossenen Geräte auf. "Super IO Configuration" hört sich zunächst wesentlich interessanter an als es wirklich ist, denn hier sind lediglich die eher ausgestorbenen Seriellen- und Infrarot- Schnittstellen aufgeführt, die beide ja nur als Header auf der Platine und nicht im I/O Panel vorhanden sind. Im Reiter "ACPI Configuration" finden wir Einstellungen zum Ruhezustandsmodus und welche Geräte bereits zum Systemstart initialisiert werden sollen. Zum Schluss noch "USB Configuration", wo wie erwartet Settings zu den USB 2.0 und 3.0 Controllern bietet.
Im "H/W Monitor" finden sich neben aktuellen Temperaturen, Spannungen und Lüfterdrehzahlen auch die Lüftersteuerung wieder. Die Konfiguration ist leider nicht so selbsterklärend wie man meinen möchte. Zur Auswahl stehen "Full On", also volle Drehzahl, oder die automatische Regelung. Trotz eingestellten automatischen Modus kann die Drehzahl in zehn Level angepasst und eine Zieltemperatur gewählt werden, die nicht überschritten werden soll. Die zehn Drehzahlstufen bewirken mit steigendem Level eine höhere Grunddrehzahl. Um einen optimalen Kompromiss aus Lautstärke und Temperatur zu finden, gibt es also noch einigen Spielraum. Im Test zeigte sich Level sechs sehr angenehm. Leider ist die Steuerung nicht in der Lage 3-Pin-FANs mittels Spannungsreduktion zu regeln, lediglich 4-Pin-PWM-FANs können geregelt werden.
Der Reiter "Boot" finden sich einige Boot relevante Optionen wieder: Zum Beispiel wie viele Sekunden der UEFI Prompt präsent sein soll, Num-Lock, Boot-Logo, Boot via LAN und der Boot Failure Guard, der bei mehrfachen fehlgeschlagenen Systemstarts wieder sicher Settings einstellt. Sehr hilfreich beim Übertakten.
"OC Tweaker" ist die Schaltzentrale und erster Anlaufpunkt für ambitionierte Übertakter. Wie schon fast üblich gibt es auch bei ASRock automatische OC-Funktionen, namentlich hier "CPU EZ OC" und "Memory EZ OC". Wie immer gilt auch hier, dass solche Funktionen mit Vorsicht zu genießen sind. Die Spannungen werden deutlich zu hoch angesetzt. Damit will man sicher gehen, dass diese Einstellungen auf möglichst allen Systemen laufen, aber im normal Fall reichen deutlich geringere Werte. Bei dem Profil für 4 GHz CPU-Takt stellt die OC-Funktion stattliche 1,425 V Vcore ein. Damit können auch schnell High-End-Kühler überfordert sein. Zudem altert der Chip so merklich schneller. Stichwort Elektromigration. Für jene welche das Limit lieber selbst ausloten, bietet das UEFI aber auch alle nötigen Optionen. Spannungen und Tanktraten lassen sich im ausreichenden Maß anheben. Ebenso kann die Spannung auch per Offset, wie bei den Sandy-Bridge CPUs, erhöht werden. Dank dieser Option wird die Spannung nur für den Last-Fall manipuliert, wodurch der Idle Wert deutlich niedriger bleibt und der Chip auch sich weniger erwärmt. Sehr schön: Bei den Spannungen wird durch eine Rotfärbung vor gefährlich hohen Werten gewarnt. Ein Mysterium gibt allerdings der Auswahlbereich für den RAM auf, denn sämtliche Spannungen lassen sich in gleichbleibend kleinen Schritten einstellen, aber beim Speicher tut sich ein recht großes "Spannungsloch" auf. Zwischen 1,476 V und 1,546 V klafft eine Lücke und das obwohl vor und nach der Fehlstelle feine 0,014 V-Schritte möglich sind. Das ist besonders ärgerlich, da gerade 1,5 V Speicherspannung keineswegs ungewöhnlich sind. Am unteren Ende des "OC Tweaker"-Reiter stehen noch drei Speicherprofile zur Verfügung, wo beliebige UEFI-Einstellungskombinationen abgelegt werden können.
Wichtige Einstellungsbereiche:
CPU Spannung: 0,84375-1,6 V
CPU Offset Spannung: -0,5 - +0,5 V
RAM-Teiler (vom CPU abhängig): DDR3-800/1066/1333
RAM Spannung: 1,196-2,008 V
PCH Spannung: 1,066-1,495 V
CPU PLL Spannung: 1,812-2,233 V
Uncore Spannung: 1,114-2,059 V
BCLK: 100-300 MHz
Overall, quasi im gesamten UEFI, ist uns ein kleines Ärgernis aufgefallen. So schön und einfach die Bedienung mit der Maus auch ist, wurde bei der Verwendung der Drop-Down-Menüs reproduzierbar beim Klick der unter dem Drop-Down-Menü liegende Eintrag ausgewählt.
Neben den regulären Software-Beigaben liefert ASRock eine Reihe weitere Tools mit. Besonders interessant sind "XFast USB" und "Instant Boot", welche nicht weniger versprechen als schnellere Datenübertragung auf USB-Speichermedien und schnelleres Booten. Solche Marketingversprechen kennt man ja zu genüge und die wenigsten halten was sie versprechen, weswegen die Hoffnung in große Leistungsschübe vorneherein sehr gering waren.
Die Installation und Einrichtung ist dabei denkbar einfach. Von der Treiber/Software-DVD wird die Installation gestartet. Danach ist zumindest XFast USB bereits im Betrieb und läuft automatisch mit jedem Systemstart wieder. Eine weitere Einrichtung ist auch nicht nötig, denn sobald ein USB-Stick oder eine USB-Festplatte angesteckt wird, vollbringt das Tool sein Wunderwerk. Was genau die Software "unter der Haube" macht, erklärt ASRock nicht weiter. Um den Effekt zu testen nutzen wir den mittelmäßig schnellen "OCZ ATV" USB 2.0 Stick und kopieren je einmal eine große Datei (7zip Archiv) von 685 MB und einmal circa 1200 Bilder mit der Gesamtgröße von 700 MB. Der Vorgang wird je dreimal wiederholt und das Ergebnis gemittelt.
Scheinbar handelt es sich bei ASRock nicht nur um ein Marketingversprechen, denn ein deutlicher messbarer Vorteil tritt tatsächlich durch die Software ein. Das aus einem USB 2.0-Stick kein schnelleres USB 3.0-Pendant gezaubert werden kann, steht wohl außer Frage, allerdings sind eine 30-35% schneller Datenübertragung doch sehr beeindruckend. Aber jede Medaille hat seine Schattenseiten, wie auch hier. Wenn XFast USB aktiv war, zeigte sich im Test ein Problem mit dem Zugriff auf das externe Speichermedium. Bis sich das Tool mit dem Stick "angefreundet" hat, vergehen einige Sekunden. Greift man zu früh im Arbeitsplatz darauf zu, hängt sich die explorer.exe reproduzierbar auf. Bei der Verwendung des Tools sollten so am besten einige Sekunde gewartet werden, bevor auf das Speichermedium zugegriffen wird.
Instant Boot bedarf nach der Installation noch einer Einstellung, denn der passende Modus will gewählt werden. Zur Auswahl stehen der "Fast Mode" und der "Regular Mode". Der Hauptunterschied, welcher gerade aus Anwendersicht wichtig ist: Ersterer erfordert eine ständige Stromversorgung, das heißt dass der Rechner weder von dem Stromnetz getrennt werden darf, noch der Netzschalter umlegt werden sollte. Im Regular Mode stellt dies kein Hindernis dar. Wir testen natürlich beide Modi nebst deaktiviertem Instant Boot und messen die Bootzeit vom betätigen des Power-Tasters bis hin zum Windows-Desktop.
Das Ergebnis ist fast schon überwältigend. Angesichts der schon recht flotten Bootzeit dank UEFI, waren auch hier die Erwartungen im Vorfeld eher gering. Im Regular Modus erscheint der Desktop kosmetische 10% schnellere, aber im Fast Mode ist der PC in bereits unter sechs Sekunden Einsatz bereit. Zur Erinnerung: Wir verwenden eine normale magnetische Festplatte und keine SSD im Test! Das Funktioniert natürlich nur, und das ist auch der Grund dafür dass der Rechner nicht vom Stromnetz getrennt werden soll, weil alle erforderlichen Daten im Arbeitsspeicher "geparkt" werden. Der Modus ist also vergleichbar mit dem Standby und Ruhezustandsmodus von Windows, nur speichert Instant Boot keinerlei offene Arbeiten und Programme. Das Ganze funktioniert allerdings mit dem Tool etwas effektiver und schneller. Für Energiesparer auch wichtig, obwohl im Fast Modus die Stromversorgung nicht getrennt werden soll, liegt die Leistungsaufnahme hier im ausgeschalteten Zustand bei 0 Watt. Sollte beabsichtigt, oder nicht, doch einmal das System vom Stromnetz getrennt werden, geht natürlich nicht die Welt unter. In diesem Fall startet der PC ganz normal und ohne Fehlermeldungen, allerdings gewohnt "langsam".
Wie sollte es auch anders sein gibt es natürlich auch bei Instant Boot eine Schattenseite. So wunderbar und schnell das Booten damit auch von statten geht, das herunterfahren wird nervig. Soll das System abgeschaltet werden, startet es zunächst einmal neu. Wieder auf dem Desktop angelangt dauert es einige Sekunden bis das System schlussendlich wirklich abgeschaltet wird. Welchen der beiden Modi gewählt wurde spielt dabei übrigens keine Rolle, die Prozedur ist stets identisch.
Overclocking
Ein Hauseigenes Overclocking Tool scheint mittlerweile auch gang und gäbe zu sein, so auch bei ASRock. Die Software des taiwanischen Herstellers hört auf die Bezeichnung "AXTU" und bietet gewohnte Kost. In die fünf Untermenüs "Hardware Monitor", "Fan Control", "Overclocking", "OC DNA" und "IES" Unterteilt, trägt die Software übersichtlich alle wichtigen Werte zusammen. Hardware Monitor offenbart eine Auflistung sämtlicher Taktraten, Temperaturen, Spannungen und Lüfterdrehzahlen. Letzt genannte können unter Fan Control konfiguriert und gesteuert werden. Die Auswahl ist dabei identisch zu der im UEFI. Der Reiter Overclocking gibt die Schaltzentrale zu Spannungen und Taktraten frei, welche allesamt komfortabel via Schieberegler justiert werden können. Die Settings zum Übertakten und zur Lüftersteuerung lassen sich durch das Anklicken der Checkbox links unten ganz einfach mit jedem Programmstart laden. Tut man dies nicht, sind alle Einstellungen spätestens beim nächsten Neustart wieder weg. Unter OC DNA lassen sich genauso wie im UEFI bis zu drei Profile direkt abspeichern, darüber hinaus werden noch einmal Mainboard und UEFI-Version angezeigt. Das letzte Menü IES birgt den "Intelligent Energy Saver", welcher es erlaubt, die Spannungsphasen im Idle zu reduzieren. Eine messbare Verbesserung konnten wir nicht verifizieren, die Abweichungen lagen in der Messtoleranz.
Das AXTU-Tool macht insgesamt einen guten und übersichtlichen Eindruck. Änderungen werden prompt und korrekt übernommen bis man es mit dem Übertakten etwas übertreibt. Dann friert in der Regel gleich das gesamte System und ein Neustart ist nötig.
So viel zur Theorie. In der Praxis mit einem Core i5-750 stellte sich keine nennenswerte Abweichung zu anderen Platinen dar. Grund solide könnte man sagen. Den BCLK konnten wir mit alltagstauglichen Spannungen bis auf 221 MHz hochtreiben, was ein guter Durchschnitt ist. Ein anheben des PCI-Express-Taktes wie bei Sockel 1366 CPUs ist bei Lynnfield Prozessoren nicht hilfreich und erhöht den maximalen BCLK in unserem Fall auch nicht weiter. Aber halt! P67-Chipsatz mit weit über 200 MHz BCLK? Genau! Das ist ein Indiz dafür dass das geringe Potential bei Sandy-Bridge-Prozessoren gar nicht an der Plattform liegt, sondern einfach an der CPU. Gemunkelt wird darüber bereits länger, endgültig klären können wir es aber nach wie vor nicht. In der Mission Gesamttakt erreichen wir mit 1,35 V die magischen 4 GHz. Die in Relation hohe Spannung ist ein Tribut an ein eher mittelmäßiges i5-750 Modell und geht mit Tests auf anderen Platinen konform. Die Spannungstreue ist, sofern eine zuverlässige Aussage ohne Messpunkte möglich, sehr gut. Bei Eingestellten 1,35 V zeigt uns CPU-Z 1,352 V an. So muss das sein!
Das ASRock P67 Transformer geht einen außergewöhnlichen Weg. Die Kombination zwischen dem Sandy-Bridge-Chipsatz P67 und dem Sockel 1156 ist bis dato einmalig und bietet dennoch eindeutige Vorteile. Die regulären P/H/Q55-Chipsätze für den Sockel leiden alle unter dem Manko des fehlenden UEFI, USB 3.0 und SATA III. Später erschienene Platinen konnten zumindest mit Hilfe von Zusatzcontrollern die neuen Anschlussstandards nutzen, allerdings auch dann nur mit PCI-Express 1.1 angebunden. Der P67-Chip bringt nicht nur UEFI und nativ zweimal SATA III, sondern kann auch den USB 3.0-Controller mit PCI-Express 2.0-Anbindung und liefert damit deutlich bessere Performance. Das Platinen-Layout bietet im Detail ein paar Schwächen, insbesondere bei der Positionierung der FAN-Anschlüsse, über diese kann man in dem Preissegment aber auch schon einmal hinweg schauen.
Mit den ASRock-Tools "Instant Boot" und "XFast USB" gibt es zwei echte Überraschungen als Softwarebeigabe, die allerdings beide noch an unschönen Problemen leiden. Wer diese nicht scheut, kann damit aber viel Spaß haben.
Eine klare Kaufempfehlung auszusprechen fällt schwer. Nicht weil das Transformer viel falsch macht, im Gegenteil, die Platine dürfte einer der interessantesten für den Sockel 1156 sein. Allerdings sollten Käufer von neuen Systemen eher direkt auf Sandy-Bridge gehen. Der Aufpreis hält sich in Grenzen, aber die Mehrleistung kann deutlich spürbar sein. Wer aus welchen Gründen auch immer trotzdem noch eine Sockel 1156-Platine sucht, sollte sich das Transformer einmal genauer anschauen. Bessere Ausstattung für 90€ ist schwer zu finden.